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Jagd im Faktencheck: Auswirkungen auf Wildtiere, Ökologie und Gesellschaft

Die Hobby-Jagd wird kontrovers diskutiert. Dieses Dossier zeigt, was Studien über ihre Folgen für Wildtiere, Ökosysteme und Gesellschaft aussagen und wo die Forschung Grenzen hat.

Redaktion Wild beim Wild — 22. August 2023

In der Debatte über die Hobby-Jagd treffen ökologische, ökonomische, tierschutzrechtliche und gesellschaftliche Interessen aufeinander. Gerade deshalb ist es wichtig, zwischen Traditionen, Behauptungen und dem zu unterscheiden, was wissenschaftliche Studien, amtliche Daten und fachliche Übersichtsarbeiten tatsächlich zeigen.

Dieses Dossier fasst Forschungsergebnisse zu den direkten und indirekten Folgen der Jagd zusammen. Im Mittelpunkt stehen Auswirkungen auf Wildtiere: Stress, verändertes Raum- und Aktivitätsverhalten, Fortpflanzung, Sozialstrukturen, Verwundungen, selektive Evolution und Belastungen durch Bleimunition. Daneben behandelt die Seite die Wirksamkeit jagdlicher Bestands- und Schadenskotrolle, mögliche nicht-tödliche Alternativen sowie weiterführende Fragen zu Jagdwaffen, Gewaltprävention und Jagdmotivation.

Die Befundlage ist nicht in allen Bereichen gleich stark und lässt sich nicht immer von einer Art, Region oder Jagdmethode auf andere übertragen. Deshalb ordnet dieses Dossier die Studien jeweils nach Möglichkeit ein: Was genau wurde untersucht? Für welche Tiere und unter welchen Bedingungen gilt ein Ergebnis? Und wo fehlen insbesondere für die Schweiz noch belastbare Daten?

Die Seite vertritt eine kritische Haltung gegenüber der Hobby-Jagd. Ihr Anspruch ist jedoch, diese Kritik anhand nachvollziehbarer Quellen zu begründen und wissenschaftliche Unsicherheiten offenzulegen. Neben der Jagd beeinflussen unter anderem Lebensraumqualität, Nahrungsangebot, Klima, Krankheiten, natürliche Prädatoren und menschliche Störungen die Entwicklung von Wildtierpopulationen.

Die wichtigsten Befunde auf einen Blick: Jagdliche Störung kann bei Wildtieren weit über den einzelnen Abschuss hinauswirken. Studien dokumentieren je nach Art und Jagdmethode Veränderungen von Stressreaktionen, Aktivitätszeiten, Raumnutzung, Fortpflanzung und Sozialstrukturen. Zugleich zeigen Untersuchungen, dass hohe Abschusszahlen nicht automatisch zu kleineren Beständen, weniger Schäden oder besserer Seuchenprävention führen.

Effekt 1: Tiere unter Dauerstress

In Anwesenheit von Hobby-Jägern schalten Wildtiere in einen permanent wachsameren Verhaltensmodus. Wildbiologen haben dies beispielsweise bei Elchen in Kanada beobachtet. «Menschen werden als Gefahr gesehen», erklärt Prof. Ilse Storch, Leiterin des Lehrstuhls Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

In der Wissenschaft spricht man von einer «Landscape of Fear», einer Landschaft der Angst, in der selbst Tiere an der Spitze der Nahrungskette wie Rothirsche, Wildschweine oder Füchse leben. «Wildtiere entscheiden sich eher zu hungern, als sich aktiv in eine Gefahr zu begeben», sagt Dr. Konstantin Börner vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW). Das heisst: Sie bleiben lieber in Deckung, als im offenen Feld nach Nahrung zu suchen.

Die physiologischen Folgen sind messbar. Eine Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Güldenpfennig et al. 2021, Scientific Reports) mass bei Wildschweinen auf Drückjagden erhöhte Cortisolwerte in allen Proben. Santos et al. (2018) zeigten bei Rothirschen in Südwesteuropa, dass Faktoren des Jagdmanagements die Haupttreiber der Stresshormon-Variation waren, noch vor Umweltbedingungen und individuellen Merkmalen. Pedersen et al. (2024, Wildlife Biology) wiesen nach, dass Schneehasen, die mit Hunden bejagt wurden, einen 6,5-fach höheren Cortisolspiegel aufwiesen als solche, die ohne Hunde erlegt wurden.

Dabei spielt die Jagdmethode eine entscheidende Rolle. Tajchman et al. (2024, BMC Veterinary Research) fanden bei Mouflons, Rothirschen und Wildschweinen, die durch ruhige Pirschjagd ohne Treiber oder Hunde bejagt wurden, keine signifikant erhöhten Langzeitstresswerte in Haarproben. Die Autoren schliessen daraus, dass Pirschjagden das Wohlbefinden von Schalenwild weniger belasten als intensive Treibjagden. Das unterstreicht die Befunde zu Drückjagden und Hundehetze: Je invasiver die Methode, desto gravierender die physiologische Reaktion.

