Treibjagd bei Johanniskreuz: Hobby-Jäger tot auf Hochsitz gefunden
Bei derselben Jagd im Pfälzerwald verletzt ein Wildschwein einen 29-Jährigen schwer. Wie es zur Schussverletzung des 48-Jährigen kam, ist offen.
Symbolbild. Foto: Tobias Doering / Unsplash
«Treibjagd»
Nach einer Treibjagd bei Johanniskreuz (Gemeinde Trippstadt, Landkreis Kaiserslautern) ist am Dienstag, 3. November 2026, ein 48-jähriger Hobby-Jäger mit einer Schussverletzung tot auf einem Hochsitz gefunden worden.
Die Polizei hat mehrere Schusswaffen sichergestellt und ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Bei derselben Jagd wurde ein 29-jähriger Hobby-Jäger von einem Wildschwein schwer verletzt.
Was die Polizei bisher sagt
Kurz nach 11 Uhr ging bei der Polizei der Hinweis ein: Zeugen hatten den Mann regungslos auf einem Hochsitz entdeckt. Helfer begannen mit der Wiederbelebung und führten sie fort, bis der Rettungsdienst eintraf. Für den 48-Jährigen kam jede Hilfe zu spät. «Bei dem Verstorbenen wurde eine Schussverletzung festgestellt», heisst es in der Mitteilung des Polizeipräsidiums Westpfalz.
Die Umstände seien derzeit noch unklar, die Ermittler prüften verschiedene Geschehensabläufe. Die Polizei hat die Personalien von Jagdbeteiligten aufgenommen und mehrere Schusswaffen sichergestellt. Betroffene Teilnehmende wurden von der psychosozialen Notfallversorgung betreut, wie auch nachrichten-kl.de und der Wochenblatt Reporter berichten. Der SWR spricht von einer Drückjagd. Wer den Schuss abgegeben hat und aus welcher Richtung er kam, ist nicht bekannt. Bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.
Zweiter Verletzter: Angriff durch ein Wildschwein
Während derselben Jagd wurde ein 29-jähriger Hobby-Jäger von einem Wildschwein schwer verletzt und im Krankenhaus behandelt. Nach derzeitigem Ermittlungsstand spricht laut Polizei nichts dafür, dass die beiden Ereignisse zusammenhängen.
Bei Treib- und Drückjagden werden Wildschweine gezielt aus ihren Einständen getrieben und vor die Schützen gebracht. Tiere, die in die Enge geraten oder verletzt sind, wehren sich. Dass Hobby-Jäger dabei selbst zu Schaden kommen, ist eine bekannte Folge dieser Jagdform, die Wild beim Wild im Dossier Treibjagd beschreibt.
Rheinland-Pfalz: Zweiter Hobby-Jäger seit August mit Schussverletzung auf dem Hochsitz
Der Fall erinnert an Dürrholz im Westerwald, ebenfalls in Rheinland-Pfalz: Dort traf in der Nacht auf den 30. August ein 58-jähriger Jagdpächter einen 50-jährigen Kollegen auf dem Hochsitz tödlich. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, wie Wild beim Wild in «Wieder tödlicher Jagdunfall: Hobby-Jäger auf Hochsitz erschossen» berichtet hat. Auch in Südfrankreich sind in dieser Saison innerhalb von zehn Tagen zwei Menschen bei Wildschweinjagden erschossen worden.
Bei Gesellschaftsjagden stehen viele bewaffnete Menschen gleichzeitig im Wald, das Wild ist in Bewegung, die Sicht oft eingeschränkt. Ein Hochsitz schützt nur, wenn Schussrichtungen und Standplätze konsequent geplant und eingehalten werden. Welche Risiken solche Jagden auch für Unbeteiligte bergen, dokumentiert der Beitrag «Risiko Wald».
Was jetzt geklärt werden muss
Die Ermittlungen müssen zeigen, aus welcher Waffe der Schuss stammt, von welchem Standplatz er abgegeben wurde und ob die Sicherheitsregeln der Jagdleitung eingehalten wurden. Offen ist auch, wer die Jagd organisiert hat und wie viele Personen beteiligt waren. Wild beim Wild wird über neue Erkenntnisse berichten.
Wie unterschiedlich solche Tode öffentlich bewertet werden, zeigt der Beitrag «Hobby-Jäger sterben: Trauer. Jogger sterben: Selbst schuld». Weitere Fälle finden sich im Dossier Jagdunfälle und in der Rubrik Kriminalität & Jagd.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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