05.10.2026, 19:16

Suchen

Psychologie & Jagd

Jagdfieber

Zur Saisoneröffnung: der psychologische Blick hinter den Rausch der Hobby-Jagd.

Redaktion Wild beim Wild — 6. September 2026

Mit der Eröffnung der Hochjagd 2026 beginnt für Zehntausende Wildtiere die gefährlichste Zeit des Jahres. Während in Graubünden, im Tessin und im Wallis die Vorfälle der laufenden Saison dokumentiert werden, lohnt der Blick auf eine oft verdrängte Frage: Was treibt Menschen an, das Töten zum Freizeitvergnügen zu machen? Psychologen, Psychiater und Psychoanalytiker sprechen im Zusammenhang mit der Jagd und dem sogenannten Jagdfieber von tief liegenden psychischen Mustern. Dieser Beitrag ordnet ein, was hinter dem Rausch der Hobby-Jagd steckt.

Gibt es Unterschiede zwischen Hobby-Jägern und Serienkillern?

Beide sind krank (Jagdfieber) und haben ein starkes Verlangen nach Macht und Kontrolle. Jagen kann ein erstes Symptom für eine gefährliche Psychopathie sein, die sich nicht allein auf Tiere beschränkt. Viele Studien belegen, dass Gewalttaten an Tieren unser ganzes Augenmerk verlangen.

Sowohl der Serienmörder als auch der Hobby-Jäger meint, an etwas Wichtigem teilzuhaben.

Auffallend häufig werden bei Serienkillern Gehirnanomalien festgestellt. Gewalt hinterlässt nach kurzer Zeit Spuren im Gehirn. Neuropsychologen bestätigen: Die Amygdala, ein Kerngebiet im Gehirn, ist bei Gewalttätern auffällig zurückgebildet oder gestört. Ist dieser zentrale Teil des Gehirns defekt, ist unter anderem das Ekelgefühl ausgeschaltet.

Beim Töten empfinden beide gleich, wie beim Konsum von Drogen. Eine temporäre Erleichterung, Beruhigung geht durch ihren Körper und Geist, bis im Jagdfieber erneut auf die Suche nach einem Opfer gegangen werden muss. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass bei der Jagd auch andere illegale Aktivitäten wie Wilderei, Waffenschmuggel, Kriminalität und Alkoholmissbrauch praktiziert und Soziopathie gefördert werden.

Einschlägige Jägermagazine sind voll mit Bildern von Hobby-Jägern im Jagdfieber, die eine Waffe in der Hand halten und in einer dominierenden Position über ihren Opfern posieren. Solche Magazine regen die Fantasie der Hobby-Jäger an, noch mehr und mehr jagen zu wollen, auch in allen Herren Ländern. Derartige Fotografien und Filme brauchen Hobby-Jäger, um sich wichtig zu fühlen.

Die Jagdwaffen führen im Jagdfieber zu Missbrauch in unser aller Sozialleben. Immer wieder kommt es zu Suiziden mit Schusswaffen, Drohungen und tödlichen Tragödien. Jahr für Jahr werden unzählige Menschen durch Hobby-Jäger und Jägerwaffen getötet und verletzt, teilweise so schwer, dass sie im Rollstuhl sitzen oder ihnen Gliedmassen amputiert werden müssen.

Gebiete, wo Wildtiere stark bejagt werden, können einen noch grösseren Bestand produzieren. Hobby-Jäger meucheln nicht nur kranke oder alte Tiere, sondern nicht selten die stärksten und gesündesten Wildtiere. Eine grosse Anzahl Wildtiere wird im Laufe der Jagd nur verletzt und nicht getötet. Jagen zerstört die natürliche Balance von Tierpopulationen.

Tiere spielen eine ebenso wichtige Rolle wie Menschen. Sie zeigen uns auch, wie wichtig es ist, dass man teilt, da wir Menschen nicht die einzigen Lebewesen auf dem Planeten sind.

IG Wild beim Wild

Jagd ist der dunkle Schatten, welcher die Wildtiere quält. Jagd ist wie Prostitution. Revier- und Patentjäger entrichten einen Geldbetrag, um ihrer Leidenschaft frönen zu können, den Tötungstrieb ausleben zu dürfen. Es werden dafür attraktive Jagden organisiert.

Jagd Schweiz

Ausser zum Beispiel im Kanton Genf

Der seit 1974 hobbyjägerbefreite Kanton Genf hat die durch die unprofessionellen Hobby-Jäger selbstgemachten Wildtierprobleme nicht. Die Wildtiere werden dort von 12 professionellen Umwelthütern (Gardes de l’environnement) betreut, was den Steuerzahler pro Jahr nicht einmal einen Kaffee kostet, laut Genfs Wildhüter Gottlieb Dändliker. In Holland wurde die Jagd 2002 auch weitgehend abgeschafft.

