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Kriminalität & Jagd

Umstrittene Steinbockjagd im Wallis

Die Jagd auf Steinböcke im Wallis sorgt regelmässig für kontroverse Diskussionen unter Naturschützern, Hobby-Jägern und der Öffentlichkeit.

Redaktion Wild beim Wild — 14. Juli 2025

Trophäenjagd bezieht sich auf die Praxis des Tötens von wilden Tieren für Freizeit- oder Sportaktivitäten.

Dies geschieht oft mit der Absicht, einen Teil des Körpers des Tieres als Trophäe oder Souvenir zu behalten. Die Praxis ist jedoch kontrovers und wird oft kritisiert, da sie negative Auswirkungen auf die Bemühungen zum Schutz der Tierwelt hat und ethisch fragwürdig ist.

Trophäenjagd ist feige und ein charakterliches Armutszeugnis. Wer militante Hobby-Jäger fördert, hat nicht den Geist und Willen, Rechtschaffendes zu tun und keinen Respekt vor der Natur, wo er, wie die Wildtiere, ein Gast ist. Der Kanton Wallis sorgt immer selbst für sein schlechtes Image weit über die Kantonsgrenzen hinaus, sei es bei den Wildtieren, Überschwemmungen, illegalen Bauten, Armee, Politik Ethik oder Vetternwirtschaft.

Tiere für Trophäen zu töten, ist teilweise kriminell, aber immer falsch – eine Unkultur. Das Töten von Tieren durch Trophäenjäger ist unethisch und widerspricht dem Tierschutzgesetz. Nur aus Spass am Töten reduzieren Hobby-Jäger die Populationen von Wildtieren in der ganzen Welt. Die Beschaffung einer Jagdtrophäe und die Befriedigung des Jagdtriebs stellen keinen vernünftigen Grund für die Tötung eines Tieres dar. Für ausländische Hobby-Jäger betragen die Kosten 25’000 Franken pro Abschuss eines Steinbocks im Wallis, für Schweizer aus anderen Kantonen die Hälfte. 

Im Tierschutzgesetz der Schweiz ist es verboten, Tiere zu töten, um Tierfutter herzustellen, hierfür werden nur Reste verwendet, die für Nahrungsmittel für Menschen nicht verwendet werden. Bei der Steinbockjagd geht es um die reine Lust auf eine Trophäe.

Der Steinbock, als Symbol der Alpen, hat nicht nur eine kulturelle Bedeutung, sondern auch einen wichtigen Platz im Ökosystem der Region.

Alle Alpsteinböcke, die heute in Europa leben, stammen aus dem kleinen Genpool aus Italien. Sie sind schwächer, leichter, ihre Hörner kleiner als vor ihrer Fast-Ausrottung. Die heutigen Wildtiere sind zudem anfälliger auf Krankheiten und reagieren sensibler auf Veränderungen der Umwelt – ganz besonders jüngst verursacht durch den Klimawandel. Aufgrund von Inzucht pflanzen sich die heutigen Steinböcke ausserdem langsamer fort als früher.

Hobby-Jäger haben grossen Spass daran, anderen Lebewesen Leid zuzufügen und die Natur zu stören. Von der Uno wird angenommen, dass ein hoher Prozentsatz aller ausgestorbenen Tierarten durch Mithilfe der Hobby-Jäger erfolgt. Hobby-Jäger tragen nachweislich zur Minderung der Biodiversität bei.

Kritikpunkte

Gegner der Steinbockjagd werfen der Jagdindustrie vor, hauptsächlich aus kommerziellen Gründen zu handeln, während sie die Umweltauswirkungen der Hobby-Jagd ignorieren. Naturschutzorganisationen betonen, dass die Hobby-Jagd den Lebensraum der Steinböcke stört und deren Fortpflanzung gefährden kann. Sie fordern eine intensivere Erforschung der Bestände und alternative Wege zur Regulierung der Population, wie etwa Vergrämungsmassnahmen oder Umsiedlungen.

An der Art und Weise, wie das Wallis über seine Abschüsse informiert, hat sich seit der jahrelangen Kritik nichts geändert. Warum ist das problematisch? Weil der Hobby-Jäger die Art des Steinbocks mit seiner Trophäenjagd nachhaltig geschwächt hat. Und weiterhin schwächen könnte.

Wie Forschende inzwischen herausgefunden haben, sind alte Böcke mit grossen Hörnern für den Fortbestand und die Gesundheit der Population zentral. Für die Steingeissen gelten grosse Hörner als Zeichen der genetischen Fitness.

Für den Menschen sind grosse Hörner allerdings beliebte Trophäen geblieben. Ganz besonders im Wallis. Das zeigen Daten aus dem Jahr 2018.

In jenem Jahr unterschied das Wallis in seiner öffentlich einsehbaren Jagdstatistik erstmals zwischen Steingeissen und Steinböcken. Ebenfalls legte es erstmals offen, welche Altersgruppen wie stark bejagt worden sind.

Das Ergebnis: 2018 schossen Hobby-Jäger 32 % mehr Steinböcke im Alter von 11 Jahren und älter, als sie gemäss BAFU auf der Jagd hätten schiessen dürfen. Konkret waren es 78 Steinböcke statt 59.

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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