14. September 2026, 17:20

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Fuchsjagd stoppen – Grosser Rat Bern anschreiben

Der Kanton Bern ist Patentjagdkanton: Zwischen 2’000 und 3’500 Füchse werden hier jährlich erschossen, der grösste Teil landet im Abfall. Am 3. Dezember 2025 reichte GLP-Grossrat Casimir von Arx die Motion 351-2025 ein und forderte einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch zum Verzicht auf die Fuchsjagd. Der Regierungsrat lehnte am 6. Mai 2026 ab, räumte in seiner Begründung aber selbst ein, die Jagd auf nicht bedrohte Arten wie den Fuchs sei «faktisch ein Selbstzweck» und müsse keinen expliziten Regulationsauftrag erfüllen.

Nachdem der Kanton Zug mit der SWILD-Studie erstmals eine unabhängige wissenschaftliche Grundlage geschaffen hat, wurde die alte Motion zurückgezogen und durch eine weitergehende ersetzt. Am 8. September 2026 reichte von Arx die Motion «Von der Fuchsjagd zum Fuchsmanagement» (Geschäft 2026.GRPARL.559, Motion 237-2026) ein. Sie verlangt nicht mehr bloss einen Versuch, sondern die Ablösung der Fuchsjagd durch ein wissenschaftlich fundiertes Fuchsmanagement.

Getragen wird die Motion von sechs Ratsmitgliedern quer durch das politische Spektrum: von Arx (GLP), Mathias Müller (SVP), Dominique Bühler (Grüne), Susanne Clauss (SP), Claudine Esseiva (FDP) und Manuel C. Widmer (Grüne). Diese parteiübergreifende Breite zeigt, dass der Rückhalt für eine faktenbasierte Fuchspolitik weit über klassische Tierschutzkreise hinausreicht.

Du kannst etwas tun, egal in welchem Kanton du lebst. Wende dich direkt an deinen Kantonsrat oder deine Nationalrätin. Das ist legal, wirksam und braucht nur wenig Zeit.

Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Wir haben aus mehreren Kantonen Rückmeldungen erhalten, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs teils als unzustellbar zurückkommen. Ob das an fehlerhaften Adressen oder an einem gezielten Filter liegt, lässt sich von aussen nicht sagen. Setze deshalb besser auf mehrere Kanäle: Schreib einen Brief, ruf an oder such das persönliche Gespräch. Du kannst dich auch direkt an die Parteien und Fraktionen wenden, oft ist eine Nachricht ans Partei- oder Fraktionssekretariat wirksamer als an einzelne Ratsmitglieder. Ein Anruf oder ein Brief lässt sich nicht so leicht ausfiltern wie eine E-Mail und hinterlässt oft mehr Eindruck.

Was die neue Motion fordert

Die Motion 237-2026 beauftragt den Regierungsrat mit vier Punkten: Erstens erhebt der Kanton Daten zur Verbreitung von Füchsen und zu tatsächlich verursachten Schäden und publiziert diese regelmässig. Zweitens wird die Fuchsjagd durch ein wissenschaftlich fundiertes Fuchsmanagement ersetzt, das auf diesen Daten aufbaut. Drittens zielt dieses Management auf ein möglichst konfliktfreies Nebeneinander von Mensch und Fuchs sowie auf die Begrenzung von Tierleid ab und setzt vorrangig auf nichtletale Methoden: Abfallmanagement, Verscheuchen statt Abschiessen und gezielte Zäunung zum Schutz von Wild- und Nutztieren. Viertens legt der Regierungsrat dem Grossen Rat die nötigen rechtlichen Anpassungen vor.

Wichtig für die Einordnung: Fuchsmanagement bedeutet kein absolutes Abschussverbot. Kranke, verletzte oder einzelne «Problemfüchse» können weiterhin geschossen werden, insbesondere durch die Wildhut. Es geht um die Abkehr von der flächendeckenden Hobby-Jagd ohne sachlichen Zweck, nicht um Nichtstun.

Die Hintergründe zur neuen Motion haben wir hier ausführlich aufbereitet: Fuchsmanagement statt Fuchsjagd: Berner Motion fordert die Ablösung. Das vollständige Vorstossdokument gibt es hier: Motion «Von der Fuchsjagd zum Fuchsmanagement» (PDF)

Musterbrief, kopiere diesen Text in dein Mailprogramm

Betreff: Motion 237-2026 Fuchsmanagement, bitte stimmen Sie Ja

Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]

Ich wende mich als Bürgerin / Bürger direkt an Sie, weil der Grosse Rat über die Motion 237-2026 «Von der Fuchsjagd zum Fuchsmanagement» (2026.GRPARL.559) von Grossrat Casimir von Arx (GLP) entscheidet. Die Motion verlangt, die Fuchsjagd im Kanton Bern durch ein wissenschaftlich fundiertes Fuchsmanagement zu ersetzen. Getragen wird sie von sechs Ratsmitgliedern aus GLP, SVP, Grünen, SP und FDP.

