23.10.2026, 15:24

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Kriminalität & Jagd

Tessin Jagd 2026/27: Vorfälle, Verstösse und Entwicklungen im Überblick

Wild beim Wild dokumentiert die Jagdsaison 2026/27 im Tessin laufend. Im Ticker erscheinen behördliche Mitteilungen, Vorfälle, Verstösse, Abschüsse und weitere Auffälligkeiten – chronologisch aktualisiert.

Redaktion Wild beim Wild · 23. Oktober 2026

Seit dem 5. September 2026 ist die Jagdsaison 2026/27 im Tessin eröffnet. Mit Beginn der Hochjagd sind rund 1’800 Hobby-Jägerinnen und -Jäger im Kanton unterwegs.

Wie tief die Hobby-Jagd im Tessin kulturell verankert ist, zeigt der Beitrag Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Tessin.

Ticker

23.10.2026
Fr 04:25

Sigirino: Kanton will den zahmen Hirsch betäuben und umsiedeln statt erschiessen

Der junge Hirsch, der seit Monaten durch Sigirino streift, soll nun doch nicht getötet werden. Gegenüber tio.ch dementierte Tiziano Putelli, Chef des Ufficio della caccia e della pesca, die Berichte über einen bevorstehenden Abschuss: Vorgesehen sei, das Tier einzufangen und «in un ambiente più adatto alle esigenze della specie» zu bringen. Eingesetzt werde ein Narkosegewehr, wegen der kurzen Schussdistanz von rund 20 bis 30 Metern sei der Ausgang aber nicht sicher; beiziehen könne das Amt die Società protezione animali di Bellinzona. Vorausgegangen war eine Mobilisierung im Dorf, einige Unterstützer boten sogar an, Geld für die private Unterbringung in einem Reservat zu sammeln. Laut einer Anwohnerin, die tio.ch am 19. Oktober zitierte, hatten zuerst Bauarbeiter am Monte Tamaro und danach Leute im Dorf das Tier wiederholt gefüttert; die verlorene Scheu wäre demnach menschengemacht. Der Fall zeigt, dass die Behörde nichttödliche Mittel hat und sie einsetzt, sobald die Öffentlichkeit hinschaut. Wie es sonst ausgehen kann, zeigt der Fall aus dem Jura: Saint-Ursanne: Wildhut erschiesst den Fussball-Fuchs.

21.10.2026
Mi 05:20

41 Füchse geschossen, 37 überfahren: Die Tessiner Fuchsjagd ist bedeutungslos

Laut Eidgenössischer Jagdstatistik haben Tessiner Hobby-Jäger 2025 nur 41 Füchse und 28 Dachse geschossen. Auf Strasse und Schiene starben im selben Jahr 37 Füchse und 23 Dachse. Die Hobby-Jagd tötet also kaum mehr Tiere als der Verkehr, eine regulierende Wirkung ist bei diesen Zahlen ausgeschlossen. Trotzdem läuft die Niederjagd bis 30. November an fünf Tagen pro Woche, auch am Sonntag der Zeitumstellung. Immerhin endet sie im Tessin um 16.30 Uhr. Damit zeigt der Kanton, dass sich die Dämmerungsjagd verbieten lässt, die in fast allen anderen Kantonen in der Woche nach der Zeitumstellung erlaubt bleibt.

Dass Fuchsjagd weder Bestände noch den Fuchsbandwurm senkt, belegen Studien aus Frankreich (Comte et al. 2017) und die Erfahrung Luxemburgs, das seit 2015 auf die Fuchsjagd verzichtet. Mehr im Fuchs-Dossier und im Dachs-Dossier.

20.10.2026
Di 17:01

Grosser Rat: Interrogazione zu Hobby-Jägern auf Privatgrund

Die Grossrätinnen Tamara Merlo und Maura Mossi Nembrini (Più Donne) wollen vom Staatsrat wissen, ob Hobby-Jäger Tore öffnen und Zäune überwinden dürfen, um auf Privatgrund zu jagen, und welche Grenzen bei Weiden und Tiergehegen gelten. Hintergrund ist unter anderem der Privatwald im Luganese, auf dem Verbotsschilder wiederholt abgerissen wurden. Eine Befriedung aus ethischen Gründen verlangt der Vorstoss nicht. Mehr dazu: Hobby-Jäger auf Privatgrund: Tessiner Grossrätinnen verlangen Klarheit

20.10.2026
Di 04:10

Sigirino: Von Menschen gefütterter Hirsch soll erschossen werden

Ein junger Hirsch, der sich seit einigen Monaten in den Gassen von Sigirino aufhält und weder Menschen noch Autos scheut, soll getötet werden: Laut tio.ch soll die Wildhut bereits grünes Licht für den Abschuss gegeben haben, weil das Tier als potenziell gefährlich gilt, falls es auf die Hauptstrasse gerät. Eine Anwohnerin schildert, der Hirsch sei aus Italien zugewandert, am Monte Tamaro von Bauarbeitern wiederholt gefüttert worden und nach dem Ende der Baustelle ins Dorf gezogen, wo ihn weitere Leute fütterten. Sie verlangt die Verlegung in eine Auffangstation für an Menschen gewöhnte Wildtiere und bis dahin die Aussetzung des Abschussbefehls. Christopher Jackson, Anwalt und Sekretär der Associazione tutela e difesa degli animali, bezweifelt, dass sich der Kanton der Sache annimmt: «Soprattutto in un periodo di cacciagione.» Er schlägt vor, die Menschen, die am Tier hängen, sollten die Umsiedlung selbst bezahlen; eine Stellungnahme des Ufficio della caccia e della pesca enthält der Bericht nicht. Damit soll einmal mehr ein Wildtier mit dem Leben dafür bezahlen, dass Menschen es angefüttert haben, während die Fütterung selbst folgenlos bleibt. Ähnlich endete im Jura ein zutraulicher Fuchs: Saint-Ursanne: Wildhut erschiesst den Fussball-Fuchs

19.10.2026
Mo 05:52

Camoghè: Zweiter Wolf getötet, die amtliche Meldung umfasst einen Satz

Das Ufficio della caccia e della pesca meldet am 18. Oktober, im Rahmen der «regolazione proattiva del branco Camoghè» sei im Gebiet Lugano/Val Colla «un ulteriore lupo» getötet worden, der zweite in diesem Rudel seit Beginn der Regulierung (Meldung des Amts). Alter, Geschlecht und Abschussdatum nennt die Meldung nicht, auch wer den Wolf getötet hat, bleibt offen. Den ersten Jungwolf des Rudels hatte das Amt am 30. September aus dem Valle Morobbia gemeldet. Die kantonale Einsatzrichtlinie vom 24. September nennt als Ziel die «Abbattimento di 3 giovani lupi nati nel 2026 nel branco Camoghè»; die Beteiligung von Hobby-Jägern regelt sie nur für die Hochjagdtage vom 24. bis 27. September. Damit hat das Amt seit Beginn der Regulierungsperiode am 1. September vier getötete Wölfe gemeldet, je zwei aus den Rudeln Camoghè und Molare. Die amtliche Liste der Rissfälle führt für 2026 in Capriasca, Villa Luganese, Sonvico und Cadro elf Fälle mit genetisch bestätigter Beteiligung eines Beutegreifers, sieben davon mit dem Vermerk «Animali non protetti adeguatamente», drei mit «Animali non proteggibili». Welchem Rudel diese Fälle zuzuordnen sind, weist die Liste nicht aus; zugleich zeigt sie, wie oft in der Region um Lugano der Herdenschutz fehlte. Zum Stand in allen Kantonen: Wolfsabschüsse Schweiz 2026/27: Der Zähler nach Kantonen und Rudeln

