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Tierwelt

Spanien: Weltweit erste Oktopus-Farm auf Gran Canaria endgültig gescheitert

Nueva Pescanova zieht Antrag nach fünfjährigem Widerstand und schärferer Umweltprüfung zurück.

Redaktion Wild beim Wild — 1. August 2026

Der spanische Fischereikonzern Nueva Pescanova hat am 23. Juli 2026 seinen Antrag für die weltweit erste kommerzielle Oktopus-Farm zurückgezogen.

Geplant war die Anlage im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria, am Dock «La Esfinge», auf einer Fläche von über 50’000 Quadratmetern, umgerechnet etwa sieben Fussballfelder. Die für 50 Millionen Euro veranschlagte Anlage hätte jährlich rund 3’000 Tonnen Oktopus produzieren sollen, mehr als 10 Prozent der gesamten spanischen Fangmenge. Laut geleakten Planungsunterlagen wären dafür jedes Jahr rund eine Million Tiere aufgezogen und getötet worden.

Regulatorisches Nadelöhr statt Verbot

Bemerkenswert ist der Weg zum Aus: Das Projekt durchlief zunächst ein vereinfachtes Umweltprüfverfahren, ein leichteres Verfahren für Vorhaben, die als unproblematisch eingestuft werden. Bereits diese Prüfung ergab jedoch «mögliche erhebliche negative Auswirkungen», wie es im Rückzugsschreiben des Unternehmens hiess. Das zwang die kanarische Regierung, ein vollständiges, ordentliches Umweltprüfverfahren anzuordnen, ein deutlich strengeres Verfahren, das sich über Jahre hinziehen und ein Projekt komplett blockieren kann. Diese Prüfung hat Nueva Pescanova nie abgeschlossen. Am Ende gab die konkrete Detailprüfung des Standorts den Ausschlag: Sie stellte fest, dass die Anlage am Passagierterminal Geruchsbelästigung verursachen und die Wasserqualität im Hafen durch organische Abfälle verschlechtern könnte.

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Das Unternehmen selbst sprach ausschliesslich von «geschäftlichen und regulatorischen Überlegungen» und bestritt, dass das Projekt aus ökologischen oder ethischen Gründen gescheitert sei. Der 2021 eröffnete Fall wird von der Hafenbehörde nun endgültig archiviert. Ein neuer Antrag am selben Standort müsste das gesamte Bewilligungsverfahren von null an durchlaufen.

Fünf Generationen in Gefangenschaft gezüchtet

Nueva Pescanova hatte an seinem Forschungszentrum in Galicien nach eigenen Angaben Bedingungen entwickelt, unter denen Oktopusse angeblich ohne Aggression und Kannibalismus zusammenleben können, und dort bereits fünf Generationen der eigentlich einzelgängerischen Tiere gezüchtet. Frühere Zuchtversuche waren wiederholt an hoher Sterblichkeit, Aggression, Kannibalismus und Selbstverstümmelung gescheitert. Für eine kommerziell anerkannte, tierschutzkonforme Schlachtmethode im industriellen Massstab gibt es bis heute kein international anerkanntes Verfahren; vorgesehen war eine Tötung in Eiswasser, die von Fachleuten als grausam kritisiert wird.

Eine an der London School of Economics koordinierte Auswertung von über 300 wissenschaftlichen Studien fand «sehr starke Evidenz für Empfindungsfähigkeit» bei Kopffüssern. Die Autoren kamen zum Schluss, dass eine tierschutzgerechte kommerzielle Oktopus-Zucht unter den geplanten intensiven Bedingungen grundsätzlich unmöglich sei. Weitere Studien zeigten, dass Oktopusse Orte meiden, an denen sie Schmerzen erlitten hatten, und Orte bevorzugen, an denen ihnen Schmerzmittel verabreicht worden waren, ein deutlicher Hinweis auf Bewusstsein und Erinnerungsfähigkeit.

Jahrelanger Druck von Tierschutzorganisationen

Die Pläne waren 2021 erstmals eingereicht und 2023 durch Leaks an die Öffentlichkeit gelangt. Seither hatten Organisationen wie Compassion in World Farming (CIWF), PETA, Eurogroup for Animals, AnimaNaturalis und die Aquatic Life Institute kontinuierlich gegen das Projekt mobilisiert. CIWF berechnete, dass die Farm allein im ersten Betriebsjahr bis zu 28’000 Tonnen wild gefangenen Fisch als Futter benötigt hätte, ein erheblicher Rückschlag für das von Nueva Pescanova selbst angeführte Argument, die Zucht entlaste die Wildbestände. Über 200’000 E-Mails erreichten laut PETA die zuständigen Behörden mit der Forderung, das Vorhaben zu stoppen; für den 25. Juli war zusätzlich eine grosse Protestkundgebung am Hafen geplant, die durch den Rückzug zwei Tage zuvor hinfällig wurde.

Debatte nicht beendet

Trotz des Rückzugs ist das Thema für Spanien nicht vom Tisch. Nueva Pescanovas Aquakultur-Website führt Oktopus weiterhin als eine der untersuchten neuen Zuchtarten am unternehmenseigenen Pescanova Biomarine Center. Auch andere Unternehmen, unter anderem in Mexiko und Japan, verfolgen weiterhin ähnliche Zuchtprojekte. Tierschutzorganisationen fordern nun ein EU-weites Verbot der kommerziellen Oktopus-Zucht, um künftige Vorhaben dauerhaft zu verhindern. Ob das spanische Parlament ein entsprechendes nationales Verbot vorantreibt, ist offen.

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