Fuchsmanagement statt Fuchsjagd: Berner Motion fordert die Ablösung
Sechs Fraktionen fordern im Kanton Bern den Systemwechsel: weg von der Hobby-Jagd auf den Fuchs, hin zu wissenschaftlich fundiertem Fuchsmanagement.
Im Berner Grossen Rat fordert ein parteiübergreifend getragener Vorstoss den Systemwechsel in der Fuchspolitik.
Am 8. September 2026 reichte GLP-Grossrat Casimir von Arx die Motion «Von der Fuchsjagd zum Fuchsmanagement» ein (Motion 237-2026, Geschäft 2026.GRPARL.559). Der Vorstoss verlangt, die heutige Hobby-Jagd auf den Fuchs durch ein wissenschaftlich fundiertes Fuchsmanagement zu ersetzen.
Getragen wird die Motion von sechs Ratsmitgliedern aus fünf Fraktionen: Casimir von Arx (GLP), Mathias Müller (SVP), Dominique Bühler (Grüne), Susanne Clauss (SP), Claudine Esseiva (FDP) und Manuel C. Widmer (Grüne).
Vom Feldversuch zum Systemwechsel
Dem neuen Vorstoss ging eine weniger weitreichende Motion voraus. Von Arx hatte im Dezember 2025 zunächst einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch zum Verzicht auf die Fuchsjagd verlangt (Motion 351-2025, Geschäft 2025.GRPARL.1535). Der Regierungsrat lehnte das Anliegen am 6. Mai 2026 ab und verwies darauf, der Fuchs sei nach Bundesrecht eine jagdbare Art, Einschränkungen seien nur aus Artenschutzgründen angezeigt. Bemerkenswert ist eine Passage, die er selbst formuliert: Die Jagd auf nicht bedrohte Arten wie den Fuchs sei «faktisch ein Selbstzweck» und müsse keinen expliziten Regulationsauftrag erfüllen. Damit bestätigt die Regierung genau jenen Punkt, den die Hobby-Jagd öffentlich gewöhnlich bestreitet. Die Motionäre wiederum nannten die wissenschaftliche Faktenlage für die Zwecke, mit denen die Fuchsjagd gerechtfertigt wird, «äusserst dürftig». Sie bestreiten nicht, dass es zuweilen Probleme mit Füchsen gibt, sondern fragen, welchen Beitrag die Jagd unter dem Strich zu deren Lösung leistet.
Statt sich mit der Ablehnung abzufinden, zog von Arx die frühere Motion zurück und reichte eine weitergehende ein. Aus dem vorgeschlagenen Versuch wurde der Anspruch auf einen Systemwechsel. Den fachlichen Anlass dafür lieferte der Kanton Zug: Er gab als erster Kanton der Schweiz einen unabhängigen Fachbericht zur Fuchsjagd in Auftrag (SWILD, Mai 2026). Weil dieser Bericht die Fragen des Feldversuchs bereits beantwortet, überspringt die neue Motion die Testphase und verlangt direkt die Umsetzung.
Was die Motion verlangt
Die Motion beauftragt den Regierungsrat mit vier Punkten. Der Kanton soll Daten zur Verbreitung von Füchsen und zu tatsächlich verursachten Schäden systematisch erheben und regelmässig veröffentlichen. Auf dieser Grundlage soll die bisherige Fuchsjagd durch ein wissenschaftlich fundiertes Fuchsmanagement ersetzt werden, das ein möglichst konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Fuchs fördert und Tierleid begrenzt. Vorrang haben nichtletale Massnahmen wie die Sicherung von Abfällen, Vergrämung und wirksame Zäunung zum Schutz von Wild- und Nutztieren. Schliesslich soll der Regierungsrat die nötigen rechtlichen Anpassungen vorlegen.