17.10.2026
Sa 04:02

Molare: Kanton meldet zwei getötete Wölfe und erklärt die Regulierung für beendet

Das Ufficio della caccia e della pesca meldet am 16. Oktober in einer Kurzmitteilung, über die auch «laRegione» berichtet, im Rahmen der «regolazione proattiva» des Rudels Molare seien «abbattuti due lupi» worden, die Regulierung sei «per il momento, conclusa». Ob es sich um Jung- oder Alttiere handelt, wann geschossen wurde und ob Hobby-Jäger beteiligt waren, steht nicht darin. Der Staatsrat hatte am 3. September die Entnahme von «fino a due terzi dei giovani nati nell’anno» beschlossen, unter Mitwirkung eigens ausgebildeter Hobby-Jäger. Laut dem Bericht von Wild beim Wild zur Freigabe waren im Rudel Molare zwei Jungtiere zur Tötung bestimmt; mit zwei Abschüssen ist diese Zahl erreicht, was zum gemeldeten Abschluss passt. Am Tag zuvor bestätigte das Amt im Rudel Carvina (Tamaro/Lema) «almeno 2 giovani lupi nati nel 2026»; auch dort hat das BAFU bereits am 28. August der Entnahme von zwei Dritteln der Jungtiere zugestimmt. Zur Freigabe: Tessin gibt Rudel Molare und Lepontino zur Wolfsregulierung frei

16.10.2026
Fr 04:56

Wolf im Siedlungsgebiet: Staatsrat nennt keine festen Schwellen für verstärktes Monitoring

In seiner Antwort vom 7. Oktober auf die Interrogazione 48.26 von Grossrat Alessio Ghisla und zehn Mitunterzeichnenden hält der Tessiner Staatsrat fest, dass es keine eigene kantonale Definition von «insediamento» oder «area sensibile» gibt; massgebend ist die eidgenössische Jagdverordnung, die auch einzelne ganzjährig bewohnte Höfe als Siedlung zählt. Feste quantitative Kriterien für den Übergang zu intensiverem Monitoring lehnt die Regierung ab, jede Situation werde «caso per caso» beurteilt. Bei wiederholten Sichtungen setzt die Wildhut Fotofallen und Patrouillen ein und kann Vergrämungsschüsse mit nicht tödlicher Munition abgeben; Meldungen werden «di norma» innert höchstens 24 Stunden geprüft. Eine gezielte Information der Anwohner bei einzelnen Sichtungen ohne aggressives Verhalten ist nicht vorgesehen. Für Verletzungen verweist die Regierung auf die Unfallversicherung der betroffenen Person und zieht einen Vergleich zu Wildschweinangriffen und Vipernbissen. Einen Fall, in dem ein Wolf im Tessin einen Menschen verletzt hätte, nennt die Antwort nicht. Mehr dazu: Wolf oder Hund? Warum viele «Wolfsangriffe» nie bewiesen sind

16.10.2026
Fr 04:55

Mairengo: Verletzte Ziege getötet, genetische Abklärung noch offen

Die Liste der «Casi di predazione» des Ufficio della caccia e della pesca führt einen neuen Fall: Am 9. Oktober wurde in Mairengo (Gemeinde Faido) eine verletzte Ziege gefunden und anschliessend getötet. Das Ergebnis der genetischen Untersuchung steht laut Liste noch aus, eine genetische Bestätigung der Wolfsbeteiligung liegt damit noch nicht vor. Beim Herdenschutz trägt der Fall bereits den Vermerk «Animali non proteggibili», das Amt hält einen Schutz dieser Tiere also für nicht machbar. Seit dem 20. August führt die Liste keinen einzigen Fall mehr mit der Einstufung «Animali protetti adeguatamente»; die übrigen Fälle tragen die Vermerke «non proteggibili», «non protetti adeguatamente per cause di forza maggiore» oder «Proteggibilità in fase di analisi», einer hat keinen Vermerk. Nach welchen Kriterien das Amt Tiere als nicht schützbar einstuft, legt die Liste nicht offen. Hintergrund: Hirtenmangel auf den Alpen: Wer schützt die Herden?

08.10.2026
Do 04:00

Ja zum Wolf-Schwellenwert: Piero Marchesi übernimmt das Tessiner Departement für Hobby-Jagd und Wolfsregulierung

Seit seiner Vereidigung am 7. Oktober leitet Piero Marchesi (UDC) laut RSI das Dipartimento del territorio und ist damit politisch auch für das Ufficio della caccia e della pesca zuständig, das Hobby-Jagd und Wolfsregulierung im Kanton umsetzt. Er übernimmt den Sitz von Claudio Zali (Lega), der im Juli seinen Rücktritt auf den 30. September erklärt hatte. Wie Marchesi zum Wolf steht, zeigt seine Stimme im Nationalrat: Am 23. September stimmte er für die Motion 25.4464, die den Abschuss einzelner Wölfe oder ganzer Rudel erlauben will, «sobald die Wolfspopulation eine vordefinierte Anzahl Tiere erreicht». Die Grünen reagierten laut «Corriere del Ticino» mit einer Mitteilung unter dem Titel «Dopo Rösti, un’altra volpe nel pollaio» und befürchten den Abbau der Klima- und Umweltpolitik. In der laufenden Regulierungsperiode hat das BAFU bei neun Rudeln im Tessin den Abschuss von jeweils zwei Dritteln der 2026 geborenen Jungtiere genehmigt. Die Motion zielt auf eine zusätzliche Abschussgrundlage anhand einer festgelegten Bestandszahl; damit rückt die zahlenbasierte Begrenzung einer geschützten Art stärker in den Vordergrund, welche weiteren Voraussetzungen gelten würden, müsste die Gesetzesvorlage klären. Hintergrund zur Motion: Wolf-Schwellenwert: Nationalrat stimmt Abschüssen auf Vorrat zu

