28.09.2026, 18:30

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Kriminalität & Jagd

Wallis Jagd 2026/27: Vorfälle, Verstösse und Entwicklungen im Überblick

Wild beim Wild dokumentiert die Jagdsaison 2026/27 im Wallis laufend. Im Ticker erscheinen behördliche Mitteilungen, Vorfälle, Verstösse, Abschüsse und weitere Auffälligkeiten – chronologisch aktualisiert.

Redaktion Wild beim Wild — 25. September 2026

Das Wallis eröffnet die Hobby-Jagd 2026/27 offiziell am 21. September und will als erster Kanton der Schweiz eine Abschussbewilligung für den Luchs beantragen.

Gleichzeitig sorgen ein neues Trophäenjagd-Modell für Steinböcke und wiederholte Herdenschutz-Versäumnisse bei Wolfsrissen für Diskussionen. Wie tief die Hobby-Jagd im Wallis kulturell verankert ist, zeigt der Beitrag Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Wallis.

Ticker

25.09.2026
Fr 12:50

Uni Bern zählt 37 Luchse statt 80: Abschussgesuch unter wissenschaftlichem Druck

Forschende der Universität Bern schätzen den Walliser Luchsbestand für den Winter 2025/26 auf 37 selbständige Tiere (Konfidenzintervall 26 bis 52). Die in der Politik genannten 80 Luchse beruhen auf einer Hochrechnung mit Daten aus Waadt und Bern. Staatsrat Darbellay gibt für das Nordwestwallis eine dreimal höhere Dichte an, als die Studie misst. Zum Artikel.

25.09.2026
Fr 04:30

15 Franken pro Fuchs, 20 pro Dachs: Das Wallis zahlt weiter Kopfprämien

Während der Kanton Zug seine Abschussprämien für Füchse und Krähen auf diese Saison hin gestrichen hat und sechs Hobby-Jäger deswegen bis vor Bundesgericht ziehen (Zuger Hobby-Jäger ziehen gegen Nachsuchepflicht und Fuchsprämien-Aus vor Bundesgericht), hält das Wallis unbeirrt an der Kopfprämie fest. Der Beschluss über die Ausübung der Jagd 2026/27 (SGS 922.110) legt fest: Die Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere überweist jedem Hobby-Jäger 15 Franken pro getötetem Fuchs und 20 Franken pro Dachs. Zusätzlich übernimmt der Kanton die Kadaverentsorgungsgebühren. Als Nachweis genügen die zwei abgetrennten Vorderpfoten, die innert zehn Tagen nach Jagdschluss beim Wildhüter abzugeben sind. Füchse dürfen mit dem Patent E bis am 27. Februar geschossen werden.

Die Dimension: 2025 wurden im Wallis laut kantonaler Jagdstatistik rund 1’556 Füchse und 68 Dachse getötet, 2024 waren es gegen 1’900 Füchse. Das ergibt jährlich rund 25’000 Franken Kopfgeld aus der Staatskasse, die Entsorgungskosten nicht eingerechnet. Eingeführt wurden solche Prämien in den 1970er-Jahren zur Tollwutbekämpfung. Die Tollwut ist in der Schweiz seit 1998 getilgt, die Prämie im Wallis nicht.

Wie wenig dieses Kopfgeld bewirkt, hat der Kanton Zug 2026 wissenschaftlich prüfen lassen. Die vom Zuger Amt für Wald und Wild in Auftrag gegebene Studie des Büros SWILD von Dr. Claudia Kistler und Dr. Fabio Bontadina kam im Mai 2026 zum Schluss, dass die Patentjagd auf Füchse weder die Bestände nachhaltig senkt noch Wildkrankheiten eindämmt: Bejagte Populationen gleichen die Verluste durch mehr Nachwuchs, höhere Überlebensraten und Zuwanderung aus (Kanton Zug stoppt Förderung der Fuchsjagd). Zug hat daraus die Konsequenz gezogen und die Prämie als Relikt abgeschafft. Das Wallis belohnt das Töten von Beutegreifern weiterhin per Stück und ist neben Uri (30 Franken pro Fuchs) einer der letzten Kantone mit diesem System. Hintergründe: Schluss mit der Fuchsjagd und Dossier «Der Fuchs in der Schweiz».