Jagd ist hässlich. Jagd ist Tierquälerei. Jagd gibt vor, etwas zu sein, was es gar nicht ist.

Dass die Jagd in der Schweiz immer perverser wird, ist dem Hobby-Jäger egal. Neuerdings werden auf den Sonderjagden trächtige Reh- und Hirschkühe geschossen oder einzelne Mütter und Kälber. Sogar das Bambi-Schiessen wird in den höchsten Tönen gelobt. Und dies nur, weil die Jagdplaner versagt haben, Wildtierpopulationen nachhaltig zu regulieren, weil die selbstverursachten Probleme ihrer schlechten Wissenschaft im Wildtiermanagement längst über den Kopf gewachsen sind. Wie ist es sonst zu erklären, dass bei angeblich immer kleiner werdenden Lebensräumen es immer mehr Hirsche, Wildschweine und dergleichen gibt, wenn nicht durch die falsche Jagdausübung als Ganzes?

Es gibt wenige Hobby-Jäger, die verstehen, dass sich die Bestandsdichte von Wildtieren dynamisch aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität, Klima, Krankheiten, Ressourcen sowie sozialen und physiologischen Faktoren ohne menschliches Zutun regelt, wenn sie nicht zerschossen wird. Der Jagddruck sowie andere Faktoren hingegen erhöhen die Reproduktionsraten der betroffenen Tierpopulationen, was man nicht nur bei den Wildschweinen, Füchsen, Rehen, Hirschen und Tauben, sondern bei jeder Spezies (Arterhaltung, Überlebensinstinkt, Geburtenausgleich) beobachten kann. Die meisten Hobby-Jäger akzeptieren die mitessenden Beutegreifer nicht. Sie hegen Rehe, Hirsche und Gämse ähnlich wie Haustiere und wollen dann möglichst viel ernten. Sie denken, die Wildtiere gehörten ihnen und sie hätten ein Recht auf Beute und Wildtiermord zum Spass. Die einheimischen Wildtiere gehören niemandem (res nullius). Hobby-Jäger haben die Verachtung von Tieren perfektioniert.

Graubünden hält an Sonderjagd fest
Weidetier Hirsch

Hobby-Jäger haben ein grosses Verlangen, etwas Heldenhaftes zu tun. Das Selbstwertgefühl durch den Akt des Tötens zu befriedigen. Hobby-Jäger schrecken nicht zurück, mit missionarischem Eifer an Schulen Kinder zu missbrauchen. Sektiererisch mit ihrem Jägerlatein machen sie Werbung für ihre gewalttätige Leidenschaft. Kinder und Jugendliche besitzen eine grosse Liebe zu Tieren und da werden ihnen von Hobby-Jägern Waffen und Schandtaten in die Hände gelegt.

Krankes Kind von Hobby-Jäger mit einem sterbenden Wildtier:

Was Hobby-Jäger und Serienkiller auch verbindet, ist der Wunsch, Trophäen von ihren Opfern zu sammeln. Beide lieben es, auf die Pirsch zu gehen, nach Opfern Ausschau zu halten, für den nächsten gewalttätigen Akt.

«Ich will damit nicht andeuten, dass die meisten Jäger schwache Menschen sind, aber meiner Erfahrung nach nutzen schwache Menschen oft genug die Möglichkeit, ihren Makel zu kompensieren, indem sie jagen oder mit Waffen und Messern herumspielen».

Die Seele des Mörders» vom FBI – Profiler John Douglas

Hobby-Jäger wurden sowohl in Europa als auch in den USA schon psychologischen und soziologischen Untersuchungen unterzogen und hinsichtlich verschiedener Aspekte mit Nichtjägern verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Jäger keine höhere Naturverbundenheit aufweisen als Nichtjäger, Themen des Tier-, Umwelt- und Naturschutzes eher negativ gegenüberstehen und allgemein eine höhere Tendenz zu aggressiven Verhaltensweisen zeigen. Die jägerische Tier- und Naturliebe erfreut sich nicht am Dasein des geliebten Objekts, vielmehr zielt sie darauf ab, das geliebte Wesen mit Haut und Haar zu besitzen, und gipfelt darin, es durch den Akt des Tötens zur Beute zu machen. Nirgendwo zeigt sich dies deutlicher als in den Jagderzählungen, in praktisch jeder Ausgabe der gängigen Jagdzeitschriften.

Auch wenn Menschen, die jagen, unterschiedliche Charaktereigenschaften haben, vereint die Hobby-Jäger doch letztlich alle das gleiche Tun: ein gewalttätiger Umgang mit friedliebenden Tieren und der Natur, oftmals nur als Spass, Freizeitvergnügen, im Jagdfieber oder auch als Sport, sowie die Vergiftung der Natur mit bleihaltiger Munition.

