9. Juni 2026, 08:25

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Jagd

Gehorsamsprüfung für Jagdhunde in der Brut- und Setzzeit: Berner Jägerverband beschiesst den Wald

Doppelmoral des Berner Jägerverbands: Wer anderen Leinenpflicht predigt, schickt seine Jagdhunde in der Brut- und Setzzeit frei in den Wald.

Redaktion Wild beim Wild — 9. Juni 2026
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Ein Infoplakat, aufgestellt an einem Waldweg in 3423 Ersigen, informiert die Bevölkerung: Am Samstag, 13. Juni 2026, findet in diesem Wald am Vormittag die kantonalbernische Gehorsamsprüfung für Jagdhunde statt, organisiert vom Berner Jägerverband und seiner Jagdhundekommission.

Die Prüfung steht unter dem Patronat des Verbands und ist für sämtliche im Kanton Bern jagdlich eingesetzten Hunde obligatorisch. Die Gehorsamsprüfung ist im Kanton Bern Voraussetzung, um Jagdhunde überhaupt jagdlich einsetzen zu dürfen.

Pikantes Detail: Im Rahmen der Prüfung werden Schüsse abgegeben, um die «Schussfestigkeit» der Hunde zu testen.

Das Plakat bittet die Bevölkerung um Verständnis und «Rücksichtnahme», mit zwei expliziten Empfehlungen: den Wald nur auf offiziellen Wegen betreten und Hunde an diesem Tag an der Leine führen.

Infoplakat des Berner Jägerverbands zur Jagdhunde-Gehorsamsprüfung vom 13. Juni 2026 in Ersigen

Brut- und Setzzeit: Wessen Regeln gelten?

Der 13. Juni fällt mitten in die Brut- und Setzzeit, jene sensible Periode, in der Rehkitze im hohen Gras liegen, Bodenbrüter auf Gelegen sitzen und Fuchs- sowie Dachswelpen ihre ersten Ausflüge unternehmen. Genau in dieser Zeit warnen Hobby-Jäger und ihre Verbände Jahr für Jahr die Bevölkerung mit Nachdruck: Hunde an die Leine. Kein Betreten abseits der Wege. Ruhe im Wald.

Und nun? Eine grössere Zahl von Jagdhunden, ausgebildet auf Spurarbeit und Suche, im Wald im Einsatz, kombiniert mit Schüssen, die Wildtiere aufschrecken. Das kantonale Jagdinspektorat hat laut Plakat zugestimmt. Eine Sonderbewilligung für motorisiertes Befahren der Waldwege liegt vor. Alles legal, alles amtlich abgesegnet.

Das ändert nichts an der Substanz: Was die Bevölkerung das ganze Frühjahr über tun soll, gilt offenbar nicht für die Hobby-Jagd selbst.

Kein Einzelfall, sondern System: Gehorsamsprüfungen für Jagdhunde finden in der Schweiz regelmässig im Frühsommer statt. Die Terminierung fällt damit strukturell in die Brut- und Setzzeit, ohne dass darauf Rücksicht genommen wird. Was für Spaziergänger mit Hund als Störung gilt, ist für die Hobby-Jagd organisierter Betrieb.

Hunderte Meter Radius, mitten im Lebensraum

Jagdhunde bei einer Gehorsamsprüfung sind keine Haushunde beim Spaziergang. Sie werden auf Distanz gearbeitet, auf Lautgabe und Stöbern geprüft. Auch eine «Gehorsamsprüfung» bedeutet nicht, dass die Tiere durchgehend angeleint oder in ihrer Bewegung eingeschränkt wären. Kombiniert mit Schüssen als Stresstest entsteht eine Störungskulisse, die im deutlichen Widerspruch zu dem steht, was von der Zivilbevölkerung in dieser Jahreszeit erwartet wird.

Für Wildtiere in der sensibelsten Phase des Jahres ist der Unterschied zwischen einem frei laufenden Familienhund und einem frei laufenden Jagdhund schlicht nicht existent.

Zuständige Kontaktperson laut Plakat

Als Ansprechperson wird Regine Christen, Jagdhundeobfrau des JWV Burgdorf, genannt. Prüfungsleiter ist Peter Zenklusen.

Das Plakat schliesst mit den Worten: «Besten Dank und Jägers Gruss.»

Nun denn.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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