21.10.2026, 09:37

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Jagdstatistik Schweiz 2024: Was die Zahlen des Bundes zeigen

Die Eidgenössische Jagdstatistik dokumentiert die gemeldeten Abschüsse und tot aufgefundenen Tiere zahlreicher wildlebender Säugetier- und Vogelarten in der Schweiz. Für 2024 weist sie 137’595 getötete Wildtiere aus, 4’711 mehr in der Kategorie «Abschuss» als im Vorjahr. Dieses Dossier gehört zur jährlichen Auswertung von Wild beim Wild; Methode, Hintergründe und Forderungen sind im Dossier zur Jagdstatistik 2025 ausführlich dargestellt.

Wer tiefer einsteigen will, findet in unserer Dossier-Übersicht die umfassendste Materialbasis.

Was dich hier erwartet

  • Die Bilanz: Getötete Wildtiere 2024 im Vergleich zu 2023.
  • Gefährdete Arten: Welche Arten der Roten Liste geschossen wurden.
  • Fuchs und Dachs: Die Unterschiede zwischen den Kantonen.
  • Genf: Fallwild und Wildschweinschäden im Kanton ohne Hobby-Jagd.
  • Vogeljagd: Krähen, Tauben, Enten und Eichelhäher.
  • Angeschossen und verendet: Tiere mit Schussverletzungen.
  • Geschützte Arten: Spezialabschüsse geschützter Arten.
  • Datenlücken: Was die Bundesstatistik nicht erklärt.
  • Was sich ändern müsste: Die wichtigsten Forderungen.
  • Argumentarium und Quicklinks: Antworten auf häufige Behauptungen, weiterführende Beiträge und die anderen Jahrgänge.

137’595 getötete Wildtiere: Die Bilanz 2024

2024 erfasste die Bundesstatistik 129’225 Wildtiere in der Kategorie «Abschuss» (2023: 124’514) und 8’370 als «Spezialabschuss» (2023: 8’354). Als Fallwild wurden 39’764 Tiere tot aufgefunden. Die ausgewiesene Zahl der Jagdausübenden lag bei 29’392.

ArtAbschuss 2024Spezialabschuss 2024Fallwild 2024Abschuss 2023
Reh42’40440615’50943’545
Rotfuchs19’7971’69012’79916’714
Rothirsch13’6272521’39813’208
Wildschwein11’5151’4518028’574
Gämse9’780831’38810’193
Murmeltier4’5931’300765’093
Dachs2’8877404’1952’997

Gefährdete Arten im Visier

ArtEinstufung CHGetötet 2024Wichtigste KantoneGetötet 2023
Waldschnepfeverletzlich (VU)2’120TI 1’864, VD 67, NE 651’157
Feldhaseverletzlich (VU)1’420GR 920, VS 384, AG 291’645
Schneehasepotenziell gefährdet (NT)828GR 644, VS 86, TI 58837
BirkhahnNT, national prioritär445VS 188, TI 166, GR 85350
AlpenschneehuhnNT, national prioritär282GR 203, VS 45, UR 34244
Krickenteverletzlich (VU)67FR 30, SG 24, TG 579
Reiherenteverletzlich (VU)65OW 18, BE 16, UR 1052
Tafelentestark gefährdet (EN)46AG 13, BE 11, TG 1121
HaubentaucherNT, national prioritär30OW 14, SG 10, NW 433
Schnatterenteverletzlich (VU)8TG 4, SG 2, AG 15
Löffelenteverletzlich (VU)3LU 2, TG 10

«Getötet» umfasst «Abschuss» und «Spezialabschuss». Bei der Waldschnepfe stammen 1’864 der 2’120 Abschüsse aus dem Tessin. Beim Feldhasen entfallen 920 von 1’420 auf Graubünden. Bei den Vögeln beziehen sich die Einstufungen auf die Schweizer Brutbestände; welcher Anteil der Abschüsse auf Zug- oder Wintergäste entfällt, lässt sich aus der Statistik nicht bestimmen. Hintergründe: Dossiers zur Waldschnepfe, zum Feldhasen, zum Schneehasen, zum Alpenschneehuhn und zu den Wasservögeln.

Fuchs und Dachs: Grosse Unterschiede zwischen den Kantonen

KantonFüchse AbschussSpezialabschussTotal pro 100 km²Fallwild
Bern2’49945949,63’542
Luzern2’23944152,9531
Graubünden2’01811330,0681
Aargau1’9860141,51’359
Appenzell A. Rh.38814165,4129
Genf000,0209
Tessin90786,069

Am meisten Füchse pro Fläche wurden in Appenzell A. Rh. getötet (165,4 pro 100 km²), rund 27-mal so viele wie im Tessin (6,0). Warum das Tessin kaum Füchse schiesst, erklärt das Dossier 2025. Beim Dachs wies Bern 1’187 Tiere als Fallwild aus, getötet wurden 437. Hintergründe: Fuchs-Dossier und Dachs-Dossier.

Genf: Ohne Hobby-Jagd seit 1974

In Genf wurden 2024 209 Füchse tot aufgefunden, 74,1 pro 100 km². Zum Vergleich: Aargau 96,8, Bern 59,4, Thurgau 71,7, Zürich 82,1. Fallwild hängt auch vom Verkehr ab; eine «Fuchsplage» in Genf belegen die ausgewiesenen Zahlen nicht.