Hobby-Jägerinnen und Jäger leisten bei einer genauen Analyse keinen wertvollen Beitrag für die Flora und Fauna. Hobby-Jäger sorgen bis zum heutigen Tag für ein katastrophales Ungleichgewicht in der Natur. Mit den hohen, herangezüchteten Beständen an Schalenwild bringen sie zudem zum Beispiel die Schutzwälder in den Bergregionen in Gefahr.

Viele Schweizer Hobby-Jäger beteiligen sich im Jagdfieber an Jagden im Ausland und tun dies sicher nicht, weil ihnen Flora und Fauna am Herzen liegen. Die heutige Jagd ist kein ehrenwertes Handwerk, sondern eine Unkultur mit all den sinnlos praktizierten Tierquälereien.

«Mit dem Jagdschein wird die Lizenz zum Töten erworben. Dass im Volksmund jemand, ›der den Jagdschein hat‹, als nicht ganz zurechnungsfähig gilt, hat wohl, wie die meisten Volksweisheiten, einen wahren Kern. Und in der Tat wissen wir weder, wie viele Psychopathen, Waffennarren oder Suchtkranke unter den Jagdscheininhabern sind, die ganz legal mit Schusswaffen hantieren dürfen. Noch wissen wir, wer unter den Jagdscheinanwärtern einzig und allein die Jägerprüfung ablegen will, damit er legal an Schusswaffen kommt. Wir wissen es nicht, die Behörden wissen es nicht, die Jagdverbände wissen es nicht, und wollen es lieber auch nicht wissen.»

Karin Hutter

Was die Forschung wirklich zeigt

Die Gleichsetzung von Hobby-Jägern und Serienmördern ist eine Zuspitzung, keine wissenschaftliche Diagnose. Seriöse Forschung geht differenzierter vor, und ihre Befunde sind für die Hobby-Jagd unbequem genug.

Gesichert ist der Zusammenhang zwischen Jagdwaffen und tödlicher Gewalt im häuslichen Umfeld. Der Psychiater Jean-Louis Terra wies bereits 2003 nach, dass das Tötungsrisiko für eine Frau in einem Haushalt mit Schusswaffe fünfmal höher liegt, ein Befund, den er 2021 als weiterhin gültig bestätigte. Die Rechtsmedizinerin Alexia Delbreil und der Kriminologe Jean-Louis Senon fanden in ihrer Analyse von 42 Partnerschaftsmorden, dass rund 71 Prozent der mit Schusswaffen begangenen Femizide mit Jagdgewehren verübt wurden, weil diese als «Gelegenheitswaffen» im Haushalt griffbereit sind.

Auch die Hirnforschung liefert Hinweise. Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse funktioneller Bildgebungsstudien (Dugré et al. 2025) dokumentiert bei ausgeprägter Aggressionsneigung konsistente Auffälligkeiten in jenen Hirnarealen, die Empathie, Ekel und Impulskontrolle steuern. Eine fMRT-Studie (Decety et al. 2013) zeigte, dass sich bei Menschen mit psychopathischen Zügen beim Vorstellen fremden Schmerzes keine empathische Reaktion einstellt.

Wer mehr wissen will: Unsere Studienübersicht zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd bündelt die Forschung zu Stress, Sozialstrukturen und Gewalt, das Dossier Psychologie der Jagd ordnet Motive und gesellschaftliche Folgen ein.

Christian Lüdke ist Psychotherapeut, bildet Spezialeinheiten der Polizei aus und beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie von Tätern.

Lüdke: «Solche Menschen führen ein Doppelleben. Im Inneren fühlen sie sich wie die absoluten Versager, familiär, beruflich und sexuell, und werden von extremen Machtwünschen geleitet. Weil sie das im Alltag nicht umsetzen können, müssen sie das über so eine Gewalttat machen und suchen sich die schwächsten Opfer aus.»

Wie kann man einen solchen Menschen erkennen?

Lüdke: «Nach aussen hin sind sie meistens sehr unscheinbar. Aber in der Lebensgeschichte dieser Täter finden sich häufig um das elfte Lebensjahr herum drei Symptome: dass sie wieder ins Bett machen, dass sie mit Feuer spielen und vor allem, dass sie Tiere quälen.»

Sind das Einzelfälle?

Lüdke: «Leider nein. Es gibt sehr viele Menschen unter uns, die eine so hohe kriminelle Energie haben, dass sie quasi tickende Zeitbomben sind.» 

Was ist der gute Weg? Es ist der Weg, wo darüber nachgedacht wird, wie man das Töten von Lebewesen verhindern kann.

Mehr dazu im Dossier: Psychologie der Jagd

Sie können mit Barmherzigkeit allen Tieren und unserem Planeten helfen. Wählen Sie Mitgefühl auf Ihrem Teller und in Ihrem Glas. Go vegan.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Psychologie der Hobby-Jagd ordnen wir Forschung, Motive und gesellschaftliche Folgen ein. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden →