16. August 2026, 14:46

Suchen

Umwelt & Naturschutz

BBC Future verlinkt wildbeimwild.com in grossem Waschbären-Report

Ein Waschbär-Artikel von wildbeimwild.com dient BBC Future als Quelle für die EU-Invasivlisten-Debatte. Dazu: neue Zahlen aus dem Müritz-Nationalpark und ein neues Video.

Redaktion Wild beim Wild — 16. August 2026

Die renommierte britische Wissenschaftsredaktion BBC Future hat in einer aktuellen Recherche zur Geschichte und Kontroverse um Waschbären in Deutschland auf einen Artikel von wildbeimwild.com verwiesen.

Das zeigt: Unsere Arbeit zur wissenschaftlichen Einordnung der EU-Invasivartenliste erreicht auch international ein Fachpublikum.

Was BBC Future berichtet

Im Artikel «The controversial story of the North American raccoons wreaking havoc in Germany» rekonstruiert der Journalist Matthew Ponsford die Geschichte der Waschbären in Deutschland, von der widerlegten Legende, wonach NS-Funktionär Hermann Göring persönlich die Aussetzung der Tiere angeordnet habe, bis zur heutigen Bestandsgrösse von schätzungsweise zwei Millionen Tieren.

Petition

Keine Luchsabschüsse im Wallis

Der Luchs ist genetisch am Limit, trotzdem soll er als erster Kanton der Schweiz zum Abschuss freigegeben werden.

Jetzt unterschreiben →

Zentral im Artikel ist die Einordnung der Wildökologin Berit Michler vom Thünen-Institut. Sie leitete im Müritz-Nationalpark die bislang längste und grösste europäische Feldstudie zum Waschbären und kam zum Schluss, dass es keine Belege für eine erhebliche Gefährdung der einheimischen Biodiversität durch die Tiere gibt. An dieser Stelle verweist BBC Future direkt auf unseren Artikel «Waschbären gehören nicht in die EU-Liste der invasiven Arten», in dem wir die fehlende wissenschaftliche Grundlage für die EU-weite Einstufung des Waschbären als invasive Art dokumentiert haben.

Eine Debatte mit zwei Seiten

BBC Future stellt die Position differenziert dar. Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband widerspricht der Einschätzung Michlers und verweist auf Untersuchungen der Goethe-Universität Frankfurt, die negative Effekte auf Amphibien und deren Gelege belegen sollen. Gemeint ist damit das Forschungsprojekt ZOWIAC. Was im BBC-Artikel nicht erwähnt wird: Wie wir in unserem Beitrag «ZOWIAC und die Hobby-Jagd-Lobby: Wie eine Waschbär-Studie instrumentalisiert wird» aufgezeigt haben, sammeln bei ZOWIAC grösstenteils Hobby-Jäger selbst die Proben, während die Landesjagdverbände Hessen und Bayern das Projekt unterstützen und öffentlichkeitswirksam bewerben. Wer ein Interesse an mehr Abschüssen hat, prägt hier also die Datenbasis mit, ein methodischer Interessenkonflikt, der die wissenschaftliche Unabhängigkeit solcher Zahlen ernsthaft infrage stellt. Studien, die von Hobby-Jägern für die Zwecke der Hobby-Jagd erhoben werden, finden in der übrigen Wissenschaftswelt entsprechend wenig Anklang.

Diese Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Auftreten vermeintlich neutraler «Institute» oder «Forschungsprojekte» und ihrer tatsächlichen Nähe zur Hobby-Jagd-Lobby ist kein Einzelfall. Wir haben das Muster auch in unserem Faktencheck «Wenn das ‹Institut› die Hobby-Jagd verteidigt» dokumentiert. Der Artikel macht insgesamt deutlich: Eine pauschale Erzählung vom Waschbären als «Plage» lässt sich wissenschaftlich nicht eindeutig stützen, ebenso wenig wie die gegenteilige Annahme völliger Unbedenklichkeit. Die ökologischen Auswirkungen des Waschbären in Europa seien insgesamt, so Michler im Artikel, noch zu wenig erforscht, umso wichtiger ist es, zu prüfen, wer hinter den einzelnen Studien steht und welche Interessen mitschwingen.

Diese Kontroverse ist auch für die Debatte um die Hobby-Jagd in der Schweiz relevant. Wo Bestände unter Verweis auf angebliche Bedrohungen für die einheimische Tierwelt zum Abschuss freigegeben werden, lohnt sich ein Blick auf die tatsächliche Datenlage, wie sie unser Dossier zu Neozoen und Hobby-Jagd in der Schweiz sowie unsere Beiträge in der Kategorie Jagd und Umwelt & Naturschutz ausführlich aufzeigen.

Was die Langzeitforschung im Müritz-Nationalpark zeigt

Genau diese Datenlücke, die Michler im BBC-Artikel anspricht, lässt sich mit konkreten Zahlen aus dem Müritz-Nationalpark selbst füllen. Nationalparkleiter Ulrich Messner berichtet über eine mehrjährige Untersuchung, bei der Tausende Kotproben von Waschbären gesammelt und unter dem Mikroskop ausgewertet wurden. Das Ergebnis widerspricht dem gängigen Bild deutlich: Waschbären sind demnach vor allem Allesfresser mit einem hohen Pflanzenanteil, die vorwiegend das fressen, was reichlich vorhanden und leicht zu erbeuten ist, etwa Regenwürmer, Schnecken und Muscheln. Säugetiere machen nur rund sechs Prozent der Nahrung aus, Vögel sogar nur etwa drei Prozent, obwohl dem Waschbären gerade die Jagd auf geschützte Vogelarten oft nachgesagt wird.

Diese Zahlen stammen aus derselben Region und demselben Forschungsumfeld, auf das sich auch Michlers Aussage im BBC-Artikel stützt, und untermauern damit zusätzlich, weshalb die pauschale Einstufung als ökologische Bedrohung wissenschaftlich auf wackligen Beinen steht.

«Ein Herz für Waschbären»

Passend zum Thema haben wir gestern ein neues Video der ARD veröffentlicht: «Ein Herz für Waschbären». Es zeigt die Situation in Mecklenburg-Vorpommern, wo Waschbären in Gärten, Abfalltonnen und unter Dächern für Konflikte mit Anwohnerinnen und Anwohnern sorgen. Die Tierschützerin Heike Gronow setzt sich dort für einen sachlichen, tierfreundlichen Umgang mit den Tieren ein und zeigt, wie sich Konflikte gewaltfrei lösen lassen, statt reflexartig auf Abschuss durch Hobby-Jäger zu setzen.

Weitere Beiträge zum Thema Wildtiere finden sich in unserer Kategorie Wildtiere sowie in der vollständigen Video-Mediathek.

LASS UNS IN VERBINDUNG BLEIBEN!

Wir möchten dir gerne die neuesten Neuigkeiten und Angebote im Newsletter zukommen lassen.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden