Vegan leben, Hobby-Jagd ablehnen: Warum eine neue Studie zu 2161 Veganern auch Hobby-Jagd-Gegner betrifft
Eine neue Befragung von 2161 vegan lebenden Menschen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeichnet das bisher genaueste Bild der veganen Community im deutschsprachigen Raum. Das Ergebnis ist nicht nur für die Ernährungssoziologie spannend, sondern auch für die Debatte um die Hobby-Jagd: Wer konsequent ohne Tierleid lebt, kommt an der Kritik der Hobby-Jagd nicht vorbei.

Der Psychologe Guido F. Gebauer hat für das Portal vegan.eu vier unterscheidbare Gruppen identifiziert: einsatzorientierte Veganer (50,8 %), Lebensstil-Veganer (33,0 %), pragmatische Veganer (13,1 %) und vegane Grenzgänger (3,1 %).
Mehr als 83 Prozent leben hoch konsequent, vermeiden tierische Stoffe in Lebensmitteln ebenso wie in Materialien und lehnen «vergnügungsorientierte Tierhaltung» ab.
Genau hier beginnt die Brücke zur Jagdkritik. Denn Hobby-Jagd ist nichts anderes als die radikalste Form der vergnügungsorientierten Tiernutzung: das Töten frei lebender Wildtiere zum persönlichen Vergnügen, getarnt als «Hege», «Tradition» oder «Naturschutz».
Wer Tierleid vermeidet, kann Hobby-Jagd nicht legitimieren
Die ethische Logik veganer Lebensweise und konsequenter Hobby-Jagd-Kritik ist deckungsgleich. Beide Positionen gehen davon aus, dass ein empfindungsfähiges Tier ein Eigeninteresse am eigenen Leben hat und nicht für menschliches Vergnügen, sportlichen Wettkampf oder kulinarische Bequemlichkeit getötet werden darf.
Was Veganerinnen und Veganer im Supermarkt entscheiden, entscheiden Hobby-Jagd-Gegner im Wald: kein Tierprodukt, kein Schuss, kein toter Körper für die Vitrine. Der Unterschied liegt nur im Schauplatz, nicht in der Haltung.
Besonders aufschlussreich ist der Befund zur grössten Gruppe, den einsatzorientierten Veganern. Sie verbinden konsequente Lebenspraxis mit politischem Engagement für Tierrechte. Genau dieses Profil findet sich auch bei den aktivsten Hobby-Jagd-Kritikern: Menschen, die nicht nur privat verzichten, sondern öffentlich Position beziehen gegen Treibjagden, Fallenstellerei, Baujagd und die systematische Verfolgung von Beutegreifern wie Wolf, Luchs und Fuchs.
Das Hobby-Jagd-Argument bricht zusammen
Die Hobby-Jagd-Lobby beruft sich gern auf «Notwendigkeit», «Regulation» und «ökologischen Auftrag». Die Existenz von 2161 Veganerinnen und Veganern, die ohne ein einziges totes Tier auskommen, demontiert das Notwendigkeitsargument auf der Konsumseite. Und zahlreiche wildbiologische Befunde demontieren es auf der Regulationsseite: Funktionierende Ökosysteme regulieren sich über Beutegreifer und natürliche Bestandsdynamik, nicht über den Hobby-Schützen im Tarnanzug.
Wer vegan lebt, beweist mit dem eigenen Körper, dass tierische Produkte verzichtbar sind. Wer die Hobby-Jagd kritisiert, zieht die logische Konsequenz auch für das frei lebende Wildtier: Es ist genauso wenig zum Töten da wie das Hausschwein oder die Milchkuh.
Vegane Bewegung und Hobby-Jagd-Kritik gehören zusammen
Die Studie zeigt, dass die vegane Identität bei der grössten Gruppe tief verankert ist und bis in die Partnerwahl reicht. Diese Konsequenz ist die natürliche Verbündete einer konsequenten Hobby-Jagd-Kritik. Beide Bewegungen brauchen einander: Die vegane Community liefert die ethische Grundlage, die Hobby-Jagd-Kritik überträgt sie auf den letzten grossen blinden Fleck, das Wildtier im sogenannten Revier.
Wer im Supermarkt zur Hafermilch greift, sollte im Herbst nicht schweigen, wenn die Treibjagdsaison beginnt. Und wer gegen die Hobby-Jagd schreibt, sollte sich fragen, was auf dem eigenen Teller liegt. Konsequenz kennt kein Sortiment.
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