2. September 2026, 08:22

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Jagd

Wieder tödlicher Jagdunfall: Hobby-Jäger auf Hochsitz erschossen

Ein 58-jähriger Jagdpächter traf gegen 00.25 Uhr einen 50-jährigen Kollegen auf dem Hochsitz. Beide erfahren, eine Wärmebildkamera vor Ort, und trotzdem ein Toter: Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

Redaktion Wild beim Wild — 2. September 2026
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«Die geraubte Nacht»

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Im Westerwald ist ein Hobby-Jäger bei einer nächtlichen Jagd ums Leben gekommen.

In der Nacht auf den 30. August, gegen 00.25 Uhr, gab ein 58-jähriger Jagdpächter in einem Maisfeld bei Dürrholz im Landkreis Neuwied einen Schuss ab. Getroffen wurde ein 50-jähriger Kollege, der auf einem rund drei Meter hohen Hochsitz sass. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Die Staatsanwaltschaft Koblenz bestätigte den Vorfall und ermittelt gegen den Schützen wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung.

Beide Männer gelten als erfahrene Hobby-Jäger. Nach bisherigem Kenntnisstand befand sich eine Wärmebildkamera am Ort des Geschehens. Ob das Gerät im Moment der Schussabgabe genutzt wurde, ist offen und Teil der Ermittlungen. Der nächtliche Einsatz im Maisfeld deutet auf eine Jagd auf Schwarzwild hin, wie sie in der warmen Jahreszeit vielerorts stattfindet.

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Das «Sicherheits»-Versprechen der Technik

Genau hier liegt das Problem, das die Hobby-Jagd nicht wegargumentieren kann. Wärmebildtechnik wird der Öffentlichkeit als Garant für die «sichere Ansprache» verkauft, als Instrument, das Verwechslungen ausschliesst und Unfälle verhindert. Die Realität sieht anders aus. Wie unser Dossier zur Nachtjagd und Hightech-Jagd zeigt, verlagert diese Technik das Töten in die Dunkelheit und entzieht es jeder Kontrolle in Echtzeit. Wildhüter sind dünn gesät, die Reviere gross, und die Nacht schützt vor allem die Schützen. In dieser Nacht hat die Hightech einen Menschen nicht geschützt.

Bemerkenswert ist die Konstellation. Das Opfer wurde nicht als vermeintliches Wildschwein im Feld verwechselt, sondern auf einem erhöhten Hochsitz getroffen, an einem festen und bekannten Standort. Zwei erfahrene Hobby-Jäger, moderne Ausrüstung, ein toter Mensch: Das gängige Argument, Übung und Technik würden solche Fälle verhindern, hält der Wirklichkeit nicht stand.

Kein Einzelfall

Der Fall reiht sich in eine lange Kette ein. In Deutschland häufen sich Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen. Erst im August 2025 erschoss ein polnischer Hobby-Jäger seinen Nachbarn, den er nachts im Maisfeld für ein Wildschwein hielt. Im Januar 2026 traf ein junger Hobby-Jäger in Ostwestfalen einen Kollegen auf dem benachbarten Hochsitz tödlich. Auch in der Schweiz enden Hobby-Jagden immer wieder mit Toten und Schwerverletzten. Getroffen werden längst nicht nur Hobby-Jäger, sondern auch Treiber, Angehörige, Spaziergängerinnen, Radfahrer und Kinder.

Jeder dieser Vorfälle wird für sich als «tragischer Einzelfall» eingeordnet. In der Summe ergibt sich ein anderes Bild: Die Hobby-Jagd ist eine Freizeitbeschäftigung mit Schusswaffen im öffentlichen Raum, und sie fordert regelmässig Menschenleben. Wildtiere sind keine Zielscheiben. Und die Sicherheit von Mensch und Tier lässt sich am zuverlässigsten dadurch gewährleisten, dass gar nicht erst geschossen wird.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier umfassende Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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