Der Regierungsrat räumte bereits in seiner Ablehnung der Vorgängermotion am 6. Mai 2026 selbst ein, die Jagd auf nicht bedrohte Arten wie den Fuchs sei «faktisch ein Selbstzweck». Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis und widerlegt das Hauptargument, die Fuchsjagd erfülle einen sachlichen Zweck.

Die Forschungslage ist eindeutig: Der Kanton Luzern, der als einziger Kanton den Gesundheitszustand erlegter Füchse systematisch erfasst, zeigt: Von 2’217 getöteten Tieren hatten nur 39 einen Krankheitsbefund, über 98 Prozent waren gesund. Kompensationseffekte gleichen Abschüsse rasch aus (Baker & Harris 2006; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019). Beim Fuchsbandwurm ist die Jagd sogar kontraproduktiv: Eine französische Studie aus dem Raum Nancy (Comte et al. 2017) zeigte, dass intensive Bejagung die Prävalenz von 44 auf 55 Prozent erhöhte. In Luxemburg sank sie nach dem Jagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Die Tollwut wurde nicht durch die Jagd besiegt, sondern durch Impfköder-Programme ab 1978. Füchse sind natürliche Schutzfaktoren gegen Zeckenkrankheiten: Sie regulieren Mäuse und Nager als Reservoire für Borreliose-übertragende Zecken. Der Kanton Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus und damit faktisch auch ohne Fuchsjagd: Nur staatliche Wildhüter dürfen dort eingreifen, in den letzten zwei Jahren ohne einen einzigen Regulierungsabschuss. Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei, ohne Bestandsexplosion, ohne mehr Seuchen.

Der Kanton Zug hat 2025 als einziger Kanton eine unabhängige Studie zur Fuchsjagd in Auftrag gegeben (SWILD, Mai 2026). Das Ergebnis: Fuchsjagd reguliert nichts, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht, nichtletale Methoden sind überlegen. Die Zuger Jagdkommission hat die Fuchsjagd daraufhin nicht mehr proaktiv gefördert.

Die Motion verlangt nichts Radikales, sondern die logische Konsequenz aus dieser Evidenz. Kranke oder auffällige Einzeltiere dürften weiterhin durch die Wildhut geschossen werden. Ich bitte Sie, der Motion 237-2026 zuzustimmen und damit den Weg für eine evidenzbasierte Fuchspolitik im Kanton Bern zu eröffnen.

Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]

Was im Kanton Bern entschieden wurde

Motion 351-2025, eingereicht am 3. Dezember 2025 von GLP-Grossrat Casimir von Arx, forderte einen zeitlich befristeten, wissenschaftlich begleiteten Feldversuch zum Verzicht auf die Fuchsjagd (Geschäft 2025.GRPARL.1535). Der Regierungsrat lehnte mit Beschluss 446/2026 vom 6. Mai 2026 ab. Bemerkenswert: Er räumte dabei selbst ein, dass die Jagd auf nicht bedrohte Arten wie den Fuchs «faktisch ein Selbstzweck» sei und keinen expliziten Regulationsauftrag erfüllen müsse. Auf die von den Motionären aufgeworfene Frage, ob die Fuchsjagd ihre angeblichen Zwecke überhaupt erfüllt, ging er nicht ein.

Nachdem der Kanton Zug mit der SWILD-Studie eine wissenschaftliche Grundlage geliefert hatte, zog von Arx die Motion 351-2025 zurück, weil die Studie deren Fragen bereits beantwortete. An ihre Stelle trat am 8. September 2026 die weitergehende Motion 237-2026 «Von der Fuchsjagd zum Fuchsmanagement» (Geschäft 2026.GRPARL.559), mitgetragen von Ratsmitgliedern aus GLP, SVP, Grünen, SP und FDP. Sie fordert nicht mehr einen Versuch, sondern direkt die Ablösung der Fuchsjagd durch ein Fuchsmanagement.

Bern ist Patentjagdkanton: Wer ein Patent löst, darf im gesamten Kantonsgebiet jagen, ohne Verantwortung für ein bestimmtes Revier. Jährlich werden 2’000 bis 3’500 Füchse erlegt, der grösste Teil landet im Abfall. Die Beratung der neuen Motion im Grossen Rat ist frühestens im Frühling oder Sommer 2027 zu erwarten.

