24.09.2026, 10:14

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Jagd

«Mehr als schiessen»? Die Walliser Hochjagd zwischen Imagefilm und Hirschbrunft

Regionalmedien zeigen die Hobby-Jagd gern als Tradition und Naturerlebnis. Das Wild kommt dabei oft nur als Kulisse vor.

Redaktion Wild beim Wild — 24. September 2026

In der «Tagesinfo» vom 23. September 2026 porträtiert der Walliser Regionalsender Canal9 einen «Jungjäger», wie ihn der Sender nennt.

Gemäss Sendungsbeschrieb sind während der Hochjagd über 2000 Hobby-Jäger im Wallis unterwegs. Der Titel des Beitrags: «Jagd: mehr als schiessen».

Es geht hier nicht um die porträtierte Person. Es geht um die Frage, welches Bild der Hobby-Jagd ein regionales Medium vermittelt und welche Perspektiven darin Platz haben.

Was zur Hochjagd auch gehört

Die Walliser Hochjagd hat am 21. September begonnen. Rund 2100 Hobby-Jäger sollen in dieser Saison 1700 Hirsche erlegen, obwohl die Abschussziele in den letzten drei Jahren verfehlt wurden.

Die Jagdzeit fällt in die Brunft des Rothirsches, die von Mitte September bis Mitte Oktober dauert. In dieser Phase sind die Tiere ganz auf die Fortpflanzung ausgerichtet. Im Kanton Schwyz lehnen selbst Hobby-Jäger die Jagd auf Hirschstiere während der Brunft ab. Das Fleisch brünftiger Stiere hat einen sehr intensiven, strengen Eigengeschmack und wird für den normalen Verzehr meist nicht empfohlen, berichtete der «Bote der Urschweiz» am 8. September 2026. Die Schwyzer Hobby-Jäger wollen die Stiere deshalb vor der Brunft erlegen. Im Wallis dagegen ist die Hobby-Jagd mitten in der Brunft das reguläre Modell. Die laufenden Vorfälle dokumentiert unser Live-Ticker Wallis Jagd 2026/27.

Zur Realität gehört auch die Schussqualität. 2024 machten Oberwalliser Metzger öffentlich, dass sie schlecht geschossenes Wild nicht mehr verarbeiten wollten. Der Präsident der Oberwalliser Metzger kritisierte gegenüber SRF häufige Bauchschüsse, nach denen Fleisch entsorgt werden müsse, und nannte als Ursache zu viele Hobby-Jäger für zu wenig Wild. Der Oberwalliser Jägerverband widersprach.

Und zur Realität gehört die Strafpraxis. Ein Hobby-Jäger, der in Herbriggen eine geschützte Wölfin erschoss und angab, sie für einen Fuchs gehalten zu haben, kam mit einer Busse von 300 Franken davon und durfte seine Jagdberechtigung behalten: 300 Franken für eine Wölfin.

Fragen, die ein Porträt stellen könnte

  • Wie geht es dem Wild während der Brunft, wenn gleichzeitig über 2000 Bewaffnete im Gelände sind?
  • Wie viele Tiere werden angeschossen und müssen nachgesucht werden?
  • Warum steigt das Abschussziel, obwohl es drei Jahre in Folge verfehlt wurde?
  • Was sagen Wildtierbiologinnen, Wandernde oder der Tierschutz zur Hochjagd?
  • Wird die Behauptung, die Hobby-Jagd erfülle einen ökologischen Auftrag, überprüft oder nur wiedergegeben?

Ein Porträt muss nicht jede Kritik abbilden. Doch wenn Regionalmedien die Hobby-Jagd Jahr für Jahr vor allem als Tradition und Naturerlebnis zeigen, entsteht ein Bild, in dem das Wild nur als Kulisse vorkommt.

Wie die Hochjagd abläuft und was sie für Tiere bedeutet, erklärt unser Beitrag Hochjagd Schweiz: Ablauf, Tierschutz und kritische Einordnung.

Quellen: Canal9, Tagesinfo vom 23.09.2026; Bote der Urschweiz, 08.09.2026; SRF, 12.09.2024; Kanton Wallis, SGS 922.110

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier umfassende Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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