06.11.2026, 19:59

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Fuchsjagd stoppen – Grosser Rat Aargau anschreiben

Der Kanton Aargau organisiert die Hobby-Jagd im Revierjagdsystem: Die Jagdreviere werden an Jagdgesellschaften verpachtet. Laut der kantonalen Jagdstatistik 2025 erschossen Aargauer Hobby-Jäger im Jahr 2025 1’837 Füchse, 2024 waren es 1’986. Dazu kamen 2025 1’220 Füchse als Fallwild, 767 davon im Strassenverkehr. Zusammen sind das 3’057 tote Füchse in einem einzigen Jahr.

Bereits am 27. August 2025 hatte sich der Luzerner Jurist Pascal Wolf per Mail an Landammann Stephan Attiger gewandt, den Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Am 15. Oktober 2026 reichte er die Petition «Verbot der allgemeinen Fuchsjagd» ein: eine ganzjährige Schonzeit für den Rotfuchs, Abschüsse nur noch in begründeten Einzelfällen und Vorrang für Impfung und Parasitenbekämpfung. Am 5. November 2026 kam die Antwort (Antwortschreiben des BVU): Ablehnung.

Die Situation habe sich seit der Antwort vom 17. September 2025 «nicht verändert», schreibt Attiger. Aus Sicht des Regierungsrats gebe es «keinen Bedarf, die schweizweit geltenden Regelungen betreffend die Bejagung des Fuchses für den Kanton Aargau zu ändern». Das Schreiben umfasst gut eine Seite Gesetzesparaphrase. Es nennt keine Studie, keine Bestandsschätzung, keine Schadenszahl und kein Ziel der Fuchsjagd.

Dabei hat sich seit September 2025 einiges verändert: Der Kanton Zug liess die Fuchsjagd wissenschaftlich prüfen und fördert sie seither nicht mehr, Basel-Stadt prüft einen Verzicht, im Berner Grossen Rat fordert eine parteiübergreifende Motion Fuchsmanagement statt Fuchsjagd. Und die «schweizweit geltenden Regelungen» sind nur ein Mindeststandard: Nach Art. 5 Abs. 4 des Jagdgesetzes können die Kantone die Schonzeiten verlängern oder die Liste der jagdbaren Arten einschränken. Der Regierungsrat könnte also handeln. Er will nicht.

Du kannst etwas tun, ganz gleich, in welchem Bezirk du lebst. Wende dich direkt an eine Grossrätin oder einen Grossrat. Das ist legal, wirksam und kostet nur wenig Zeit.

Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Aus mehreren Kantonen erreichten uns Rückmeldungen, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs mitunter als unzustellbar zurückkommen. Nutze deshalb mehrere Wege: einen Brief, einen Anruf oder das persönliche Gespräch. Oft ist eine Nachricht an ein Fraktions- oder Parteisekretariat wirksamer als an einzelne Mitglieder.

Musterbrief: kopiere diesen Text in dein Mailprogramm

Betreff: Fuchsjagd im Kanton Aargau: Bitte um Prüfung einer ganzjährigen Schonzeit

Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]

Ich bitte Sie, die Fuchsjagd im Kanton Aargau politisch zu überprüfen.

Am 5. November 2026 hat Landammann Stephan Attiger die Petition «Verbot der allgemeinen Fuchsjagd» abgelehnt. Die Situation habe sich seit September 2025 nicht verändert, und es gebe keinen Bedarf, die schweizweit geltenden Regelungen für den Aargau zu ändern. Das Antwortschreiben nennt keine Studie, kein Ziel der Fuchsjagd, keine Bestandsschätzung und keine Schadenszahlen.

Laut kantonaler Jagdstatistik wurden im Aargau 2025 1’837 Füchse erlegt; zusätzlich wurden 1’220 Füchse als Fallwild registriert, die meisten davon im Strassenverkehr. Das Fleisch der erlegten Füchse wird nicht gegessen, ein Fell bringt an Fellmärkten wenige Franken. Welchen messbaren Nutzen diese Abschüsse haben, legt der Kanton nicht dar.

Der Fachbericht von SWILD im Auftrag des Kantons Zug (Mai 2026) kommt zum Schluss, dass die heute praktizierte, räumlich nicht koordinierte Fuchsjagd den Bestand nicht nachhaltig reguliert, die Seuchenbekämpfung nicht verbessert und beim Schutz von Nutztieren nicht-letalen Massnahmen unterlegen ist. Der Kanton Zug fördert die Fuchsjagd seither nicht mehr. Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus, Luxemburg seit 2015 ohne Fuchsjagd, in beiden Fällen ohne dokumentierte Zunahme der Probleme.

Das Bundesrecht verpflichtet den Kanton nicht zur Fuchsjagd. Nach Art. 5 Abs. 4 des Jagdgesetzes kann der Kanton die Schonzeit verlängern. Ich bitte Sie deshalb, sich im Grossen Rat für eine unabhängige wissenschaftliche Überprüfung der Fuchsjagd und für eine ganzjährige Schonzeit des Rotfuchses einzusetzen.

Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]

Was im Kanton Aargau entschieden wurde

Petition «Verbot der allgemeinen Fuchsjagd», eingereicht am 15. Oktober 2026 von Pascal Wolf. Gefordert werden eine ganzjährige Schonzeit für den Rotfuchs, Abschüsse nur noch bei erheblicher Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder die Tiergesundheit, die Tötung kranker oder verletzter Füchse nur nach Beurteilung durch Wildhut oder Tierarzt sowie Vorrang für Impfung und Parasitenbekämpfung.

