Fuchsjagd stoppen – Kantonsrat Zürich anschreiben
Im Kanton Zürich wurden von 2015 bis 2025 insgesamt 21’846 Füchse von Hobby-Jägern erschossen, im Schnitt rund 2000 pro Jahr, ohne dass der Kanton eine Abschussplanung führt. 2025 waren es 1’675. Weitere 1’402 Füchse wurden als Fallwild erfasst, also überfahren, tot gefunden oder als kranke Tiere erlöst. Die Nachtjagd auf den Fuchs ist erlaubt, dem Dachs gewährt der Kanton auf kantonaler Ebene nicht einmal eine Schonzeit. Als eine Bürgerin die Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung im Juni 2026 mit einer wissenschaftlichen Kostenstudie konfrontierte, tat deren Co-Leiter Reto Muggler die Quelle als «sicher nicht seriös» ab. Dabei handelt es sich um eine Peer-Review-Publikation im renommierten Fachjournal Biological Conservation.
Der Vorgang steht für ein Muster: Die Jagdbehörde weicht der wissenschaftlichen Debatte aus und begründet die Fuchsjagd mit Krankheit und Konflikten, für die sie, wie ihre eigenen Zahlen zeigen, keinen Beleg hat. Genau deshalb lohnt es sich, den Kantonsrat einzuschalten.
Du kannst etwas tun, egal in welchem Kanton du lebst. Wende dich direkt an deinen Kantonsrat oder deine Nationalrätin. Das ist legal, wirksam und braucht nur wenig Zeit.
Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Wir haben aus mehreren Kantonen Rückmeldungen erhalten, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs teils als unzustellbar zurückkommen. Ob das an fehlerhaften Adressen oder an einem gezielten Filter liegt, lässt sich von aussen nicht sagen. Setze deshalb besser auf mehrere Kanäle: Schreib einen Brief, ruf an oder such das persönliche Gespräch. Du kannst dich auch direkt an die Parteien und Fraktionen wenden – oft ist eine Nachricht ans Partei- oder Fraktionssekretariat wirksamer als an einzelne Ratsmitglieder. Ein Anruf oder ein Brief lässt sich nicht so leicht ausfiltern wie eine E-Mail und hinterlässt oft mehr Eindruck.
Musterbrief – kopiere diesen Text in dein Mailprogramm
Betreff: Fuchsjagd Zürich – bitte handeln Sie
Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]
Ich wende mich als Bürgerin / Bürger direkt an Sie, weil mich die Praxis der Fuchsjagd in unserem Kanton beschäftigt.
Im Kanton Zürich werden im Schnitt rund 2000 Füchse pro Jahr erschossen, ohne dass eine Abschussplanung existiert. Die Nachtjagd auf den Fuchs ist erlaubt. Als eine Bürgerin die Fischerei- und Jagdverwaltung im Juni 2026 auf die ökonomische Bilanz der Fuchsjagd ansprach und dazu eine Peer-Review-Studie aus dem Fachjournal Biological Conservation anführte, tat der Co-Leiter der Verwaltung diese Quelle als «sicher nicht seriös» ab. Eine sachliche Auseinandersetzung mit der Evidenz sieht anders aus.
Die eigenen Zahlen des Kantons widersprechen der Begründung der Jagdbehörde. Deren Co-Leiter erklärte, ein Grossteil der erlegten Füchse werde wegen Krankheit oder Konflikten mit Landwirtschaft und Bevölkerung geschossen. Tatsächlich tragen von 21’846 zwischen 2015 und 2025 erschossenen Füchsen nur 7,7 Prozent überhaupt einen Vermerk zu Krankheit oder Verletzung, und Konflikte werden im Wildbuch gar nicht erfasst. Die Verwaltung räumt schriftlich ein, dass sie diese Begründung nicht mit Datenmaterial abstützen kann.
