Bündner Hobby-Jäger posiert mit totem Reh: Über 500 Kommentare und Kritik der Wildhüter
Ein Erlegerbild auf Facebook löst eine Welle der Empörung aus. Der Schweizerische Wildhüterverband kritisiert das Posten, nicht das Töten.
«Die Lustjagd»
Ein Hobby-Jäger aus Graubünden hat auf Facebook ein Foto veröffentlicht, das ihn im Gras mit einem erschossenen Reh zeigt.
Das Gewehr liegt auf dem toten Tier, der Mann hebt den Daumen, dazu ein Jubelruf und ein Dank an die Jagdgöttin Diana.
Wie Nau.ch berichtet, hat der Beitrag über 500 Kommentare ausgelöst, viele davon empört, manche beleidigend.
Selbst die Wildhüter distanzieren sich
Bemerkenswert ist, wer sich zu Wort meldet. Der Schweizerische Wildhüterverband bezeichnet das Posten solcher Bilder gegenüber Nau.ch als sinnlos und schädlich für das Image der Hobby-Jagd. Die Begründung lautet: «Der Mensch ist dem Tier immer überlegen». Ein Sieg über ein Reh sei deshalb kein Triumph.
Die Kritik zielt allerdings nicht auf den Schuss, sondern auf dessen Sichtbarkeit. Das Problem ist aus Sicht des Verbands nicht, dass ein nichtmenschliches Tier getötet und zur Schau gestellt wurde, sondern dass die Öffentlichkeit es gesehen hat.
Verpönt und prämiert zugleich
Dieser Widerspruch ist in Graubünden nicht neu. Der Kantonale Patentjägerverband hat einen Jagd-Kodex angekündigt, der Zurückhaltung bei Jagdbildern verlangt. Gleichzeitig lässt der gebührenfinanzierte Sender RTR sein Publikum das «schönste» Erlegerbild küren. Was die Wildhüter für sinnlos halten, prämiert der Service public mit einem Wettbewerb.
RTR hält gegenüber Blick fest, Publikumsaktionen wie «La Preda» seien keine Befürwortung der Hobby-Jagd. Das Siegerbild 2025 zeigt trotzdem einen Hobby-Jäger neben dem Hirsch, den er erschossen hat.
Kommentar: Der erhobene Daumen
Beleidigungen in Kommentarspalten helfen niemandem, auch nicht den Rehen. Die Empörung selbst ist aber berechtigt. Wer ein Foto mit hochgerecktem Daumen über einem toten Reh kritisiert, hat sich nicht vom Tod entfremdet, wie es die Hobby-Jäger-Verbände gern darstellen. Er benennt die Freude am Töten.
Ein Polizist, der mit einem erschossenen Menschen posiert und den Daumen hebt, würde unehrenhaft entlassen. Ein Soldat, der mit seinen Opfern für ein Siegerfoto posiert, ebenso. Nur bei der Hobby-Jagd gilt das Posieren mit dem getöteten Opfer als Tradition, bestenfalls als Imageproblem.
Erlegerbilder sind keine Ausrutscher Einzelner. Sie zeigen, wie ein Teil der Hobby-Jäger das Töten öffentlich inszeniert: als Stolz, Freude und Triumph. Die Psychologie hinter der Hobby-Jagd ist deshalb kein Randthema, sondern der Kern der Debatte. Wenn selbst die Wildhüter das Bild peinlich finden, sollte die Frage nicht lauten, wie man solche Fotos versteckt, sondern warum der Moment des Tötens überhaupt Anlass zum Jubeln ist.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Psychologie der Hobby-Jagd ordnen wir Forschung, Motive und gesellschaftliche Folgen ein. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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