12. Mai 2026, 18:06

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Jagd

Hobby-Jäger und Rechtsextreme: Die Schnittmengen

Auffallend viele Rechte in- und ausserhalb der AfD oder dem Schweizer Pendant SVP sind im Besitz eines Waffenscheins und als Hobby-Jäger aktiv.

Redaktion Wild beim Wild — 14. Januar 2024

Böse Zungen behaupten, dass das heutige Jagdunwesen von den Freunden des Nationalsozialismus abstammt.

Das Gedankengut hat beide gemein: Es werden unbewiesene Behauptungen aufgestellt und Meinungen gemacht. Die Hobby-Jägerschaft bedient sich dabei gewisser Titulierungen, die rein ideologischen Charakter haben.

Problemtier, Räuber, Schädling, Seuchenherd, Plage, Invasion usw. sind keine biologischen Kriterien, sondern dienen der Wertung, der Abwertung. Ein gern angewendetes und probates Mittel, um Feindbilder zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Man lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass Tiere, die man töten will, den Tod auch verdienen.

Messe Jagd und Schund in Dortmund

Vom 30. Januar bis 04. Februar 2024 findet in Dortmund die berüchtigte Messe «Jagd und Hund» statt.

In diesem Jahr hat die Deutsche Burschenschaft, eine extrem rechte Organisation, angekündigt, einen Stand (Standnummer: 3.C76) auf der Messe zu betreiben und von «Verbandsbrüdern» begleitet zu werden. Die «Burschenschaft» ist im braunen Sumpf bestens vernetzt.

Ziel sei es, mehr Hobby-Jäger für die «Deutsche Burschenschaft» zu begeistern und potenzielle Keilgäste zu gewinnen. Ursprung des Interesses an der Jagdmesse seien viele kulturelle Schnittmengen der traditionellen Verbände, so die Arbeitsgruppe «Jagd und Buxe».

Hobby-Jäger und braunes Gedankengut unterscheiden sich nicht wesentlich. Beide Couleurs legen bei ihren diffusen Ansprüchen Wert auf eine Kultur der Gewalt. Sie haben beide ein gestörtes Weltbild, welches sie mit sekteneifriger Militanz realisieren wollen. Probleme löst man am besten militant mit Waffen, zu mehr reicht es unter der Kleinhirnrinde der Hobby-Jäger oftmals auch nicht. Schaut man sich die Profile der Hobby-Jäger in den Social Medias an, strotzt es vor Konservativismus, braunem Gedankengut, Pegida, Sexismus, Rassismus, Statussymbolen, usw. Selten, dass man Menschen, die nach Höherem streben, unter Hobby-Jägern antrifft. Hobby-Jäger stellen sich zudem im offenen Feld keinem Kampf auf Augenhöhe mit dem Gegner, dazu sind sie zu feige und zu heimtückisch.

In jedem Gewaltakt manifestiert sich etwas, was im Hobby-Jäger krankhaft vorhanden ist, sich aber im Alltag nicht entfalten darf, weil die Gesellschaft dies nicht mehr toleriert. Kriege, Folter, Verfolgung, Vergewaltigung, Gewalt, Töten und Hinrichtung als Machtinstrumente zur Beherrschung von Mitmenschen finden in unseren Kulturkreisen keine Akzeptanz mehr. Aber Töten hat eine Komponente und die Hobby-Jagd ist noch eine Bühne, auf der diese Macht ausgelebt wird. Tiere sind in diesem unfairen Spiel die leidtragenden Opfer, die dazu verfügbar gemacht werden.

Immer wieder werden aus dem Hobby-Jäger-Milieu Dinge behauptet, die bei einer genauen Analyse ihren Ursprung in der Jagdliteratur und derartigen unwissenschaftlichen Quellen haben. Das liegt vor allem an der häufig unzulänglichen Ausbildung in den Kursen zur Jägerprüfung, die überwiegend von teils Fanatikern mit sektenartigem Gedankengut durchgeführt werden und keinen regulären Qualifikationsnachweis brauchen.

Nach der Ausbildung bewegt sich der Hobby-Jäger nur noch im Echoraum der Jagdpresse, die seine schiefen und oft auch falschen Darstellungen stetig wiederholt.

In den Jagdvereinen bestätigt man sich dann gegenseitig in seiner Sicht der Dinge. Auf diese Weise ist eine abgeschottete und militante Gruppierung entstanden, die für neue Informationen kaum zugänglich ist. Das Fatale dabei ist, dass Lokalpresse und Politik immer noch glauben, unter dem Jägerhut stehe Sachwissen bereit, weshalb sie bei allen Naturthemen gerne den örtlichen Hobby-Jäger befragen. So kontaminieren die Hobby-Jäger dann auch noch den öffentlichen Raum.

Rechtsextreme suchen Normalisierung

Durch die Mitwirkung an der Jagdmesse erhoffen sich die Rechtsextremen Normalisierung und Anschluss an die politische Mitte. Besonders die «AfD» mit ihren Forderungen nach Erweiterung der Waffengesetzgebung erhofft sich dadurch Zugang zur Klientel der Messe. Es ist davon auszugehen, dass die Messeklientel mit extrem rechter Propaganda beeinflusst werden soll.

Rassismus und Speziesismus

Weltweit werden Menschen immer noch aufgrund ihrer Herkunft und Hautfarbe diskriminiert, gedemütigt und oftmals auch verfolgt. Die Rassismusstrafnorm verbietet richtigerweise die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, Hautfarbe und Religion. Denn kein Mensch ist besser als der andere. Alle haben wir das Recht auf Leben und darauf, mit Respekt und Anstand behandelt zu werden, egal, woher wir kommen und welche Hautfarbe oder Religion wir haben.

Bei den Tieren sieht das jedoch noch anders aus. Wildtieren wird oftmals kein Schutz gewährt: Sie sind unerwünscht und «wertlos», obwohl auch sie längst nicht mehr als Sache gelten. Ihr Recht auf Leben wird ihnen aufgrund ihrer Herkunft oder im Namen des von Hobby-Jägern vorgegebenen ökologischen Gleichgewichts per Gesetz abgesprochen. Das ist gelebter «Speziesismus», was so viel heisst: Der Hobby-Jäger zeigt mit seiner Haltung Wildtieren gegenüber einmal mehr, dass er überzeugt ist, dass er aufgrund seiner Art allen anderen Spezies überlegen ist und diese deshalb behandeln kann, wie er will. Diese Haltung ist mehr als verwerflich und darf nicht mehr länger akzeptiert werden.

Mitmach-Aktion: Fordert bei Eurer Gemeinde aufgrund der katastrophalen Politik von Bundesrat Albert Rösti (SVP) ein Erlassgesuch für die Bundes- und Kantonssteuern aufgrund des neulich bewilligten Abschusses von Wölfen in der Schweiz. Den Musterbrief könnt ihr hier downloaden: https://wildbeimwild.com/ein-appell-fuer-eine-veraenderung-in-der-schweiz/

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden