11. Juli 2026, 10:59

Suchen

Jagd

Französische Gemeinde verbannt Hobby-Jagd von Gemeindeland

Le Lherm bei Toulouse erkämpft nach fast drei Jahren Rechtsstreit ein Novum: den Jagdausschluss auf sämtlichen kommunalen Parzellen.

Redaktion Wild beim Wild — 11. Juli 2026

Die südfranzösische Gemeinde Le Lherm hat nach einem jahrelangen Rechtsstreit erreicht, dass die Hobby-Jagd auf allen ihren 56 Hektar Gemeindeland untersagt wird, laut Bürgermeister Frédéric Pasian, der sich selbst als Vorreiter dieser Entscheidung in Frankreich bezeichnet, ein bislang einmaliger Schritt.

Was in Le Lherm geschehen ist

Die Gemeinde Le Lherm südlich von Toulouse in der Region Okzitanien hat ihre gesamten 56 Hektar kommunales Land, darunter den Bois des Escoumes, aus dem Jagdgebiet der örtlichen Jagdgenossenschaft ACCA zurückgezogen. Möglich wurde dies über Artikel L. 422-10 des französischen Umweltgesetzbuchs, der es Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern erlaubt, sämtliche eigenen Parzellen aus einem ACCA-Jagdgebiet herauszulösen. Die Präfektur der Haute-Garonne und der Departements-Jagdverband haben den Rückzug validiert. Bürgermeister Frédéric Pasian, der den fast dreijährigen Konflikt angeführt hatte, zeigte sich gegenüber der «Dépêche du Midi» erfreut über den Ausgang und bezeichnete sich als Vorreiter dieser Art von Entscheidung in Frankreich.

Ein zäher Weg mit einer gescheiterten ersten Etappe

Dem Erfolg ging eine erste, gescheiterte Etappe voraus. Bereits früher hatte die Gemeinde versucht, die Jagd im Bois des Escoumes per Gemeindeerlass zu untersagen. Dieser erste Erlass wurde 2025 annulliert. Erst der Umweg über Artikel L. 422-10, also der vollständige Rückzug sämtlicher Gemeindeparzellen aus dem ACCA-Gebiet statt eines gezielten Verbots für einzelne Waldstücke, führte schliesslich zum Ziel.

Petition

Keine Luchsabschüsse im Wallis

Der Luchs ist genetisch am Limit, trotzdem soll er als erster Kanton der Schweiz zum Abschuss freigegeben werden.

Jetzt unterschreiben →

Einordnung durch den Jagdverband: Weniger Ausnahme als Präzedenzfall

Der Präsident des Departements-Jagdverbands Haute-Garonne, Jean-Bernard Portet, relativiert den Ausnahmecharakter der Entscheidung. Ihm zufolge werden im Departement jedes Jahr Flächen aus Jagdgebieten zurückgezogen, das sei jagdrechtlicher Alltag. Die eigentliche Neuheit liege einzig darin, dass diesmal kommunales statt privates Land betroffen sei. Genau darin liegt jedoch die politische Sprengkraft: Die Haute-Garonne zählt rund 20’000 Hobby-Jägerinnen und Hobby-Jäger sowie mehrere Dutzend ACCA, die einen Grossteil der jagdbaren Fläche im Departement verwalten. Ein Präzedenzfall auf Gemeindeland könnte deshalb, wie im Artikel der «Midi Libre» festgehalten, weiteren Gemeinden in der Region als Vorlage für ähnliche Vorstösse dienen.

Einordnung: Ein Präzedenzfall mit engen Grenzen

Der Fall Le Lherm zeigt, wie mühsam ein Ausstieg aus der Hobby-Jagd dort ist, wo, anders als im Kanton Genf, keine demokratische Volksabstimmung über ein flächendeckendes Verbot möglich ist, sondern nur ein individualrechtlicher Umweg über Grundeigentum. Fast drei Jahre Rechtsstreit und ein zunächst annullierter Erlass stehen dem gegenüber, was der Kanton Genf 1974 in einer einzigen Volksabstimmung mit Zweidrittelmehrheit erreichte: ein vollständiges, sofort wirksames Jagdverbot für ein ganzes Territorium. Le Lherm bleibt trotz des juristischen Erfolgs eine Insel von 56 Hektar innerhalb eines Systems, das die Hobby-Jagd weiterhin als gesetzten Normalfall behandelt und Ausnahmen nur über den Umweg des Privateigentums zulässt. Wie das Genfer Modell zeigt, dass professionelles, demokratisch legitimiertes Wildtiermanagement ganze Kantone tragen kann, dokumentiert das Dossier Genf und das Jagdverbot auf wildbeimwild.com.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

LASS UNS IN VERBINDUNG BLEIBEN!

Wir möchten dir gerne die neuesten Neuigkeiten und Angebote im Newsletter zukommen lassen.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden