Petition: Ganzjährige Jagd auf Waschbären stoppen
Der Waschbär ist in der Schweiz nach dem Bundesgesetz über die Jagd als gebietsfremde Art ganzjährig und ohne jede Schonzeit jagdbar.
Anders als bei einheimischen Arten sieht die Regelung für ihn keine geschlossene Zeit vor, in der säugende Muttertiere geschont werden. Damit können auch Elterntiere getötet werden, deren Jungen im Bau auf Nahrung warten und ohne das Muttertier kaum überleben.
Der Bestand ist nach wie vor klein, doch die Abschusszahlen der Eidgenössischen Jagdstatistik steigen steil an: von 2 erlegten Tieren im Jahr 2020 auf 13 (2021), 17 (2022) und bereits 44 im Jahr 2023, davon 35 allein im Kanton Baselland. Im Baselbiet werden Waschbären inzwischen in Lebendfallen gefangen und anschliessend getötet. Die Begründung lautet stets gleich: die «falsche» Herkunft.
Genau diese Logik ist fachlich fragwürdig. In Deutschland, wo im Jagdjahr 2024/2025 über 282’000 Waschbären getötet wurden, wächst die Population trotz intensiver Bejagung weiter. Die verfügbare Evidenz deutet darauf hin, dass die Hobby-Jagd auch hier keinen nachhaltigen Populationseffekt hat: Bejagte Bestände zeigen einen höheren Anteil fortpflanzungsfähiger Weibchen, tödliche Verluste werden durch vermehrten Nachwuchs rasch ausgeglichen. Mehr dazu im Dossier «Waschbär Schweiz: Abschuss wegen falscher Herkunft» sowie im Dossier «Neozoen und die Jagd in der Schweiz».
Dass es anders geht, zeigt das Waschbärprojekt in Kassel: Tiere werden eingefangen, sterilisiert und wieder freigelassen, tierschutzgerecht und ohne Tötung. Laut EU-Verordnung 1143/2014 sind solche Populationskontrollen ausdrücklich zulässig. Wie sich Waschbären im Siedlungsgebiet ohne tödliche Mittel fernhalten lassen, zeigen unsere tierfreundlichen Tipps.
Wir fordern einen Verzicht auf die ganzjährige, schonzeitlose Bejagung des Waschbären und den Umstieg auf nicht letale, tierschutzkonforme Massnahmen.
Sehr geehrte Damen und Herren der kantonalen Jagd- und Fischereiverwaltungen
Sehr geehrte Mitglieder der Konferenz für Wald, Wildtiere und Landschaft
Sehr geehrte Verantwortliche des Bundesamts für Umwelt
Ich wende mich an Sie, weil der Waschbär in der Schweiz nach dem Bundesgesetz über die Jagd als gebietsfremde Art ganzjährig und ohne Schonzeit bejagt werden darf, und weil diese Praxis aus meiner Sicht weder tierschutzkonform noch wirksam ist.
Der Waschbär ist nicht aus eigenem Antrieb nach Europa gelangt. Er wurde in den 1920er und 1930er Jahren für die Pelzindustrie aus Nordamerika eingeführt und ausgesetzt. Seine heutige Präsenz ist unmittelbar menschengemacht. Ihn mit dem Etikett «invasiv» zu verfolgen, verlagert die Verantwortung für ein menschliches Handeln auf das Tier.
Die ganzjährige Jagdbarkeit ohne Schonzeit ist aus Sicht des Tierschutzes problematisch. Da die Regelung für Neozoen keine geschlossene Zeit zum Schutz säugender Muttertiere vorsieht, können auch Elterntiere während der Aufzucht getötet werden. Der Nachwuchs, der im Bau zurückbleibt, hat dann kaum Überlebenschancen. Zusätzlich kommt bei der Bejagung von Beutegreifern vielerorts die Fallenjagd zum Einsatz. Fachverbände des Tierschutzes weisen darauf hin, dass das Lebendfangen von Wildtieren erheblichen Stress und Leiden verursachen kann. Bei Waschbären ist das Risiko einer nicht sofort tödlichen Verletzung besonders hoch, weil sie mit ihren Vorderpfoten nach Ködern greifen.
Die Bejagung erreicht ihr erklärtes Ziel nach bisheriger Evidenz nicht. Langjährige Forschung deutet darauf hin, dass Waschbären auf jagdlichen Druck mit erhöhter Fortpflanzung reagieren. In bejagten Populationen ist der Anteil sich fortpflanzender Weibchen höher als in unbejagten. Werden mehr Tiere getötet, werden mehr Jungtiere geboren. In Deutschland, wo im Jagdjahr 2024/2025 über 282'000 Waschbären getötet wurden, wächst die Population trotz intensiver Bejagung weiter.
Auch das Artenschutz-Argument steht auf schwachem Fundament. Mir sind keine belastbaren Langzeitnachweise für einen nachhaltigen Einfluss des Waschbären auf eine einheimische Art bekannt. Er ernährt sich vornehmlich von leicht verfügbarer Nahrung wie Regenwürmern, Insekten, Schnecken und Früchten. Für den Rückgang bedrohter Arten sind in erster Linie menschliche Ursachen wie Lebensraumverlust und Strassenverkehr verantwortlich.
Ich fordere Sie auf:
Auf die ganzjährige, schonzeitlose Bejagung des Waschbären zu verzichten, solange sie nach bisheriger Evidenz weder die Population nachhaltig reduziert noch dem Artenschutz dient.
Die Fallenjagd auf Waschbären ist zu untersagen, da sie vermeidbares Tierleid verursachen kann.
Nicht letale, tierschutzkonforme Massnahmen zu fördern, etwa Sterilisationsprogramme, Prävention und die tierfreundliche Fernhaltung im Siedlungsgebiet.
Die Verantwortung für die Präsenz des Waschbären dort ist zu verorten, wo sie hingehört, beim Menschen, der ihn eingeführt hat, und nicht beim Tier.
Mit freundlichen Grüssen
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