06.10.2026
Di 04:08

Amtliche Bilanz: Mehr Stiere als Hirschkühe, mehr Böcke als Geissen

In seiner Mitteilung vom 5. Oktober schlüsselt das Departement des Territoriums die Hochjagd nach Geschlecht auf: Von 1’882 getöteten Hirschen waren 972 männlich, 675 weiblich, dazu kamen 235 Kälber. Dabei begründet der Kanton den Abschussplan mit Schäden an Wald und Kulturen, und für eine Senkung des Bestands zählt vor allem der Abschuss weiblicher Tiere; die Nachjagd ab Mitte November soll laut Amt denn auch den Plan erfüllen und «il rapporto tra i sessi» korrigieren (RSI). Bei den Gämsen sah der Plan je 350 Böcke und Geissen vor, getötet wurden 254 Böcke und 162 Geissen. Das leichte Plus gegenüber 2025 führt das Amt vor allem auf das gute Wetter am Dienstag, 8. September zurück, dem Tag, der gezielt dem erwachsenen Gämsbock galt. Den Rückgang beim Reh um 30 Prozent erklärt es unter anderem mit einem «interesse venatorio più limitato», das Reh sei eine «preda meno ricercata». Die Behörde bestätigt damit selbst, dass die Strecke dem Interesse der Schützen folgt und nicht dem Bedarf, mit dem die Hobby-Jagd begründet wird. Zur Planung: Tessiner Jagdplanung: Rekordabschüsse und offene Fragen

05.10.2026
Mo 11:53

Sechs Patententzüge, 130 Selbstanzeigen und 13 verstrahlte Wildschweine

Das Departement hat die Schlussbilanz der Hochjagd mit den Verstössen nachgeliefert: gut 130 Selbstanzeigen, 45 leichtere Widerhandlungen und sechs Patententzüge wegen besonders schwerer Verstösse gegen kantonales und eidgenössisches Recht. Wofür die Selbstanzeigen im Einzelnen erstattet wurden, schlüsselt die amtliche Mitteilung nicht auf. Rechnerisch kommt bei 1’721 Hobby-Jägern auf rund 13 von ihnen eine Selbstanzeige, und das innert 20 Jagdtagen. Das kantonale Veterinäramt hat zudem 13 Wildschweine wegen erhöhter Cäsium-137-Werte beschlagnahmt. Seit Januar wurden 1’528 Wildschweine getötet (2025: 2’041), was der Kanton selbst als Hinweis auf einen sinkenden Bestand wertet. Trotzdem folgt bis Anfang 2027 eine Sonderjagd, die Sommerjagd könnte 2027 zurückkehren, und Nachjagd wie Sonderjagd stehen gegen Aufpreis auch Personen ohne Hochjagd-Bewilligung offen. Zur Wirkung des Dauerdrucks: Das Wildschwein-Paradoxon endlich gelöst.

Korrigiert am 06.10.2026: In einer früheren Fassung hiess es, die Selbstanzeigen beträfen meist Fehlabschüsse und rund jeder Dreizehnte habe das falsche Tier erschossen. Die amtliche Mitteilung nennt «poco più di 130 autodenunce», ohne sie nach Gründen oder Personen aufzuschlüsseln.

04.10.2026
So 07:33

Caccia bassa ab 16. Oktober: 15 Waldschnepfen pro Hobby-Jäger

Vom 16. Oktober bis 30. November läuft im Tessin an fünf Tagen pro Woche die Caccia bassa. Das Jagdreglement 2026 erlaubt pro Person zwei Hasen (je ein Feld- und ein Schneehase), einen Birkhahn und 15 Waldschnepfen, für alle übrigen jagdbaren Arten gilt keine mengenmässige Beschränkung. Der Vergleich mit Graubünden und dem Wallis: Niederjagd 2026: Was Graubünden, Tessin und Wallis zum Abschuss freigeben.

04.10.2026
So 07:30

«Null Wölfe»: Wolfsgegner wollen die Art ganz entfernen, nur 6 von 117 gerissenen Nutztieren waren angemessen geschützt

Nachdem der Nationalrat die Motion für eine Obergrenze beim Wolfsbestand angenommen hat, nennt Roberta Soldati, Präsidentin der «Associazione per la protezione del territorio dai grandi predatori», im «Corriere del Ticino» ihre Zielzahl für das Tessin: «zero». Auch Sem Genini vom Tessiner Bauernverband hält null für richtig. Ihr Hauptargument ist, dass sich viele Alpen nicht schützen liessen. Die Rissstatistik des Kantons vom 28. September zeigt, wie weit dieses Argument trägt: Von 117 getöteten Nutztieren waren nur 6 angemessen geschützt. Bei 52 Tieren galt Schutz laut Amt als nicht zumutbar, bei 45 stufte es den Schutz als nicht angemessen ein, bei weiteren 13 als nicht angemessen wegen höherer Gewalt. Das Argument der nicht schützbaren Alpen deckt damit weniger als die Hälfte der Risse ab. Die Stiftung KORA hält im selben Artikel fest, dass sich kein klarer Zusammenhang zwischen einer Obergrenze und weniger Schäden zeigt. Eine Zielzahl von null bedeutet nicht Bestandsregulierung, sondern die vollständige Entfernung einer geschützten Art aus dem Kanton, auch dort, wo das Amt selbst ungenügenden Herdenschutz feststellt. Zur Motion: Wolf-Schwellenwert: Nationalrat stimmt Abschüssen auf Vorrat zu.

Korrigiert am 05.10.2026: In einer früheren Fassung hiess es, bei 45 Tieren habe ein zumutbarer Schutz gefehlt. Das Amt führt sie in der Kategorie «protezione non adeguata» (nicht angemessener Schutz). Zudem fehlten die 52 Tiere der Kategorie «protezione non esigibile» (Schutz nicht zumutbar) und die 13 Tiere der Kategorie «protezione non adeguata (forza maggiore)».

03.10.2026
Sa 16:13

500 Franken pro getötetem Wolf: Was der Kanton den Hobby-Jägern im Wolfsprogramm zahlt

Wie die Hobby-Jäger im kantonalen Wolfsprogramm «Gruppo Controllo Lupi» entschädigt werden, hat der «Corriere del Ticino» bereits am 8. Juni publik gemacht: 300 Franken Startpauschale, 30 Franken pro Stunde bis maximal 80 Stunden und 500 Franken für jeden getöteten Wolf. Das Budget des Pilotprojekts beträgt laut RSI höchstens 250’000 Franken pro Jahr. Mit dem gemeldeten Abschuss im Camoghè-Rudel stellt sich erstmals konkret die Frage, ob diese Erfolgsprämie ausbezahlt wurde. Der Kanton weist nicht aus, wer geschossen hat. Zum Vergleich: Im Wallis wurde ein Hobby-Jäger für eine illegal getötete Wölfin mit 300 Franken gebüsst. Die ausführliche Einordnung: 500 Franken pro Wolf: Das Tessin zahlt eine Prämie für jeden Wolfsabschuss.

Quellen: Corriere del Ticino, «Una nuova alleanza per regolare i lupi», 08.06.2026; RSI, «Ticino: formati 88 cacciatori per abbattere i lupi», 17.06.2026.

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03.10.2026
Sa 07:54

Camoghè: Das Rudel ist kaum bestätigt, schon wird der erste Welpe getötet

Das kantonale Amt für Jagd und Fischerei hat am 30. September gemeldet, dass im Valle Morobbia ein 2026 geborener Jungwolf aus dem Camoghè-Rudel getötet wurde. Das Rudel ist neu: Erst die fünf Welpen, die dieses Jahr auf dem Grat zwischen San Jorio und Gazzirola nachgewiesen wurden, bestätigten laut Departement die Bildung eines eigenen Rudels. Öffentlich gemacht hat das Departement diesen Nachweis am 24. September, die Zustimmung des BAFU zur Tötung von bis zu zwei Dritteln der Welpen datiert bereits vom 21. September; der Staatsrat ordnete sie am 24. September an. Ausgeführt wird die Regulierung laut Amt unter Beteiligung von Hobby-Jägern mit Wolfsausbildung und Bewilligung. Von Rissen, die dem Rudel zugeordnet werden, ist in den Meldungen nicht die Rede. Der erste Nachwuchs eines neuen Rudels dient damit zugleich als Nachweis seiner Existenz und als Grund für seine Dezimierung. Zur Rolle der Hobby-Jäger: Tessin bildet 88 Hobby-Jäger für nächtliche Wolfsabschüsse aus.

Quellen: Corriere del Ticino, «Abbattuto un giovane lupo del branco Camoghè», 02.10.2026; ticinonews, «Valle Morobbia: abbattuto un giovane lupo», 02.10.2026; RSI, «Abbattuto un giovane lupo del branco Camoghè», 02.10.2026; Corriere del Ticino, «Undici piccoli nuovi lupi in Ticino», 24.09.2026; BAFU, Stand der Gesuche der Kantone, 24.09.2026.

02.10.2026
Fr 07:10

«Weniger, aber besser getötet»: Amt schlüsselt die Hochjagd-Bilanz auf

Der «Corriere del Ticino» schlüsselt am 1. Oktober die Bilanz der Hochjagd nach Arten auf: 1’882 Hirsche (2025: 2’163), 501 Gämsen (463), 399 Wildschweine (284) und 167 Rehe (239). Amtschef Tiziano Putelli fasst zusammen: «Si è cacciato un po’ meno, ma meglio», die «Qualität» misst das Amt am Geschlechterverhältnis der getöteten Hirsche. Den Rückgang beim Reh erklärt Putelli unter anderem mit der Konkurrenz des Hirschs und der Präsenz von Wolf und Luchs, also mit genau jener natürlichen Regulation, die der Kanton beim Wolf zugleich mit Welpenabschüssen bekämpft. Ab Ende September müsse die Hirschbrunft «senza il disturbo dell’attività venatoria» stattfinden können, sagt Putelli; im Wallis hat die Hochjagd am 21. September begonnen, also mitten in dieser Zeit. Verfehlte Planzahlen beunruhigen das Amt nicht, weil für Hirsch und Wildschwein Spätherbst- und Winterjagd folgen. Die Bilanz misst damit nicht, ob das Töten nötig war, sondern nur, wie viel davon bis Jahresende noch nachzuholen ist. Zum Walliser Gegenmodell: «Mehr als schiessen»? Die Walliser Hochjagd zwischen Imagefilm und Hirschbrunft.

Quellen: Corriere del Ticino, «Caccia alta, pesa il caldo», 01.10.2026 (Aussagen von Tiziano Putelli, Ufficio della caccia e della pesca); Walliser Bote, 18.09.2026 (Start der Walliser Hochjagd).

02.10.2026
Fr 07:05

Peloso und Camoghè: Staatsrat lässt Jungwölfe in zwei weiteren Rudeln töten, Bund hat neun Tessiner Rudel freigegeben

Der Tessiner Staatsrat hat die Tötung von bis zu zwei Dritteln der 2026 geborenen Jungwölfe in den Rudeln Peloso und Camoghè beschlossen, wie der «Corriere del Ticino» am 25. September berichtet. Das BAFU hatte am 16. September (Peloso) und am 21. September (Camoghè) zugestimmt. Ausführen sollen die Abschüsse auch Hobby-Jäger, die die Ausbildung zur Wolfsregulierung absolviert haben und eine Bewilligung besitzen. Das Rudel Peloso zwischen unterer Vallemaggia, Valle di Vergeletto und unterem Onsernone besteht laut den Mitte September publizierten Angaben aus zwei Elterntieren und drei Welpen. Bereits am 28. August hatte das BAFU laut seiner Übersicht der Gesuche Welpenabschüssen in sieben weiteren Tessiner Rudeln zugestimmt (Bedretto, Lepontino, Molare, Madom, Aspra, Carvina, Onsernone), mit Peloso und Camoghè sind es neun. Weder die Bundesliste noch der Zeitungsbericht nennen Risse, die diesen Rudeln zugeordnet werden: Präventiv heisst hier, dass ein Rudel für seine Fortpflanzung bezahlt, nicht für einen nachgewiesenen Schaden. Zur Rolle der Hobby-Jäger: Tessin bildet 88 Hobby-Jäger für nächtliche Wolfsabschüsse aus.

Quellen: Corriere del Ticino, 25.09.2026; BAFU, «Vierte präventive Regulierung von Wolfsrudeln: Stand der Gesuche der Kantone», 24.09.2026.

30.09.2026
Mi 04:22

Wildschwein-Sommerjagd: Kanton öffnete Jagdbanngebiete und zahlte 4 Franken pro Kilo

Die Vorschriften des Amts für Jagd und Fischerei zur Wildschwein-Sommerjagd 2026 zeigen, wie weit der Kanton gegangen ist. Im Bezirk Mendrisio war die Hobby-Jagd vom 1. Juni bis 31. Juli ausdrücklich auch in den kantonalen Jagdbanngebieten Gole della Breggia und Valle della Motta erlaubt, also genau dort, wo Wildtiere eigentlich Ruhe finden sollen. Geschossen wurde täglich von 20 bis 6 Uhr, mit künstlichem Licht, Wärmebild- und Restlicht-Aufsätzen und Schalldämpfern. Ab dem 25. Mai durften Hobby-Jäger die Tiere mit Mais anfüttern und mit Wildkameras überwachen. Eine Beschränkung nach Alter, Geschlecht oder Anzahl gab es nicht, und das mitten in der Zeit, in der Bachen ihre Frischlinge führen. Wer ein Tier beim Sammelpunkt in Rivera ablieferte, erhielt vom Kanton 4 Franken pro Kilo. Begründet wird all das mit der Afrikanischen Schweinepest, dabei hat der Kanton bereits 2024 eingeräumt, dass die Sommerjagd den Bestand nicht senkt. Warum jede Öffnung eines Schutzgebiets dessen Zweck untergräbt, zeigt unser Beitrag Jagdbanngebiete: Warum Wolfsabschüsse den Schutzgedanken aushöhlen.

28.09.2026
Mo 19:34

Hochjagd vorbei: 2’949 Tiere getötet, Nachjagd ab Mitte November

Die Tessiner Hochjagd ist am Sonntag zu Ende gegangen. 1’721 Hobby-Jäger haben im September 2’949 Hirsche, Gämsen, Rehe und Wildschweine getötet, wie die amtliche Mitteilung vom 5. Oktober ausweist; die RSI hatte mit Verweis auf das kantonale Amt für Jagd und Fischerei zuvor gerundet 2’950 gemeldet. Beim Rothirsch liegt die Strecke bei rund 1’900 Tieren, der Abschussplan verlangt 2’900. Deshalb soll von Mitte November bis Ende Dezember die Nachjagd folgen. Das Amt zeigt sich mit der «Qualität» der Abschüsse zufrieden und erklärt die tiefere Strecke mit der Hitze Anfang September. Bemerkenswert: Bei Gämse und Reh wurde das Kontingent ebenfalls verfehlt, was laut Amt wegen der «konservativen» Bewirtschaftung kein Problem sei. Beim Hirsch dagegen gilt die Planzahl als Pflicht, auch wenn das bedeutet, nichtmenschliche Tiere im energiezehrenden Frühwinter erneut zu bejagen und zu beunruhigen.

Für Wildschweine nannte das Amt in dieser ersten Bilanz keine Zahl, die Strecke in der Hochjagd sei «nie besonders hoch». Der Grund: Wildschweine werden im Tessin inzwischen in mehreren Phasen über weite Teile des Jahres bejagt, mit Sommerjagd im Juni und Juli, Hochjagd im September und anschliessender Winterjagd, nachdem der Bund die Schonzeit mit Verweis auf die Afrikanische Schweinepest ausgesetzt hat. Dass die Sommerjagd den Bestand nicht senkt, hat der Kanton bereits 2024 selbst eingeräumt. Nicht Teil der amtlichen Bilanz: In derselben Saison sind im Tessin zwei Hobby-Jäger tödlich verunglückt.

Nachtrag 02.10.2026: Laut «Corriere del Ticino» vom 1. Oktober wurden in der Hochjagd 1’882 Hirsche und 399 Wildschweine getötet (2025: 284). Siehe Eintrag vom 02.10.2026.

Korrigiert am 06.10.2026: In einer früheren Fassung hiess es gestützt auf RSI 1’720 Hobby-Jäger und 2’950 Tiere. Laut amtlicher Mitteilung vom 5. Oktober waren es 1’721 Hobby-Jäger, die vier Arten ergeben zusammen 2’949 Tiere.

22.09.2026
Di 12:16

Toter Hirsch als Schaustück: Ethologe rechnet mit der Selfie-Kultur der Tessiner Hobby-Jäger ab

Seit Tagen kursiert im Luganese das Foto eines Hobby-Jägers, der mit einem erlegten Hirsch auf dem Anhänger durch die Strassen fährt. Für den Ethologen Nash Pettinaroli ist das kein Einzelfall, sondern Symptom einer Entwicklung: Immer mehr Hobby-Jäger stellen ihre toten Beutetiere zur Schau, auf Social Media, im WhatsApp-Status, als Selfie neben dem Kadaver. Pettinaroli nennt diese Zurschaustellung im Interview mit tio.ch «widerlich» und warnt vor einer schleichenden Abstumpfung: Wer den Tod eines Lebewesens zum Trophäenbild mache, erodiere die Empathie einer ganzen Gesellschaft.

Auch das beliebteste Rechtfertigungsnarrativ lässt der Ethologe nicht gelten. Dem Argument, die Hobby-Jagd reguliere das Ökosystem, hält er die Stimmen der Wissenschaft entgegen: Der Zoologe Ragnar Kinzelbach, der Biologe Karl-Heinz Loske und der frühere Direktor des Nationalparks Gran Paradiso, Bruno Bassano, hätten die Hobby-Jagd übereinstimmend als überflüssig bezeichnet, intakte Wildbestände regulierten sich selbst. Genau das dokumentiert auch unser Faktencheck zu den sechs zentralen Jagdlobby-Mythen. Für Pettinaroli bleibt am Ende nur ein Motiv: das reine Vergnügen. Die Erzählung von der Ökosystem-Regulierung diene bloss dazu, dieses Vergnügen zu beschönigen.

Bemerkenswert ist der Rahmen, in dem das Interview erscheint. Erst kürzlich hatte der Präsident der Tessiner Hobby-Jägerschaft öffentlich erklärt, seine grösste Emotion sei es, seine Tochter eine Beute erlegen zu sehen. Pettinaroli, der nach eigenen Angaben bereits bedroht und dessen Autoreifen zerstochen wurden, hält dagegen: Wie könne einen der Tod eines Lebewesens rühren?

18.09.2026
Fr 16:42

Umfrage im Nachbarland: 82 Prozent halten die Hobby-Jagd für unsicher, nur 3 Prozent wollen sie fördern

Direkt hinter der Tessiner Grenze liegt seit dieser Woche eine der grössten Erhebungen vor, die in Europa je zur Hobby-Jagd gemacht wurden: Ipsos Doxa hat für die Fondazione Capellino 7002 Personen in Italien befragt. 75 Prozent wollen die Hobby-Jagd abschaffen, auslaufen lassen oder auf wenige Notfälle begrenzen, nur 3 Prozent wollen sie fördern. 82 Prozent halten sie für nicht ganz oder überhaupt nicht sicher, ausdrücklich auch für Menschen, die im Wald und auf Wanderwegen unterwegs sind. Selbst die Wählerschaft der Regierungsparteien, die das Jagdgesetz gerade lockern, will mehrheitlich das Gegenteil. Für das Tessin ist das mehr als ein Blick über den Zaun: Hier gilt weiterhin ein Sicherheitsabstand von 50 Metern zu Wohnhäusern, hier hat die laufende Hochjagd bereits zwei Menschenleben gefordert, und Tessiner Hobby-Jäger sind auch jenseits der Grenze aktiv. Eine Befragung dieser Grösse wäre auch im Tessin fällig. Mehr dazu im ausführlichen Beitrag.

16.09.2026
Mi 15:15

FCT-Präsident nennt Verstösse «fast verschwunden», der Jagdbericht zählt 186 Verfahren

Auf tio.ch erklärt Davide Corti, Präsident der Federazione Cacciatori Ticinesi, die Hobby-Jagd zur «wissenschaftlichen Wildbewirtschaftung», zur Seuchenprävention und zum Umweltschutz. Schwere Verstösse und Wilderei seien «fast verschwunden». Der Jagdbericht 2024 des Kantons widerspricht ihm in jedem Punkt: 190 Selbstanzeigen, 82 Disziplinarbussen, 186 Übertretungsverfahren, neun Delikte bei der Staatsanwaltschaft und mindestens 16 Jagdrechtsentzüge, in der statistischen Tabelle desselben Berichts sogar 37. Das ist kein Randphänomen, sondern die dokumentierte Untergrenze eines Vollzugsproblems. Corti selbst nennt im gleichen Interview den illegalen Einsatz von Nachtsichtgeräten als «Hauptsorge» des Verbandes; was verschwunden sein soll, kann nicht gleichzeitig die grösste Sorge sein.

Die behauptete «Ethik» misst sich an der Praxis: 3’377 getötete Hirsche, Rehe und Wildschweine in der Hochjagd 2024, ein Rekord, plus 48 Prozent gegenüber zehn Jahren zuvor; 143 erschossene säugende Hirschkühe, davon 87 ohne Kalb zur Kontrolle gebracht, was der Kanton als Fortschritt verbucht. Die Wildschweinabschüsse haben sich seit 2000 verfünffacht, und die wildbiologische Forschung erklärt seit zwei Jahrzehnten, weshalb hoher Jagddruck die Vermehrung erst erzeugt. Beim Gamswild werden doppelt so viele Böcke wie Geissen getötet, der Kanton benennt die Trophäenjagd als Ursache und lässt sie trotzdem zu. Den Wolf will Corti «wie andere Arten bewirtschaften», präventive Abschüsse eines geschützten Beutegreifers, deren Schutzwirkung laut KORA bis heute nicht belegt ist.

Der Journalist stellt keine einzige Rückfrage, nennt keine Zahl, erwähnt weder die zwei toten Hobby-Jäger vom Eröffnungswochenende noch den Femizid von Faido, bei dem ein Hobby-Jäger mit Schalldämpfer eine Frau erschoss. Seine Schlagzeile ist Cortis stärkste Erinnerung aus vierzig Patentjahren: die erste Beute der Tochter. Das ist der ehrlichste Satz des Interviews, und er sagt mehr über die Hobby-Jagd als alle Managementvokabeln davor. Zur Analyse

15.09.2026
Di 14:32

Hirsch per Helikopter aus dem Piemont: Provinzpolizei bestätigt Tessiner Hobby-Jäger

Der Kronenhirsch, der am Wochenende im Ossolatal erlegt und per Helikopter über die Grenze geflogen wurde, ist ein Tessiner Fall. Der Kommandant der Provinzpolizei Verbano-Cusio-Ossola bestätigt gegenüber tio.ch: Der Hobby-Jäger ist im Tessin patentiert und zusätzlich in der Provinz VCO zugelassen, der Helikopter gehört einer Tessiner Firma, abgesetzt wurde das Tier bei Cimalmotto in der Gemeinde Campo (Vallemaggia). Beanstandet werden der Überflug eines Vogelschutzgebiets ohne die vorgeschriebenen Meldungen und der Umstand, dass der Hobby-Jäger selbst an Bord war, was in Italien für Jäger verboten ist. Hobby-Jäger und Flugunternehmen zahlen je über 5’000 Euro Busse. Damit liegt der Fall vollständig in Tessiner Verantwortung; ob das Ufficio della caccia e della pesca patentrechtliche Konsequenzen prüft, haben wir angefragt. Mehr dazu im ausführlichen Beitrag.

06.09.2026
So 12:18

54-jähriger Hobby-Jäger stürzt bei der Hobby-Jagd zu Tode am Pizzo Sassariente (Locarnese)

Ein 54-jähriger Schweizer mit Wohnsitz im Locarnese ist am Samstagnachmittag bei einer Hobby-Jagd in der Region Pizzo Sassariente ums Leben gekommen. Das teilte die Tessiner Kantonspolizei am Sonntagmorgen mit.

Kurz nach 16.30 Uhr ging bei der gemeinsamen Alarmzentrale (CECAL) die Vermisstmeldung ein. Eine Suchaktion mit Kantonspolizei, Schweizer Alpine Rettung (SAS) und REGA lief an. Gegen 18 Uhr wurde der leblose Körper auf rund 1450 Metern am Hang des Val della Porta gefunden. Nach ersten Erkenntnissen stürzte der Mann während der Jagd ab. Die genauen Umstände klärt eine Untersuchung. Für die Betreuung der Angehörigen wurde das Care Team aufgeboten.

Einordnung: Wieder fordert die Tessiner Hochjagd ein Menschenleben, und wieder ist es kein «Unglück aus heiterem Himmel», sondern die vorhersehbare Folge einer Freizeitbeschäftigung, die Menschen in steilstes, absturzgefährdetes Gelände treibt, allein, ausserhalb gesicherter Wege, oft in der Dämmerung. Der Absturz auf 1450 Metern reiht sich in eine lange Serie tödlicher Jagdunfälle im Alpenraum ein. Kein Hirsch, kein Reh wiegt ein Menschenleben auf. Die Hobby-Jagd ist kein Naturschutz, sondern ein tödliches Risiko, das die Jagenden freiwillig eingehen und das regelmässig auch Unbeteiligte gefährdet.

05.09.2026
Sa 19:08

Am ersten Wochenende der Tessiner Hochjagd hat die Saison ihr erstes Todesopfer gefordert. Kurz nach 13 Uhr stürzte ein 69-jähriger Schweizer mit Wohnsitz im Bezirk Riviera im Gebiet von Biasca an einem Hang beim Riale Crenone auf rund 700 Metern Höhe ab. Trotz Reanimationsversuchen durch die Rega konnten die Rettungskräfte nur noch den Tod des Mannes feststellen. Für die Angehörigen wurde ein Care Team aufgeboten. Die genauen Umstände des Absturzes sind laut Kantonspolizei noch Gegenstand der Ermittlungen.

Der Fall reiht sich in ein wiederkehrendes Muster ein: Ein Grossteil der tödlichen Jagdunfälle in der Schweiz sind keine Schussunfälle, sondern Abstürze in steilem, unwegsamem Gelände, in das sich Hobby-Jäger zur Ausübung ihres Freizeitvergnügens begeben. Dass mit 69 Jahren ein Mensch in solchem Terrain unterwegs ist, um Wildtiere zu erlegen, ist kein Einzelfall, sondern strukturell angelegt.

Genau hier setzen die langjährigen Forderungen der IG Wild beim Wild an. Die grösste Altersklasse bei den Hobby-Jägern ist 65+, also jene mit zunehmenden Alters-, Seh-, Konzentrations- und Reaktionsschwächen. Ab dem 45. Lebensjahr steigt die Zahl der Unglücke für Menschen und Tiere deutlich an. Deshalb fordert die IG seit Langem, dass sich Hobby-Jäger regelmässig einem medizinisch-psychologischen Eignungstest unterziehen müssen, nach dem Vorbild der Niederlande, und eine Altersobergrenze für die aktive Ausübung der Hobby-Jagd eingeführt wird. Beides ist bei anderen sicherheitsrelevanten Tätigkeiten längst selbstverständlich.

