Fuchsjagd Zürich: Das Wildbuch widerlegt die Krankheitsbegründung des Kantons
Zehn Jahre elektronisches Wildbuch zeigen: Von 21’846 erschossenen Füchsen tragen nur 7,7 Prozent einen Hinweis auf Krankheit, Konflikte mit Landwirtschaft und Bevölkerung erfasst die Zürcher Jagdverwaltung überhaupt nicht. Die Begründung für die Fuchsjagd zerfällt an den eigenen Daten.
«Wiegenlied für die Ungezählten»
Der Kanton Zürich begründet die Fuchsjagd damit, dass ein Grossteil der erlegten Tiere krank sei oder in Konflikt mit Landwirtschaft und Bevölkerung stehe.
Das elektronische Wildbuch, in dem die Hobby-Jäger ihre Abschüsse selbst eintragen, sagt etwas anderes. Von 21’846 Füchsen, die zwischen 2015 und 2025 als Jagdabschuss verbucht wurden, tragen 1’674 einen Hinweis auf Krankheit oder Verletzung. Das sind 7,7 Prozent. Bei über 92 Prozent fehlt jeder solche Vermerk.
Wie die Zahlen ans Licht kamen
Im Juni 2026 fragte die Effretikerin Ursula Alayan-Ricklin die Fischerei- und Jagdverwaltung nach den Grundlagen der Fuchsjagd. Co-Leiter Reto Muggler hatte zuvor behauptet, von jährlich rund 3’200 toten Füchsen werde etwa die Hälfte erlegt, und ein Grossteil davon wegen Krankheit oder Konflikten. Auf die Nachfrage lieferte Sektionsleiter Manuel Bünzli am 15. Juli 2026 zunächst Zahlen, die sich als falsch erwiesen: 1’420 tote Füchse für 2025, davon 734 erschossen. Die mitgelieferten Rohdaten zeigten für dasselbe Jahr mehr als doppelt so viele Einträge. Am 18. September räumte die Verwaltung einen Filterfehler ein und korrigierte auf 3’077 tote Füchse, davon 1’675 erschossen und 1’402 als Fallwild erfasst. Erst diese korrigierten Daten erlauben eine saubere Auswertung.
Was das Wildbuch wirklich zeigt
| Jahr | Tote Füchse total | erschossen | Fallwild | Vermerk krank/verletzt | Anteil |
|---|---|---|---|---|---|
| 2015 | 3’963 | 2’430 | 1’533 | 31 | 1,3 % |
| 2016 | 3’783 | 2’064 | 1’719 | 38 | 1,8 % |
| 2017 | 4’621 | 2’729 | 1’892 | 77 | 2,8 % |
| 2018 | 3’980 | 2’065 | 1’915 | 99 | 4,8 % |
| 2019 | 5’018 | 2’590 | 2’428 | 264 | 10,2 % |
| 2020 | 4’390 | 2’190 | 2’200 | 327 | 14,9 % |
| 2021 | 4’101 | 1’940 | 2’161 | 263 | 13,6 % |
| 2022 | 3’048 | 1’389 | 1’659 | 166 | 12,0 % |
| 2023 | 2’595 | 1’316 | 1’279 | 135 | 10,3 % |
| 2024 | 2’867 | 1’458 | 1’409 | 140 | 9,6 % |
| 2025 | 3’077 | 1’675 | 1’402 | 134 | 8,0 % |
| 2015–2025 | 41’443 | 21’846 | 19’597 | 1’674 | 7,7 % |
Der Anteil der als krank oder verletzt vermerkten Tiere schwankt zwischen 1,3 Prozent (2015) und 14,9 Prozent (2020). Der Anstieg bis 2020 fällt mit einer Räudewelle zusammen. Verhindert hat die Hobby-Jagd diese Welle nicht, obwohl in jenen Jahren zwischen 2’000 und 2’700 Füchse pro Jahr erschossen wurden. Über den gesamten Zeitraum bleibt es bei 7,7 Prozent, und das bei einer grosszügigen Zählung: Als Krankheitshinweis genügt der Verwaltung ein Hegeabschuss oder ein Stichwort im Freitextfeld. Eine tierärztliche Diagnose steht hinter keiner dieser Zahlen.
Die Konflikte, die niemand zählt
Die zweite Hälfte von Mugglers Begründung, die Konflikte mit Landwirtschaft und Bevölkerung, taucht in den Daten gar nicht auf. «Angaben zu anderen Gründen, namentlich zu Konflikten mit der Landwirtschaft oder zu Problemen mit der Bevölkerung, werden im Wildbuch nicht erfasst», schreibt Bünzli, und es gebe «auch keine Verpflichtung der Jagdgesellschaften», solche Bemerkungen einzutragen. Die Behörde bezeichnet ihre Aussage selbst als «Feststellung» aus dem Austausch mit den Jagdgesellschaften, die sie «nicht mit Datenmaterial abstützen» könne. Anders gesagt: Der Kanton weiss nicht, warum die grosse Mehrheit der Füchse erschossen wird.
Wann geschossen wird
Die Einzeldaten verraten nicht nur, wie viele Füchse fallen, sondern auch wann.
| Zeitraum | Anteil der Abschüsse |
|---|---|
| November bis Februar | 64 % |
| davon Januar und Februar (Paarungszeit) | 37 % |
| Juni und Juli | 15 % |
Das ist der Rhythmus einer Freizeitbeschäftigung, nicht der einer gezielten Seuchen- oder Konfliktabwehr. Kranke Tiere halten sich nicht an die Jagdsaison. Auffällig ist zudem, dass der Anteil der Krankheitsvermerke gerade in den Sommermonaten steigt. In dieser Zeit wirft der Fuchs sein dichtes Winterfell ab und sieht über Wochen struppig, fleckig und mager aus. Für einen Laien sieht das nach Räude aus, obwohl es ein völlig normaler Vorgang bei einem gesunden Tier ist.
Warum die Krankheitszahl nichts beweist
Damit ist die Kategorie «krank» als Beleg doppelt wertlos. Erstens ist sie kein statistisches Merkmal, sondern wird nachträglich aus einem Notizfeld herausgelesen. Zweitens beruht sie auf der Sichtdiagnose von Personen ohne veterinärmedizinische Ausbildung. Ein Vermerk sagt also nicht, dass ein Fuchs krank war, sondern nur, dass ihn jemand für krank hielt. Systematisch erfasst wird der Gesundheitszustand erlegter Füchse in der Schweiz einzig im Kanton Luzern, und dort waren über 98 Prozent der Tiere gesund. Zürich ist kein Sonderfall, sondern dasselbe Muster. Wer sich in die Forschung vertiefen will, findet die vollständige Studienübersicht zur Wirkung der Hobby-Jagd auf unserer Website.
Was daraus folgt
Die Fischerei- und Jagdverwaltung verteidigt die Fuchsjagd mit einer Begründung, die ihre eigenen Daten nicht tragen. Kein Bundesgesetz zwingt den Kanton zur Fuchsjagd. Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd auf den Fuchs aus, Zug hat sie 2026 nach einer unabhängigen Studie nicht mehr proaktiv gefördert. Wer die Zürcher Praxis ändern will, wendet sich an den Kantonsrat. Wie das geht, steht auf der Kampagnenseite: Fuchsjagd stoppen – Kantonsrat Zürich anschreiben.
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