Podcast-Episode: Jagd, Lobby und Wolfsstreit
Wissenschaftliche Daten, kantonale Jagdpraxis und politischer Lobbyismus: Was hinter den aktuellen Debatten um Luchs, Wolf, Fuchs und Hirsch steckt.
In dieser Ausgabe von «Wild beim Wild» geht es um die Kluft zwischen wissenschaftlichen Daten, jagdpolitischen Forderungen und der Praxis in den Kantonen.
Im Zentrum stehen die geplanten Wolfs- und erstmals auch Luchsabschüsse im Wallis, die umstrittene Fuchsjagd, die Jagdsaisons in Graubünden und im Tessin sowie der politische Einfluss der Jagdlobby.
Im Wallis steht eine Abschussbewilligung für Luchse zur Debatte, obwohl Forschende der Universität Bern nicht den politisch genannten Bestand von bis zu 80, sondern rund 37 selbstständige Tiere im Kanton schätzen. Während sich die Luchspopulation erst seit wenigen Jahren von einem historischen Tief erholt, will der Kanton zugleich mehrere Wolfsrudel vollständig oder teilweise entfernen lassen. Dabei bleiben zentrale Grundlagen wie ruddelspezifische Risszahlen und genetische Nachweise teilweise offen.
Die Episode zeigt zudem die Widersprüche in der Debatte um die Fuchsjagd: JagdSchweiz fordert eine intensive Bejagung, räumt aber selbst ein, dass diese den Gesamtbestand kaum dauerhaft senkt. Wissenschaftlich wird der Rückgang von Feldhasen und Bodenbrütern vor allem mit Lebensraumverlust und intensiver Landwirtschaft erklärt. Gleichzeitig anerkennen selbst jagdnahe Positionen, dass Luchs und Wolf den Fuchs natürlich begrenzen können.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den kantonalen Jagdsystemen. Graubünden plant 4’616 Hirschabschüsse und setzt mit Hoch- und Sonderjagd auf ein System, das den Muttertierschutz nur saisonal gewährt. Die Folgen für Kälber, soziale Rudelstrukturen und Tierwohl stehen dabei im Kontrast zur Logik der Planerfüllung. Thematisiert werden auch Fehlabschüsse, getötete Hunde, fehlende Transparenz bei Bussen und Anzeigen sowie die mediale Normalisierung der Jagd, etwa durch einen Fotowettbewerb mit Jagdpatent als Preis.
Im Tessin forderte die Hochjagd bereits am ersten Wochenende zwei Todesopfer. In Luzern räumt eine neue Wald-Wild-Strategie ein, dass Probleme wie Wildverbiss trotz jahrzehntelanger organisierter Jagd ungelöst bleiben. Auch die gezielte Bejagung von Hirschkühen wird kritisch beleuchtet, weil der Verlust der Mutter für Kälber gravierende soziale und gesundheitliche Folgen haben kann.
Zum Schluss richtet die Folge den Blick auf Jagdpolitik und Lobbyismus: Rund 100 Parlamentsmitglieder nahmen an einem Wildbuffet von JagdSchweiz teil, während der Verband seine Kontakte im Bundeshaus strategisch pflegt. Die zentrale Frage der Episode lautet: Wer erhebt die Zahlen, wer interpretiert sie – und wer entscheidet am Ende über Leben und Tod von Wildtieren?
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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