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Jagdstatistik 2000 bis 2025: Halb so viele Füchse getötet, Hirschbestand wächst weiter

Die Eidgenössische Jagdstatistik zeigt seit 2000 halb so viele getötete Füchse, mehr Abschüsse bei Hirsch und Wildschwein und einen wachsenden Hirschbestand.

Redaktion Wild beim Wild · 21. Oktober 2026
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Mehr Schuss, mehr Tier

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Vor 25 Jahren erlegten Hobby-Jäger in der Schweiz über 39’000 Füchse pro Jahr, heute sind es noch rund 19’000. Bei den Vögeln ist der Rückgang noch grösser. Gleichzeitig wachsen die Hirschbestände, obwohl heute fast doppelt so viele Rothirsche erlegt werden wie im Jahr 2000. Die Auswertung der Eidgenössischen Jagdstatistik über ein Vierteljahrhundert zeigt, wo die Hobby-Jagd nachgelassen hat, wo sie zugelegt hat und wo sie ihr eigenes Versprechen nicht einlöst.

Wir vergleichen die Jahre 2000 und 2025. «Getötet» meint die Summe aus «Abschuss» (ordentliche Hobby-Jagd) und «Spezialabschuss» (Einsätze ausserhalb der ordentlichen Jagd, in der Regel durch die Wildhut). Die Zahlen einzelner Jahre haben wir in unseren Jahrgangsdossiers zur Jagdstatistik Schweiz ausgewertet.

Ein Viertel weniger getötete Wildtiere

Im Jahr 2000 wurden in der Schweiz 179’340 Wildtiere getötet, 2025 waren es 133’508. Das sind rund 26 % weniger. Der Rückgang betrifft die ordentliche Hobby-Jagd: Die Kategorie «Abschuss» sank von 174’361 auf 124’601 Tiere (−29 %). Die Spezialabschüsse stiegen dagegen von 4’979 auf 8’907 (+79 %).

Liniendiagramm 2000 bis 2025, getötete Tiere pro Jahr: Reh von 42'615 auf 42'789, Vögel von 48'862 auf 22'178, Fuchs von 42'221 auf 20'938, Rothirsch von 7'036 auf 13'885, Wildschwein von 4'160 auf 10'934, Gämse von 16'625 auf 9'305
Quelle: Eidgenössische Jagdstatistik (BAFU). Grafik: Wild beim Wild

Fuchs: halbiert

Den Höchststand erreichte die Fuchsjagd 1998 mit 44’155 getöteten Füchsen. Im Jahr 2000 waren es 42’221, im Jahr 2025 noch 20’938. Der reine Abschuss durch Hobby-Jäger sank von 39’208 auf 19’208, also um 51 %. Der Tiefpunkt lag 2022 bei 16’922 Füchsen.

Am stärksten ging die Fuchsjagd in diesen Kantonen zurück:

  • Bern: von 7’975 auf 2’355 getötete Füchse (−70 %)
  • Waadt: von 3’514 auf 478 (−86 %)
  • Freiburg: von 2’682 auf 1’004 (−63 %)
  • Jura: von 1’830 auf 427 (−77 %)
  • Tessin: von 609 auf 76

Deutlich geringer fiel der Rückgang in Graubünden (2’725 auf 2’027, −26 %) und im Wallis (1’865 auf 1’556, −17 %) aus. In Luzern blieb die Zahl fast gleich (2’696 auf 2’582).

Aufschlussreich ist das Fallwild, also tot aufgefundene Füchse, meist Verkehrsopfer. Es ist nicht gesunken, sondern leicht gestiegen: von 10’686 im Jahr 2000 auf 11’922 im Jahr 2025, mit einem Höchstwert von 13’793 im Jahr 2021. Das Fallwild hängt auch vom Verkehr ab und ist kein Bestandeszähler. Aber es zeigt: Die Füchse sind nicht verschwunden. Und einen Beleg dafür, dass die früheren hohen Abschusszahlen nötig waren, liefert die Statistik nicht. Mehr zur Rolle des Fuchses erklären wir in den Dossiers «Der Fuchs in der Schweiz» und «Selbstregulation von Wildpopulationen».