Durch die Hobby-Jagd sind viele Wildtiere scheuer und ängstlicher geworden, als sie es in unbejagten Gebieten wären, berichtet auch Wildtierökologin Storch. Eine systematische Übersichtsarbeit zu «Human-induced fear in wildlife» (Grigsby et al. 2023, Biological Conservation) wertete 81 Studien aus und dokumentierte: Menscheninduzierte Angst verändert Aktivitätsmuster, Physiologie, Fitness und Habitatnutzung bei Wildtieren grundlegend.

Darimont et al. (2009, PNAS) zeigten in einer Meta-Analyse, dass menschliche Hobby-Jäger Wildtierpopulationen schneller verändern als jeder andere Evolutionsfaktor, der je bei Wildtieren beobachtet wurde.

Mehr dazu: Jagd und Tierschutz: Was die Hobby-Jagd mit Wildtieren macht

Effekt 2: Lebensraumverlust durch erzwungene Verhaltensänderung

Aus Angst vor Hobby-Jägern haben viele Wildtiere ihren natürlichen Lebensraum dauerhaft verlassen. «Sie meiden freie Felder und leben verstärkt im Schutz des Waldes», sagt Biologe Börner. Dabei können sie einschätzen, wann es besonders gefährlich wird. Bei einer Rehpopulation in Europa haben Forschende beobachtet, dass sich der Rückzug in den Wald während der Jagdsaison verstärkt. «Auf freien Feldern verschieben sich die Aktivitätsphasen insbesondere beim Hirsch dann in die störungsarme Nacht», berichtet Börner.

Eine umfangreiche Meta-Analyse von 76 Studien (Gaynor et al. 2018) kommt zu dem Ergebnis, dass Wildtiere unter dem Einfluss von Menschen ihre Nachtaktivität signifikant erhöhen. Das Ergebnis war über Kontinente, Lebensräume, Arten und menschliche Aktivitäten hinweg konsistent. Eine Folgestudie (Gaynor et al. 2025, Proceedings of the Royal Society B) wertete Raumnutzungsdaten aus Schutzgebieten vor und während der COVID-19-Schliessungen aus und belegt kausal, dass Wildtiere wie Wölfe und Bergziegen menschliche Infrastruktur konsistent meiden und dass dieser Rückzug reversibel ist, wenn der menschliche Druck nachlässt.

Corlatti & Ciuti (2025, Wildlife Biology) zeigen in einer aktuellen Übersichtsarbeit, dass die Reaktionen von Wildtieren auf Menschen entlang eines Kontinuums von Vermeidung über Toleranz bis Anziehung verlaufen. In Systemen, in denen der Mensch primär als Prädator auftritt – also durch Hobby-Jagd – verschieben sich die Reaktionen stark in Richtung Vermeidung. Bei Alpenmurmeltieren (Zenth et al. 2025, Wildlife Biology) beeinflusste ausschliesslich die Hobby-Jagd, nicht die Freizeitnutzung, die Verhaltenstoleranz gegenüber menschlicher Störung.

Die Hobby-Jagd trägt also wesentlich dazu bei, dass Wildtiere in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden und ihnen weniger Lebensraum zur Verfügung steht. «Ohne Bewegungsfreiheit und genetischen Austausch wird die Gesundheit der Tiere gefährdet», sagt Börner.

Effekt 3: Fehlende Wintermortalität durch Fütterung

Das Jagdgesetz, nicht nur in Deutschland, schreibt vor, Wildtiere im Rahmen der Hege «in Notzeiten» zu füttern, weshalb einige Hobby-Jäger im Winter Futter im Wald platzieren. Das Problem: «Durch Futtergaben wird die natürliche Wintermortalität ausgeschaltet», erklärt die Wildtierökologin Ilse Storch.

Die Winterzeit ist für Wildtiere normalerweise ein natürlicher Selektionsprozess. Die Starken überleben, die Schwachen sterben. So wird die Population einmal im Jahr natürlich ausgedünnt. Die Fütterung wirkt diesem Prozess entgegen, wie eine Studie aus Tschechien zur Populationsdynamik bei Wildschweinen zeigt. Fanden Futtergaben von Mais und Abfallgetreide in Kombination mit starkem Eichen- und Buchenwachstum statt, kam es im Folgejahr sogar zu einem deutlichen Anstieg der Wildschweinpopulation.

Das Problem: Je mehr Tiere über den Winter kommen, desto mehr müssen im Folgejahr erlegt werden, um die räumlichen Kapazitäten nicht zu sprengen. Laut Jahresbericht des Wildtier-Informationssystems der Länder Deutschlands (WILD) ist seit den 1990er-Jahren die Zahl der erlegten Tiere beim Rehwild signifikant gestiegen, bei Dam- und Rotwild hat sie sich fast verdoppelt. Neuere DJV-Verbandsdaten bestätigen diesen Trend: Die Wildschweinabschüsse stiegen von rund 120’000 in den 1980er-Jahren auf fast 800’000 Tiere jährlich in den 2020er-Jahren. Ursache dafür ist nicht nur die Winterfütterung, aber sie ist ein wesentlicher Faktor.

Effekt 4: Gestörte Fortpflanzungsprozesse

Die Hobby-Jagd selbst trägt dazu bei, dass sich Wildtiere schneller vermehren. Studien zeigen eindeutig, dass WildschweineHirsche und andere Wildtiere unter Jagddruck ihre Fortpflanzungsrate erhöhen, etwa indem sie sich schon in jüngerem Alter fortpflanzen. Je stärker sie gejagt werden, desto mehr Nachwuchs zeugen sie.

