Fuchsjagd-Podium in Utzenstorf: vier Hobby-Jäger, ein Nichtjäger und kein echter Dialog
Am Schloss Landshut diskutierten fünf Podiumsgäste über die Fuchsbejagung. Vier von ihnen hatten einen jagdlichen Hintergrund, der Moderator ebenfalls. Ein Erlebnisbericht.
Am Sonntag, 14. Juni 2026, lud der Förderverein Schloss Landshut in Utzenstorf zum «Landshuter Dialog zu Wild und Jagd» ein.
Das Thema lautete: «Die Fuchsjagd, notwendig oder fragwürdig?» Zur Einstimmung zeigte man um 12 Uhr den Dokumentarfilm «Alles für die Füchse, ein Wildtier, geliebt und gejagt» der Biologin Isabella Sedivy. Ab 14 Uhr folgte ein Fachreferat des Hobby-Jägers Martin Baumann, bevor eine Podiumsdiskussion das Thema aus «verschiedenen Blickwinkeln» beleuchten sollte. Rund 50 Personen verfolgten den Anlass. Was folgte, war jedoch alles andere als ein ausgewogener Dialog.
Von den fünf Podiumsgästen bekannten sich vier öffentlich zur Hobby-Jagd: Nicole Imesch, Jagdinspektorin des Kantons Bern; David Clavadetscher, Geschäftsführer von JagdSchweiz; Martin Baumann, Hobby-Jäger; sowie Sara Wehrli, bei Pro Natura zuständig für Jagdpolitik, die sich im Verlauf des Abends ebenfalls als Hobby-Jägerin outete. Einzig Casimir von Arx, GLP-Grossrat des Kantons Bern, der nach eigenen Angaben nachträglich eingeladen worden war, vertrat eine jagdkritische Perspektive. Auch Moderator Reinhard Schnidrig, Wildtierbiologe und ehemaliger Sektionschef Wildtiere beim BAFU, ist Hobby-Jäger.
Baumann, der sich für eine konsequente Bejagung des Fuchses aussprach, räumte immerhin ein, dass die Baujagd gesellschaftlich schwer vermittelbar sei. «Jagen für die Mülltonne» werde von der Mehrheit der Bevölkerung nicht toleriert, so seine eigene Einschätzung. Als Argument für die Bejagung nannte er die Gefährdung von Bodenbrütern durch den Fuchs und erwähnte dabei das in der Schweiz ausgestorbene Rebhuhn. Was er verschwieg: Der Hauptgrund für das Verschwinden des Rebhuhns ist der Habitatsverlust durch intensive Landwirtschaft, nicht der Fuchs. Darüber verlor er kein Wort.
Besonders brisant: Baumann sprach sich auch für die Baujagd aus, jene Praxis, bei der Hunde in Fuchsbauten getrieben werden, um dort einen Kampf auf engstem Raum zu erzwingen. Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) kommt in ihrem Gutachten zur Baujagd (Schriftenreihe Band 10, 2012) zum klaren Schluss, dass diese Jagdmethode den Tatbestand der Tierquälerei erfüllt, und zwar gleich mehrfach. Die TIR analysierte dabei auch, ob die kantonalen Regelungen, die die Baujagd legalisieren, überhaupt auf einer rechtmässigen Grundlage stehen. Die Kantone Zürich, Thurgau und Baselland haben die Baujagd inzwischen verboten. Dass ausgerechnet ein Hobby-Jäger auf einem öffentlichen Podium für diese Praxis eintrat, ohne dies auch nur ansatzweise zu problematisieren, zeigt, wie weit das Selbstverständnis der Hobby-Jagd von gesellschaftlichen Realitäten entfernt ist. Einen ausführlichen Hintergrundartikel zur Baujagd als legaler Tierquälerei findet sich auf wildbeimwild.com.
Nicole Imesch beschränkte sich auf die rechtliche Feststellung, der Fuchs sei jagdbar und dürfe daher bejagt werden. Dass «jagdbar» kein wissenschaftliches Argument ist und auch keine Verpflichtung zur Bejagung bedeutet, blieb unwidersprochen. Der Kanton Genf verzichtet seit 1974 auf die Hobby-Jagd, und der Kanton Zug unternimmt erste Schritte in dieselbe Richtung, bei der Fuchsjagd.
Von Arx, der einzige Nichtjäger auf dem Podium, brachte den konstruktivsten Vorschlag des Abends: Im Kanton Bern solle ein wissenschaftlich begleiteter Versuch gestartet werden, in einem Testgebiet auf die Fuchsjagd zu verzichten. Der Grosse Rat des Kantons Bern hatte die entsprechende Motion bereits abgelehnt. Das Podium schloss sich dieser Ablehnung erwartungsgemäss an, ohne wissenschaftliche Grundlagen dafür zu liefern.
Auch aus dem Publikum kamen lediglich vier Wortmeldungen, allesamt von Hobby-Jägern. Kritische Stimmen wurden nicht gehört.
Bemerkenswert war eine Aussage, die das Wesen der Hobby-Jagd ungewollt auf den Punkt brachte: Das Jagen sei für den einzelnen Hobby-Jäger selbstbelohnendes Verhalten, angetrieben durch das Dopamin-Belohnungssystem. Kurz gesagt: reiner Selbstzweck. Dass ausgerechnet ein Befürworter der Hobby-Jagd dies so formulierte, spricht Bände.
Der «Landshuter Dialog» zeigte einmal mehr, wie Kritik an der Fuchsjagd in der Schweiz systematisch abgewürgt wird, ohne dass wissenschaftliche Grundlagen dafür geliefert werden. Solange Podien zu diesem Thema fast ausschliesslich mit Hobby-Jägern besetzt werden und sogar die Moderation aus denselben Kreisen stammt, ist ein echter Dialog nicht möglich. Schade, denn das Thema hätte eine ehrliche, wissenschaftlich fundierte Debatte verdient.
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