Quellen: Kanton Wallis, Beschluss über die Ausübung der Jagd im Wallis 2026-2027 (SGS 922.110); Statistik der Walliser Jagd 2025 (DJFW, Stand 17.04.2026); SWILD, Fuchsjagd im Kanton Zug, Mai 2026; NZZ am Sonntag, 13. Mai 2023.

24.09.2026
Do 10:28

Bund gibt Jungwölfe zweier Rudel frei, drei Walliser Rudel sollen ganz verschwinden

Das BAFU hat am 18. September zwei Gesuche des Kantons bewilligt: Aus den Rudeln Nendaz-Isérables und Les Toules dürfen bis zum 31. Januar 2027 bis zu zwei Drittel der 2026 geborenen Jungwölfe getötet werden. Noch hängig sind drei weitere Gesuche, mit denen das Wallis die Rudel Nanz, Augstbord und Réchy-Anniviers vollständig beseitigen will. Damit stehen fünf der elf Walliser Rudel ganz oder teilweise zur Disposition. Risszahlen pro Rudel, Angaben zum Herdenschutz auf den betroffenen Alpen oder genetische Nachweise nennt der Kanton nicht, obwohl die Nutztierrisse im Alpsommer 2026 schweizweit von 402 auf 183 gesunken sind. Die ganze Einordnung im Beitrag Wallis darf Jungwölfe töten: Drei Rudel warten noch auf den Totalabschuss.

24.09.2026
Do 10:16

«Mehr als schiessen»? Canal9 zeigt die Hochjagd als Naturerlebnis

Der Walliser Regionalsender Canal9 hat in der «Tagesinfo» vom 23. September einen jungen Hobby-Jäger auf der Riederalp begleitet, unter dem Titel «Jagd: mehr als schiessen». Das Porträt zeigt die Hobby-Jagd als Tradition und Naturerlebnis. Wenig Platz haben darin die Schattenseiten: Die Hochjagd fällt mitten in die Hirschbrunft, in der Schwyzer Hobby-Jäger nicht jagen wollen, weil das Fleisch der Stiere kaum geniessbar ist. Das Abschussziel von 1700 Hirschen steigt trotz drei verfehlten Jahren wieder, Oberwalliser Metzger kritisierten 2024 häufige Bauchschüsse, und der Abschuss einer geschützten Wölfin in Herbriggen kostete 300 Franken. Die ganze Einordnung im Beitrag «Mehr als schiessen»? Die Walliser Hochjagd zwischen Imagefilm und Hirschbrunft.

19.09.2026
Sa 06:10

1’700 Hirsche als Ziel: Walliser Hochjagd startet mit derselben Vorgabe wie 2015

Am Montag, 21. September, beginnt im Wallis die Hochjagd. Laut «Walliser Bote» (pomona.ch, 18.09.2026) nehmen rund 2’100 Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger teil, das Abschussziel beim Rotwild liegt bei 1’700 Hirschen. Neu ist diese Zahl nicht. Bereits 2015 lautete die Vorgabe 1’700 Hirsche, damals bei 2’700 Patentinhabern. 2022 waren 1’630 geplant und 1’744 wurden geschossen. 2023 waren 1’700 geplant und 1’411 wurden erreicht, 2025 waren 1’650 geplant und 1’415 wurden erreicht. Trotz drei verfehlter Pläne in Folge steigt die Vorgabe 2026 wieder auf 1’700.

