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Wildtiere

Hitzewelle, doch die Störche denken schon an den Aufbruch

Trotz Hochsommerhitze sammeln sich in der Schweiz bereits grosse Storchengruppen zum Zug.

Redaktion Wild beim Wild — 9. August 2026

Während das Thermometer in der Schweiz derzeit über 30 Grad zeigt, hat ein Teil der einheimischen Weissstörche bereits ein ganz anderes Programm: den Aufbruch in den Süden. Die Schweizerische Vogelwarte erhält dieser Tage zahlreiche Meldungen über grosse Gruppen, die sich auf Feldern versammeln, ein untrügliches Zeichen für den bevorstehenden Wegzug.

Grosse Ansammlungen an mehreren Orten

Besonders auffällig war eine Kolonie von 250 Tieren, die am Dienstag in Chavornay (VD) beobachtet wurde. Am Mittwoch folgte eine Ansammlung von 180 Störchen in der Genfer Region. Aussergewöhnlich sind solche Zahlen laut Livio Rey, Sprecher der Vogelwarte, allerdings nicht: Es handle sich nicht um die grössten je registrierten Gruppen. Das Thema beschäftige die Bevölkerung aber offensichtlich stark, was sich an der steigenden Zahl von Anfragen zeige.

Der Grund für die Ansammlungen ist unspektakulär: Nach der Brutzeit sind sowohl adulte als auch frisch flügge Jungtiere zahlreich unterwegs. Gleichzeitig hat die Zugzeit begonnen, sodass sich auch Weissstörche aus Deutschland und Frankreich auf ihrem Weg nach Süden in der Schweiz zeigen. Frisch gepflügte Äcker und kürzlich gemähte Wiesen sind beliebte Sammelplätze, weil sich dort leicht Nahrung wie Heuschrecken, Mäuse oder Regenwürmer finden lässt. Mitunter übernachten die Gruppen sogar auf Hausdächern, was zusätzlich Aufmerksamkeit erregt. Auch die Suche nach Thermik spielt eine Rolle: Störche nutzen warme Luftsäulen, um an Höhe zu gewinnen, und sammeln sich dort, wo die Bedingungen dafür günstig sind. Von echtem Sozialverhalten könne dabei nicht die Rede sein, so Rey, zumal sich die Gruppen ebenso schnell wieder auflösen würden.

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Westroute über Spanien, Ostroute über den Bosporus

Schweizer Weissstörche folgen traditionell der Westroute Richtung Spanien und Gibraltar bis nach Westafrika, wobei der Zug meist ab Mitte Juli einsetzt. Eine zweite, östliche Route führt Vögel aus Ostdeutschland und Osteuropa über den Bosporus und den Golf von Suez bis nach Ostafrika. Die Schweiz erlebt gemäss Rey aktuell den Höhepunkt des Durchzugs. Die Rückkehr der Alttiere zur Brut beginnt erst wieder ab Februar.

Rekordzahl überwinternder Störche

Bemerkenswert ist ein zweiter Trend: Immer mehr Störche verbringen den Winter auf der Iberischen Halbinsel oder bleiben ganz in der Schweiz. Zählte man im Januar 2017 noch 288 überwinternde Tiere, waren es im Januar 2026 bereits 1’770 Exemplare, ein absoluter Rekord. Als Grund nennt Rey das Nahrungsangebot: Milder werdende Winter mit weniger Schnee und Frost sorgten dafür, dass die Vögel auch hierzulande genügend Futter fänden. Die Temperatur selbst sei nie ausschlaggebend für den Zugtrieb gewesen, das Gefieder isoliere gut gegen Kälte.

Möglich wurde diese Entwicklung erst durch ein erfolgreiches Wiederansiedlungsprogramm: In den 1950er-Jahren galt der Weissstorch in der Schweiz als ausgestorben. Heute brüten wieder rund 1’300 Paare im Land, ein Befund, der auch in unserem früheren Beitrag zur veränderten Überwinterung von Störchen eingeordnet wird. Dort lag die Zahl der Brutpaare 2025 noch bei 1’250, was das anhaltende Wachstum der Population unterstreicht.

Ein Signal für den Wandel des Zugverhaltens

Die Beobachtungen fügen sich in ein grösseres Bild: Der Weissstorch gilt zunehmend als Symbol für Anpassungsfähigkeit angesichts des Klimawandels. Sein einstiges Brutgebiet wird immer mehr auch zum Winterquartier, ein Muster, das sich auch bei anderen heimischen Vogelarten wie Amseln oder Staren beobachten lässt. Wer mehr über die Hintergründe der Wiederansiedlung und den Zusammenhang mit dem Schutz nichtmenschlicher Tiere in der Schweiz erfahren möchte, findet in der Kategorie Wildtiere weiterführende Beiträge.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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