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Jagd

Waschbärprojekt Kassel: Ein innovativer Ansatz für den Umgang mit Wildtieren

BiPoMa ist das erste biologische Populations-Management für Waschbären in Europa. Es verfolgt das Ziel, die Waschbärpopulation in Kassel tierschutzgerecht zu reduzieren – ähnlich wie bei Streunerkatzen durch Einfangen, Sterilisation und Wiederaussetzen.

Redaktion Wild beim Wild — 8. August 2025

In den nächsten drei Jahren soll die Anzahl der Waschbären in Kassel durch das Einfangen und Sterilisieren möglichst vieler Tiere reduziert und deutlich verringert werden.

Die Stadt und der Bundesverband der Wildtierhilfen haben das erste biologische Waschbär-Management in Europa vorgestellt.

Die Jagd der Hobby-Jägerschaft gegenüber dieser sogenannten «Invasiven Arten» hat ganz eindeutig auf allen Ebenen versagt und ist an der Entwicklung der Jagdstrecken in Deutschland zu ersehen.

Ich kenne keinen einzigen Wissenschaftler oder Jagdexperten, der ernsthaft glaubt, den Tieren mit jagdlichen Mitteln Einhalt gebieten zu können. – Dr. Ulf Hohmann, Wildbiologe und Waschbär-Experte

Ablauf des Projekts

  1. Lebendfallen werden dort aufgestellt, wo Waschbären gesichtet wurden.
  2. Die Tiere werden alarmgesichert eingefangen, zum Tierarzt gebracht, dort untersucht, sterilisiert und markiert (gelbe Ohrmarke).
  3. Nach der Erholung werden sie am Fundort wieder freigelassen.
  4. Alle Tiere werden in einer Datenbank dokumentiert.
  5. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt – alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich, der Stadt entstehen keine Kosten.

Rechtliche Grundlage

  • Laut EU-Verordnung 1143/2014 sind Populationskontrollen erlaubt, wenn eine Ausrottung nicht möglich ist.
  • Die Wiederaussetzung sterilisiert eingefangener Tiere ist unter bestimmten Bedingungen zulässig, da sie ihr Revier verteidigen und so Zuwanderung verhindern.

Warum freilassen?

  • Weibchen sind standorttreu; sterilisierte Tiere bleiben vor Ort und verhindern durch Revierverhalten, dass neue Tiere einwandern.
  • Ohne Fortpflanzung und mit weniger Jungtieren sinkt die Population langfristig.
  • Dadurch reduzieren sich Schäden an Gebäuden, da Wurfplätze entfallen.

Warum macht das der Bundesverband Wildtierhilfen – und nicht die Hobby-Jäger?

  • Das Projekt erfolgt in Zusammenarbeit mit Hobby-Jägern, da diese ihr Revier gut kennen.
  • Hobby-Jäger und Tierstationen erhalten im Frühsommer zahlreiche Jungtiere, die kaum noch untergebracht werden können.
  • Sterilisation hilft, den Andrang auf Tierstationen zu reduzieren, und verhindert illegale Auswilderung zahmer Tiere.

Kritik und Nutzen

  • Manche bezweifeln die Wirksamkeit, da nicht alle Waschbären in Deutschland sterilisiert werden können.
  • Ziel ist jedoch eine lokale Kontrolle in stark betroffenen Gebieten wie Kassel, nicht die Ausrottung bundesweit.
  • Vergleich: Auch bei Streunerkatzen funktioniert das Prinzip, obwohl es Millionen davon gibt.

Bürgerbeteiligung

Prävention und Bildung

  • Kinder können AWA-Waschbär-Ranger werden – durch kostenlose Schulungen in Schulen und Vereinen (auch online).
  • Ziel: Verständnis und Prävention stärken, damit die Waschbärpopulation langfristig sinkt.

BiPoMa ist ein innovatives, tierschutzgerechtes Projekt zur Reduktion der Waschbärpopulation. Es setzt auf die Kraft der Sterilisation statt Tötung – wissenschaftlich begleitet, ehrenamtlich getragen und durch Bürgerbeteiligung gestützt.

Nachtrag August 2026: Wenige Tage nach dem Start gestoppt

Kaum war das Projekt angelaufen, wurde es ausgebremst. Bereits am 12. August 2025 änderte das Land Hessen die Zuständigkeit: Statt der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Kassel war neu die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Kassel zuständig. Damit verlor die ursprüngliche Genehmigung ihre Gültigkeit, und das Einfangen und Sterilisieren der Waschbären musste ruhen. Angestossen hatte diese Wende der Landesjagdverband Hessen, der eine tierversuchsrechtliche Genehmigung einforderte und den Eingriff grundsätzlich in Frage stellte.

Damit bestätigte sich in der Praxis genau das Muster, das den Anlass für dieses Projekt bildete: Nicht die Sterilisation, sondern der Widerstand aus der Hobby-Jägerschaft wurde zur eigentlichen Hürde, obwohl die jahrzehntelange Hobby-Jagd die Ausbreitung der Waschbären nie eindämmen konnte.

Anfang Januar 2026 folgte ein wichtiges Signal aus Berlin: Das Bundesumweltministerium bestätigte, dass ein biologischer Eingriff mit anschliessender Wiederaussetzung am Fundort nach Artikel 19 der EU-Verordnung zu invasiven Arten grundsätzlich rechtskonform ist. Die endgültige Entscheidung über den konkreten Vollzug liegt jedoch bei den Ländern. Das Regierungspräsidium Kassel kündigte an, im Frühsommer 2026 über den Fortgang des Projekts zu entscheiden, sobald zwischen Bund und Ländern eine einheitliche Auslegung gefunden ist.

Wie es mit dem gestoppten Pilotprojekt weiterging und welche Argumente Hobby-Jägerschaft und Wildtierhilfe austauschten, lesen Sie in unserem Folgeartikel «Pilotprojekt in Kassel gestoppt: Streit um Sterilisation von Waschbären». Warum sich der Bestand durch reines Töten nicht verringern lässt, zeigt zudem der Beitrag «Waschbären in Bielefeld: Je mehr getötet wird, desto mehr kommen nach».

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier umfassende Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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