22. Mai 2026, 20:12

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Jagd

Kein Hunger, kein Bedarf, nur die Lust: Die Jubel-PR des Landesjagdverbands im Faktencheck

Pünktlich zum 80-Jahr-Jubiläum verkündet der oberösterreichische Landesjagdverband, die Jagd sei «ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft». Was MeinBezirk.at daraus macht, ist kein Bericht, sondern eine durchgewinkte Aussendung. Eine kritische Lektüre.

Redaktion Wild beim Wild — 22. Mai 2026

Der Beitrag in österreichischen Schmierenblättern, beruht zu hundert Prozent auf einer einzigen Quelle: der Pressekonferenz des Verbands.

Das Foto stammt vom OÖLJV, also vom Verband selbst. Zu Wort kommen ausschliesslich verbandsnahe Stimmen, der Landesjägermeister, eine Sozialwissenschafterin, die selbst jagt, und ein Moraltheologe. Keine einzige kritische Nachfrage, kein Tierschutz, kein Gegenargument.

Das ist kein Journalismus, das ist Verlautbarungsjournalismus. Eine Interessengruppe liefert Text und Bild, das Lokalmedium reicht beides ungeprüft weiter, und am Ende steht «Redaktion» darüber. Genau dieser Mechanismus hält die Hobby-Jagd gesellschaftsfähig: Man wiederholt die freundliche Selbstbeschreibung so oft und so unwidersprochen, bis sie wie eine neutrale Tatsache klingt. Wer ihn durchschaut, liest solche Jubelmeldungen anders.

«Eine reale Chance zu entkommen»? Der Verband zerlegt sich selbst

Am entlarvendsten ist, was der Landesjägermeister beinahe nebenbei einräumt. Das Wesen der Jagd sei, dass Wildtiere «eine reale Chance haben zu entkommen». Im selben Atemzug warnt er vor künstlicher Intelligenz bei der Zielerfassung und ruft seine Leute zur «Selbstdisziplin» auf.

Wer das ernst nimmt, hat die eigene Legende soeben in Schutt gelegt. Wenn die Technik längst so weit ist, dass nur noch freiwillige Zurückhaltung dem Tier überhaupt eine Chance lässt, dann ist von einem fairen Kräftemessen schlicht nichts übrig. Hochsitz, Nachtzielgerät, Schalldämpfer und nun rechnergestützte Zielerfassung gegen ein ahnungsloses Reh: Die «faire Jagd» ist ein Werbeslogan, kein realer Zustand. Was hinter diesem Mythos steckt, zeigen wir laufend in unserem Dossier zur Hobby-Jagd.

Kein Hunger, kein Bedarf, nur der Kick

Der Verband verkauft den Mitgliederzuwachs als Sehnsucht nach Natur, Ruhe und «selbst erlegtem Nahrungsmittel». Hier aber liegt der wunde Punkt: Niemand in Oberösterreich muss jagen, um satt zu werden. Es geht nicht um Hunger und nicht um Bedarf, sondern um ein Hobby, dessen Höhepunkt der tödliche Schuss ist.

Ein Beutegreifer im Wald tötet, weil er sonst verhungert. Der Hobby-Jäger tötet, weil es ihm Befriedigung verschafft. Diesen Unterschied kann keine noch so geschönte Aussendung wegmoderieren. Wie tief die Lust am Töten reicht, belegen die Befunde, die wir in unseren Beiträgen zur Aggression hinter dem Hobby und zu den Erkenntnissen der Hirnforschung zusammengetragen haben: ausgeschüttete Belohnungsbotenstoffe, emotionale Abstumpfung, der Kick im Moment des Abdrückens. Wer sich mit der psychischen Disposition vieler Hobby-Jäger befasst, erkennt rasch, dass die Romantik von Natur und Ursprünglichkeit eine sehr viel hässlichere Wirklichkeit überdeckt.

Was «selbstverständlich» wirklich heisst

Bleibt die zentrale Behauptung, die Hobby-Jagd sei ein «selbstverständlicher Teil der Gesellschaft». 22’000 aktive Hobby-Jäger klingen nach viel, sind aber nicht einmal eineinhalb Prozent der oberösterreichischen Bevölkerung. Eine kleine, bestens organisierte Lobby verkauft ihr Privatvergnügen als Allgemeingut, und ein Lokalmedium liefert die Bühne gleich gratis dazu.

Besonders dreist ist die Formel, man wolle «den Wildtieren eine Stimme verleihen». Eine Stimme verleiht man Tieren, indem man sie schützt, nicht indem man sie erschiesst. Diese Aufgabe übernehmen Menschen, die sich konsequent für Tierrechte einsetzen, und ganz sicher nicht jene, die das Töten zum Brauchtum verklären.

Fazit

80 Jahre Verbandsgeschichte ändern nichts am Kern der Sache: Die Hobby-Jagd ist weder Naturschutz noch Dienst an der Gesellschaft, sondern ein Freizeitvergnügen auf Kosten fühlender Lebewesen. Dass eine Redaktion wie jene von MeinBezirk.at solche Aussendungen Wort für Wort übernimmt, ist nicht Berichterstattung, sondern Teil des Problems. Wir halten dagegen, mit Fakten statt Jägerlatein. Wie eindeutig sich die Jagdszene dabei oft selbst entlarvt, zeigt unsere Sammlung von Zitaten zur Jagd.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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