Bei Braunbären konnten schwedische Forscher beobachten, dass sie als Reaktion auf die Bejagung die Betreuungszeit ihrer Jungen verändern. Einige verlängern sie, um länger mit ihren Jungen unter Schutz zu stehen. Andere Bärenmütter verkürzen die Betreuungszeit, um sich schneller wieder fortzupflanzen und so dem Jagddruck entgegenzuwirken, wie Quarks, das Wissenschaftsmagazin des WDR, berichtet.

Gosselin et al. (2015, Proceedings of the Royal Society B) dokumentierten einen weiteren indirekten Effekt: Bei Braunbären in Skandinavien führte die Bejagung zu erhöhtem Männchenwechsel in den Territorien, was sexuell selektiven Infantizid (SSI) auslöste. Neue dominante Männchen töten die Jungtiere ihrer Vorgänger, um die Weibchen schneller wieder paarungsbereit zu machen. 95 Prozent der Jungtiermortalität während der Paarungszeit war auf SSI zurückzuführen.

Effekt 5: Evolutionäre Veränderungen durch selektive Bejagung

Die Hobby-Jagd greift in die Evolution ein. Weil Hobby-Jäger systematisch die grössten, stärksten und auffälligsten Individuen einer Population entnehmen, entsteht ein Selektionsdruck, der den natürlichen Kräften entgegenläuft. Die Konsequenz: Populationen verändern sich genetisch in eine Richtung, die biologisch unerwünscht ist.

Coltman et al. (2003, Nature) wiesen in einer 30-jährigen Studie an Dickhornschafen (Ovis canadensis) nach, dass Körpergewicht und Horngrösse der Widder durch die Trophäen-Hobby-Jagd signifikant abnahmen. Die Hobby-Jäger erschossen bevorzugt Tiere mit den grössten Hörnern und damit die genetisch «wertvollsten» Individuen, bevor diese ihren Fortpflanzungserfolg maximieren konnten. Pigeon et al. (2016) bestätigten diese Befunde in einer Folgestudie.

Darimont et al. (2009, PNAS) zeigten in einer Meta-Analyse: Menschliche Hobby-Jäger verändern Wildtierpopulationen schneller als jeder andere Evolutionsfaktor, der je bei Wildtieren beobachtet wurde. Die phänotypischen Veränderungsraten bei bejagten Populationen waren bis zu 300 Prozent höher als bei natürlicher Selektion.

Leclerc et al. (2019, Nature Communications) wiesen bei skandinavischen Braunbären nach, dass Hobby-Jäger gezielt bestimmte Verhaltensmerkmale selektieren: Mutigere, weniger scheue Bären werden häufiger erlegt. Das Ergebnis: Die Population wird über Generationen scheuer und ängstlicher, was ihr Verhalten und ihre Raumnutzung grundlegend verändert.

Lassis et al. (2023, Evolutionary Applications) modellierten, wie geschützte Gebiete durch die Abwanderung von Tieren in bejagte Populationen einen genetischen Rettungseffekt («genetic rescue») bieten können. Dieser Effekt wird jedoch durch hohe Jagdraten untergraben, weil einwandernde Tiere erschossen werden, bevor sie sich fortpflanzen können.

Mehr dazu: Hobby-Jagd beeinflusst die Evolution von Braunbären und Studie zum «Super-Jäger»

Effekt 6: Verwundung und «Crippling Loss»

Nicht jeder Schuss tötet. Ein erheblicher Anteil bejagter Tiere wird angeschossen, aber nie gefunden. Diese sogenannte «Crippling Loss» ist ein systematisch unterschätztes Tierschutzproblem.

Kuhlmann et al. (2017, Ecological Indicators) entwickelten den Begriff «Crippling Ratio» als Mass für jagdbedingte Verwundungen und wiesen bei Kurzschnabelgänsen nach, dass pro erlegtem Tier bis zu ein weiteres Tier verwundet, aber nicht geborgen wurde.

Bei der Bogenjagd sind die Verwundungsraten besonders hoch. Ditchkoff et al. (1998, Proceedings of the Southeastern Association of Fish and Wildlife Agencies) dokumentierten in einer kontrollierten Studie am McAlester Army Ammunition Plant in Oklahoma an 80 radiotelemetrierten Weisswedelhirschen, dass 50 Prozent der von Bogenjägern getroffenen Tiere nicht geborgen wurden. Ähnliche Verwundungsraten (31 bis 58 Prozent) wurden in Studien aus Georgia, Indiana, Michigan, New Jersey und Wisconsin bestätigt. Eine Zusammenfassung von 24 nordamerikanischen Studien kommt auf eine durchschnittliche Verwundungsrate von 54 Prozent (Report on Bowhunting).

Die europäische Bogenjagd-Lobby verweist demgegenüber auf eine dänische Datenerhebung (European Bowhunting Association, 2005), die für Rehwild nur eine Verwundungsrate von rund 5 Prozent findet. Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich dabei nicht um eine wissenschaftliche Studie mit unabhängiger Kontrolle, sondern um eine Erhebung auf Basis freiwilliger Selbstmeldungen der Bogenjäger im Rahmen eines «Wildreports». Die US-Zahlen stammen dagegen aus kontrollierten Feldstudien mit besenderten, unabhängig überwachten Tieren, unabhängig davon, ob ein Jäger einen Fehlschuss überhaupt bemerkt oder meldet. Selbstauskünfte von Jägern zu eigenen Fehlschüssen sind methodisch nicht mit unabhängiger Telemetrie vergleichbar. Eine unabhängige europäische oder DACH-Studie zur Bogenjagd-Verwundungsrate, die das methodische Niveau der US-Telemetriestudien erreicht, existiert bislang nicht.