Vögel: mehr als halbiert

Im Jahr 2000 wurden 48’862 Vögel getötet, 2025 noch 22’178. Das sind 55 % weniger. Der Rückgang zieht sich durch fast alle Arten:

  • Eichelhäher: von 8’895 auf 1’007 (−89 %)
  • Rabenkrähe: von 13’643 auf 6’537
  • Elster: von 3’262 auf 643
  • Haustaube: von 7’612 auf 4’409
  • Stockente: von 6’749 auf 3’792
  • Fasan: von 155 auf 2

Den grössten Anteil am Rückgang hat der Kanton Bern: Dort sank die Zahl der getöteten Vögel von 13’559 auf 1’723. In Zürich halbierte sie sich von 8’159 auf 4’189, im Tessin von 3’700 auf 1’862.

Trotzdem erlegen Hobby-Jäger in der Schweiz jedes Jahr noch immer über 19’000 Vögel, darunter rund 1’000 Eichelhäher. Dazu kommen rund 2’500 Vögel aus Spezialabschüssen. Wozu, zeigen die Dossiers «Der Eichelhäher in der Schweiz», «Rabenvögel in der Schweiz» und «Wasservögel in der Schweiz».

Huftiere: Mehr Abschüsse, trotzdem mehr Hirsche

Bei den Huftieren läuft die Entwicklung in die Gegenrichtung. Beim Rothirsch hat sich die Zahl der getöteten Tiere fast verdoppelt, von 7’036 auf 13’885. Der Bestand wuchs trotzdem stetig weiter, laut den kantonalen Bestandesangaben in der Jagdstatistik von 23’332 Rothirschen im Jahr 2000 über 28’784 (2010) und 38’570 (2020) auf 39’186 im Jahr 2025. Das ist ein Plus von 68 %.

Beim Reh wurden 2025 mit 42’789 Tieren gleich viele getötet wie im Jahr 2000 (42’615). Der ausgewiesene Bestand stieg in dieser Zeit von 128’133 auf 135’600. Beim Wildschwein stieg die Zahl der getöteten Tiere von 4’160 auf 10’934, also auf mehr als das Zweieinhalbfache. Statt Bestandeszahlen erfasst die Statistik beim Wildschwein die Schäden. Diese schwanken seit 2016 zwischen 2,7 und 4,3 Millionen Franken pro Jahr, 2025 waren es 4,1 Millionen. Einen Rückgang zeigen die Zahlen nicht, obwohl heute weit mehr Wildschweine getötet werden als im Jahr 2000.

Bei der Gämse ging die Zahl der getöteten Tiere von 16’625 auf 9’305 zurück (−44 %), der ausgewiesene Bestand blieb mit rund 90’000 Tieren praktisch gleich.

Beim Rothirsch hat die Hobby-Jagd die Abschüsse seit 2000 also fast verdoppelt, ohne den Bestand in den Griff zu bekommen. Mehr dazu in den Dossiers «Der Rothirsch in der Schweiz» und «Das Wildschwein in der Schweiz».

Weitere Arten

  • Feldhase: von 2’584 auf 1’343 getötete Tiere. Der Feldhase gilt auf der Roten Liste als verletzlich.
  • Murmeltier: von 7’720 auf 5’833
  • Alpenschneehuhn: von 458 auf 223. Die Art gilt als potenziell gefährdet.
  • Birkhahn: von 508 auf 292. Das Birkhuhn gilt als potenziell gefährdet.

Beim Dachs stieg die Zahl der getöteten Tiere dagegen von 2’693 auf 4’049 (+50 %).