Was die Wissenschaft sagt

Bestandsregulation: Kompensationseffekte gleichen Abschüsse rasch aus. Selbst intensive Bejagung zeigt keinen nachhaltigen Effekt auf den Bestand (Baker et al. 2002; Kämmerle et al. 2019; Rushton et al. 2006).

Tollwut: Nicht die Jagd, sondern Impfköder-Programme ab 1978 haben die Tollwut besiegt. Letale Methoden können Seuchen verstärken, weil bejagde Tiere mobiler werden.

Fuchsbandwurm: Intensive Bejagung erhöht die Prävalenz (eine französische Studie aus dem Raum Nancy, Comte et al. 2017). Entwurmungsköder hingegen senkten das Infektionsrisiko im Landkreis Starnberg um 97 bis 99 Prozent. In Luxemburg sank die Prävalenz nach dem Jagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Borreliose: Füchse regulieren Nager als Zecken-Reservoire. In Gebieten mit höherer Beutegreifer-Aktivität treten 10–20 Prozent weniger zeckentragende Nager auf (Hofmeester et al., Proc. Royal Soc. B). Die Schweiz zählt beim Fuchsbandwurm zu den europäischen Hotspots.

Genf / Nationalpark: Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus und damit faktisch auch ohne Fuchsjagd. Nur staatliche Wildhüter greifen dort ein, in den letzten beiden Jahren ohne einen einzigen Regulierungsabschuss beim Fuchs. Wer Genf lobt, spricht sich damit gegen die reguläre Hobby-Jagd auf den Fuchs aus, nicht für sie. Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei. Keine Bestandsexplosionen, keine schlechtere Krankheitslage.

Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere

Der Zuger SWILD-Bericht

Der Kanton Zug hat als bisher einziger Schweizer Kanton auf die Fuchsjagd-Petition von Pascal Wolf mit einer echten wissenschaftlichen Studie reagiert. Die Direktion des Innern gab im Herbst 2025 bei SWILD, Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation, einen Fachbericht in Auftrag. Die zweite Version erschien im Mai 2026 und wurde der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vorgelegt.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die aktuell praktizierte Fuchsjagd kann Bestände nicht nachhaltig regulieren, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist für den Schutz von Nutztieren gegenüber nichtletalen Methoden unterlegen. Die Erfahrungen aus Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) bestätigen: Wildtiermanagement funktioniert ohne Hobby-Jagd auf den Rotfuchs.

Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd

Wo du die Kontaktdaten findest

Der Berner Grosse Rat zählt 160 Mitglieder. Die aktuelle Zusammensetzung mit den Profilseiten der einzelnen Grossrätinnen und Grossräte findest du über die offizielle Mitgliedersuche unter gr.be.ch, Mitglieder. Die offiziellen Ratsadressen haben die Form vorname.nachname@gr-gc.be.ch. Alternativ erreichst du die Mitglieder über ihre Fraktions- oder Parteisekretariate.

Was im Kanton Bern bisher passiert ist

📌 Fuchsmanagement statt Fuchsjagd: Berner Motion fordert die Ablösung
Sechs Fraktionen fordern den Systemwechsel: weg von der Hobby-Jagd auf den Fuchs, hin zu wissenschaftlichem Fuchsmanagement.

📌 Fuchsjagd: Berner Regierung will Evidenz nicht prüfen
Der Regierungsrat lehnt die Vorgängermotion ab, ohne die wissenschaftliche Evidenz zu prüfen.

📌 Fuchsjagd-Podium in Utzenstorf: vier Hobby-Jäger, ein Nichtjäger und kein echter Dialog
Wie die Debatte vor Ort geführt wird, wenn die Hobby-Jagd unter sich bleibt.

📌 Gehorsamsprüfung für Jagdhunde in der Brut- und Setzzeit: Berner Jägerverband beschiesst den Wald
Wie der Berner Jägerverband ausgerechnet während der sensibelsten Zeit im Wald schiessen lässt.

🧠 Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Bern
Was Verband und Regierung antreibt, an der Fuchsjagd festzuhalten, obwohl die Politik sich längst bewegt.

📌 Hobby-Jäger als falsche Wildtierexperten
Wie Pascal Wolf in über 12 Kantonen Petitionen und Vorstösse initiierte und was die Behörden daraus machten.

📌 Millionenfach getötet, für nichts: Neue Studie entlarvt Jägerlatein
Studie in «Biological Conservation»: Abschüsse senken weder Populationen noch Schäden.

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