Neues Datenleck beim französischen Hobby-Jäger-Verband FNC
Ein Hacker bietet Daten von 4'978 Personen und 49 Administratorenkonten an. Es ist nicht der erste Fall: Seit Januar kursieren Adressen französischer Waffenbesitzer im Darknet.
Symbolbild. Foto: Towfiqu barbhuiya / Unsplash
Am Samstag, 31. Oktober 2026, hat ein Hacker mit dem Pseudonym «ChimeraZ» auf einem Forum für gestohlene Daten eine Datenbank zum Verkauf angeboten, die er dem Portal chasseurdefrance.com der Fédération nationale des chasseurs (FNC) zuschreibt. Laut seiner Anzeige umfasst sie 5’700 Datensätze zu 4’978 Personen sowie eine separate Liste mit 49 Administratorenkonten. Die FNC ist der Dachverband der französischen Hobby-Jäger. Bestätigt hat sie den Vorfall bisher nicht.
Was in der angebotenen Datenbank steckt
Das Fachportal Cyberattaque.org hat eine Gratisprobe mit 199 Konten ausgewertet. Sie enthält Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten, fast durchgehend Postleitzahlen, in acht Fällen vollständige Postadressen sowie Passwörter als bcrypt-Hashes, also nicht im Klartext. Fünf Konten der Stichprobe haben Administratorenrechte, zwei davon die höchste Stufe. Angelegt wurden die Konten zwischen Juli und September 2021, die meisten gehören zu den Departementen Vendée und Seine-Maritime.
Die Plattform Fuites Infos kommt zum Schluss, dass die Daten eher aus einer Formular-Anwendung departementaler Hobby-Jäger-Verbände stammen als vom nationalen Portal. Ob es sich um einen neuen Einbruch oder um ältere, wieder aufgetauchte Daten handelt, ist offen.
Der grosse Fall vom Januar
Der neue Fund reiht sich in eine Serie ein. Am 20. Januar 2026 um 5.30 Uhr verschafften sich Unbekannte Zugang zum Mitgliederbereich des «Guichet unique», über den französische Hobby-Jäger ihren Jagdschein jedes Jahr validieren lassen. Die FNC bestätigte einen unberechtigten Zugriff auf persönliche Daten und Angaben zur Validierung, sprach aber von einem begrenzten Vorfall. Schon am Folgetag wurde ein rund 27 Gigabyte grosser Datensatz für etwa 1’200 Euro im Darknet angeboten, wie Ostraca dokumentiert. In einer schriftlichen Anfrage an den Innenminister ist von rund 1,4 Millionen Betroffenen die Rede.
Anfang April wurde der Datensatz mit rund einer Million Personen und 455’103 Telefonnummern in aufbereiteter Form erneut angeboten (France Chasse). Ende Januar bestätigte zudem das Office français de la biodiversité (OFB) einen Angriff auf seine Anwendung zur Verwaltung der Jagdscheine. Das Anmeldeportal für die Jagdprüfung war Mitte März, fast zwei Monate später, noch immer offline (Mediaterranée).
Waffenbesitzer als Zielscheibe
Die FNC betonte im Januar, Angaben zum Waffenbesitz seien nicht betroffen. Das beruhigt wenig: Wer einen gültigen Jagdschein hat, besitzt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Schusswaffen, und die Adresse steht im Datensatz. Nach dem Angriff auf die Fédération française de tir im Herbst 2025 kam es zu gezielten Einbrüchen und Waffendiebstählen, teils nach Besuchen falscher Polizisten. Die Pariser Staatsanwaltschaft bestätigte den Zusammenhang (Mediaterranée).
Im März 2026 wurden zudem über das kompromittierte Konto eines Waffenhändlers Daten aus dem staatlichen Waffeninformationssystem SIA abgegriffen. Der Täter prahlte mit Angaben zu über 62’000 Waffen samt Adressen der Besitzer. Das Innenministerium bestätigte den Abfluss, betont aber, das SIA selbst sei nicht erreicht worden (Next). Seit dem 1. April 2026 müssen sich Händler dort mit einem zweiten Faktor anmelden (Journal du Geek). Im September fragte ein Abgeordneter den Innenminister nach gewaltsamen Waffendiebstählen bei legalen Besitzern seit diesem Leck.
Im Oktober folgte eine ganze Welle. Derselbe Hacker «ChimeraZ» bot laut Cyberattaque.org Kundendaten mehrerer Waffenhändler an, darunter 35’303 Kunden der Armurerie Gilles und 3’789 Waffenbesitzer der Armurerie Laudier, dazu eine Datenbank der Fédération française de tir mit angeblich 586’854 Personen. Die FFTir bestätigte am 22. Oktober einen neuen Angriff auf die Daten ihrer Lizenzierten (Acaraibes). Bereits im September hatte derselbe Hacker Daten von 120’158 Kundinnen und Kunden des Onlinehändlers Armurerie Lavaux angeboten (Mediaterranée).
Am 20. April nahm die Polizei in der Vendée einen 21-Jährigen fest, der unter dem Pseudonym «HexDex» hinter Dutzenden Lecks stecken soll. Die Pariser Staatsanwaltschaft rechnet ihm unter anderem das SIA-Leck zu, eine Verbindung zum FNC-Angriff ist nicht belegt. Am 23. April kam er in Untersuchungshaft. Die Serie ging trotzdem weiter.
Das Problem sind die Waffen in Privathaushalten
Die Hobby-Jäger-Verbände inszenieren sich gern als Garanten von Sicherheit und Ordnung. Die französischen Fälle zeigen das Gegenteil: Wer Hunderttausende Waffenbesitzer in schlecht gesicherten Datenbanken erfasst, liefert Kriminellen Einkaufslisten. Jede gestohlene Jagdwaffe kann in einer Gewalttat enden. Das eigentliche Risiko liegt nicht nur in der IT, sondern in der schieren Menge an Schusswaffen, die für ein Hobby in Privatwohnungen lagern.
Auch in der Schweiz bewahren Hobby-Jäger ihre Waffen zu Hause auf. Wild beim Wild hat mehrfach über Gewalttaten mit legal besessenen Waffen berichtet, etwa über die tödliche Waffenkontrolle in Berngau und über den fehlenden Waffenabgleich beim Tätermonitoring. Die IG Wild beim Wild fordert deshalb eine psychologische Eignungsprüfung für Waffenbesitzer. Weitere Fälle stehen in der Rubrik Kriminalität & Jagd.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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