Sieben Hochsitze in einer Nacht abgesägt: Jagdverein erstattet Anzeige, Jagdgegner feiern die Zerstörung
In der Nacht vom 22. auf den 23. Mai 2026 sind im lothringischen Villey-le-Sec sieben Hochsitze eines kommunalen Jagdvereins systematisch zerstört worden.
Eine offenkundig koordinierte Aktion, mehrere tausend Euro Schaden, eine Anzeige bei der Gendarmerie.
Und auf der anderen Seite militante Jagdgegner, welche die Zerstörung offen als Akt des Widerstands feiern. Die französische Jagdszene ist in Aufruhr.
Eine Nacht, sieben Hochsitze, kein Zufall
Auf der Jagdlinie der «Association communale de chasse agréée» (ACCA) von Villey-le-Sec im Département Meurthe-et-Moselle bot sich ein eindeutiges Bild: sieben Hochsitze, umgeworfen, zerbrochen, an der Basis durchsägt. Keiner davon ist reparabel. Die Aktion wurde offensichtlich geplant und in einer einzigen Nacht durchgezogen. Mit einem isolierten Bubenstreich hat das wenig zu tun, es handelt sich um eine organisierte, methodische und gezielte Sabotage.
Der Präsident des Jagdvereins erstattete umgehend Anzeige wegen Sachbeschädigung bei der Gendarmerie. Zugleich betonte er, wozu diese Anlagen eigentlich dienen.
Sicherheitsinstrument oder Symbol der Hobby-Jagd?
Genutzt werden die Hochsitze für die Ansitzjagd auf Grosswild. Aus Sicht der Hobby-Jäger erfüllen sie in erster Linie eine Sicherheitsfunktion: Von erhöhter Position lässt sich ein sogenannter fichtender Schuss abgeben, also ein nach unten in den Boden gerichteter Schuss, der das Risiko von Querschlägern und flach gestreckten Schüssen deutlich verringert. In Frankreich empfehlen die Jagdverbände der Départements den Einsatz solcher Kanzeln ausdrücklich, besonders in der Nähe bewohnter Gebiete oder stark begangener Waldstücke.
Für die jagdkritische Bewegung verschiebt sich der Blick: Der Hochsitz mag den Schuss technisch sicherer machen, am Ende dient er aber dem Abschuss von Wildtieren im Rahmen einer Freizeitbeschäftigung. Genau an diesem Punkt entzündet sich der Konflikt um die Hobby-Jagd.
Der Schaden trifft Ehrenamtliche
Für die ACCA von Villey-le-Sec ist der Schaden doppelt, materiell und moralisch. Sieben Hochsitze bedeuten mehrere tausend Euro Verlust für einen Verein, der sich allein über die Beiträge seiner Mitglieder finanziert. Keine Sponsoren, keine industriellen Subventionen, sondern ein gemeinnütziger Verein nach französischem Vereinsrecht, lokal verankert und von Freiwilligen getragen.
Militante Jagdgegner feiern den Sabotageakt
Heikel wird die Sache dort, wo militante Netzwerke die Zerstörung für sich reklamieren. Kaum waren die Vorfälle bekannt, machten mehrere Kollektive daraus einen Erfolg. Sinngemäss hiess es laut der Jagdpresse, der Wald gehöre nicht länger ungestraft den Gewehren. Begriffe wie «Widerstand» und «radikale Aktion» fallen ohne Umschweife, von einem «Coup» ist die Rede. Hochsitze werden zu «vorrangigen Zielen» erklärt, eingebettet in eine angeblich europaweite «Grundbewegung» gegen die Anlagen der Grosswildjagd.
Dieses kriegerische Vokabular markiert eine Eskalation, die auch innerhalb der Tierrechtsbewegung umstritten ist.
Ermittlungen laufen, die Rechtslage ist eindeutig
Die Gendarmerie hat die Ermittlungen aufgenommen und muss nun die Verantwortlichen finden. Während die Sachbeschädigung strafrechtlich klar verfolgbar ist, bleibt die öffentliche Verherrlichung solcher Taten juristisch oft folgenlos.
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