Gentsch et al. (2018, European Journal of Wildlife Research) untersuchten die Cortisolreaktion von Wildhuftieren auf verschiedene Jagdmethoden und stellten fest, dass die Hetze mit Hunden signifikant höhere Stresswerte auslöst als die Ansitzjagd. Auch Ereignisse nach dem Schuss – etwa die Dauer bis zur Nachsuche, die Lage der Verletzung und das Verhalten der Nachsucheteams – beeinflussten die Stressbelastung erheblich.

Verwundete Tiere, die nicht gefunden werden, erleiden oft einen langsamen Tod durch Infektion, Hunger oder Erschöpfung. Diese Tiere tauchen in keiner Abschussstatistik auf. Die tatsächliche Zahl der durch die Hobby-Jagd getöteten Tiere liegt daher systematisch höher als offiziell gemeldet.

Effekt 7: Bleivergiftung durch Jagdmunition

Die Verwendung bleihaltiger Munition durch Hobby-Jäger verursacht eine grossflächige Umweltkontamination, die Wildtiere, Nutztiere und Menschen betrifft. Jährlich werden allein in der EU rund 44’000 Tonnen Blei durch die Hobby-Jagd und den Schiesssport in die Umwelt eingebracht.

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) schätzt, dass mindestens 135 Millionen Vögel jährlich durch die direkte Aufnahme von Bleischrot gefährdet sind. Weitere 14 Millionen Vögel, darunter Greifvögel und Aasfresser, sind durch die sekundäre Aufnahme von Bleifragmenten in ihren Beutetieren betroffen. Pain et al. (2019, Ambio) dokumentierten in einer umfassenden Übersichtsarbeit, dass Bleivergiftung in Europa jährlich über eine Million Wasservögel tötet und bei weiteren drei Millionen subletale Vergiftungen verursacht. Das internationale Symposium «Lead, a borderless poison» (Gorizia, November 2025) beziffert die jährliche Sterblichkeit aktuell auf 2,3 Millionen Vögel in der EU – eine signifikant höhere Schätzung, die neue Erhebungsmethoden berücksichtigt.

Seit dem 15. Februar 2023 ist die Verwendung von Bleischrot in Feuchtgebieten EU-weit verboten. Im Februar 2025 hat die EU-Kommission einen weitergehenden Verordnungsentwurf zur habitatweiten Beschränkung von Bleimunition vorgelegt (Pain et al. 2025, Ambio). Die ECHA empfiehlt ausserdem, einen EU-Höchstwert für Blei in Wildfleisch einzuführen, vergleichbar dem Grenzwert für Fleisch von Nutztieren (0,1 mg/kg). Sonne et al. (2023, Eco-Environment & Health) fordern einen vollständigen Ausstieg aus Bleimunition im Sinne eines One-Health-Ansatzes: Die fortgesetzte Verwendung von Bleimunition bedroht die Biodiversität, die menschliche Gesundheit und untergräbt Nachhaltigkeitsziele.

Dänemark hat als erstes Land weltweit ein vollständiges Verbot aller Bleimunitionstypen für die Hobby-Jagd beschlossen (ab April 2024). In Grossbritannien haben England, Schottland und Wales 2025 ein Verbot von Bleimunition im Freien angekündigt. In der Schweiz gibt es bislang kein entsprechendes Verbot.

Effekt 8: Verwaiste Jungtiere und zerstörte Sozialstrukturen

Die Hobby-Jagd tötet nicht nur das Zielindividuum. Sie greift in Sozialstrukturen ein und hinterlässt verwaiste Jungtiere. Bei Arten mit starker Mutter-Kind-Bindung – etwa bei Rehen, Hirschen, Bären, Wölfen und Wildschweinen – kann der Verlust eines Elterntieres für abhängige Jungtiere den Tod bedeuten.

Die RSPCA (Knowledgebase) dokumentiert: Wenn Hobby-Jäger die Jungtiere geschossener Weibchen nicht finden und erlösen, sind diese auf sich allein gestellt. Je nach Alter verhungern, verdursten oder erfrieren verwaiste Jungtiere. Der Verlust der Mutter ist bei vielen Arten ein erheblicher Stressfaktor, und selbst wenn verwaiste Individuen die akute Phase überleben, können Veränderungen in Physiologie und Verhalten ihre Entwicklung dauerhaft beeinträchtigen.

Bei Wölfen haben Cassidy et al. (2023, Frontiers in Ecology and the Environment) anhand langer Datensätze aus mehreren US-Nationalparks gezeigt, dass anthropogene Todesursachen, insbesondere legale Abschüsse, die Rudel-Persistenz und die Reproduktion im Folgejahr deutlich reduzieren. Der Abschuss eines Alpha-Tieres kann ein ganzes Rudel destabilisieren.