Ein solches Fuchsmanagement bedeutet nicht, bei konkreten Problemen untätig zu bleiben. Kranke oder verletzte Tiere sowie einzelne konfliktverursachende Füchse könnten weiterhin durch die Wildhut erlegt werden. Zur Debatte steht nicht der gezielte Eingriff im Einzelfall, sondern die flächendeckende Hobby-Jagd ohne nachweisbaren Nutzen.
Was die Berner Zahlen zeigen
Ein Blick in die eidgenössische Jagdstatistik stützt die Stossrichtung der Motion. Die Zahl der im Kanton Bern erlegten Füchse ist über die letzten 25 Jahre stark gesunken: von Spitzenwerten um 8’000 Tiere jährlich in den 1990er-Jahren auf zuletzt rund 2’000 bis 2’500. Ein entsprechender Einbruch des Fuchsbestands ist nicht dokumentiert, ebenso wenig die von Jagdverbänden regelmässig prophezeiten Folgen.
Zugleich werden im Kanton Bern inzwischen deutlich mehr verendete Füchse als Fallwild registriert als jagdlich erlegt. Das erfasste Fallwild liegt bei rund 3’400 bis 3’500 Tieren pro Jahr, der grösste Teil davon entfällt auf Verkehrsunfälle. Abschusszahlen taugen deshalb nicht als direktes Mass für die Bestandsgrösse, sie bilden auch Jagdpraxis, Meldeverhalten und Erfassungsintensität ab. Quelle: Eidgenössische Jagdstatistik des BAFU, eigene Auswertung.
Wissenschaftliche Grundlage
Der Zuger Fachbericht von SWILD kommt zum Schluss, dass die heute übliche, räumlich wenig koordinierte Fuchsjagd keine nachhaltige Regulation von Fuchsbeständen erwarten lässt. Höhere Fortpflanzung, bessere Überlebensraten und Zuwanderung können Abschüsse ausgleichen. Zudem fehlen lokal und regional verlässliche Bestandsdaten, mit denen sich ein Regulationseffekt sauber überprüfen liesse.
Auch zur Krankheitsbekämpfung ist die Jagd keine verlässliche Massnahme. Der Bericht verweist darauf, dass erhöhte Mobilität und Zuwanderung in bejagten Beständen die Ausbreitung von Krankheiten begünstigen können. Bei der Tollwut erwies sich die orale Impfkampagne als entscheidende Massnahme zur erfolgreichen Bekämpfung; intensive Bejagung hatte zuvor keinen vergleichbaren Erfolg gebracht. Für den Schutz von Wild- und Nutztieren rückt der Bericht nichtletale Massnahmen ins Zentrum: sichere Gehege und Zäune, verbessertes Betriebsmanagement und die Begrenzung menschgemachter Nahrungsquellen.
Wie ein solcher Weg aussehen kann, zeigt der Kanton Genf: Dort ist die Hobby-Jagd seit 1974 verboten. Nur staatliche Wildhüter greifen dort ein, in den letzten beiden Jahren ohne einen einzigen Regulierungsabschuss beim Fuchs. Wer Genf lobt, spricht sich damit gegen die reguläre Hobby-Jagd auf den Fuchs aus, nicht für sie.
Wie es weitergeht
Entscheidend ist die parteiübergreifende Trägerschaft. Dass ein Vorstoss zur Abkehr von der routinemässigen Fuchsjagd von SVP bis Grüne mitgetragen wird, zeigt: Die Frage nach Sinn, Wirkung und Verhältnismässigkeit der Hobby-Jagd auf den Fuchs reicht längst über traditionelle Tierschutzkreise hinaus.
Der Regierungsrat wird zunächst zum Vorstoss Stellung nehmen. Mit einer Beratung im Grossen Rat ist frühestens im Frühling oder Sommer 2027 zu rechnen.
Das vollständige Vorstossdokument gibt es hier: Motion «Von der Fuchsjagd zum Fuchsmanagement» (PDF)
Wer sich einbringen will, findet auf unserer Aktionsseite einen Musterbrief an den Grossen Rat: Fuchsjagd stoppen, Grossen Rat Bern anschreiben.
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