26. Juni 2026, 11:44

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Zürich: Bürgerin konfrontiert Jagdbehörde mit Millionen-Bilanz der Fuchsjagd

Eine Zürcherin belegt mit einer neuen Sorbonne-Studie, dass die Fuchsjagd die Steuerzahlenden in Frankreich bis zu 123 Millionen Euro jährlich kostet und fordert Akteneinsicht ins kantonale Wildbuch.

Redaktion Wild beim Wild — 26. Juni 2026

Als Reto Muggler, Co-Leiter der Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung, Anfang dieser Woche auf eine Bürgeranfrage zur Fuchsjagd antwortete, schrieb er die zitierte wissenschaftliche Quelle kurzerhand ab: Sie sei «sicher nicht seriös».

Das war wieder ein Fehler und Ursula Alayan-Ricklin aus Effretikon hat ihn präzise korrigiert.

Die Studie

Die angesprochene Quelle ist eine Peer-Review-Originalpublikation, erschienen im renommierten Fachjournal Biological Conservation (Elsevier):

Jiguet, F., Morin, A., Courtines, H., Robert, A., Fontaine, B., Levrel, H. & Princé, K. (2026). Ecological and economic assessments of native vertebrate pest control in France. Biological Conservation, 316, 111719. DOI: https://doi.org/10.1016/j.biocon.2026.111719

Die Studie hat erstmals die ökonomische Bilanz der staatlich organisierten Vertebraten-Bejagung in Frankreich beziffert. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die geschätzten jährlichen Kosten der Bejagung betragen 103 bis 123 Millionen Euro, während die offiziell gemeldeten Schadenskosten lediglich 8 bis 23 Millionen Euro betragen. Der durchschnittliche Aufwand liegt bei rund 64 Euro pro getötetem Tier – bei etwa 1,7 Millionen jährlich getöteten Tieren in Frankreich. Die Öffentlichkeit bezahlt damit für eine Praxis, deren Kosten die angeblich verhinderten Schäden um ein Mehrfaches übersteigen.

Die Antwort der Behörde

Muggler hatte in seiner Antwort argumentiert, die Zürcher Jägerschaft erbringe wichtige Dienstleistungen: Wildunfälle, Kadaverbergung, Verminderung von Wildschäden. Würden diese Aufgaben auf den Kanton übergehen, entstünden angeblich Mehrkosten von über 10 Millionen Franken jährlich.

Diese Zahl ist nicht neu – und sie ist nicht belegt. Sie taucht bereits im Regierungsratsbericht von 2017 auf, verfasst im Departement des damaligen Hobby-Jägers Markus Kägi, und wird seither von Jagdkreisen wie ein Faktum wiederholt. Einer unabhängigen Überprüfung hat sie nie standgehalten. Die IG Wild beim Wild hat diese Behauptung bereits 2017 einem Faktencheck unterzogen – mit ernüchterndem Ergebnis: Vieles im Regierungsratsbericht hält der Überprüfung nicht stand. Dass Muggler dieselbe unbelegte Kostenschätzung 2026 erneut ins Feld führt, zeigt, wie wenig sich das Argumentarium der Zürcher Jagdbehörde in neun Jahren erneuert hat.

Die Initiative «Wildhüter statt Jäger» hatte bereits aufgezeigt, dass professionell ausgebildete Wildhüterinnen und Wildhüter die Aufgaben der Hobby-Jagd übernehmen könnten, ohne Schrotflinten, ohne Vereinslogik, ohne unbelegte Kostenhochrechnungen.

Die SWILD-Studie: Was der Kanton Zug längst weiss

Was Muggler in seiner Antwort ebenfalls unerwähnt lässt: Seit Mai 2026 liegt eine unabhängige Schweizer Studie zur Fuchsjagd vor – in Auftrag gegeben nicht von einer Tierschutzorganisation, sondern vom Kanton Zug selbst. Das Ergebnis der SWILD-Studie ist eindeutig: Die Fuchsjagd reguliert Bestände nicht nachhaltig, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist nichtletalen Schutzmassnahmen unterlegen. Die Zuger Jagdkommission hat daraufhin am 16. Juni 2026 beschlossen, die Fuchsjagd nicht mehr proaktiv zu fördern.

Das ist keine Position einer Tierschutzorganisation. Das ist der Beschluss einer kantonalen Jagdkommission, gestützt auf eine amtlich beauftragte Studie. Mehr zum Thema: Kanton Zug: Behörden bremsen Fuchsjagd nach Studie.

Alayan-Ricklins Entgegnung

In ihrer Replik vom heutigen Freitag weist Alayan-Ricklin Mugglers Argumentation sachlich zurück. Hühnerhöfe müssen tierschutzrechtlich gegen alle Beutegreifer gesichert werden – das obliegt dem Tierhalter, nicht dem Hobby-Jäger. Bei Spielplätzen könnten Füchse durch Vergrämen statt durch Töten auf Distanz gehalten werden.

Sie schildert zudem, was sie persönlich an der Kadaversammelstelle in Weisslingen beobachtet hat: Hobby-Jäger, die gesunde Füchse entsorgten und sich damit brüsteten, «auf alles zu schiessen, was sich bewegt». Eine «nachhaltige Nutzung der Wildbestände» sieht anders aus.

Akteneinsicht verlangt

Konkret fordert Alayan-Ricklin nun zwei Dinge: erstens die Unterlagen zur Informationsveranstaltung der Zürcher Jägerschaft, an der SWILD-Zoologin und Studienhauptautorin Claudia Kistler referierte. Dass ausgerechnet jene Forscherin, deren Studie den Kanton Zug zur Kehrtwende bewogen hat, intern vor der Zürcher Jägerschaft sprach, ohne öffentliche Ausschreibung und ohne Protokoll, macht dieses Gesuch besonders brisant: Was hat Kistler dort gesagt? Hat sie dieselben Schlussfolgerungen präsentiert, die in Zug zum Beschluss führten? Und warum blieb die Öffentlichkeit aussen vor?

Zweitens verlangt sie Einsicht in das elektronische Wildbuch der Jagdverwaltung, in dem die Jägerschaft ihre Abschüsse erfasst. Muggler hatte selbst darauf hingewiesen, dass diese Meldepflicht besteht. Gestützt auf das Öffentlichkeitsprinzip ist die Verweigerung einer solchen Einsicht schwer begründbar.

Muggler hat inzwischen auf das Akteneinsichtsgesuch reagiert. Zur Kistler-Veranstaltung teilt er mit, dass die Fischerei- und Jagdverwaltung diese nicht organisiert habe und daher über keine Unterlagen verfüge. Alayan-Ricklin müsse sich direkt an Claudia Kistler wenden.

Der Anlass ist öffentlich nicht dokumentiert. Wer lud Kistler ein, unter welchen Bedingungen referierte sie, und wer war im Publikum? Dass eine Veranstaltung mit der Hauptautorin der einzigen unabhängigen Schweizer Studie zur Fuchsjagd spurlos bleibt, während der Kanton Zug dieselbe Studie zum Anlass für einen Kurswechsel nimmt, ist erklärungsbedürftig.

Beim elektronischen Wildbuch signalisiert Muggler zumindest Offenheit: Das Anliegen werde mit dem Rechtsdienst geprüft. Leiter Recht und Dienste Bünzli soll sich bei Alayan-Ricklin melden.

Ob die Zürcher Behörde aus derselben SWILD-Studie andere Schlüsse zieht als der Kanton Zug, wird sich zeigen. Die Antwort auf das Wildbuch-Gesuch wird zeigen, wie transparent die Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung mit ihren eigenen Zahlen umgeht.

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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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