Podcast-Episode: Wolfspolitik und Jagdkonflikte
Wolfszahlen ohne Grundlage, ein Tessiner Vorstoss für Abschüsse nach dem ersten Riss, Fuchsjagd ohne Erfolgskontrolle, Zürichs verzögerte Treibjagd-Termine und eine Woche voller Fehlschüsse.
In dieser Ausgabe von «Wild beim Wild» geht es um Wolfszahlen, die einer Prüfung nicht standhalten, um Vorstösse, die schon den ersten Riss zum Abschussgrund machen wollen, um Hobby-Jagd ohne Ziel und Erfolgskontrolle, um Zürichs Umgang mit Treibjagd-Terminen und um eine Woche voller Fehlschüsse von Bayern bis in die Marken.
Wolf: Zahlen, die nicht halten
Der verstorbene bayerische Jagdminister Hubert Aiwanger hinterlässt eine Wolfspolitik, die weiterwirkt. Der Faktencheck seiner Aussagen zeigt: Die von ihm behauptete jährliche Zunahme um 30 Prozent geben die amtlichen DBBW-Daten nicht her, die Zahl bestätigter Wolfsterritorien sank zuletzt sogar von 289 auf 287. Beim Fischotter hielt der Verwaltungsgerichtshof einen ungünstigen Erhaltungszustand fest, den nicht einmal der Freistaat bestritt. In der Schweiz verlangt eine Motion im Tessiner Grossen Rat, dass auf «nicht schützbaren» Alpen schon das erste Rissereignis als erheblicher Schaden gilt. Auf diese Kategorie entfallen rund 47 Prozent der vom Kanton erfassten getöteten Nutztiere, und laut Kantonsdaten waren nur 6 von 131 gerissenen Tieren geschützt.
Im Kanton Schwyz hat die Staatsanwaltschaft die Anzeigen zur Regulierung des Chöpfenberg-Rudels laut Landammann Sandro Patierno nicht weiterverfolgt. Die fachliche Frage bleibt: Getötet wurden vier diesjährige Welpen, die zugeordneten Risse gehen auf ältere Wölfe zurück, und das BAFU stimmte zu, bevor der Kanton für 2026 einen Riss gemeldet hatte. Eine Studie von UZH und KORA zeigt zugleich, dass die Akzeptanz trotz mehr Wölfen stabil blieb: Der Anteil klarer Gegnerinnen und Gegner sank von 37,5 auf 31,8 Prozent, erklärt wird die Haltung vor allem durch Höhenlage und Bevölkerungsdichte, nicht durch die Nähe zum Wolf. Die SVP Nidwalden will den Bestand trotzdem auf 50 bis 100 Tiere senken, das hiesse 71 bis 86 Prozent der 350 nachgewiesenen Wölfe töten. Alle Abschüsse der Saison erfasst der Wolfszähler.
Fuchs, Hirsch, Krähe: Hobby-Jagd ohne Erfolgskontrolle
Der Aargauer Regierungsrat lehnte die Fuchsjagd-Petition ab, die Situation habe sich seit September 2025 «nicht verändert», eine Studie oder Zahl nennt er nicht. Die IG Wild beim Wild antwortet mit einem offenen Brief an Landammann Stephan Attiger: sieben Fragen, Frist 20. November. Die Zahlen liegen vor: 2025 erschossen Aargauer Hobby-Jäger 1’837 Füchse, weitere 1’220 wurden als Fallwild registriert. Im Kanton Zug kam ein SWILD-Fachbericht zum Schluss, dass die räumlich nicht koordinierte Fuchsjagd den Bestand nicht nachhaltig reguliert, Zug fördert die Fuchsjagd seither nicht mehr. Wer selbst schreiben will: Adressen und Musterbrief stehen auf der Seite Fuchsjagd Aargau.
In St. Gallen verlangt eine Hirsch-Petition mit 439 Unterschriften 300 bis 400 zusätzliche Abschüsse von Stieren, obwohl das Amt selbst festhält, dass beim Rothirsch der Abschuss weiblicher Tiere und Jungtiere entscheidend ist. Dass der Hirsch im Wald steht, weil er auf Wiesen und Alpen nicht geduldet und vom Jagddruck in die Deckung getrieben wird, erwähnt die Petition nicht. Der Kanton Luzern prüft ein Anreizsystem für die Krähenjagd für grob 50’000 Franken, obwohl die Regierung deren Wirkung nur «theoretisch» sieht.
Transparenz: Zürich lässt warten
Eine Bürgerin verlangte per Informationsgesuch die Termine der Zürcher Bewegungsjagden. Die Fischerei- und Jagdverwaltung will zuerst die Jagdgesellschaften befragen und «frühestens Mitte Dezember» entscheiden, wenn rund vier Fünftel der regulären Zeit verstrichen sind. Die Gemeinde Geroldswil zeigt, dass es anders geht: Sie publizierte Datum, Uhrzeit und Gebiet zweier Jagden. Gleichzeitig kündigt Zürich eine Teilrevision der Jagdgesetzgebung an, weil die Wildschadenregelung seit 2023 «nicht aufgegangen» ist: Verhütungsbeiträge und abgeschätzte Schäden stiegen konstant.
Jagdunfälle: Wenn das Ziel nicht erkannt wird
In Türkheim im Unterallgäu erschoss ein 23-jähriger Hobby-Jäger am 5. November zwei hochträchtige Kühe, die er in der Dunkelheit für Wildschweine hielt. Kühe dieser Rassen wiegen hochträchtig rund 700 bis 750 Kilogramm. Bayern kennt keine gesetzliche Pflicht zum regelmässigen Schiessnachweis. In Frankreich ertrank bei einer Parforcejagd in Amboise ein Hirsch im Teich eines Privatgrundstücks, die Hunde auf ihm, drei Tage später verletzte in der Gironde ein gestellter Hirsch einen 19-Jährigen schwer.
In Oberösterreich wurde ein Hobby-Jäger freigesprochen, nachdem ein Rotmilan nach dem Fang in seiner Schlagnetzfalle starb. Der Gutachter zweifelte an der Eignung der Falle für Marder, verboten ist sie trotzdem nicht, BirdLife Österreich spricht von einem Vakuum im Jagdgesetz. Und in Grottazzolina in der Provinz Fermo erschoss ein 70-jähriger Hobby-Jäger mit zwei Schüssen den Labrador der Bürgermeisterfamilie, der Waffenschein ist weg.
Wolfszahlen ohne Grundlage, Fuchsabschüsse ohne Ziel, Termine, die geheim bleiben sollen, und Schüsse auf alles, was sich in der Dunkelheit bewegt: Belegt wird selten etwas, kontrolliert noch seltener, und die Folgen tragen nichtmenschliche Tiere. Die Frage der Episode lautet: Warum muss die Hobby-Jagd ihren Nutzen nie belegen?
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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