Bei Braunbären dokumentierten Frank et al. (2018, Journal of Animal Ecology) anhand der skandinavischen Population, dass überlebende Bären die freigewordenen Streifgebiete erschossener Artgenossen teilweise übernehmen. Diese räumliche Reorganisation kann unbeabsichtigte Konsequenzen für die Populationsdynamik haben und den Managementzielen zuwiderlaufen.

Corlatti & Ciuti (2025, Wildlife Biology) fassen in einer aktuellen Übersichtsarbeit zusammen: Die indirekten Effekte der Hobby-Jagd auf Wildtierpopulationen – von Verhaltensänderungen über Stressphysiologie bis zur Destabilisierung von Sozialstrukturen – sind oft gravierender als die direkten Entnahmen und werden in der Managementpraxis systematisch unterschätzt.

Wie lange soziale Eingriffe nachwirken können, zeigen Langzeitstudien an europäischen Dachsen. Nach lokalen Abschüssen vergrösserten überlebende Tiere ihre Streifgebiete, Gruppen überlappten stärker und die Einwanderung in betroffene Gebiete nahm zu. Bestimmte Veränderungen der Sozialstruktur waren noch Jahre später messbar. Bei territorial lebenden Arten kann die Entfernung einzelner Tiere deshalb Folgen auslösen, die über die unmittelbare Bestandsreduktion hinausgehen. Die Ergebnisse sind nicht direkt auf alle Wildarten übertragbar, belegen aber den in der Wildtierökologie gut bekannten Störungseffekt («perturbation effect») von Abschüssen.

Woodroffe, R. et al. (2009). Social perturbation and the epidemiology of bovine tuberculosis in cattle. Proceedings of the Royal Society B 276, 2769–2777.

Riordan, P. et al. (2011). Culling-induced changes in badger behaviour, social organisation and the epidemiology of bovine tuberculosis. PLOS ONE 6(12), e28904.

Mehr dazu: Studie zeigt: Wolfsabschüsse führen oft zu mehr Rissen von Nutztieren und Zehn Jahre alte Studie, immer noch ignoriert: Warum stabile Rudel weniger Nutztiere reissen

Effekt 9: Ökonomische Unwirksamkeit der Schädlings-Bejagung

Die Bejagung sogenannter «Schadarten» ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch ohne Nutzen. Das ist der Befund einer umfassenden Studie von Jiguet et al. (2026, Biological Conservation), die sieben Jahre amtlicher Daten aus 92 französischen Departementen ausgewertet hat.

Zwischen 2015 und 2022 wurden in Frankreich 12’394’885 Füchse, Steinmarder, Baummarder, Iltis, Mauswiesel, Rabenkrähen, Saatkrähen, Elstern, Eichelhäher und Stare als «Schädlinge» getötet. Das sind rund 1,7 Millionen Tiere pro Jahr. Die ökonomische Bilanz fällt vernichtend aus: Die jährlichen Kontrollkosten beziffert das Forschungsteam auf 103 bis 123 Millionen Euro, während die offiziell gemeldeten Schäden nur 8 bis 23 Millionen Euro pro Jahr betragen. Über sieben Jahre summieren sich die Tötungskosten auf 791 Millionen Euro, die gemeldeten Schäden auf 96 Millionen Euro. Selbst in der konservativsten Modellrechnung, in der die Arbeitszeit der Hobby-Jägerschaft nicht entlöhnt und die Fahrtkosten halbiert werden, liegen die Kontrollkosten um den Faktor 1,66 über den Schäden.

Ein statistischer Zusammenhang zwischen Abschussaufwand und Schadensreduktion existiert nicht. Weder führen mehr Abschüsse zu weniger Schäden, noch steigen die Schäden, wenn die Bejagung nachlässt. Bei Eichelhäher und Star korrelierte eine höhere Abschusszahl sogar mit höheren Frühjahrsbeständen, was die Autorinnen und Autoren mit kompensatorischer Reproduktion erklären. Besonders brisant: Allein die 62’278 getöteten Eichelhäher entsprechen einem potenziellen Verlust von 100 bis 454 Millionen Euro an Samenverbreitungsleistung für Eichenwälder. Trotz überwiegend ablehnender Stellungnahmen in der öffentlichen Konsultation und trotz dieser Studie hat die französische Regierung das dreijährliche ESOD-Dekret am 21. August 2026 für die Periode 2026 bis 2029 erneuert; Gerichtsentscheide hatten zuvor den Iltis und zeitweise den Baummarder wegen unzureichender Datenlage von der Liste entfernt, der Baummarder erscheint nun wieder in vierzehn Departementen. Die Schweiz reguliert dieselben Arten nach Art. 5 JSG, ohne je eine vergleichbare Wirkungsprüfung durchgeführt zu haben.

Mehr dazu: Millionenfach getötet – für nichts: Neue Studie entlarvt Jägerlatein

Publikationen nach Tierart

Waschbären

Neben erhöhter Fortpflanzung kann auch kompensatorische Zuwanderung Abschusseffekte aufheben: Werden Reviere lokal frei, können Tiere aus umliegenden, nicht bejagten Gebieten einwandern und die Lücken besetzen. Eine Jagdstrategie, die nur kleine Flächen erfasst, kann daher kurzfristige lokale Effekte erzeugen, ohne die Bestandsdichte auf Ebene der gesamten Landschaft dauerhaft zu senken.

