Delaware: 74-jähriger Hobby-Jäger erschiesst Frau, die er für einen Hirsch hielt
Eine 39-Jährige überquert mit einem Mann und zwei Kindern ein Feld bei Ellendale. Ein 74-jähriger Hobby-Jäger schiesst aus seinem Ansitz, weil er nach Angaben der Polizei einen Hirsch gesehen zu haben glaubte. Die Frau stirbt im Spital.
«Der Salzstein»
Im US-Bundesstaat Delaware hat ein 74-jähriger Hobby-Jäger eine 39-jährige Frau erschossen, weil er sie nach Angaben der Polizei für einen Hirsch hielt.
Der tödliche Schuss fiel am Freitag, 18. September 2026, gegen 19.40 Uhr auf einem offenen Feld bei Ellendale im Sussex County.
Das Opfer, Santos Maria Chilel Soto aus Georgetown, war zu Fuss mit einem Mann und zwei Kindern über das Feld unterwegs. Zur selben Zeit war Walter Moorhead aus Salisbury im benachbarten Bundesstaat Maryland auf der Hobby-Jagd auf Hirsche. Er sass laut Delaware State Police in einem bodennahen, getarnten Ansitz («ground blind»), sah eine Bewegung und feuerte mit seinem Gewehr, weil er einen Hirsch zu sehen glaubte. Der Schuss traf die 39‑Jährige. Einsatzkräfte versorgten sie noch am Tatort, im Spital wurde sie kurz darauf für tot erklärt.
Anklage nach tödlichem Schuss
Moorhead wurde noch am Tatort festgenommen. Die Ermittler der Mordkommission gehen davon aus, dass er den tödlichen Schuss abgab. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung («manslaughter»), Waffenbesitz während der Begehung eines Verbrechens sowie dreifache rücksichtslose Gefährdung ersten Grades vor. Nach der Vorführung vor dem Friedensgericht kam er gegen eine Barkaution von 43’000 US-Dollar wieder frei.
Kein Naturereignis
Der Fall zeigt die tödliche Folge einer Missachtung der elementarsten Sicherheitsregel im Umgang mit Schusswaffen: Wer schiesst, muss sein Ziel zweifelsfrei erkennen. Ein Mensch, der mit zwei Kindern und einem weiteren Erwachsenen ein offenes Feld überquert, darf nicht wegen eines Umrisses oder einer Bewegung zum Ziel eines Gewehrschusses werden. Dass der Schütze einen Hirsch gesehen haben will, erklärt den Tod von Santos Maria Chilel Soto nicht, es benennt den Fehler: Es wurde geschossen, bevor das Ziel sicher identifiziert war.
Auch in der Schweiz sind Menschen im Umfeld der Hobby-Jagd gefährdet. Die offizielle Statistik zählt rund 300 anerkannte Jagdunfälle pro Jahr. Rein rechnerisch verunfallt alle 29 Stunden jemand. Eine vollständige, unabhängige Übersicht über sämtliche Toten und Verletzten durch Hobby-Jägerwaffen fehlt bis heute. Die IG Wild beim Wild fordert deshalb seit Jahren eine Altersobergrenze für die Hobby-Jagd sowie verpflichtende medizinisch-psychologische Eignungsprüfungen nach niederländischem Vorbild.
Für Santos Maria Chilel Soto und ihre Angehörigen bleibt ein Spaziergang über ein Feld untrennbar mit einem tödlichen Schuss verbunden. Der Fall aus Delaware reiht sich in jene Ereignisse ein, bei denen ein Mensch durch eine Waffe stirbt, die für eine blosse Freizeitbeschäftigung geführt wurde.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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