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Cassette Arancioni: Hilfe im Tessin nach Faido und Leontica

Orangefarbene Briefkästen sollen Gewaltbetroffenen im Tessin einen diskreten Weg zur Hilfe eröffnen. Die Initiative kommt in einem Jahr, in dem der Kanton bereits den dritten Femizid registrierte, zuletzt in Faido und Leontica.

Redaktion Wild beim Wild — 12. September 2026
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«Stille nach dem Schuss»

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Im Tessin werden orangefarbene Briefkästen aufgestellt, über die sich Gewaltbetroffene diskret an die Hilfsorganisation «Mi-ti-ci Against Abuse» wenden können.

Was die «Cassette Arancioni» bewirken sollen

Am Donnerstag wurden die «Cassette Arancioni» in Losone vorgestellt. In den kommenden Wochen sollen sie im ganzen Kanton Tessin aufgestellt werden, bei Apotheken, Gemeindeverwaltungen, Spitälern, Schulen und Supermärkten, an Orten also, die Betroffene möglichst unbeobachtet aufsuchen können.

Wer einen Zettel mit Name, Adresse und einem geeigneten Zeitfenster für einen Rückruf einwirft, wird von «Mi-ti-ci Against Abuse» kontaktiert. Der 2019 gegründete Verein aus Bikerinnen und Bikern begleitet Betroffene nach eigenen Angaben physisch im Alltag, etwa zu Gerichtsterminen oder bei Besuchen ihrer Kinder, hilft bei der Rückholung persönlicher Gegenstände und arbeitet mit der Fachstelle für häusliche Gewalt der Tessiner Kantonspolizei zusammen. Erreichbar ist die Organisation über Instagram. Mitfinanziert wird die «Cassette Arancioni»-Initiative unter anderem von «Una Goccia nel Mare».

Wildbeimwild.com unterstützt die Initiative

Wir begrüssen die «Cassette Arancioni» als konkretes, niederschwelliges Hilfsangebot. Wer selbst von Gewalt betroffen ist oder sich um eine andere Person sorgt, erreicht seit dem 1. Mai 2026 die nationale, kostenlose und rund um die Uhr besetzte Opferhilfe-Nummer 142. In einer akuten Gefahrensituation gilt weiterhin der Polizeinotruf 117.

Wenn die Gewalt vom Hochsitz nach Hause kommt

Der Fall reiht sich in eine Reihe von Vorfällen ein, die wir in unserer Rubrik «Kriminalität & Jagd» dokumentieren: Waffenzugang und Vertrautheit im Umgang mit tödlicher Gewalt treffen auf persönliche Krisen, mit Folgen, die weit über die Jagdsaison hinausreichen. Unsere Einordnung zur Psychologie der Hobby-Jagd im Tessin zeigt, wie diese Muster entstehen. Ein Einzelfall ist Faido damit nicht, sondern ein weiterer Beleg dafür, dass die privilegierte Rechtsstellung von Hobby-Jägern beim Waffen- und Schalldämpferzugang im schlimmsten Fall zur tödlichen Gefahr für Menschen wird, nicht nur für Tiere.

Faido als dritter Femizid im Tessin

Faido und Leontica stehen nicht für sich allein. Laut RSI war der Femizid vom 9. Juli 2026 bereits der dritte im Kanton Tessin seit Jahresbeginn, nach einem Fall in Gnosca im Februar, und der 17. in der Schweiz. Das feministische Kollektiv «Io l’8 ogni giorno» demonstrierte am 21. Juli in Bellinzona im Namen aller drei Fälle und forderte ein nationales Femizid-Register. Die «Cassette Arancioni» wurden am 10. September ohne Bezug auf einen einzelnen Fall vorgestellt, als allgemeine Antwort auf «il fenomeno» der häuslichen Gewalt im Kanton.

Am 9. Juli 2026 wurde eine 56-jährige Frau mit einer Schussverletzung am Kopf auf dem Gelände einer Rehaklinik in Faido gefunden. Sie starb kurz darauf im Spital Bellinzona. Als Täter identifizierten die Behörden ihren 59-jährigen Ex-Mann aus der Region Leontica.

Am Abend des folgenden Tages kam es in Leontica zu einer schweren Explosion in einem Gebäude. Drei Polizisten wurden dabei verletzt. In den Trümmern fanden Einsatzkräfte menschliche Überreste, die später dem gesuchten 59-Jährigen zugeordnet wurden. Nach der Rekonstruktion der Tessiner Kantonspolizei an der Medienkonferenz vom 13. Juli 2026 hatte der Mann die Einsatzkräfte gezielt ins Gebäude gelockt, bevor er die Explosion auslöste. Eine zweite, nicht gezündete Sprengladung von rund zwei Kilogramm wurde später gefunden. Er selbst kam bei der Detonation ums Leben.

Auf schriftliche Anfrage bestätigte RSI, gestützt auf dieselbe Medienkonferenz, dass der Mann ein Jäger war. Wild beim Wild bezeichnet ihn deshalb als Hobby-Jäger. Offen blieben nach damaligem Stand zentrale Fragen zur Herkunft, zum rechtlichen Status und zur Bewilligung eines mutmasslich verwendeten Schalldämpfers. Nach Angaben der Tessiner Kriminalpolizei deutete das Ausbleiben hörbarer Schussgeräusche darauf hin, dass die Tatwaffe wahrscheinlich schallgedämpft war. Mehr zur Chronologie und zu diesen offenen Fragen haben wir bereits hier eingeordnet.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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