Deutschland genehmigt Trophäen-Importe auf Rekordniveau – kein einziger Antrag abgelehnt
679 Einfuhrvorgänge, kein einziger abgelehnt: Deutschland bleibt zentraler Absatzmarkt für Jagdtrophäen international geschützter Arten. Pro Wildlife fordert einen sofortigen Importstopp.

Deutschland bleibt ein zentraler Absatzmarkt für Jagdtrophäen international geschützter Arten.
Das zeigen neue Zahlen der Bundesregierung, die Pro Wildlife am 29. Mai 2026 veröffentlicht hat: Allein 2025 wurden 679 Einfuhrvorgänge für Jagdtrophäen nach Deutschland registriert – darunter 209 Bergzebras, 60 Giraffen, 28 Löwen, 21 Amerikanische Schwarzbären, 20 Afrikanische Elefanten, sechs Breitmaulnashörner und ein Eisbär. In den vergangenen zehn Jahren summieren sich die Importe auf 6.422 Einfuhrvorgänge.
Besonders alarmierend: In den letzten drei Jahren wurde kein einziger Antrag auf Einfuhrgenehmigung abgelehnt.
Löwen aus Gatterjagd: Gezüchtet für den Abschuss
Besonders deutlich wird das Problem bei Löwen aus Südafrika: 2025 stammten 96,2 Prozent der nach Deutschland eingeführten Löwentrophäen aus Zuchtfarmen – also aus jenem System, das international als Gatterjagd («canned hunting») kritisiert wird. In umzäunten Arealen werden an Menschen gewöhnte Tiere ohne Fluchtmöglichkeit für Trophäen getötet. Pro Wildlife beschreibt das als kommerzielle Produktion von Löwen für den Abschuss – kein Artenschutz, sondern Ausbeutung unter schlechten Haltungsbedingungen und mit Inzucht.
Bundesregierung bleibt Antworten schuldig
Die neuen Zahlen offenbaren erhebliche Lücken in der behördlichen Kontrolle. Der Bundesregierung ist nach eigenen Angaben unbekannt, dass Jagdlobbyorganisationen wie «Conservation Force» an der Erstellung von Populationsmanagementplänen für Elefanten und Leoparden sowie an Unbedenklichkeitsgutachten in Botswana beteiligt sind – obwohl diese Dokumente die Grundlage für Trophäenexporte bilden.
Auch die ökonomische Rechtfertigung der Trophäen-Hobby-Jagd steht auf wackeligen Beinen: Die Bundesregierung hat keine Erkenntnisse dazu, wie sich Einnahmen zwischen Jagdfarmbesitzern, Vermittlern und lokalen Gemeinschaften aufteilen. Ebenso unbekannt ist ihr, wie die lokale Bevölkerung in den Herkunftsländern die Trophäen-Hobby-Jagd tatsächlich bewertet.
Kontrollversagen auch bei EU-geschützten Arten
Kritisch ist zudem die Vermarktung von Trophäenjagden auf nach EU-Recht geschützte Arten wie Braunbären, insbesondere in Rumänien und Kroatien. Wegen offener Binnengrenzen werden entsprechende Transporte innerhalb der EU nicht erfasst. Pro Wildlife spricht von einem eklatanten Kontrollversagen: Ausgerechnet bei streng geschützten EU-Arten werden weder Importzahlen erhoben, noch gilt deren Vermarktung als Problem.
Pro Wildlife fordert Importstopp
Pro Wildlife fordert ein Importverbot für Jagdtrophäen bedrohter und international geschützter Arten, einen Einfuhrstopp für Trophäen gezüchteter Löwen sowie ein Verbot der Vermarktung entsprechender Jagdreisen auf Messen und im Internet. Deutschland soll sich zudem auf EU-Ebene für einheitliche strengere Regeln einsetzen.
Was in Deutschland auf Rekordniveau läuft, betrifft auch die Schweiz: Wer Trophäen-Hobby-Jagd als harmlose Tradition verteidigt, ignoriert, was hinter den Abschusspaketen steckt. Mehr zur Kriminalität rund um die Hobby-Jagd und zu den Tierrechten auf dieser Plattform.
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