Wer seit über einem Jahrzehnt Jahr für Jahr gleich viele nichtmenschliche Tiere töten lässt, reguliert keinen Bestand, sondern bewirtschaftet ihn. Die Hirsche gleichen die Verluste durch höhere Nachwuchsraten aus, die Planzahl bleibt, der Kreislauf beginnt von vorn. Die Forschung dazu haben wir in Jagd im Faktencheck zusammengetragen. Welche Rolle Beutegreifer spielen könnten, zeigt der Beitrag Ohne Wolf kein Wald.

Bemerkenswert ist, wie der Kanton die Quote absichert. Laut Beschluss über die Ausübung der Jagd 2026/27 schiesst die Wildhut nach, wenn die Hobby-Jagd die Planzahl verfehlt. Teilgebiete kantonaler Banngebiete können für den Abschuss von Hirschkühen, Schmaltieren und Kälbern geöffnet werden. Beschwerden gegen den Beschluss ist die aufschiebende Wirkung entzogen. Schutzgebiete und Rechtsschutz gelten also nur so lange, wie sie der Strecke nicht im Weg stehen.

Der Vergleich mit Graubünden zeigt zwei Wege zum selben Ziel. Graubünden schont säugende Hirschkühe und Kälber im September und gibt sie im November und Dezember auf der Sonderjagd frei, die faktisch jedes Jahr stattfindet. Das Wallis kennt keine institutionalisierte Sonderjagd, schiesst Kühe und Kälber dafür bereits während der Hochjagd, öffnet dazu Banngebiete und lässt die Wildhut nachschiessen, wenn die Quote verfehlt wird. Und während Graubünden die erste Jagdphase vor die Brunft legt, fällt die Walliser Hochjagd vollständig in jene Wochen, in denen Schwyzer Hobby-Jäger das Fleisch der Stiere für kaum geniessbar und die Störung für nicht waidmännisch halten. Hintergründe zum Bündner Modell liefert der Beitrag Neun Fragen zum Hirsch-Abschussplan 2026, die Saison dokumentiert der Graubünden-Tracker.

Gleichzeitig warnt die Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere vor akuten Naturgefahren. In Blatten im Lötschental bleibt die Bergsturz-Sperrzone für die Hobby-Jagd geschlossen, im Blinnental wird eine grössere Felsmasse überwacht. Bei Randa drohen am Hängegletscher Weisshorn und am Bisgletscher Eisabbrüche bis hin zu grösseren Eislawinen. Ein Gebirge in Bewegung, dazu 2’100 Bewaffnete mitten in der Hirschbrunft: Für Wildtiere wie für die Freizeitbevölkerung beginnt die unruhigste Zeit des Jahres.

18.09.2026
Fr 16:20

300 Franken für eine erschossene Wölfin: Herbriggen zeigt das Walliser Justizproblem

In Herbriggen im Mattertal hat ein Hobby-Jäger eine geschützte Wölfin erschossen, die er mit einem Fuchs verwechselt haben will. Die Staatsanwaltschaft Oberwallis büsste ihn laut «Walliser Bote» mit 300 Franken, das Jagdpatent bleibt. Zum Vergleich: Ein weggeworfener Zigarettenstummel kostet im Wallis neu 80 Franken. Dieselbe Erklärung gab es bereits im Januar 2024 im Goms, als ein Hobby-Jäger bei der nächtlichen Fuchspassjagd eine Wölfin erlegte. Von den 13 seit 1999 nachweislich gewilderten Wölfen der Schweiz entfallen sieben auf das Wallis. Während Norwegen zehn Wolfswilderer ins Gefängnis schickt und Frankreich für einen erschlagenen Luchs über 30’000 Euro verlangt, rechnet das Wallis eine Wölfin zum Tarif einer Ordnungsbusse ab. Die ganze Einordnung im Beitrag 300 Franken für eine Wölfin: Wie die Schweizer Justiz Wilderei zur Bagatelle macht.

