05.11.2026, 11:20

Suchen

Kriminalität & Jagd

Grottazzolina: Hobby-Jäger erschiesst Hund, Waffenschein weg

Der Labrador war mit seiner Familie spazieren, als ein Hobby-Jäger zweimal schoss. Für den Questore von Fermo war der zweite Schuss entscheidend.

Redaktion Wild beim Wild · 5. November 2026
Audio zum Beitrag

«Die anderen sollen aufpassen»

0:00 -0:00
Alle Lieder

In Grottazzolina in der italienischen Provinz Fermo hat ein 70-jähriger Hobby-Jäger am 15. Oktober den Labrador der Familie des Bürgermeisters erschossen.

Der Hund war mit seinen Menschen spazieren und lief frei, als der Mann zweimal auf ihn schoss. Der Questore von Fermo hat dem Hobby-Jäger den Waffenschein entzogen. Gegen ihn liegt eine Anzeige wegen Tötung eines Tieres vor.

Zwei Schüsse vor den Augen der Familie

Der Vorfall ereignete sich im Landwirtschaftsgebiet nahe dem Ortskern. Der Hobby-Jäger hatte sich bei einem Gebüsch auf die Lauer gelegt. Der Labrador näherte sich dem Versteck, nach Einschätzung von Il Resto del Carlino «sehr wahrscheinlich im Spiel». Laut Polizei feuerte der Mann einen ersten Schuss ab, der das Tier verletzte, und unmittelbar danach einen zweiten, der es tötete (La Provincia di Fermo). Der Hund hiess Spillo, wie greenMe berichtet.

Die Familie, die alles mitansehen musste, erstattete sofort Anzeige bei den Carabinieri. Der Hobby-Jäger wurde bei der Staatsanwaltschaft Fermo wegen Tötung eines Tieres angezeigt. Artikel 544-bis des italienischen Strafgesetzbuchs sieht dafür seit der Revision durch das Gesetz 82/2025 sechs Monate bis drei Jahre Freiheitsstrafe und eine Busse von 5’000 bis 30’000 Euro vor. Bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Questore: Zweiter Schuss ging über Notwehr hinaus

Questore Eugenio Ferraro hat den Waffenschein umgehend widerrufen. Die Polizei begründet das deutlich: Waffenbesitz und Waffenschein, sowohl für den Sport als auch für die Jagd, seien «kein Recht, sondern eine Konzession der Behörde für öffentliche Sicherheit». Jeder Inhaber müsse dauerhaft ein «tadelloses Verhalten» und ein «absolutes psychophysisches Gleichgewicht» zeigen, das «in jeder Situation die volle Kontrolle über Impulse und Emotionen» garantiere.

Ausschlaggebend war laut La Provincia di Fermo der zweite Schuss, der «über eine Verteidigung gegen einen allfälligen Angriff des Tieres hinausging». Obwohl die Situation «keine tatsächlichen Gefahren» dargestellt habe, habe der Hobby-Jäger «völlig unverhältnismässig» reagiert, hielt die Polizei fest. Eine Notwehrlage sahen die Behörden damit nicht.

ENPA warnt vor dem «Sparatutto»-Gesetz

Der Fall fällt in die Debatte über die Reform des italienischen Jagdgesetzes, über die die Abgeordnetenkammer ab dem 27. November berät. Die Tierschutzorganisation ENPA warnte am 2. November, mit der Gesetzesvorlage Nr. 2984 seien «auch unsere Hunde und Katzen noch grösseren Gefahren ausgesetzt» (ENPA). Die Ausweitung der Hobby-Jagd auf neue Gebiete, darunter Staatswälder, und die längere Jagdzeit würden die sogenannten «Unfälle» häufiger machen, die nichtmenschliche Tiere das Leben kosten und auch Menschen gefährden.

ENPA ruft die Bürgermeister auf, im Rahmen ihrer Zuständigkeiten Gefahren durch die Jagd vorzubeugen, und die Abgeordneten, die Vorlage zu stoppen. Die Organisation verweist auf weitere Fälle, etwa den Hund Zeus, der in Olbia auf dem eingezäunten Grundstück seiner Familie erschossen wurde, mutmasslich von einem Hobby-Jäger. Die Carabinieri ermitteln.

Ein strukturelles Sicherheitsproblem

Grottazzolina ist kein Einzelfall. Wie viele Menschen und nichtmenschliche Tiere in Italien jedes Jahr Opfer der Hobby-Jagd werden, zeigt das AVC-Dossier 2025/2026. Welche Lockerungen das «Sparatutto»-Gesetz vorsieht und welche Rolle die Jagdlobby spielt, beschreibt der Beitrag «Wie die Jagdlobby den Wildtierschutz umbauen will». Dass Behörden und Gerichte auch durchgreifen können, zeigen die Fälle in Castel Volturno und Sizilien. Weitere Beiträge finden sich in der Rubrik Kriminalität & Jagd.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Wildtiere brauchen eine Stimme

Einmal pro Woche: Recherchen, Petitionen und Hintergründe zur Hobby-Jagd. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden →