30. Mai 2026, 19:59

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Kunterbunt

Doppelleben eines Skandal-Journalisten: Plagiate im Bundeshaus, Existenzvernichtung im Jagdwald

Der Hobby-Jäger und «Nebelspalter»-Vize-Chefredaktor kopierte Texte, koordinierte juristische Vernichtungskampagnen gegen Tierschützer und scheiterte vor Gericht. Jetzt ist seine NZZ-Karriere Geschichte.

Redaktion Wild beim Wild — 30. Mai 2026

Er galt als einer der einflussreichsten rechten Meinungsmacher der Deutschschweiz.

Dominik Feusi, stellvertretender Chefredaktor des «Nebelspalters», Hobby-Jäger und enger Vertrauter von Verleger Markus Somm, stand kurz vor dem vermeintlichen Höhepunkt seiner Karriere: Am 1. Juli sollte er als Bundeshausredaktor ins Wirtschaftsressort der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) wechseln. Stattdessen liegt sein Ruf in Trümmern.

Doch der eigentliche Skandal ist grösser als ein Plagiat.

Das Milieu, das Feusi formte

Um den Fall Feusi zu verstehen, muss man verstehen, was der «Nebelspalter» unter Markus Somm geworden ist. Das einstige Satiremagazin wurde gezielt zu einer rechtsaussen-Plattform umgebaut: SVP-nah, jagdfreundlich, kulturkämpferisch. Feusi war dabei nicht Randfigur, sondern Gesicht und Motor. Gemeinsam mit Somm betreibt er den Podcast «Bern einfach», das Flaggschiff dieser Meinungsmache.

Dieses Milieu ist kein Zufall. Wie wir in unserem Artikel zu den Schnittmengen zwischen Hobby-Jägern und Rechtsextremen dokumentiert haben, teilen rechtsaussen-Kreise und die organisierte Hobby-Jagd weit mehr als nur die Liebe zur Waffe: dasselbe Feindbilddenken, dieselbe Bereitschaft zur Gewalt als Problemlösung, dieselbe sektenartige Abschottung gegenüber Kritik. Begriffe wie «Räuber», «Schädling» oder «Plage» sind keine biologischen Kategorien, sondern Abwertungsrhetorik, die Tötung legitimieren soll. Und Journalisten wie Feusi transportieren diese Rhetorik aus dem Jagdwald direkt in den öffentlichen Diskurs.

Somm selbst scheiterte 2015 knapp daran, NZZ-Chefredaktor zu werden, am Widerstand der Redaktion. Nun sollte mit Feusi sein engster Mitstreiter nachrücken. Ein trojanisches Pferd aus dem rechten Meinungsmacher-Milieu.

90 Prozent aus London geklaut

Recherchen von Blick enthüllten nun, dass Feusi im Oktober 2024 eine Nahostanalyse der britischen Tageszeitung «Telegraph» zu rund 90 Prozent kopierte, ins Deutsche übersetzte und beim «Nebelspalter» unter seinem eigenen Namen publizierte. Der Originaltext stammte vom «Telegraph»-Kommentator Allister Heath. Feusi übernahm nicht nur Absätze, sondern auch Aufbau, Thesen, historische Beispiele, Metaphern und Schlussfolgerungen.

«Nebelspalter»-Chef Somm versuchte, den Vorfall unter dem Deckel zu halten. Der Artikel wurde nachträglich mit Quellenangaben ergänzt, mit dem Hinweis, in der ersten Version seien «fälschlicherweise die Quellen weggelassen» worden. Eine dreiste Verharmlosung eines vollständigen Plagiats.

Als Blick die NZZ mit den Recherchen konfrontierte, wurde Feusis Vertrag noch vor dem ersten Arbeitstag aufgelöst. Feusi gab sich öffentlich einsichtig: «Es gibt überhaupt keine Entschuldigung für das, was ich gemacht habe. Das ist ein klares Plagiat, so etwas darf nicht passieren.»

Doch während er sich nach aussen zerknirscht, zeigt sein privates Handeln seit langem ein völlig anderes Bild.

Ein unabhängiger Journalist musste gehen, bevor Feusi ankam

Was in der Berichterstattung über den Plagiat-Skandal kaum Beachtung findet, ist der eigentliche Kollateralschaden: Als in der NZZ-Redaktion bekannt wurde, dass Feusi als Bundeshausredaktor kommen sollte, kündigte der langjährige, europafreundliche Bundeshauschef Fabian Schäfer. In der Branche gilt es als offenes Geheimnis, dass Feusi der Grund für diesen prominenten Abgang war. Kurz zuvor hatte bereits der renommierte Wirtschaftsexperte Hansueli Schöchli die NZZ aus politischen Gründen verlassen.

