11. September 2026, 14:01

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Tierwelt

Island kündigt Walfangverbot an: Bis zu 70 Finnwale noch freigegeben

Islands Regierung will den kommerziellen Walfang gesetzlich stoppen. Doch in der laufenden Saison dürfen noch bis zu 70 weitere Finnwale getötet werden.

Redaktion Wild beim Wild — 11. September 2026

Islands Regierung will den kommerziellen Walfang per Gesetz beenden.

Bringt sie den angekündigten Entwurf im Februar 2027 erfolgreich durch das Parlament, wären weltweit nur noch Norwegen und Japan als Staaten mit kommerziellem Walfang übrig. Wie die Regierung diese Woche auf ihrer Website mitteilte, soll die Vorlage ein «dauerhaftes Verbot des Walfangs» vorsehen. Da die Regierungskoalition über eine Mehrheit im Parlament verfügt, gilt eine Annahme als wahrscheinlich.

Verbot angekündigt, Quote noch nicht ausgeschöpft

Die Ankündigung kommt jedoch zu spät für jene Finnwale, die in Islands laufender Fangsaison noch getötet werden dürfen. Von Juni bis Ende September erlaubt die Quote für 2026 bis zu 150 Finnwale. Bis zum 9. September waren nach Angaben der Tierschutzorganisation Humane World for Animals bereits 80 Tiere erlegt. In der laufenden Saison könnten damit noch höchstens 70 weitere Finnwale sterben, falls die verbleibende Saisonquote ausgeschöpft wird.

Bis zu einem allfälligen Inkrafttreten eines Verbots bleibt die Jagd nach geltender Rechtslage erlaubt. Zeitpunkt des Inkrafttretens, der parlamentarische Verlauf und mögliche Übergangsbestimmungen sind offen.

Finnwale gelten nach dem Blauwal als zweitgrösste Tierart der Erde. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt sie auf ihrer Roten Liste als «gefährdet».

Ein einziges Unternehmen hält den Walfang am Leben

Getragen wird der isländische Walfang faktisch von einem einzigen Unternehmen: Hvalur hf. des Unternehmers Kristján Loftsson. Die Firma ist die letzte kommerziell aktive Walfangoperation im Nordatlantik. Nach Unterbrechungen in den Vorjahren nahm Hvalur 2026 die Jagd auf Finnwale wieder auf. In den beiden Jahren zuvor blieb die Jagd trotz gültiger Lizenz vollständig aus, weil der Absatz in Japan als einzigem Abnehmermarkt wirtschaftlich unattraktiv geworden war.

Besonders umstritten bleibt die Lizenzpolitik. Ende 2024 erhielt Hvalur eine auf fünf Jahre angelegte Fanglizenz, ausgestellt von einer geschäftsführenden Übergangsregierung in deren letzten Amtstagen. Tierschutzorganisationen kritisierten die Entscheidung scharf, auch weil frühere behördliche Kontrollen gravierende Tierschutzprobleme beim Einsatz explosiver Harpunen dokumentiert hatten. Ein Bericht der isländischen Lebensmittel- und Veterinärbehörde MAST hielt fest, dass einzelne Tiere nach dem Harpunentreffer sehr lange bis zum Tod brauchten. Die angekündigte Gesetzesinitiative würde die Lizenz politisch und rechtlich grundsätzlich infrage stellen.

Wildtiere zahlen den Preis eines politischen Spiels

Der Widerspruch ist offensichtlich. Eine Regierung, die den Walfang beenden will, lässt gleichzeitig zu, dass bis zum letzten legalen Tag weiter Harpunen abgefeuert werden. Wendy Higgins von Humane World for Animals sprach von erheblichem politischem und öffentlichem Rückhalt für das Verbot sowie von zwingenden ethischen, veterinärmedizinischen, rechtlichen und artenschutzbezogenen Gründen für dessen Erfolg.

Das Muster ist auch aus der Schweizer Debatte um die Hobby-Jagd vertraut: Solange ein wirtschaftliches oder ideologisches Einzelinteresse gesetzlich abgesichert ist, sterben Wildtiere weiter, obwohl Bevölkerung und Wissenschaft längst weiter sind. Ob am Ende tatsächlich kein Finnwal mehr fällt, entscheidet sich nicht an der Ankündigung, sondern daran, wie viele Tiere die noch nicht ausgeschöpfte Quote kostet und wie schnell das Verbot Gesetz wird.

Mehr zum Thema in unserem Beitrag Island genehmigt trotz aller Skandale Walfang in 2024 sowie zu Japans Rückkehr zum kommerziellen Walfang.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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