Die Wissenschaft ist eindeutig: Mehr als 30 Jahre wildbiologische Forschung zeigen keine nachhaltige Regulationswirkung durch die Fuchsjagd. Kompensationseffekte durch höhere Fortpflanzung und Zuwanderung gleichen Abschüsse rasch aus. Der Kanton Luzern, der als einziger den Gesundheitszustand erlegter Füchse erfasst, kam auf über 98 Prozent gesunde Tiere. Der Kanton Zug hat 2026 durch eine unabhängige Studie bestätigen lassen, dass die Fuchsjagd Bestände nicht reguliert und der Seuchenbekämpfung nicht dient, und fördert sie seither nicht mehr proaktiv. Der Kanton Genf kommt seit 1974 ganz ohne Hobby-Jagd aus.
Ich bitte Sie, sich im Kantonsrat für eine echte, wissenschaftlich fundierte Überprüfung der Fuchsjagd einzusetzen und darauf hinzuwirken, dass die Jagdbehörde ihre Begründungen offenlegt und die unabhängige Evidenz ernst nimmt. Kein Bundesgesetz zwingt den Kanton zur Fuchsjagd. Der Kanton Zug hat gezeigt, dass der Handlungsspielraum genutzt werden kann.
Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]
Was in Zürich geschah
Im Juni 2026 richtete die Effretikerin Ursula Alayan-Ricklin eine Anfrage zur Fuchsjagd an die Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung. Deren Co-Leiter Reto Muggler wischte die von ihr zitierte wissenschaftliche Quelle mit den Worten beiseite, sie sei «sicher nicht seriös». Tatsächlich handelt es sich um eine begutachtete Originalpublikation im Fachjournal Biological Conservation, die erstmals die ökonomische Bilanz der staatlich organisierten Bejagung von Wirbeltieren in Frankreich beziffert hat. Für Frankreich beziffert die Studie die jährlichen Jagdkosten auf 103 bis 123 Millionen Euro, während die offiziell gemeldeten Schäden nur 8 bis 23 Millionen Euro betragen.
Auf die konkrete Frage nach der ökonomischen Bilanz der Fuchsjagd antwortete Muggler mit einer Zahl zu einem anderen Thema: Die Jägerschaft rücke jährlich an über 5000 Ereignisse mit verletzten, kranken oder verendeten Wildtieren aller Arten aus, eine Übernahme dieser Aufgabe durch den Kanton koste über zehn Millionen Franken. Das mag zutreffen oder nicht, mit der Hobby-Jagd auf den gesunden Fuchs hat es nichts zu tun. Ein allgemeiner Wildtierdienst lässt sich auch ohne Freizeitjagd organisieren, wie der Kanton Genf seit 1974 zeigt.
Alayan-Ricklin verlangte daraufhin Akteneinsicht, gestützt auf das Öffentlichkeitsprinzip. Sie wollte Einsicht in das elektronische Wildbuch, in dem die Jägerschaft ihre Abschüsse erfasst, und in die Unterlagen zu einer Informationsveranstaltung, an der die SWILD-Zoologin und Studienhauptautorin Claudia Kistler vor der Zürcher Jägerschaft referierte. Ausgerechnet jene Forscherin, deren Studie den Kanton Zug zur Kehrtwende bewog, sprach damit intern vor der Zürcher Jägerschaft, ohne öffentliche Ausschreibung und ohne Protokoll.
Am 15. Juli 2026 lieferte die Verwaltung erste Zahlen: 1’420 tote Füchse im Jahr 2025, davon 734 erschossen. Die mitgelieferten Datensätze zeigten für dasselbe Jahr mehr als doppelt so viele Einträge. Am 18. September 2026 räumte die Verwaltung einen Filterfehler ein und korrigierte auf 3’077 tote Füchse, davon 1’675 erschossen.
Was das Zürcher Wildbuch zeigt
Co-Leiter Reto Muggler hatte geschrieben, ein Grossteil der erlegten Füchse im Kanton Zürich werde aufgrund einer Krankheit oder eines Konfliktfalles mit der Landwirtschaft oder Menschen erlegt. Die Daten seiner eigenen Verwaltung stützen das nicht. Von 21’846 Füchsen, die Hobby-Jäger von 2015 bis 2025 als Jagdabschuss ins elektronische Wildbuch eintrugen, tragen 1’674 einen Vermerk zu Krankheit oder Verletzung. Das sind 7,7 Prozent, obwohl die Verwaltung grosszügig zählt: Es genügt ein Hegeabschuss oder ein Stichwort im Freitextfeld, eine tierärztliche Diagnose gibt es nicht. Bei über 92 Prozent fehlt jeder solche Hinweis. Die Räudewelle ist in den Daten sichtbar, der Anteil stieg von 1,3 Prozent (2015) auf 14,9 Prozent (2020) und sinkt seither. Verhindert hat die Hobby-Jagd diese Welle nicht, obwohl damals jährlich 2000 bis 2700 Füchse erschossen wurden.
Zur zweiten Hälfte der Behauptung gibt es gar nichts. Konflikte mit Landwirtschaft oder Bevölkerung würden «im Wildbuch nicht erfasst», schreibt Sektionsleiter Manuel Bünzli, es gebe «auch keine Verpflichtung der Jagdgesellschaften», sie einzutragen. Die Verwaltung spricht von einer «Feststellung», die sie «nicht mit Datenmaterial abstützen» könne.
Die Einzeldaten zeigen zudem, wann geschossen wird: 64 Prozent der Abschüsse fallen in die Monate November bis Februar, 37 Prozent allein in den Januar und Februar, mitten in die Paarungszeit. Weitere 15 Prozent entfallen auf Juni und Juli, wenn die Jungfüchse noch im Familienverband leben. Das ist das Muster einer Freizeitbeschäftigung, nicht das einer Seuchen- oder Konfliktabwehr.
| Jahr | Tote Füchse total | erschossen | Fallwild | Vermerk krank/verletzt | Anteil |
|---|---|---|---|---|---|
| 2015 | 3’963 | 2’430 | 1’533 | 31 | 1,3 % |
| 2016 | 3’783 | 2’064 | 1’719 | 38 | 1,8 % |
| 2017 | 4’621 | 2’729 | 1’892 | 77 | 2,8 % |
| 2018 | 3’980 | 2’065 | 1’915 | 99 | 4,8 % |
| 2019 | 5’018 | 2’590 | 2’428 | 264 | 10,2 % |
| 2020 | 4’390 | 2’190 | 2’200 | 327 | 14,9 % |
| 2021 | 4’101 | 1’940 | 2’161 | 263 | 13,6 % |
| 2022 | 3’048 | 1’389 | 1’659 | 166 | 12,0 % |
| 2023 | 2’595 | 1’316 | 1’279 | 135 | 10,3 % |
| 2024 | 2’867 | 1’458 | 1’409 | 140 | 9,6 % |
| 2025 | 3’077 | 1’675 | 1’402 | 134 | 8,0 % |
| 2015–2025 | 41’443 | 21’846 | 19’597 | 1’674 | 7,7 % |
Was die Wissenschaft sagt
Bestandsregulation: Kompensationsmechanismen – höhere Fruchtbarkeit, bessere Überlebensrate, Zuwanderung – gleichen Verluste aus. Selbst der Abschuss von drei Vierteln eines Bestands ist im Folgejahr wieder ausgeglichen (Baker & Harris 2006; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019).
Gesundheitszustand: Der Kanton Luzern erfasst als einziger den Gesundheitszustand erlegter Füchse. Von 2’217 getöteten Tieren hatten nur 39 einen Krankheitsbefund – über 98 Prozent waren gesund. Wer fast ausschliesslich gesunde Tiere erlegt, dämmt keine Krankheit ein.