Das ist das eigentliche Muster: Nicht Feusi allein ist das Problem, sondern der Sog, den sein Typ Journalismus erzeugt. Unabhängige, seriöse Redaktoren verlassen ein Haus, wenn rechte Meinungsmacher einziehen. Das ist keine Einzelbeobachtung, sondern ein strukturelles Phänomen, das sich bei der NZZ unter Chefredaktor Eric Gujer, der das Blatt seit Jahren konsequent auf stramm rechtsliberal trimmt, immer deutlicher abzeichnet.

Jagd-Lobby, Einschüchterung und koordinierter Justizmissbrauch

Neben dem Plagiat zeigt ein geleakter E-Mail-Wechsel, wie Feusi abseits der Redaktion agierte. In Nachrichten an Jagdfunktionär Hanspeter Egli entwarf er eine aggressive Kampagne gegen den Jagdkritiker Carl Sonnthal und die IG Wild beim Wild. Sein Ziel war nicht sachliche Auseinandersetzung, sondern organisierte Existenzvernichtung.

Im Jargon eines Hardliners schrieb Feusi: «Er wird noch mehr Anzeigen starten. Das Ziel ist, dass Sonnthal ganz ruhig gestellt wird. […] Je mehr Anzeigen vorliegen, desto eher verschwindet er von der Bildfläche.»

Das ist kein Journalismus. Das ist koordinierter Justizmissbrauch als Einschüchterungsinstrument: eine Flut von Strafanzeigen, um kritische Stimmen finanziell und psychisch zu zermürben. Exakt dieselbe Logik, mit der rechtsaussen-Milieus seit Jahren gegen unliebsame Gegner vorgehen, angewendet auf den Kampf der Hobby-Jagd-Lobby gegen ihre Kritiker.

Filz bis in die Bundespolitik

Feusi empfahl dem Verband JagdSchweiz, denselben Anwalt zu nehmen, «um die Sache zu koordinieren» – namentlich Thierry Burkhart, FDP-Ständerat. Ein Journalist, der im Bundeshaus unabhängig berichten sollte, instrumentalisierte Spitzenpolitiker und Strafrecht gleichzeitig, um Tierschutzkritiker zum Schweigen zu bringen.

Doppelleben eines Skandal-Journalisten: Plagiate im Bundeshaus, Existenzvernichtung im Jagdwald

Das ist der Kreis, der sich schliesst: Rechtsaussen-Medien, Hobby-Jagd-Lobby und Bundespolitik als koordiniertes Netzwerk, das Kritik nicht beantwortet, sondern vernichtet. Dass Feusi als Bundeshausredaktor der NZZ über eben diese Verflechtungen hätte berichten sollen, ist die bitterste Pointe des ganzen Falls.

Schallende Ohrfeige vor Gericht

Die Einschüchterungstaktik scheiterte vollständig. Der Verband JagdSchweiz zerrte die IG Wild beim Wild wegen angeblicher Verleumdung vor das Strafgericht des Kantons Tessin in Bellinzona. Das Resultat: vollständiger Freispruch in allen Punkten. Richter Siro Quadri hielt unmissverständlich fest, dass faktenbasierte Kritik an der Hobby-Jagd rechtlich zulässige Meinungsäusserung im öffentlichen Interesse ist. Auch vor dem Zivilgericht in Locarno holte sich der Verband eine blutige Nase: Die Verfahren wurden komplett sistiert.

Das rechtskräftige Urteil setzt einen klaren Massstab: Wer sich an gesellschaftlichen Debatten beteiligt, kann unbequeme Wahrheiten nicht mit Strafanzeigen wegsperren. Mehr zur Kriminalität im Umfeld der Hobby-Jagd dokumentieren wir laufend.

Ein System, das sich selbst entlarvt

Der Fall Dominik Feusi ist kein Betriebsunfall. Er ist das konsequente Ergebnis eines Milieus, das Meinung über Handwerk, Ideologie über Integrität und Vernetzung über Unabhängigkeit stellt. Ein Hobby-Jäger und rechter Meinungsmacher, der Texte fälscht, Kritiker mit Anzeigenfluten zermürbt und Bundespolitiker für Lobby-Kampagnen einspannt, ist kein Journalist. Er ist der verlängerte Arm einer Lobby.

Und dass mit seinem Aufstieg bei der NZZ ein seriöser Bundeshausjournalist das Haus verliess, bevor Feusi auch nur einen Tag gearbeitet hatte, sagt alles über das Gewicht, das dieser Typ Journalismus auf unabhängige Redaktionen ausübt.

Wer im Glashaus der gefälschten Artikel sitzt, sollte nicht versuchen, die Existenz von Tierschützern durch Massenanzeigen zu zertrümmern.

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