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Jagd

Belgien: Verhütende Körner sollen Taubenpopulation kontrollieren

Belgien plant, die Taubenpopulation mit speziellen Körnern zu reduzieren.

Redaktion Wild beim Wild — 18. Oktober 2024

Diese Methode hat in Ixelles bereits dazu geführt, dass die Zahl der Tauben innerhalb von drei Jahren um 40 % gesenkt wurde und inspiriert andere Städte in Europa.

An einem herbstlichen Morgen in Ixelles wird ein Automat für die Verhütungskörner auf dem Rotkreuzplatz gefüllt. Die Tauben, die sich in den Bäumen verstecken, bleiben zunächst ruhig. Fünfzehn Minuten später, um 7.45 Uhr, klappt die Futterverteilung besser und fast 200 Tauben stürzen sich auf die Körner.

«Wir wollten eine Lösung finden, die die Taubenpopulation senkt und gleichzeitig den Tierschutz beachtet,» sagt Yves Rouyet, Gemeinderat von Ixelles.

Statt Tauben zu töten, was von Tierschützern kritisiert wird, setzt die Gemeinde seit 2021 auf empfängnisverhütende Körner. Dadurch konnte die Taubenpopulation in Ixelles um etwa 40 % reduziert werden.

Die Gemeinde erhielt viele Beschwerden über die vielen Tauben. «Die grosse Anzahl und der Kot der Tauben schädigen Gebäude,» erklärt Rouyet.

Die Automaten stehen an sechs Orten in der Gemeinde und werden morgens zwei Mal gefüllt. Diese Massnahme kostet die Gemeinde jährlich 10.000 Euro pro Automat.

Die Taube ist ein Schwarmtier und innerhalb einer Kolonie herrscht eine klare Rangordnung, insbesondere beim Fressen. Die dominanten Tiere machen 15 % des Schwarms aus, bekommen das meiste Futter ab und pflanzen sich schnell fort. Auf diese Gruppe zielt Vets For City Pigeons ab. Indem man diese Gruppe anvisiert, erreicht man indirekt die gesamte Population. Durch das Füttern von Ovistop in der Fortpflanzungssaison nimmt die dominante Gruppe automatisch die richtige Dosis des wirksamen Produkts auf. Die Folge: weniger Nachwuchs.

Tauben sind sehr Standort treu. Deshalb funktioniert das mit den betreuten Taubenschlägen (Augsburger Modell) nicht überall, auch weil man keinen geeigneten Standort findet, wie zum Beispiel bei den Bahnhöfen. Deshalb kann die Empfängnisverhütung dort ein weiteres Puzzleteil sein, im Taubenmanagement.

Tauben können nach mehrfachem Brüten und durch den Eierdiebstahl merken, dass hier etwas nicht stimmt und suchen sich um den betreuten Taubenschlag wieder neue/alte Brutplätze.

«Es ist besser, Fütterer einzubeziehen»

Die Gemeinde hat auch die Menschen, die Tauben füttern, in das Programm einbezogen und keine Bussgelder mehr verhängt. «Es ist besser, sie in das System zu integrieren,» sagt Rouyet, gegenüber euronews.

Freiwillige, meistens Frauen, dürfen an bestimmten Orten und Zeiten die Körner verteilen, um die Tauben zu lenken.

Stéphanie De Jonghe, die seit zehn Jahren Tauben füttert und nun seit vier Jahren im Rahmen des Programms arbeitet, erklärt: «Ich habe jeden Tag gefüttert, weil sie Nahrung brauchen.»

De Jonghe betont, dass die Tauben gefüttert werden müssen, um zu verhindern, dass sie unterernährt werden. Sie glaubt, dass es Tierquälerei wäre, ihnen nur das Verhütungsmittel zu geben, da dies zu einer schnellen Reduktion führen würde.

Die Aktivistin weist darauf hin, dass die Tauben stark vom Menschen abhängig sind, da sie ursprünglich gezüchtet wurden und dann in die Städte kamen, ohne das zu bekommen, was sie brauchen.

Andere europäische Städte wie Brüssel, Strassburg, Barcelona und viele mehr haben ebenfalls Systeme mit den empfängnisverhütenden Körnern (Ovistop) eingeführt und werden auch von Tierschutzorganisationen unterstützt, aufgrund von Fachliteratur und Fallbeispielen.

Alternative Fakten

Es gibt auch kritische Stimmen zu Ovistop, mit teils abenteuerlichen Behauptungen.

Der Fakt, dass es meist Tierärzte und Tierschützer sind, die Ovistop bzw. den Wirkstoff Nicarbazin an der Front verteilen (allein in Belgien an über 100 Standorten), offensichtlich keine negativen Erfahrungen oder Beobachtungen machen, hinsichtlich der Vorurteile der Kritiker, spricht für sich selbst.

Ovistop ist seit Jahrzehnten im Einsatz und es gibt keine empirischen Studien über Schädlichkeit bei Tauben bei geringer Dosierung. Auch nicht von der ETH Zürich. Tauben können laut Studien sowohl keine akute als auch keine chronische Intoxikation durch das Medikament bekommen. Die Ergebnisse der Studien zeigen deutlich, dass die Verabreichung von Nicarbazin zu einer Verringerung der Zahl der koloniebildenden Tauben führen kann, ohne dass es zu tödlichen Auswirkungen oder auffälligen Nebenwirkungen kommt.

Studien:

Wäre dem nicht so, gäbe es kaum eine EU-weite Zulassung. Ovistop wird bei Tauben nicht nur in mehreren Ländern in Europa eingesetzt. Italien (seit 1996), Spanien, Ungarn, Frankreich, Malta, Belgien, Österreich oder in Deutschland seit dem Frühjahr 2023, sondern weltweit.

Wer Ovistop im deutschsprachigen Raum propagiert, sieht sich massivem Druck aggressiver Eierdieben ausgesetzt. Interessanterweise sind es genau diese Kreise, die Tierversuche fordern, um ihre Behauptungen zu rechtfertigen, für etwas, was schon seit Jahrzehnten erprobt ist.

Das Medikament scheint uns ein probates Mittel zu sein, um der übergrossen Taubenpopulation mit all den Nebeneffekten entgegenzuwirken. Das was wir bisher gemacht haben, die Tauben zu füttern, die Eier auszutauschen, war letztendlich nicht so erfolgreich. Martin Adamski, Umweltdezernent Bielefeld

Die österreichische Stadt Linz sagt, dass die Population seit Beginn des Projekts mit Ovistop 2001 um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. 

Medikamente in der Human- und Tiermedizin können immer auch andere treffen, Stichwort Antibiotikaresistenz zum Beispiel. Jedes Medikament, ob pflanzlich oder synthetisch hergestellt, kann Nebenwirkungen haben.

Wer zudem allgemein nicht auf Bionahrung oder fleischlastige Nahrung setzt, verteilt krankmachende Gifte wie Spuren aus Antibiotika, Hormone, Gentech-Futtermitteln, Pestiziden, Spritzmitteln, Herbiziden, usw., die nachweislich gesundheitsschädlich sind, den Boden, die Umwelt, das Trinkwasser und Lebewesen schädigen.

Nach Art. 5 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel (Jagdgesetz, JSG, SR 992.0) gelten Stadttauben als verwilderte Haustauben, die das ganze Jahr über gejagt werden dürfen, was laut der IG Wild beim Wild nicht zu einem empfehlenswerten Taubenmanagement gehört.

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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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