3. September 2026, 17:28

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Tierwelt

Tessin gibt Rudel Molare und Lepontino zur Wolfsregulierung frei

Der Staatsrat gibt zwei weitere Rudel zur vorsorglichen Entnahme frei und zieht dafür Hobby-Jäger bei.

Redaktion Wild beim Wild — 3. September 2026

Der Tessiner Staatsrat hat am 3. September 2026 die Teilregulierung der beiden Wolfsrudel Molare und Lepontino angeordnet.

Nachdem das Bundesamt für Umwelt (BAFU) einen befürwortenden Vorbescheid abgegeben hat, dürfen in beiden Rudeln bis zu zwei Drittel der in diesem Jahr geborenen Jungtiere getötet werden. Für die Ausführung zieht der Kanton neben der kantonalen Wildhut ausdrücklich ausgebildete Hobby-Jäger bei.

Ein Abschuss auf Vorrat

Damit setzt das Tessin die sogenannte proaktive Regulierung fort. Grundlage ist die revidierte eidgenössische Jagdverordnung, die seit dem 1. Februar 2025 in Kraft ist. Sie erlaubt den Kantonen, geschützte Wolfsrudel vorsorglich zu dezimieren, ohne dass zuvor ein konkreter Schaden nachgewiesen werden muss. Auslöser ist allein der dokumentierte Nachweis von zwei oder mehr diesjährigen Welpen in einem Rudel. Sobald dieser Nachweis vorliegt, kann bis zu zwei Drittel des Nachwuchses entnommen werden, unabhängig davon, ob genau dieses Rudel überhaupt Schäden verursacht hat.

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Für die beiden nun freigegebenen Rudel bedeutet das: Weder für Molare noch für Lepontino führt der Kanton einen konkreten, dem Rudel zugeordneten Riss als Begründung an. Das Rudel Lepontino, das die orografisch rechte Talseite der Leventina und das obere Lavizzaratal besiedelt, stand bereits in der Vorperiode auf der Abschussliste, damals ausgelöst allein durch fünf fotografisch bestätigte Welpen. Das Rudel Molare, entlang des Alpenkamms zwischen dem Bleniotal und der unteren Leventina, wurde überhaupt erst im Sommer 2026 als eigenständiges Rudel bestätigt.

Die offizielle Begründung des Kantons bewegt sich denn auch auf einer allgemeinen Ebene: Man wolle die «dem Wolf zugeschriebenen Nutztierrisse der letzten zwölf Monate» reduzieren. Das ist eine kantonsweite, keine rudelspezifische Rechtfertigung. Getötet werden geschützte Beutegreifer und ihre diesjährigen Jungtiere, nicht weil sie nachweislich Schaden angerichtet haben, sondern weil das Rudel überhaupt existiert.

Teil eines schweizweiten Musters

Dass die Tötung geschützter Beutegreifer faktisch an die Hobby-Jagd delegiert wird, ist kein Tessiner Einzelfall. Auch der Kanton Graubünden hat für die Saison 2026/27 vom Bund die Bewilligung für die proaktiven Regulierung von gleich zwölf Rudeln erhalten. Wie die IG Wild beim Wild bereits in ihrer Walliser Wolfsbilanz dokumentiert hat, verdeckt der technokratische Begriff der «Regulierung» dabei, worum es faktisch geht: die planmässige Tötung von Jungtieren und die Zerstörung stabiler Rudelstrukturen. Die vorsorgliche Entnahme von Jungwölfen ist damit definitiv zur schweizweiten Routine geworden.

Besonders zynisch wirkt die Regelung, wenn man sich vergegenwärtigt, wen sie trifft. Zur Entnahme freigegeben sind zwei Jungtiere im Rudel Molare und drei im Rudel Lepontino, allesamt Welpen des Jahrgangs 2026, also im Frühjahr geborene Tiere. Die kantonalen Abschussverfügungen benennen ausdrücklich die «giovani lupi» als Ziel und warnen die Schützen sogar davor, bei annähernd gleich grossen Tieren zu schiessen, um nicht versehentlich ein adultes Tier zu treffen. Der Kanton bestimmt die Welpen damit gezielt zur Tötung.

Selbst wenn man der offiziellen Schadensargumentation folgen wollte: Die Verfügung richtet sich nicht gegen individuell auffällige oder als Verursacher von Nutztierrissen identifizierte Wölfe. Getötet werden nicht nachweislich verantwortliche Einzeltiere, sondern gerade jene Rudelmitglieder, deren individuelle Beteiligung an einem Schaden weder festgestellt noch belegt wird. Zudem können diese Jungwölfe in ihren wenigen Lebensmonaten ohnehin gar keine Nutztierrisse verursacht haben. Es ist die Bestrafung des Nachwuchses für die blosse Tatsache, dass das Rudel sich fortgepflanzt hat.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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