24. August 2026, 03:27

Suchen

Fuchsjagd stoppen – Grosser Rat Bern anschreiben

Der Kanton Bern ist Patentjagdkanton: Zwischen 2’000 und 3’500 Füchse werden hier jährlich erschossen – der grösste Teil landet im Abfall. Am 3. Dezember 2025 reichte GLP-Grossrat Casimir von Arx die Motion 351-2025 ein, mitgetragen von SP, SVP, Grünen, EVP und FDP. Gefordert wurde ein wissenschaftlich begleiteter Feldversuch: Wie wirkt sich ein Verzicht auf die Fuchsjagd aus?

Der Regierungsrat lehnte mit Beschluss vom 6. Mai 2026 ab. Seine Begründung enthält keine einzige Studie. Bemerkenswert: Er räumt selbst ein, die Jagd auf nicht bedrohte Arten wie den Fuchs sei «faktisch ein Selbstzweck» und müsse keinen expliziten Regulationsauftrag erfüllen. Damit bestätigt die Regierung ausgerechnet das, was die Hobby-Jagd öffentlich bestreitet.

Nun entscheidet der Grosse Rat – voraussichtlich in der Herbstsession 2026. Die parteiübergreifende Trägerschaft der Motion zeigt, dass Rückhalt für eine faktenbasierte Überprüfung auch ausserhalb klassischer Tierschutzkreise wächst.

Du kannst etwas tun, egal in welchem Kanton du lebst. Wende dich direkt an deinen Kantonsrat oder deine Nationalrätin. Das ist legal, wirksam und braucht nur wenig Zeit.

Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Wir haben aus mehreren Kantonen Rückmeldungen erhalten, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs teils als unzustellbar zurückkommen. Ob das an fehlerhaften Adressen oder an einem gezielten Filter liegt, lässt sich von aussen nicht sagen. Setze deshalb besser auf mehrere Kanäle: Schreib einen Brief, ruf an oder such das persönliche Gespräch. Du kannst dich auch direkt an die Parteien und Fraktionen wenden – oft ist eine Nachricht ans Partei- oder Fraktionssekretariat wirksamer als an einzelne Ratsmitglieder. Ein Anruf oder ein Brief lässt sich nicht so leicht ausfiltern wie eine E-Mail und hinterlässt oft mehr Eindruck.

Musterbrief – kopiere diesen Text in dein Mailprogramm

Betreff: Motion 351-2025 Fuchsjagd – bitte stimmen Sie Ja

Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]

Ich wende mich als Bürgerin / Bürger direkt an Sie, weil der Grosse Rat in der Herbstsession 2026 über die Motion 351-2025 von Grossrat Casimir von Arx (GLP) entscheidet. Die Motion fordert einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch zum Verzicht auf die Fuchsjagd.

Der Regierungsrat räumt in seiner Ablehnungsempfehlung vom 6. Mai 2026 selbst ein, die Jagd auf nicht bedrohte Arten wie den Fuchs sei «faktisch ein Selbstzweck». Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis – und widerlegt das Hauptargument, die Fuchsjagd erfülle einen sachlichen Zweck.

Die Forschungslage ist eindeutig: Der Kanton Luzern, der als einziger Kanton den Gesundheitszustand erlegter Füchse systematisch erfasst, zeigt: Von 2’217 getöteten Tieren hatten nur 39 einen Krankheitsbefund – über 98 Prozent waren gesund. Kompensationseffekte gleichen Abschüsse rasch aus (Baker & Harris 2006; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019). Beim Fuchsbandwurm ist die Jagd sogar kontraproduktiv: Eine französische Studie aus dem Raum Nancy (Comte et al. 2017) zeigte, dass intensive Bejagung die Prävalenz von 44 auf 55 Prozent erhöhte. In Luxemburg sank sie nach dem Jagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Die Tollwut wurde nicht durch die Jagd besiegt, sondern durch Impfköder-Programme ab 1978. Füchse sind natürliche Schutzfaktoren gegen Zeckenkrankheiten: Sie regulieren Mäuse und Nager als Reservoire für Borreliose-übertragende Zecken. Der Kanton Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus – und damit faktisch auch ohne Fuchsjagd: Nur staatliche Wildhüter dürfen dort eingreifen, in den letzten zwei Jahren ohne einen einzigen Regulierungsabschuss. Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei – ohne Bestandsexplosion, ohne mehr Seuchen.

Kanton Zug hat 2025 als einziger Kanton eine unabhängige Studie zur Fuchsjagd in Auftrag gegeben (SWILD, Mai 2026). Das Ergebnis: Fuchsjagd reguliert nichts, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht, nicht-letale Methoden sind überlegen. Die Jagdkommission hat daraufhin die Fuchsjagd nicht mehr proaktiv gefördert.

Die Motion verlangt keinen sofortigen Verzicht, sondern einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch. Das ist genau der Schritt, den der Kanton Zug bereits gemacht hat. Ich bitte Sie, der Motion 351-2025 zuzustimmen und damit den Weg für eine evidenzbasierte Fuchsjagdpolitik im Kanton Bern zu eröffnen.

Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]

Was im Kanton Bern entschieden wurde

Motion 351-2025, eingereicht am 3. Dezember 2025 von GLP-Grossrat Casimir von Arx, mitgetragen von Vertreterinnen aus SP, SVP, Grünen, EVP und FDP. Gefordert: ein zeitlich befristeter, wissenschaftlich begleiteter Feldversuch zum Verzicht auf die Fuchsjagd in einem geeigneten Gebiet.

Regierungsratsbeschluss 446/2026 vom 6. Mai 2026: Ablehnung. Begründung: Der Rotfuchs sei nach dem Jagdgesetz jagdbar und nicht bedroht, Artenschutzgründe griffen nicht. Der Regierungsrat räumt dabei selbst ein, dass die Hobby-Jagd auf nicht bedrohte Arten «faktisch ein Selbstzweck» sei und keinen expliziten Regulationsauftrag erfüllen müsse. Erstunterzeichner von Arx kritisierte öffentlich im Radio BeO, die Regierung gehe am eigentlichen Anliegen vorbei.

Bern ist Patentjagdkanton: Wer ein Patent löst, darf im gesamten Kantonsgebiet jagen, ohne Verantwortung für ein bestimmtes Revier. Jährlich werden 2’000 bis 3’500 Füchse erlegt, der grösste Teil landet im Abfall. Entscheid liegt nun beim Grossen Rat, voraussichtlich Herbstsession 2026.

Was die Wissenschaft sagt

Bestandsregulation: Kompensationseffekte gleichen Abschüsse rasch aus. Selbst intensive Bejagung zeigt keinen nachhaltigen Effekt auf den Bestand (Baker et al. 2002; Kämmerle et al. 2019; Rushton et al. 2006).

Tollwut: Nicht die Jagd, sondern Impfköder-Programme ab 1978 haben die Tollwut besiegt. Letale Methoden können Seuchen verstärken, weil bejagde Tiere mobiler werden.

Fuchsbandwurm: Intensive Bejagung erhöht die Prävalenz (eine französische Studie aus dem Raum Nancy, Comte et al. 2017). Entwurmungsköder hingegen senkten das Infektionsrisiko im Landkreis Starnberg um 97 bis 99 Prozent. In Luxemburg sank die Prävalenz nach dem Jagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Borreliose: Füchse regulieren Nager als Zecken-Reservoire. In Gebieten mit höherer Beutegreifer-Aktivität treten 10–20 Prozent weniger zeckentragende Nager auf (Hofmeester et al., Proc. Royal Soc. B). Die Schweiz zählt beim Fuchsbandwurm zu den europäischen Hotspots.

Genf / Nationalpark: Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus – und damit faktisch auch ohne Fuchsjagd. Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei. Keine Bestandsexplosionen, keine schlechtere Krankheitslage.

Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere

Der Zuger SWILD-Bericht

Der Kanton Zug hat als bisher einziger Schweizer Kanton auf die Fuchsjagd-Petition von Pascal Wolf mit einer echten wissenschaftlichen Studie reagiert. Die Direktion des Innern gab im Herbst 2025 bei SWILD – Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation – einen Fachbericht in Auftrag. Die zweite Version erschien im Mai 2026 und wurde der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vorgelegt.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die aktuell praktizierte Fuchsjagd kann Bestände nicht nachhaltig regulieren, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist für den Schutz von Nutztieren gegenüber nicht-letalen Methoden unterlegen. Die Erfahrungen aus Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) bestätigen: Wildtiermanagement funktioniert ohne Hobby-Jagd auf den Rotfuchs.

Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd

Wo du die Kontaktdaten findest

Der Berner Grosse Rat zählt 160 Mitglieder. Die aktuelle Zusammensetzung mit den Profilseiten der einzelnen Grossrätinnen und Grossräte findest du über die offizielle Mitgliedersuche unter gr.be.ch – Mitglieder. Die offiziellen Ratsadressen haben die Form vorname.nachname@gr-gc.be.ch. Alternativ erreichst du die Mitglieder über ihre Fraktions- oder Parteisekretariate.

Was im Kanton Bern bisher passiert ist

📌 Fuchsjagd: Berner Regierung will Evidenz nicht prüfen
Der Regierungsrat lehnt die Motion ab – und bestätigt dabei unfreiwillig, dass die Fuchsjagd ein Selbstzweck ist.

📌 Fuchsjagd-Podium in Utzenstorf: vier Hobby-Jäger, ein Nichtjäger und kein echter Dialog
Wie die Debatte vor Ort geführt wird, wenn die Hobby-Jagd unter sich bleibt.

📌 Gehorsamsprüfung für Jagdhunde in der Brut- und Setzzeit: Berner Jägerverband beschiesst den Wald
Wie der Berner Jägerverband ausgerechnet während der sensibelsten Zeit im Wald schiessen lässt.

🧠 Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Bern
Was Verband und Regierung antreibt, an der Fuchsjagd festzuhalten, obwohl die Politik sich längst bewegt.

📌 Hobby-Jäger als falsche Wildtierexperten
Wie Pascal Wolf in über 12 Kantonen Petitionen und Vorstösse initiierte – und was die Behörden daraus machten.

📌 Millionenfach getötet – für nichts: Neue Studie entlarvt Jägerlatein
Studie in «Biological Conservation»: Abschüsse senken weder Populationen noch Schäden.

Zurück zur Übersicht