Goldschakale

Füchse

  • Kistler C et al. Das Management des Fuchses sollte auf wissenschaftlichen Grundlagen anstatt auf Annahmen basieren
  • Baker PJ et al. Effect of British hunting ban on fox numbers
  • Goszczyński J. Population dynamics of the red fox in central Poland
  • Kaphegyi T. Untersuchungen zum Sozialverhalten des Fuchses (Vulpes vulpes L). Dissertationsarbeit
  • Ansorge H. et al. (2010 ff.) The German Wildlife Information System (WILD): Population densities and den use of red foxes 2003–2007 in Germany. ResearchGate. Deutschlandweites Monitoring der Fuchsdichten und Bausnutzung.
  • Kämmerle J.-L. et al. (2019) Restricted-area culls and red fox abundance: Are effects at the landscape scale? Conservation Science and Practice. Lokale Abschüsse senken die Fuchsdichte auf Landschaftsebene nicht.
  • Williams N.F. (2025) Causes and Implications of Fox Population Dynamics in Central England. Dissertation, Bournemouth University. Bestätigt kompensatorische Reproduktionseffekte nach Bejagung: Fuchspopulationen gleichen Verluste durch erhöhte Nachwuchsraten rasch wieder aus.
  • Ryser-Degiorgis S. et al. (2019) Spatiotemporal spread of sarcoptic mange in the red fox in Switzerland. Parasites & Vectors. Schweizer Daten zur Ausbreitung der Räude, ohne Zusammenhang zur Bejagungsintensität.
  • Pence D.B. & Ueckermann E. (2002) Sarcoptic mange in wildlife. PubMed. Grundlegende Übersichtsarbeit zur Räude bei Wildtieren.
  • Prentice J. (2012) The perturbation effect in wildlife systems. Dissertation, University of Leeds. Volltext. Zeigt, warum das Töten territorialer Tiere über erhöhte Zuwanderung die Krankheitsausbreitung eher fördert als bremst.
  • König A. et al. (2019) Effective long-term control of Echinococcus multilocularis in a mixed rural-urban area in Germany. PMC. Entwurmungsköder drängen den Fuchsbandwurm nachhaltig zurück, Bejagung ist dafür kein geeignetes Mittel.
  • Comte S. et al. (2013) Fox baiting against Echinococcus multilocularis: Contrasted achievements among two medium size cities. SWILD. Vergleicht die Wirksamkeit von Beköderungsprogrammen in zwei Städten.
  • Takahashi K. et al. (2013) Efficacy of anthelmintic baiting of foxes against Echinococcus multilocularis in northern Japan. ScienceDirect. Bestätigt ausserhalb Europas: Köderprogramme wirken, Jagd nicht.
  • Knauer F. et al. (2010) A statistical analysis of the relationship between red fox and prey species. Wildlife Biology. Statistischer Zusammenhang zwischen Fuchsdichte und Beutetierbeständen.
  • N.N. (2024) The impact of Agri-Environment Schemes (AES) and red fox (Vulpes vulpes) on the density of European brown hare (Lepus europaeus) populations in Hungary. bioRxiv. Verhältnis von Landschaftsmassnahmen, Fuchsdichte und Feldhasenbestand.
  • Kujawa D. & Łęcki R. Does Red Fox Vulpes vulpes Affect Bird Species Richness and Abundance in an Agricultural Landscape? ResearchGate. Einfluss des Fuchses auf die Vogelvielfalt im Agrarland.
  • Spaar R. et al. (2012) Elemente für Artenförderungsprogramme Vögel Schweiz. Artenförderung Vögel Schweiz. Fachbericht zu wirksamen Schutzmassnahmen für Schweizer Brutvögel, mit Einordnung des Prädationsfaktors.
  • Korner P., Hohl D. & Horch P. Brood protection is essential but not sufficient for population survival of lapwings Vanellus vanellus in central Switzerland. Wildlife Biology. Habitatqualität als entscheidender Faktor beim Kiebitz, nicht Prädatorenkontrolle.
  • Jiguet F. et al. (2026) Ecological and economic assessments of native vertebrate pest control in France. Biological Conservation. Zwischen 2015 und 2022 wurden in Frankreich durchschnittlich 383’299 Rotfüchse pro Jahr getötet. Die Studie findet keinen statistischen Zusammenhang zwischen dem Abschussaufwand und einer Reduktion der offiziell gemeldeten Schäden. Die Kontrollkosten für alle bejagten Arten zusammen übersteigen die Schäden um das Achtfache.
  • SWILD – Kistler C. & Bontadina F. (2026) Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd. Fachbericht im Auftrag des Amtes für Wald und Wild des Kantons Zug. Mai 2026.
  • Kurzzusammenfassungen wissenschaftlicher Literatur zum Rotfuchs
  • Mehr dazu: Dossier: Der Fuchs in der Schweiz und Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet

Wildschweine

Elche

Rehe

Eine aktuelle Studie aus den südwestlichen Alpen zeigt, wie stark Jagddruck das Raumverhalten anderer Wildtiere verändern kann. Rehe mieden während der Jagdsaison Gebiete mit hohem Jagdrisiko. Besonders während Drückjagden auf Wildschweine wählten sie häufiger wolfenreiche Gebiete und hielten sich verstärkt in der Nähe von Gebäuden auf. Die Forschenden sprechen von einem Zielkonflikt zwischen verschiedenen Risiken: Um der Jagd auszuweichen, können Tiere in Bereiche ausweichen, in denen andere Gefahren zunehmen. Dies verdeutlicht, dass Jagd die Nutzung von Lebensräumen und Beziehungen zwischen Beute, Prädatoren und Menschen weit über den einzelnen Abschuss hinaus beeinflusst.

