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Jagd

Bejagte Wildtierarten in der Schweiz: Wer wird warum zur Zielscheibe?

Ein kritischer Überblick über die jagdbaren Wildtierarten in der Schweiz – von Reh und Hirsch bis zu Fuchs, Dachs, Hasen, Murmeltieren und Vögeln.

Redaktion Wild beim Wild — 23. April 2026

In der Schweiz werden jedes Jahr über 130’000 Wildtiere durch die Hobby-Jagd getötet – zusätzlich zu jenen, die im Strassenverkehr, in der Landwirtschaft oder durch andere menschliche Eingriffe sterben.

Hinter der nüchternen Jagdstatistik verbergen sich konkrete Tierarten, Schicksale und politische Entscheidungen, die darüber bestimmen, wer zur Zielscheibe wird und wer geschützt ist. Dieses Dossier gibt einen Überblick über die wichtigsten bejagten Wildtierarten in der Schweiz und zeigt, warum viele von ihnen längst mehr Schutz als Kugeln brauchen.

1. Warum ein Überblick über bejagte Arten nötig ist

Offizielle Statistiken und Jagdverbände sprechen von «Strecken» und «Bestandsregulation», wenn jedes Jahr Zehntausende Wildtiere getötet werden. Diese Sprache verschleiert, dass es sich um fühlende Individuen handelt – und die Auswahl der jagdbaren Arten kein Naturgesetz ist, sondern ein politischer Aushandlungsprozess zwischen Jagdlobby, Landwirtschaft und Behörden.

Die Schweiz kennt einerseits das Bundesjagdgesetz mit einer Liste geschützter und jagdbarer Arten, andererseits kantonale Jagdgesetze und Verordnungen, die festlegen, wann, wo und wie intensiv geschossen wird. Viele Arten, die heute noch jagdbar sind, stehen gleichzeitig unter Druck durch Lebensraumverlust, Landwirtschaft und Klima, einige tauchen sogar auf Roten Listen auf. Ein kritischer Gesamtüberblick hilft zu erkennen, wie widersprüchlich das System geworden ist.

Weiterführende Grundlagen:

2. Schalenwild: Rehe, Hirsche, Gämsen, Wildschweine und Steinböcke

2.1 Reh – das meistgeschossene Wildtier der Schweiz

Das Reh ist mit Abstand das meistgeschossene Wildtier der Schweiz: Jahr für Jahr fallen zehntausende Tiere der Hobby-Jagd zum Opfer, hinzu kommen Kitze und Fallwild im Strassenverkehr. Kein anderes Wildtier wird häufiger zur Zielscheibe gemacht, obwohl Rehe zentrale Äsungs- und Beutetiere im Ökosystem sind.

Im Dossier «Reh Schweiz: Meistgeschossenes Wildtier der Hobby-Jagd» wird detailliert aufgezeigt, wie die Rehbejagung ökologisch fragwürdig, ethisch problematisch und politisch gesteuert ist. Die Jagdlobby verkauft die hohe Abschusszahl als «Schutz des Waldes» – obwohl wissenschaftliche Studien zeigen, dass Waldverjüngung vor allem von Lebensraumqualität, Verbisslenkung und grossräumiger Planung abhängt.

2.2 Rothirsch, Gemse, Steinbock – Wildtiere als Trophäen und «Regulationsobjekte»

Rothirsche, Gämsen und Steinböcke werden in der Hochjagd seit Jahrzehnten als «klassische Jagdarten» vermarktet und als Symbol der Alpenjagd inszeniert. Jährlich werden in der Schweiz zehntausende Tiere dieser Arten erlegt – Zahlen, die in vielen Kantonen als Erfolg statt als Problem gesehen werden.

Die Begründung lautet fast immer gleich: «Bestandsregulierung» und «Schutzwald». Gleichzeitig zeigen eure Analysen und unabhängige Forschung, dass Beutegreifer wie Luchs und Wolf wesentlich zur natürlichen Regulierung beitragen könnten, aber gezielt kurzgehalten oder geschossen werden. So entsteht ein künstliches System, in dem Hobby-Jäger sich selbst unentbehrlich machen.

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2.3 Wildschwein – Sündenbock für Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft

Wildschweine werden in vielen Kantonen als Problemtiere dargestellt, obwohl ihre Bestände stark von Maisanbau, Fütterung und Klima profitieren. Die Jagd versucht, dieses menschengemachte Überangebot mit immer intensiveren Abschüssen zu kontrollieren – teilweise mit Nachtzieltechnik und Lockfütterung, die neue Probleme schafft.

Ein eigenständiges Dossier zu Wildschweinen, Landwirtschaft und Jagd kann diese Zusammenhänge vertiefen. Bis dahin liefert das Jagd-Dossier wichtige Argumente gegen die Sündenbock-Rhetorik.

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3. Beutegreifer im Fadenkreuz: Fuchs, Dachs, Marder & Co.

3.1 Der Fuchs – ökologisch wertvoll, systematisch verfolgt

Rotfüchse gehören zu den am häufigsten getöteten Beutegreifern in der Schweiz. Das geschieht, obwohl Füchse als Aasverwerter und Mäusejäger zentrale Aufgaben im Ökosystem übernehmen und zur Kontrolle von Nagern beitragen.

Die Jagdlobby begründet Fuchsjagden mit Fuchsbandwurm, Singvögeln und Hasenrückgang – Argumente, die wissenschaftlich kaum haltbar sind oder die eigenen Beiträge der Jagd zu diesen Problemen ausblenden. Im Beitrag «Was sind Beutegreifer und welche Rolle spielen sie?» zeigt ihr bereits, wie Füchse und andere Beutegreifer zu Sündenböcken gemacht werden, um Hobby-Jagd zu legitimieren.

3.2 Dachs, Marder und andere Kleinsäuger – Opfer der «Tradition»

Dachse und Marder werden ebenfalls jedes Jahr zu Tausenden getötet, meist mit dem Argument, sie würden «Niederwildbestände» gefährden oder Schäden verursachen. Tatsächlich sind sie wichtige Aasverwerter, Bodenbearbeiter und Nahrungsquellen für grössere Beutegreifer.

Einige Arten, etwa Baummarder oder Wildkaninchen, sind in Teilen der Schweiz stark gefährdet, werden aber zugleich weiterhin jagdbar gehalten. Das Dossier «Das Wildkaninchen in der Schweiz: stark gefährdet, trotzdem jagdbar» zeigt exemplarisch, wie absurd diese Kombination aus Roter Liste und Jagdgesetz ist.

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4. Niederwild: Hasen, Kaninchen, Murmeltiere und Vögel

4.1 Feld- und Schneehasen – Rückgang, aber weiterhin im Visier

Feldhasen und Schneehasen sind in der Schweiz massiv unter Druck, ihre Bestände sind in vielen Regionen eingebrochen. Trotzdem werden jedes Jahr immer noch Hunderte bis Tausende Hasen geschossen – obwohl Landwirtschaft, Lebensraumverlust und Klima die entscheidenden Faktoren sind.

In euren Beiträgen zum Artenrückgang zeigt ihr, wie stark die schweizerische Kulturlandschaft verarmt und wie wenig die Jagd bereit ist, ihren eigenen Beitrag zu diesem Problem zu reflektieren.

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4.2 Murmeltiere – Bergikonen als Jagdobjekte

Murmeltiere werden vor allem im Alpenraum bejagt, obwohl sie eine hohe Symbolkraft für den alpinen Lebensraum haben und keine «Schädlinge» sind. Ihre Jagd zeigt exemplarisch, wie wenig die Kategorie «jagdbar» mit objektiver Notwendigkeit zu tun hat – und wie stark Tradition und Trophäenleidenschaft wirken.

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4.3 Vögel – unterschätzte Opfer der Hobby-Jagd

In der offiziellen Jagdstatistik taucht eine ganze Reihe von Vogelarten als jagdbar auf – von Enten über Rabenkrähen bis zu Tauben. Die Diskussion um Bleivergiftung, Störungen an Gewässern und die Rolle der Jagd für den Rückgang bestimmter Vogelarten ist in der Schweiz erst im Ansatz geführt.

Für viele Leserinnen und Leser ist es ein Schock, überhaupt zu erfahren, welche Vogelarten in der Schweiz legal geschossen werden dürfen. Diese Seite kann hier einen ersten Überblick geben und auf eure Studien- und Politikdossiers verweisen.

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5. Widersprüche: Gefährdete Arten bleiben jagdbar

Ein besonders krasser Widerspruch zeigt sich bei Arten, die auf nationalen Roten Listen als «stark gefährdet» eingestuft sind – und gleichzeitig weiterhin jagdbar bleiben. Das Wildkaninchen ist eines der deutlichsten Beispiele: eine stark gefährdete Art, deren Bestände in der Schweiz fast kollabiert sind und die dennoch als «Jagdwild» geführt wird.

Solche Konstellationen zeigen, wie unzureichend die Jagdgesetzgebung den aktuellen Zustand der Biodiversität abbildet und wie stark Lobbyinteressen wirken. Statt gefährdete Arten konsequent zu schützen, wird an Jagdtraditionen festgehalten, als wäre das 19. Jahrhundert nie vorbei gewesen.

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6. Beutegreifer vs. Jagd: Konkurrenz um Beute

Beutegreifer wie Wolf, Luchs und Fuchs werden in der Schweiz nicht nur als angebliche Gefahr für Nutztiere, sondern auch als Konkurrenz für Hobby-Jäger bekämpft. Im Dossier «Wilderei Schweiz: Jagdkriminalität und Straflosigkeit» wird deutlich, dass Luchs, Wolf und Greifvögel überproportional von illegaler Verfolgung betroffen sind – nicht aus Not, sondern weil sie als unerwünschte Konkurrenten wahrgenommen werden.

Gleichzeitig zeigen eure Beutegreifer-Artikel und Analysen des Genfer Modells, dass funktionierende Bestände von Wolf, Luchs und Fuchs Schalenwildpopulationen regulieren und Schutzwälder entlasten können. Trotzdem setzt die Schweizer Jagdpolitik weiterhin primär auf das Gewehr statt auf Ökosystemfunktion – und hält an der gezielten Jagd auf Beutegreifer fest.

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7. Hobby-Jagd als Freizeitgewalt – was die Übersicht zeigt

Die Gesamtschau über bejagte Wildtierarten zeigt: Die Hobby-Jagd in der Schweiz ist weniger «Wildtiermanagement» als Freizeitgewalt mit politischer Rückendeckung. Viele Tiere werden geschossen, weil es Tradition ist, weil sie als Trophäen dienen oder weil Lobbyorganisationen ein Interesse daran haben, das Bild vom «notwendigen Jäger» aufrechtzuerhalten.

Statt sich an ökologischen Notwendigkeiten, Tierwürde und moderner Wildtierökologie zu orientieren, hält das System an überholten Kategorien wie «jagdbar» und «Schadwild» fest. Wer bejagte Wildtierarten in der Schweiz verstehen will, muss deshalb nicht nur Zahlen und Arten kennen, sondern auch die Interessen dahinter – von Jagdverbänden über Bauernlobby bis zu kantonalen Behörden.

Weiterführende Seiten zum Aktivwerden:

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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