13 % weniger Hobby-Jäger, 26 % mehr Wildhüter

Die Zahl der getöteten Füchse und Vögel ist viel stärker gesunken als die Zahl der Hobby-Jäger. Die Zahl der Jagdausübenden sank von 33’593 im Jahr 2000 auf 29’328 im Jahr 2025, also um 13 %. Bei der Niederjagd, zu der die Fuchs- und Vogeljagd gehört, blieb die Zahl fast unverändert: 9’473 im Jahr 2000, 9’206 im Jahr 2025 (−3 %). Bei der Hochjagd waren es 15’112 und 14’678 (−3 %).

Die Statistik weist Frauen erst seit 2014 gesondert aus. Seither stieg ihre Zahl von 355 auf 1’463.

Die Zahl der vollamtlichen Wildhüterinnen und Wildhüter wuchs von 172 auf 216 (+26 %). Auf eine Wildhüterin oder einen Wildhüter kommen damit rund 136 Jagdausübende. Die Zahl der Jagdaufseher blieb mit 1’499 und 1’455 fast gleich.

Die Zahlen zu den Jagdausübenden addieren die Angaben der Kantone. Wer in mehreren Kantonen jagt, kann mehrfach gezählt sein.

Was die Statistik nicht sagt

Ursachen erfasst die Jagdstatistik nicht. Ob weniger Füchse geschossen werden, weil sich das Jagdverhalten geändert hat, weil Kantone ihre Vorschriften angepasst haben oder aus anderen Gründen, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen.

Wir wählen das Jahr 2000 als Ausgangspunkt für einen Vergleich über ein Vierteljahrhundert. Frühere Jahre sind bei den Vögeln nur eingeschränkt vergleichbar, weil die Statistik sie bis 1991 nur gesammelt erfasst hat, etwa unter «Wildente» statt nach Arten.

Einordnung: Wo die Hobby-Jagd versagt

Die Zahlen widerlegen zwei Kernbehauptungen der Hobby-Jäger zugleich.

Erstens die Behauptung, ohne intensive Fuchs- und Vogeljagd gerate die Natur aus dem Gleichgewicht. Die Fuchsjagd hat sich halbiert, die Vogeljagd mehr als halbiert. Einen Hinweis, dass deshalb die Natur aus dem Gleichgewicht geraten wäre, liefert die Statistik nicht. Die Hobby-Jäger, die das seit Jahrzehnten behaupten, sind den Beweis schuldig geblieben.

Zweitens die Behauptung, die Hobby-Jagd reguliere die Huftiere. Heute werden fast doppelt so viele Rothirsche geschossen wie im Jahr 2000, und der Bestand wächst trotzdem weiter. Bei den Huftieren versagt die Hobby-Jagd vollständig. Die Folgen trägt der Wald: Laut Waldbericht 2025 liegt auf 30 % der Schutzwaldfläche der Verjüngungsdeckungsgrad unter 5 %. Als Ursachen nennt der Bericht Lichtmangel und hohen Wildverbiss, wie wir im Dossier «Wald-Wild-Konflikt» zeigen. Wo der Wolf lebt, sieht das anders aus: Im Kerngebiet des Calanda-Rudels ging der Verbiss an Tanne, Ahorn und Vogelbeere deutlich zurück. Zum Erhalt des Schutzwaldes braucht es den Wolf, nicht noch mehr Abschüsse. Warum das so ist, steht im Dossier «Wolf: ökologische Funktion und politische Realität».

Trotzdem lassen die Kantone mit dem Segen des Bundes Wölfe abschiessen, also ausgerechnet den Akteur, der bei den Huftieren nachweislich wirkt. Dass gleichzeitig die Spezialabschüsse und die Zahl der Wildhüter zunehmen, zeigt: Die professionelle Wildhut gewinnt an Gewicht. Der Kanton Genf zeigt seit 1974, dass es ohne Hobby-Jagd geht. Wie ein solches Modell funktioniert, beschreibt das Dossier «Das Wildhütermodell».

Die Jahrgänge im Detail: 2025, 2024, 2023, 2022, 2021.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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