Fuchsbandwurm: In einer französischen Studie aus dem Raum Nancy (Comte et al. 2017) stieg die Prävalenz trotz hohem Jagddruck von 44 auf 55 Prozent – weil Jungfüchse, die Lücken füllen, eine höhere Wurmbürde tragen. In Luxemburg sank der Anteil nach dem Fuchsjagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.
Genf: Seit 1974 ohne Hobby-Jagd, keine Bestandsexplosion, keine schlechtere Krankheitslage.
Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere
Warum sich das Anschreiben lohnt
Die Jagdbehörde weicht aus, doch der Kantonsrat mit seinen 180 Mitgliedern kann die Frage auf die politische Tagesordnung setzen. Je mehr Ratsmitglieder die unbeantworteten Fragen erreichen, desto schwerer werden sie zu ignorieren: Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage werden in Zürich im Schnitt rund 2000 Füchse pro Jahr ohne Abschussplanung erschossen? Warum erfasst der Kanton nicht, weshalb ein Fuchs erschossen wird, wenn er die Fuchsjagd mit Krankheit und Konflikten begründet? Und warum blieb das Wildbuch, in dem die Abschüsse erfasst werden, der Öffentlichkeit so lange verschlossen?
Der Zuger SWILD-Bericht
Der Kanton Zug hat als bisher einziger Schweizer Kanton auf die Fuchsjagd-Petition von Pascal Wolf mit einer echten wissenschaftlichen Studie reagiert. Die Direktion des Innern gab im Herbst 2025 bei SWILD – Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation – einen Fachbericht in Auftrag. Die zweite Version erschien im Mai 2026 und wurde der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vorgelegt.
Das Ergebnis ist eindeutig: Die aktuell praktizierte Fuchsjagd kann Bestände nicht nachhaltig regulieren, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist für den Schutz von Nutztieren gegenüber nicht-letalen Methoden unterlegen. Die Erfahrungen aus Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) bestätigen: Wildtiermanagement funktioniert ohne Hobby-Jagd auf den Rotfuchs.
Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd
Wo du die Kontaktdaten findest
Der Kantonsrat Zürich hat 180 Mitglieder. Die vollständige Mitgliederliste mit den Kontaktangaben findest du auf der offiziellen Website unter kantonsrat.zh.ch. Am wirksamsten ist oft eine Nachricht an die Fraktionssekretariate der Parteien. Verifiziere die konkrete Adresse vor dem Versand auf der offiziellen Liste.
Was in der Schweiz bisher passiert ist
📌 Fuchsjagd Zürich: Das Wildbuch widerlegt die Krankheitsbegründung des Kantons
Die vollständige Auswertung von zehn Jahren Wildbuchdaten, inklusive Monatsverteilung und dem Problem der Laien-Sichtdiagnose.
📌 Zürich: Bürgerin konfrontiert Jagdbehörde mit Millionen-Bilanz der Fuchsjagd
Wie sich die Rechtfertigungen der Fuchsjagd auflösen, sobald man die Kosten den angeblichen Schäden gegenüberstellt.
📌 Faktencheck: Regierungsrat Zürich zur Jagdinitiative
Warum die unbelegte Zehn-Millionen-Behauptung der Zürcher Jagdverwaltung einer Überprüfung nicht standhält.
📌 Fuchsjagd Zug: Studie belegt Sinnlosigkeit – jetzt handeln
Der einzige Kanton mit einer echten wissenschaftlichen Studie. Kein Regulierungseffekt, kein Beitrag zur Seuchenbekämpfung, nicht-letale Methoden überlegen.
📌 Fuchsjagd Luzern: 98 Prozent der erlegten Tiere gesund
Die kantonseigene Statistik widerlegt die Hauptbegründung für die Fuchsjagd.
📌 Abschaffung der Hobby-Jagd nach dem Vorbild des Kantons Genf
Warum Genf seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt.
