Hobby-Jäger verwechselt Nachbarn mit Wildschwein
Im Osten Polens ist es zu einem tragischen Jagdunfall gekommen: Ein 60-jähriger Mann wurde vor seinem eigenen Haus erschossen, nachdem ihn ein Hobby-Jäger irrtümlich für ein Wildschwein hielt.
Laut Angaben der Staatsanwaltschaft in Lublin war das Opfer in der Nacht von Samstag auf Sonntag, dem 16.8.2025, aus dem Haus gegangen.
Er wurde nachts wach, als er ein Auto auf der Strasse vorbeifahren hörte. Daraufhin verliess er sein Grundstück und blieb am Tor stehen.
Gleichzeitig waren drei Hobby-Jäger zwischen 22 und 23 Uhr in der Nähe auf der Pirsch. Einer von ihnen feuerte einen Schuss ab, im Glauben, er ziele auf ein Wildschwein im Maisfeld. Die Kugel traf den Mann in die Brust – er starb noch am Tatort in der Gemeinde Michów.
Der Schütze alarmierte sofort die Rettungskräfte, doch für den 60-Jährigen kam jede Hilfe zu spät. Der Hobby-Jäger sowie seine beiden Begleiter wurden zunächst festgenommen, später jedoch bis auf den Schützen wieder freigelassen.
Dass ein Mensch mit einem Wildschwein verwechselt wird, ist kein bedauerlicher Einzelfall, sondern ein Symptom für die Risiken, die mit der Hobby-Jagd verbunden sind. Immer wieder kommt es zu Unfällen, bei denen nicht Tiere, sondern Menschen getroffen werden – Spaziergänger, Radfahrer, Anwohner, erinnert die IG Wild beim Wild.
Die Realität zeigt, dass die Hobby-Jagd nicht nur Tierleid erzeugt, sondern auch Menschenleben gefährdet. Eine wachsende Zahl von Studien belegt zudem, dass natürliche Regulation durch Beutegreifer und Lebensraumgestaltung wirksamer und nachhaltiger wäre als Schüsse im Wald. Die IG Wild beim Wild fordert die Abschaffung der Hobby-Jagd.
Der tragische Tod des Mannes in Polen ist ein Mahnmal: Die Hobby-Jagd ist keine harmlose Freizeitbeschäftigung. Sie birgt Risiken, die weit über den Wald hinausreichen. Statt die Hobby-Jagd weiterhin als kulturelles Erbe zu verklären, braucht es eine offene Debatte über Alternativen, strengere Kontrollen und die Frage, ob die Hobby-Jagd in ihrer heutigen Form überhaupt noch zeitgemäss ist.
Besonders brisant wird der Fall dadurch, dass der Schütze offenbar der Sohn eines Fleischindustrie-Tycoons ist. Kritiker vermuten, dass soziale Stellung und familiäre Verbindungen Einfluss auf die juristische Behandlung haben könnten. Derartige Verflechtungen zwischen Jagdverbänden, Politik und Wirtschaft untergraben das Vertrauen in eine unabhängige Aufarbeitung solcher Tragödien.
Der 40-jährige Sławomir A. wurde wegen Mordes im Kontext des Todes eines 60-jährigen Mannes im Dorf angeklagt. Auf Mord stehen zehn Jahre bis lebenslängliche Freiheitsstrafe.
Die Ermittler führen Ermittlungen durch, um alle Umstände des Vorfalls zu klären und unter anderem Unterlagen zu sichern, um zu überprüfen, ob die Hobby-Jäger über die entsprechenden Genehmigungen verfügten.
Die Jagd erfordert höchste Konzentration und Verantwortungsbewusstsein. Doch die Realität zeigt: Dunkelheit, schlechte Sichtverhältnisse und das Drängen, Wildtiere zu erlegen, führen regelmässig zu Fehleinschätzungen. Dass ein Hobby-Jäger in unmittelbarer Nähe zu einem Wohnhaus einen Schuss abgibt, wirft Fragen nach den Kontrollmechanismen und Sicherheitsstandards auf.
Reaktion des Jagdverbandes
Der Vorfall rief auch den Polnischen Jagdverband auf den Plan. Verbandspräsident Marcin Możdżonek erklärte auf der Plattform X, dass strafrechtlich verurteilte Mitglieder zusätzlich mit disziplinarischen Massnahmen rechnen müssten.
Nach Angaben des Verbandes gibt es in Polen 132’852 registrierte Hobby-Jäger und etwa 2’800 Jagdvereine.
Der Fall hat in Polen eine breite Diskussion über Sicherheitsregeln bei der Jagd ausgelöst – und wirft einmal mehr die Frage auf, wie sich tragische Verwechslungen zwischen Mensch und Wildtier verhindern lassen.
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