Grundsätzlich fordert die IG Wild beim Wild die Abschaffung der Hobby-Jagd und deren Ersatz durch ein professionelles, staatlich verantwortetes Wildtiermanagement. Wildtierregulierung, wo sie überhaupt nötig ist, gehört in die Hände ausgebildeter, angestellter Fachpersonen mit klaren Standards, nicht in die Freizeit von Privatpersonen. Ein solches System wäre nicht nur für die Wildtiere schonender und fachlich fundierter, es würde auch Tragödien wie jene von Biasca vermeiden helfen.

Die Verantwortung endet dabei nicht beim einzelnen Hobby-Jäger. Es ist der Kanton, der die Hobby-Jagd in gefährlichem Gelände überhaupt erst erlaubt, ohne verpflichtende medizinisch-psychologische Eignungstests und ohne Altersobergrenze. Solange er an diesem System festhält und sich den langjährigen Forderungen nach mehr Sicherheit verweigert, ist er aus Sicht der IG Wild beim Wild an den zahlreichen Todesfällen der vergangenen Jahre politisch mitverantwortlich.

05.09.2026
Sa 08:44

Vom «Nutzer» zum «Fauna-Manager»: Wie Corti die Vervierfachung der Abschüsse zur Verantwortung umdeutet

Am Vorabend der Hochjagd-Eröffnung erklärt Davide Corti, Präsident der Tessiner Hobby-Jägerföderation, der moderne Alpenjäger sei kein «Nutzer», sondern ein «Manager der Alpenfauna». Die entscheidende Zahl liefert er selbst mit: Als er sein Jagdpatent löste, wurden im Tessin rund 1’600 Huftiere pro Jahr erlegt, heute sind es etwa 7’000. Was hier als gewachsene «Verantwortung» und «Management» verkauft wird, ist in Wahrheit eine Vervierfachung der Tötungen. Ein Manager, dessen einzige messbare Leistung darin besteht, viermal so viele Tiere zu erlegen wie früher, betreibt keinen Naturschutz, sondern rechtfertigt die Ausweitung der Hobby-Jagd mit einem neuen Etikett.

Besonders dreist ist Cortis Umgang mit dem gestiegenen Druck auf die Wildtiere: Schuld seien Tourismus und Freizeitnutzung, nicht die Hobby-Jagd. Doch Wandernde, Bikerinnen und Touristen töten und quälen keine Wildtiere. Die Hobby-Jagd tut es, und im Tessin praktisch das ganze Jahr. Zusammengenommen schaffen Sommerjagd, Hochjagd, Fuchs- und Wildschweinjagd sowie Wolfsregulierung ein System, in dem Wildtiere während grosser Teile des Jahres bejagt oder durch unnötige Hobby-Jagdaktivitäten gestört werden. Eine kantonsweit verlässliche, lange Ruhephase ist für viele betroffene Tiere kaum erkennbar.

Jagdzeiten im Tessin im Überblick

  • Wildschwein-Sommerjagd: 1. Juni bis 31. Juli 2026, täglich von 20 bis 6 Uhr, nur vom zugewiesenen erhöhten Ansitz im Wald; ohne Beschränkung nach Alter, Geschlecht und Anzahl, im Bezirk Mendrisio auch in zwei Jagdbanngebieten (Vorschriften des Amts).
  • Hochjagd: 5. bis 19. September sowie 23. bis 27. September 2026.
  • Fuchsjagd («Caccia bassa»): gemäss jährlicher kantonaler Saisonregelung; in den Wintermonaten je nach Gebiet und Freigabe mit zusätzlichen Methoden.
  • Spätherbstjagd auf Hirsch: laut Amt ab Mitte November, voraussichtlich bis Ende Dezember; bei Gämse und Reh ist die Hobby-Jagd für 2026 abgeschlossen.
  • Winterjagd auf Wildschweine: nach kantonaler Anordnung; Daten für 2026/27 noch offen.
  • Proaktive Wolfsregulierung: nach kantonaler Anordnung innerhalb der jeweils geltenden Bewilligungsfrist.

Kaum ein Monat bleibt frei. Cortis Verweis auf den Tourismus lenkt genau davon ab.

Schalldämpfer: «nur Vorteile»? Zwei Tessiner Fälle sagen das Gegenteil

Auch bei den neu erlaubten Schalldämpfern gibt sich Corti keine Mühe mit Abwägung: Sie hätten «nur Vorteile». Wie sich diese Vorteile in der Hobby-Jägerhand auswirken können, zeigt derselbe Kanton innert weniger Monate gleich zweifach. Ein Tessiner Hobby-Jäger wurde als Wilderer verurteilt, mit Schalldämpfer, Nachtsichtgerät und illegalen Lockfallen. Und beim Femizid von Faido durch einen Hobby-Jäger hörte niemand den tödlichen Schuss auf die 56-jährige Frau, weshalb die Polizei von einem Schalldämpfer ausgeht. Die Verbreitung von Schalldämpfern über jagdrechtliche Ausnahmebewilligungen ist damit kein reiner «Vorteil», sondern ein Kontrollproblem mit realen Opfern nicht nur in der Tierwelt.

05.09.2026
Sa 06:51

Das Tessiner Amt für Jagd und Fischerei (UCP) fordert die Bevölkerung auf, Sichtungen von in diesem Jahr geborenen Wolfswelpen mit Datum, Ort sowie möglichst Foto- oder Videomaterial zu melden. Die Behörde erklärt offen, der Zweck sei, Anträge zur «proaktiven Regulierung» von Wolfsrudeln zu erleichtern. Einen Tag zuvor beschloss der Tessiner Staatsrat, in den Rudeln Molare und Lepontino bis zu zwei Drittel der im laufenden Jahr geborenen Jungwölfe töten zu lassen, unter Mitwirkung von Hobby-Jägern.

Die IG Wild beim Wild empfiehlt deshalb nicht, solche Sichtungen an die UCP zu melden. Die verlangten Angaben dienen nachweislich nicht einem unabhängigen wissenschaftlichen Monitoring, dem Herdenschutz oder einer konfliktarmen Koexistenz, sondern der Vorbereitung präventiver Abschüsse von Wolfswelpen. Das widerspricht einem Wildtierschutz, der soziale Rudelstrukturen, natürliche Regulation und die ökologische Funktion des Wolfs ernst nimmt. Auch für den Schutzwald ist eine intakte natürliche Dynamik wichtig: Beutegreifer können die räumliche Nutzung und das Verhalten von Huftieren beeinflussen und damit lokal übermässigem Verbiss entgegenwirken.

Wölfe vermehren sich zudem nicht unbegrenzt an einem Ort. Jungtiere wandern ab, besiedeln freie und geeignete Lebensräume und verbinden Populationen über Kantons- und Landesgrenzen hinweg über den ganzen Kontinent.

