11. September 2026, 14:24

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Tierwelt

Zürich beschliesst Ausbau von Taubenschlägen statt Tötung

Der Stadtzürcher Gemeinderat überweist eine Motion für betreute Taubenschläge nach dem Augsburger Modell an den Stadtrat.

Redaktion Wild beim Wild — 11. September 2026

Das Zürcher Stadtparlament hat den Stadtrat am Mittwoch beauftragt, eine kreditschaffende Vorlage für den Ausbau betreuter Taubenschläge auszuarbeiten.

Auslöser der Debatte war ein Video, das im Mai am Bahnhof Stadelhofen aufgenommen wurde: Wildhüter fingen dort Tauben ein und töteten sie unmittelbar danach, verstaut in schwarzen Abfallsäcken. Die Aufnahmen sorgten schweizweit für Empörung und führten zu einer Kundgebung mit rund 150 bis 300 Teilnehmenden.

Bisherige Praxis ohne Erfolg

Bislang tötete die Stadt Zürich jährlich bis zu 1’727 Tauben, um die Population einzudämmen. Auch ein Fütterungsverbot brachte keine Trendwende. Weil sich Stadttauben mehrmals jährlich fortpflanzen und trotz Verbots weiterhin gefüttert werden, blieb die Zahl der Tiere hoch.

Die Motionärinnen Selina Walgis und Sibylle Kauer (beide Grüne) fordern nun ein tierfreundliches Regulierungskonzept nach dem sogenannten Augsburger Modell: In betreuten Taubenschlägen sollen Eier gezielt entfernt oder durch Attrappen ersetzt werden, teilweise mit Unterstützung von Freiwilligen. Die konkreten Kosten muss der Stadtrat nun in seiner Vorlage darlegen.

Knappe Mehrheit im Rat

Die Ratslinke stellte sich hinter den Vorstoss. Moritz Bögli (AL) verlangte, jetzt Geld in die Hand zu nehmen, um das Problem langfristig zu lösen, das bisherige Vorgehen sei nicht mehr tragbar. Mathias Egloff (SP) sprach von einem Weg zu einer gesunden Population.

Aus bürgerlichen Reihen kam Widerstand: Die GLP verwies auf günstigere Alternativen, Thomas Bühler (Die Mitte) hielt die bestehenden drei Taubenschläge für ausreichend, und die FDP befürchtete zu hohe Kosten, ohne dass das Grundproblem der Fütterung damit gelöst wäre. Mit 61 zu 53 Stimmen wurde das Geschäft schliesslich knapp an den Stadtrat überwiesen. Stadträtin Simone Brander (SP) kündigte an, die Motion umsetzen zu wollen.

Ein Modell mit Signalwirkung

Der Entscheid zeigt, dass städtische Wildtierkonflikte auch ohne Abschuss oder Falle gelöst werden können, sofern der politische Wille vorhanden ist. Genau diese Frage nach tierschutzkonformen Alternativen stellt sich auch bei der Hobby-Jagd auf frei lebende Wildtiere ausserhalb der Stadt, wo Tötung nach wie vor als erste und oft einzige Antwort auf vermeintliche Konflikte gilt. Ob Zürich das Augsburger Modell nun konsequent umsetzt, dürfte sich frühestens mit der angekündigten Vorlage des Stadtrats zeigen.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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