Antwort vom 5. November 2026, Landammann Stephan Attiger, Departement Bau, Verkehr und Umwelt: Ablehnung. Das Jagdgesetz des Bundes decke Nutzung und Schutz ab, die Regelungen seien «ausgewogen». Füchse dürften nach Art. 5 Abs. 1 JSG ausserhalb der Schonzeit vom 1. März bis 15. Juni bejagt werden, der Aargau übernehme die Bundesvorgaben. Die Regulation des Fuchses sei «kein willkürliches Vorgehen», sondern eine «wichtige und notwendige Massnahme des Wildtiermanagements», um Konflikte zwischen Mensch, Landwirtschaft, Forst und Natur zu lösen.

Was das Schreiben nicht beantwortet: welche Konflikte Füchse im Aargau verursachen, in welchem Umfang, welches Ziel die Jagd verfolgt und woran ihr Erfolg gemessen wird. Dass der Kanton die Schonzeit selbst verlängern dürfte, erwähnt es nicht. Und von der «nachhaltigen Nutzung», die es als Ziel des Gesetzes anführt, bleibt beim Fuchs wenig übrig: Sein Fleisch isst niemand, sein Fell bringt am Bündner Fellmarkt 8 Franken.

Was die Wissenschaft sagt

Bestandsregulation: Der Rotfuchs gleicht Verluste über erhöhte Fortpflanzung und Zuwanderung rasch wieder aus. Lokale Abschüsse senken die Fuchsdichte auf Landschaftsebene nicht (Baker et al. 2002; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019).

Räude: Mit der Räude begründet der Aargauische Jagdschutzverein die Fuchsjagd. Einen Beleg, dass die regulär betriebene Jagd die Räude eindämmt, gibt es nicht; viele Füchse überstehen die Krankheit und bilden Antikörper. Die Einzelheiten haben wir im Beitrag Fuchsjagd-Verbot: Jagdschutz-Präsident nennt Impfen «extrem» zusammengestellt.

Tollwut und Fuchsbandwurm: Die Tollwut wurde nicht durch die Jagd besiegt, sondern durch Impfköder ab 1978. Beim Fuchsbandwurm erhöhte intensive Bejagung im Raum Nancy den Anteil infizierter Füchse (Comte et al. 2017), in Luxemburg sank er nach dem Jagdverbot von 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Kosten und Schäden: In Frankreich kostet die Kontrolle der als «Schädlinge» bejagten Arten 103 bis 123 Millionen Euro pro Jahr, die gemeldeten Schäden betragen 8 bis 23 Millionen. Einen Zusammenhang zwischen Abschusszahl und Schadenshöhe fanden die Forschenden nicht (Jiguet et al. 2026, Biological Conservation).

Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere

Der Zuger SWILD-Bericht

Der Kanton Zug hat als bisher einziger Kanton auf die Fuchsjagd-Petition mit einer wissenschaftlichen Untersuchung reagiert. Der Fachbericht von SWILD erschien im Mai 2026 und lag der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vor. Befund: Die gegenwärtig praktizierte Fuchsjagd reguliert den Bestand nicht nachhaltig, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist beim Schutz von Nutztieren nicht-letalen Methoden unterlegen. Der Bericht zeigt auch, dass eine solche Standortbestimmung mit vorhandener Literatur und bestehender Jagd- und Fallwildstatistik möglich ist. Beides liegt im Aargau vor.

Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd

Wo du die Kontaktdaten findest

Der Grosse Rat des Kantons Aargau zählt 140 Mitglieder, gewählt in den elf Bezirken für die Amtsperiode 2025 bis 2028. Namen, Fraktionen und Kontaktangaben findest du in der offiziellen Mitgliederliste unter ag.ch: Ratsmitglieder des Grossen Rats. Am wirksamsten ist eine persönlich formulierte Nachricht an Mitglieder aus deinem Bezirk oder deiner Partei.

Was im Kanton Aargau bisher passiert ist

📌 Fuchsjagd-Verbot: Jagdschutz-Präsident nennt Impfen «extrem»
Die Petition erreicht den Aargau, der Präsident des Aargauischen Jagdschutzvereins hält Impfen statt Schiessen für «extrem».

📌 Jagdzeit im Aargau: Was das Merkblatt der Hobby-Jäger verschweigt
Bewegungsjagden, Niederwild ohne Rechtfertigung und Regeln, die nicht für alle gleich gelten.

📌 Kritik am Pelzfellmarkt der Aargauer Jagdaufseher in Aarau
Was mit den Fellen der erschossenen Füchse geschieht.

📌 Aargau brevetiert 39 neue Hobby-Jäger und die Politik applaudiert
Während die Evidenz ignoriert wird, feiert der Kanton seinen Nachwuchs auf Schloss Habsburg.

🧠 Psychologie der Hobby-Jagd im Aargau
Revier als gefühltes Eigentum: Warum Kritik an der Hobby-Jagd im Aargau als Störung gilt.

📌 Fuchs Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby
Warum jährlich rund 19’000 Füchse ohne Abschussplanung und ohne wissenschaftlichen Grund erschossen werden.

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