Originalmeldung der UCP

Segnalazione di giovani lupi – Per agevolare le richieste di regolazione proattiva dei branchi di lupo in Ticino, l’UCP invita a segnalare eventuali avvistamenti di giovani lupi dell’anno. Le segnalazioni, indicando la data e il luogo dell’avvistamento e corredate, se possibile, da fotografie o video, possono essere inoltrate a:

4 settembre 2026 – Attualità, Dipartimento del territorio

04.09.2026
Fr 14:51

Wolf als Sündenbock: Amtliche Zahlen entlarven, wer wirklich versagt

Amtliche Zahlen des UCP Bellinzona («Lupo – Predazioni 2026», Stand 3. September) zeigen schonungslos: Von 108 im laufenden Jahr durch Wölfe getöteten Nutztieren waren gerade einmal 4 angemessen geschützt, nicht einmal 4 Prozent. Bei einem grossen Teil der übrigen Tiere stuft das Amt den Schutz als nicht angemessen ein, bei einem weiteren Teil als nicht zumutbar. Trotzdem ist es der Wolf, der reguliert, bejagt und zum Abschuss freigegeben wird, während die eigentlich Verantwortlichen straflos bleiben. Wie Wild beim Wild bereits im Fall Paudo und in der Auswertung zur Vollzugspraxis des Veterinäramts dokumentiert hat, ist das kein Einzelfall, sondern System: Das Tessin duldet seit Jahren ungeschützte Herden in bekannten Wolfsgebieten, ahndet die Verstösse nicht und lässt anschliessend den Beutegreifer für das eigene Kontrollversagen büssen.

Korrigiert am 04.10.2026: In einer früheren Fassung hiess es, bei 96 Prozent der Risse hätten die Tierhaltenden ihre Schutzpflicht nicht erfüllt. Das Amt unterscheidet jedoch zwischen nicht angemessenem und nicht zumutbarem Schutz; nur im ersten Fall liegt eine nicht erfüllte Schutzanforderung vor. Laut aktuellem Stand vom 28. September waren von 117 getöteten Nutztieren 6 angemessen geschützt, 45 nicht angemessen, 13 nicht angemessen wegen höherer Gewalt, bei 52 galt Schutz als nicht zumutbar.

Screenshot 2026 09 04

04.09.2026
Fr 11:25

Rekordstrecke beim Hirsch: Selbst die organisierte Hobby-Jägerschaft zweifelt an der amtlichen Begründung

Der Kanton hat die Bejagung des Rothirschs in den letzten Jahren massiv verschärft: 2’163 Tiere während der Hochjagd 2025, gegenüber 1’787 im Jahr 2022. Bezeichnend: Selbst die kantonale Jägerföderation FCTI widersprach 2021 der behördlichen Annahme einer wachsenden Population und warnte vor einem «Kampf ohne Gnade» gegen den Hirsch. Beim Gämsbestand zeigt sich das Muster umgekehrt: Das Maximalkontingent von 800 Tieren wurde seit 2022 nie erreicht, im Gebiet Gambarogno-Tamaro-Lema brach die Population sogar so stark ein, dass die Jagd dort drei Jahre ausgesetzt werden musste. Abschusszahlen sagen also wenig darüber aus, ob das Töten ökologisch begründet ist, sie spiegeln vor allem die Freigabepolitik des Kantons selbst. Nach der Hochjagd 2025 verzeichnete das Tessin zudem über 140 Selbstanzeigen und 19 Patententzüge wegen schwerer Verstösse, darunter ein Fall von Wilderei mit schallgedämpfter Waffe und Wärmebildgerät. Mehr dazu im ausführlichen Beitrag.

04.09.2026
Fr 10:54

Saisonstart mit 50-Meter-Sicherheitsabstand, der seit 2019 versprochenen Erhöhung fehlt bis heute

Seit dem 5. September sind während der Hochjagd wieder rund 1’800 Hobby-Jäger im ganzen Kanton unterwegs, in zwei Phasen bis zum 27. September. Wie prekär der Schutz der Bevölkerung dabei bemessen ist, zeigt ein Detail: Hobby-Jäger müssen laut Amt für Jagd und Fischerei nur 50 Meter Abstand zu Wohnhäusern, Campingplätzen und Naturlehrpfaden einhalten, die Länge eines Schwimmbeckens. Nach schweren Jagdunfällen im Herbst 2019, bei denen unter anderem ein Kaminfeger mit Warnweste erschossen wurde, hatte der Kanton eine Erhöhung auf 200 Meter angekündigt. Umgesetzt wurde sie nie, bis heute gilt die 50-Meter-Regel. Seit Juli 2026 sind zudem Schalldämpfer zugelassen, was Schüsse in Siedlungsnähe leiser, aber nicht sicherer macht. Im Bleniotal, wo die Hochjagd nun beginnt, wirkt zudem der Fall von Faido/Leontica nach, wo ein Hobby-Jäger seine Ex-Frau erschoss und ein Haus sprengte, ein weiterer Beleg für das wiederkehrende Muster aus legalem Waffenzugang und Gewalt im jagdlichen Umfeld. Mehr dazu im ausführlichen Beitrag.

03.09.2026
Do 16:58

Tessin gibt Rudel Molare und Lepontino zum Abschuss frei, ohne einen einzigen nachgewiesenen Riss

Der Staatsrat hat am 3. September mit Segen des BAFU die Tötung von bis zu zwei Dritteln der 2026 geborenen Jungtiere in den Rudeln Molare und Lepontino angeordnet, ausgeführt auch durch eigens ausgebildete Hobby-Jäger. Weder für Molare noch für Lepontino nennt der Kanton einen einzigen dem jeweiligen Rudel zugeordneten Riss als Begründung, die kantonale Rechtfertigung bleibt bewusst allgemein gehalten. Ausreichend ist laut revidierter Jagdverordnung bereits der blosse Nachweis von zwei oder mehr diesjährigen Welpen, eine Tötung auf Vorrat, ohne jeden Nachweis individuellen Fehlverhaltens. Die Verfügungen richten sich ausdrücklich gegen die «giovani lupi» und weisen die Hobby-Jäger sogar an, bei annähernd gleich grossen Tieren nicht zu schiessen, um kein Elterntier zu treffen. Bestraft wird damit nicht ein Rudel, das nachweislich Schaden angerichtet hat, sondern die blosse Tatsache, dass es sich fortgepflanzt hat. Mehr dazu im ausführlichen Beitrag.

Nachtrag 02.10.2026: Laut Übersicht des BAFU (Stand 24.09.2026) hat der Bund inzwischen Welpenabschüssen in neun Tessiner Rudeln zugestimmt, neben Molare und Lepontino auch Bedretto, Madom, Aspra, Carvina, Onsernone, Peloso und Camoghè. Siehe Eintrag vom 02.10.2026.

Hintergrund

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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