Alpenmurmeltiere

  • Zenth F., Giari C., Morocutti E. et al. (2025) Hunting, but not outdoor recreation, modulates behavioural tolerance to human disturbance in Alpine marmots Marmota marmotaWildlife Biology 2025: e01397

Rabenvögel und Stare

  • Jiguet F. et al. (2026) Ecological and economic assessments of native vertebrate pest control in France. Biological Conservation. Die bisher umfassendste ökonomische und ökologische Prüfung der Bejagung von Rabenkrähen, Saatkrähen, Elstern, Eichelhähern und Staren in Frankreich. Über sieben Jahre wurden mehr als 10,7 Millionen Vögel dieser fünf Arten getötet. Die Abschüsse regulieren weder Populationen noch Schäden, bei Eichelhäher und Star korreliert eine höhere Abschusszahl sogar mit höheren Frühjahrsbeständen.
  • Chiron F. & Julliard R. (2013) Assessing the effects of trapping on pest bird species at the country level. Biological Conservation 158: 98–106. Belegt, dass die Bejagung die Populationsstruktur von Rabenvögeln verändert, die Gesamtbestände jedoch nicht reduziert.
  • Jiguet F. & Gantin C. (2025) Fission-fusion dynamics and spring movements in first-year carrion crows challenge the efficiency of culling strategies. Scientific Reports 15: 31068. Zeigt, dass bis zu 96 Prozent der im Frühling erlegten Rabenkrähen junge, nicht brütende Individuen sind. Das regulatorisch relevante Brutpopulationssegment wird durch die Bejagung nicht erfasst.
  • Jiguet F. (2020) The Fox and the Crow. A need to update pest control strategies. Biological Conservation 248: 108693. Forderte bereits 2020 eine grundlegende ökologische, ökonomische und ethische Neubewertung der Bejagung von Füchsen und Rabenvögeln.
  • Green A.J., Elmberg J. & Lovas-Kiss Á. (2019) Beyond Scatter-Hoarding and Frugivory: European Corvids as Overlooked Vectors for a Broad Range of Plants. Frontiers in Ecology and Evolution 7: 133. Dokumentiert die unterschätzte Rolle von Rabenvögeln als Samenverbreiter.
  • Hougner C., Colding J. & Söderqvist T. (2006) Economic valuation of a seed dispersal service in the Stockholm National Urban Park, Sweden. Ecological Economics 59: 364–374. Beziffert den ökonomischen Wert der Samenverbreitung durch Eichelhäher auf 3’200 bis 14’600 Euro pro Brutpaar.

Gämsen und Steinböcke

  • Coltman D.W. et al. (2003) Undesirable evolutionary consequences of trophy hunting. Nature 426: 655–658 (Dickhornschafe; die beschriebenen Selektionsmechanismen sind auf Steinböcke mit Trophäenjagd übertragbar)
  • Pigeon G. et al. (2016) Intense selective hunting leads to artificial evolution in horn size. Evolutionary Applications 9: 521–530

Hinweis: Für Gämsen und Steinböcke in der Schweiz fehlen bislang eigene Populationsstudien zu Jagdeffekten auf Stressphysiologie oder Verhaltensänderung. Dieser Abschnitt wird bei Vorliegen neuer Daten aus alpinen Langzeitstudien ergänzt.

Braunbären

Wölfe

Allgemeine Publikationen zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd auf Wildtiere

Bleimunition: Weiterführende Quellen

Immunokontrazeption: Humane Alternativen zur Hobby-Jagd

Es gibt eine wachsende öffentliche Nachfrage nach Wildtiermanagern, die von traditionellen, tödlichen Kontrollmethoden abrücken und zu effektiveren, humanen, nicht-tödlichen Methoden übergehen. PZP-Immunkontrazeption (Porcine Zona Pellucida) und GonaCon-Impfstoffe bieten wissenschaftlich erprobte Alternativen.

Mehr dazu: Dossier: Genf und das Jagdverbot und Dossier: Argumentarium für professionelle Wildhüter

Jagdwaffen und häusliche Gewalt

Die Hobby-Jagd bringt Schusswaffen in Privathaushalte, und das erhöht das Risiko tödlicher Gewalt gegen Frauen. Die Rechtsmedizinerin Alexia Delbreil und der Kriminologe Jean-Louis Senon fanden in ihrer Studie zum Partnerschaftsmord (42 Fälle der Cour d’Appel de Poitiers), dass unter den mit Schusswaffen begangenen Femiziden rund 71 Prozent mit Jagdgewehren verübt wurden. Der Grund: Es handelt sich um «Gelegenheitswaffen», die häufig im Haushalt vorhanden sind. Der Psychiater Jean-Louis Terra hatte bereits 2003 festgestellt, dass das Tötungsrisiko für eine Frau in einem Haushalt mit Schusswaffe fünfmal höher liegt, ein Befund, den er 2021 gegenüber Reporterre als weiterhin gültig bezeichnete.