12.09.2026
Sa 07:15

Wallis: In einer Woche startet die Hochjagd, mitten in der Hirschbrunft, während Schwyzer Hobby-Jäger genau das ablehnen

In rund einer Woche beginnt im Wallis die Hochjagd, also mitten in der einsetzenden Hirschbrunft (Mitte September bis Mitte Oktober). Dass dieser Zeitpunkt unter Hobby-Jägern selbst umstritten ist, zeigt aktuell der Blick in die Innerschweiz. Im Kanton Schwyz laufen Hobby-Jäger gegen die Bejagung brunftiger Hirsche Sturm, und zwar aus zwei Gründen.

Erstens die Fleischqualität: Hirschfleisch von einem Stier aus der Brunftzeit hat einen sehr intensiven, strengen Eigengeschmack und wird daher für den normalen Verzehr meist nicht empfohlen. Im Klartext: Das erlegte Tier wird als kaum geniessbar eingestuft.

Zweitens gilt es unter Hobby-Jägern als nicht «waidmännisch», die Tiere in der Brunft zu stören, wenn sich die Stiere an den Brunftplätzen um die Rangordnung sammeln. Trotzdem setzte sich am Ende der Jagddruck durch: Nach Protesten der Jägerschaft gab die Schwyzer Jagdverwaltung kurzfristig einen «Stierentag» frei, damit die Hobby-Jäger die mehrendigen Hirsche, also männliche Tiere mit Geweih, noch vor dem brunftbedingten Geschmacksverderb erlegen konnten.

Das Wallis macht die brunftzeitliche Bejagung dagegen zum regulären Modell. Was Schwyzer Hobby-Jäger als geschmacklich wie jagdethisch fragwürdig verpönen, ist im Wallis fixer Bestandteil der Hochjagd. Wir dokumentieren die Walliser Saison ab Start.

05.09.2026
Sa 16:52

Wieder gerissen: Trotz Vorjahres-Attacke erneut Schafe ohne Herdenschutz gesömmert

Bereits 2025 wurden auf einer Alp bei der Topali-Hütte im Mattertal 54 ungeschützte Schafe von Wölfen gerissen. Trotzdem wurden im selben Gebiet auch dieses Jahr wieder Schafe ohne Herdenschutz gesömmert, auf Höhen von 2600 bis 2900 Metern über Meer, wo eine Beweidung ökologisch keinen Nutzen bringt. Die erneuten Risse waren die vorhersehbare Folge. Mehr zum Zusammenhang zwischen Herdenschutz und Rissquote im Beitrag Halbzeit im Alpsommer: Wolfsrisse halbieren sich.

19.06.2026
Fr 17:30

Wallis will als erster Kanton der Schweiz den Luchs zum Abschuss freigeben

Staatsrat Christophe Darbellay kündigt an, bis Ende Sommer beim Bundesamt für Umwelt ein Gesuch für eine Luchs-Regulierung einzureichen, obwohl bereits die Rehjagd stark eingeschränkt wird. Es wäre die erste Abschussbewilligung für Luchse in der Geschichte der Schweiz. Mehr dazu im ausführlichen Beitrag.

18.03.2026
Mi 00:00

Neues Trophäenjagd-Modell: Wallis vergibt Steinbock-Abschüsse künftig anders

Weil die Abschusspläne beim Steinwild in den letzten Jahren wiederholt verfehlt wurden, führt das Wallis ab 2026 ein neues Regulierungsmodell ein: Jede zugelassene Hobby-Jägerin und jeder Hobby-Jäger erhält ein Grundkontingent von zwei Tieren, zuerst eine Steingeiss, danach einen Steinbock der zugeteilten Alterskategorie. Das neue Modell ersetzt die bisherige «Aktion Steinwild» und macht die Trophäenjagd auf Steinböcke im Wallis noch systematischer zugänglich. Mehr zur bisherigen Kritik im Beitrag Umstrittene Steinbockjagd im Wallis.

Hintergrund

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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