An Wildschweinschäden meldete Genf 128’000 Franken, die Waadt 648’235 und der Aargau 615’674. Pro km² Kantonsfläche lag Genf mit 454 Franken auf Rang 2 von 19 Kantonen mit gemeldeten Schäden; an der Spitze stand Baselland mit 773 Franken. Die Vergleiche beschreiben gemeldete Zahlen und belegen für sich allein keine Wirkung der Jagd. Mehr: Genf und das Jagdverbot.

Vogeljagd: Krähen, Tauben, Enten und Eichelhäher

2024 wurden 22’982 Vögel jagdbarer Arten getötet (2023: 23’149).

ArtGetötet 2024Auffällige Kantone
Rabenkrähe7’024ZH 1’321, AG 1’127, BE 757
Stockente3’838BE 616, SG 499, VD 442
Haustaube3’798ZH 1’854, BS 280, LU 244
Waldschnepfe2’120TI 1’864, VD 67, NE 65
Kormoran1’755BE 223, SG 176, JU 159
Eichelhäher1’125TI 422, GR 212, VS 129
Ringeltaube962JU 194, BL 133, NE 123
Elster674BE 141, AG 67, GR 61

Beim Eichelhäher, einem nicht gefährdeten, aber für die Verbreitung von Baumsamen wichtigen Vogel, entfielen 422 Abschüsse auf das Tessin. Mehr in den Dossiers zum Eichelhäher, zu den Rabenvögeln und zu den Tauben.

Angeschossen und verendet

Als Todesursache «Schussverletzungen» weist die Statistik 2024 bei den ausgewerteten Säugetierarten 333 Tiere aus: Reh 124, Rotfuchs 87, Wildschwein 65, Rothirsch 29, Gämse 21, Dachs 7. Erfasst sind nur Tiere, die gefunden wurden.

Geschützte Arten im Spezialabschuss

2024 meldeten die Kantone Spezialabschüsse geschützter Arten, darunter 21 Höckerschwäne, 18 Biber, 13 Graureiher, 2 Graugänse, 1 Weisskopfmöwe. Für Wolf, Luchs und Bär liefert die öffentliche Abfrage keine Ergebnisse. Die Wolfsabschüsse dokumentiert der Wolfszähler.

Datenlücken: Was die Bundesstatistik nicht erklärt

Ob hinter einer Null eine fehlende Meldung steckt, lässt sich aus der Abfrage allein nicht sagen. Erklärungsbedürftig sind:

  • Wallis: Die Bundesstatistik weist für den Fuchs kein Fallwild aus, wie in allen Jahren seit 2016.
  • Baselland und Waadt: Keine Angabe zur Zahl der Jagdausübenden.
  • Tessin: Null getötete Feldhasen, davor 51 und danach 33.
  • Zürich: Null getötete Türkentauben (2023: 50).

Die Methode der Auswertung beschreibt das Dossier 2025.

Was sich ändern müsste

  • Keine Hobby-Jagd auf gefährdete Arten: Waldschnepfe, Feldhase, Schneehase, Birkhahn, Alpenschneehuhn und gefährdete Entenarten gehören von der Liste der jagdbaren Arten gestrichen.
  • Vollständige und einheitliche Meldungen: Alle Kantone müssen Abschuss, Spezialabschuss und Fallwild lückenlos melden und Lücken öffentlich erklären.
  • Professionelles Wildtiermanagement: Wo Eingriffe nötig sind, sollen ausgebildete Wildhüterinnen und Wildhüter sie ausführen. Die vollständigen Forderungen stehen im Dossier 2025.

Argumentarium

«Gefährdete Arten werden nur massvoll bejagt.» 2024 wurden 2’120 Waldschnepfen und 1’420 Feldhasen getötet, beide Arten gelten in der Schweiz als verletzlich.

«Ohne Fuchsjagd gäbe es eine Fuchsplage.» In Genf, wo seit 1974 nicht gejagt wird, wurden 2024 74,1 Füchse pro 100 km² tot aufgefunden. Im Aargau und in Zürich, wo jedes Jahr Hunderte bis Tausende Füchse geschossen werden, waren es mehr.

«Angeschossene Tiere sind Einzelfälle.» Allein die 2024 gefundenen Tiere mit Schussverletzungen summieren sich auf 333. Tiere, die unentdeckt verenden, fehlen in jeder Statistik.

Quicklinks

Jahrgänge der Jagdstatistik:

Verwandte Dossiers:

Quellenangaben

  • BAFU, Eidgenössische Jagdstatistik, Jahrgänge 2023 und 2024, abgefragt am 21.10.2026 (jagdstatistik.ch)
  • BAFU/info fauna: Rote Liste der Säugetiere, 2022 (bafu.admin.ch)
  • BAFU/Vogelwarte: Rote Liste der Brutvögel, 2021 (bafu.admin.ch)
  • Bundesamt für Statistik: Flächen der Kantone

Unser Anspruch

IG Wild beim Wild wertet die Eidgenössische Jagdstatistik jedes Jahr vollständig aus und stellt die Jahrgänge einander gegenüber. Hinter jeder Zahl steht ein nichtmenschliches Tier, das getötet, angeschossen oder überfahren wurde. Dieses Dossier wird ergänzt, wenn der Bund Zahlen für 2024 nachliefert oder korrigiert.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.