Publikationen über die Auswirkungen der Gewalt auf Hobby-Jäger

  1. Solothurner Regierung verteidigt Tierquälerei
  2. Amygdala and violence (Suchübersicht)
  3. Den Zusammenhang zwischen Tierquälerei und Gewalt in der Familie verstehen: Das bioökologische Systemmodell
  4. Kindheit ohne Gewissen (Der Spiegel)
  5. Warum manche Menschen mörderisch böse werden (Die Welt)
  6. Violence as a source of pleasure or displeasure is associated with specific functional connectivity with the nucleus accumbens (Frontiers in Human Neuroscience)
  7. Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei (PETA)
  8. Jagdfieber
  9. Serial Killers Have Under-Developed Brains, Says New Study (IBTimes)
  10. Wenn Kinder Tiere quälen: So sollten Eltern reagieren
  11. Why Men Trophy Hunt: Showing Off and the Psychology of Shame (Psychology Today)
  12. «Töten kann Spass machen» (NZZ)
  13. Hunting and Illegal Violence Against Humans and Other Animals
  14. Hobby-Jäger besser verstehen
  15. Interview: Petra Klages mit dem Serienmörder Frank Gust (PETA)
  16. Psychologisch-Soziologische Unterschiede zwischen Hobbyjägern und Nichtjägern
  17. Anatomie der menschlichen Destruktivität (Erich Fromm)
  18. Hat der einen Schuss? (Die Zeit)
  19. Die Leidenschaft des Jägers (Paul Parin)
  20. Hunting and Illegal Violence Against Humans and Other Animals: Exploring the Relationship (ResearchGate)
  21. New York State statistics show link: hunters and molesters
  22. Ohio data confirms hunting/child abuse
  23. Michigan stats confirm hunting, child abuse
  24. Häusliche Gewalt durch Waffen verhindern (Südostschweiz)
  25. Cazadores deportivos: ¿Mentes criminales?
  26. Jagd und Jäger: Psychoanalyse
  27. Ein Forscher findet in den Gehirnen von Serienmördern ein bestimmtes Muster (NZZ)
  28. Das Gehirn
  29. Hobby-Jäger und ihr Muster im Gehirn
  30. Dugré J.R., Hopfer C.J. & Winters D.E. (2025) The dark sides of the brain: A systematic review and meta-analysis of functional neuroimaging studies on trait aggression. Aggression and Violent Behavior 81:102035.
  31. Decety J., Chen C., Harenski C. & Kiehl K.A. (2013) An fMRI study of affective perspective taking in individuals with psychopathy: Imagining another in pain does not evoke empathy. Frontiers in Human Neuroscience 7:489.
  32. Delbreil A. & Senon J.-L. Homicide conjugal: Profil de l’auteur et facteurs prédictifs de passage à l’acte. À partir de 42 dossiers jugés par les juridictions de la Cour d’Appel de Poitiers. Sudoc. Unter den mit Schusswaffen begangenen Femiziden wurden rund 71 Prozent mit Jagdgewehren verübt, weil diese als «Gelegenheitswaffen» häufig im Haushalt vorhanden sind.
  33. Terra J.-L. (2003) Das Tötungsrisiko für eine Frau liegt in einem Haushalt mit Schusswaffe fünffach höher. 2021 gegenüber Reporterre als weiterhin gültig bestätigt.

Mehr dazu: Was sagt die Psychologie über Hobby-Jäger?: Psychologie & Jagd: Analysen zu Motiven, Rechtfertigungen und sozialen Dynamiken der Hobby-Jagd aus psychologischer Perspektive.

Zur Psychologie der Jagd: Was die Forschung zeigt

Was bewegt Menschen dazu, zu jagen, und welche psychologischen Effekte hat das Töten von Tieren auf die Jäger selbst? Diese Frage ist wissenschaftlich wenig erforscht, gewinnt aber angesichts gesellschaftlicher Debatten über die Legitimität der Hobby-Jagd an Bedeutung. Im Folgenden werden empirische Befunde zusammengefasst – ohne Verallgemeinerung und ohne Gleichsetzung von Jagd mit Kriminalität oder Pathologie, die wissenschaftlich nicht haltbar wäre.

Jagdmotivation: Studien aus Nordamerika und Nordeuropa zeigen, dass Hobby-Jäger unterschiedliche Motivationsprofile aufweisen: Nahrungsbeschaffung, Naturerlebnis, soziale Bindung und – bei einem Teil der Befragten – die Freude am Töten selbst («harvest motivation»). Letztere Gruppe zeigt in Befragungsstudien eine höhere Toleranz gegenüber Tierleid und eine stärkere Identifikation mit Dominanz über die Natur. Diese Befunde stammen aus Selbstauskunftsstudien und sind nicht auf alle Jäger verallgemeinerbar. (Why Men Trophy Hunt: Showing Off and the Psychology of Shame, Psychology Today; Psychologisch-Soziologische Unterschiede zwischen Hobbyjägern und Nichtjägern)

Mehr dazu: Der Hobby-Jäger im 21. Jahrhundert

Kantonale Psychologie-Analysen:

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