22.10.2026, 12:37

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Jagdstatistik Schweiz 2023: Was die Zahlen des Bundes zeigen

Die Eidgenössische Jagdstatistik dokumentiert die gemeldeten Abschüsse und tot aufgefundenen Tiere zahlreicher wildlebender Säugetier- und Vogelarten in der Schweiz. Für 2023 weist sie 132’868 getötete Wildtiere aus, 975 mehr in der Kategorie «Abschuss» als im Vorjahr. Dieses Dossier gehört zur jährlichen Auswertung von Wild beim Wild; Methode, Hintergründe und Forderungen sind im Dossier zur Jagdstatistik 2025 ausführlich dargestellt.

Wer tiefer einsteigen will, findet in unserer Dossier-Übersicht die umfassendste Materialbasis.

Was dich hier erwartet

  • Die Bilanz: Getötete Wildtiere 2023 im Vergleich zu 2022.
  • Gefährdete Arten: Welche Arten der Roten Liste geschossen wurden.
  • Fuchs und Dachs: Die Unterschiede zwischen den Kantonen.
  • Genf: Fallwild und Wildschweinschäden im Kanton ohne Hobby-Jagd.
  • Vogeljagd: Krähen, Tauben, Enten und Eichelhäher.
  • Angeschossen und verendet: Tiere mit Schussverletzungen.
  • Geschützte Arten: Spezialabschüsse geschützter Arten.
  • Datenlücken: Was die Bundesstatistik nicht erklärt.
  • Was sich ändern müsste: Die wichtigsten Forderungen.
  • Argumentarium und Quicklinks: Antworten auf häufige Behauptungen, weiterführende Beiträge und die anderen Jahrgänge.

132’868 getötete Wildtiere: Die Bilanz 2023

2023 erfasste die Bundesstatistik 124’514 Wildtiere in der Kategorie «Abschuss» (2022: 123’539) und 8’354 als «Spezialabschuss» (2022: 8’725). Als Fallwild wurden 40’316 Tiere tot aufgefunden. Die ausgewiesene Zahl der Jagdausübenden lag bei 30’590.

ArtAbschuss 2023Spezialabschuss 2023Fallwild 2023Abschuss 2022
Reh43’54539516’96642’722
Rotfuchs16’7141’57111’61315’478
Rothirsch13’2082681’88613’543
Wildschwein8’5741’4026057’974
Gämse10’193771’69110’216
Murmeltier5’093834613’826
Dachs2’9978574’0392’965

Gefährdete Arten im Visier

ArtEinstufung CHGetötet 2023Wichtigste KantoneGetötet 2022
Feldhaseverletzlich (VU)1’645GR 1’163, VS 316, TI 511’601
Waldschnepfeverletzlich (VU)1’157TI 913, NE 84, FR 671’805
Schneehasepotenziell gefährdet (NT)837GR 672, VS 77, TI 501’079
BirkhahnNT, national prioritär350VS 138, TI 130, GR 76434
AlpenschneehuhnNT, national prioritär244GR 168, VS 58, UR 18319
Krickenteverletzlich (VU)79FR 46, TG 16, SG 1576
Reiherenteverletzlich (VU)52OW 16, BE 10, ZG 1056
HaubentaucherNT, national prioritär33NW 15, SG 13, OW 536
Tafelentestark gefährdet (EN)21AG 9, BE 4, TG 417
Schnatterenteverletzlich (VU)5TG 511

«Getötet» umfasst «Abschuss» und «Spezialabschuss». Bei der Waldschnepfe stammen 913 der 1’157 Abschüsse aus dem Tessin. Beim Feldhasen entfallen 1’163 von 1’645 auf Graubünden. Bei den Vögeln beziehen sich die Einstufungen auf die Schweizer Brutbestände; welcher Anteil der Abschüsse auf Zug- oder Wintergäste entfällt, lässt sich aus der Statistik nicht bestimmen. Hintergründe: Dossiers zur Waldschnepfe, zum Feldhasen, zum Schneehasen, zum Alpenschneehuhn und zu den Wasservögeln.

Fuchs und Dachs: Grosse Unterschiede zwischen den Kantonen

KantonFüchse AbschussSpezialabschussTotal pro 100 km²Fallwild
Bern1’86231436,53’259
Luzern2’05444140,5514
Graubünden1’89311728,3591
Aargau1’7130122,01’237
Appenzell A. Rh.33910143,692
Genf093,2195
Tessin84815,980

Am meisten Füchse pro Fläche wurden in Appenzell A. Rh. getötet (143,6 pro 100 km²), rund 24-mal so viele wie im Tessin (5,9). Warum das Tessin kaum Füchse schiesst, erklärt das Dossier 2025. Beim Dachs wies Bern 1’063 Tiere als Fallwild aus, getötet wurden 484. Hintergründe: Fuchs-Dossier und Dachs-Dossier.

Genf: Ohne Hobby-Jagd seit 1974

In Genf wurden 2023 195 Füchse tot aufgefunden, 69,1 pro 100 km². Zum Vergleich: Aargau 88,1, Bern 54,7, Thurgau 70,6, Zürich 73,3. Fallwild hängt auch vom Verkehr ab; eine «Fuchsplage» in Genf belegen die ausgewiesenen Zahlen nicht.

An Wildschweinschäden meldete Genf 99’000 Franken, die Waadt 478’735 und der Aargau 386’283. Pro km² Kantonsfläche lag Genf mit 351 Franken an der Spitze der 17 Kantone mit gemeldeten Schäden. Die Vergleiche beschreiben gemeldete Zahlen und belegen für sich allein keine Wirkung der Jagd. Mehr: Genf und das Jagdverbot.

Vogeljagd: Krähen, Tauben, Enten und Eichelhäher

2023 wurden 23’149 Vögel jagdbarer Arten getötet (2022: 26’013).

ArtGetötet 2023Auffällige Kantone
Rabenkrähe7’916ZH 1’273, AG 1’192, BE 697
Haustaube4’656ZH 2’087, VD 650, AG 296
Stockente3’642BE 462, SG 441, FR 381
Kormoran1’608BE 188, ZH 181, SZ 153
Waldschnepfe1’157TI 913, NE 84, FR 67
Ringeltaube1’096SG 356, ZH 148, JU 140
Eichelhäher755GR 216, TI 206, VS 79
Elster643BE 119, GR 79, SZ 68

Beim Eichelhäher, einem nicht gefährdeten, aber für die Verbreitung von Baumsamen wichtigen Vogel, entfielen 216 Abschüsse auf Graubünden. Mehr in den Dossiers zum Eichelhäher, zu den Rabenvögeln und zu den Tauben.

Angeschossen und verendet

Als Todesursache «Schussverletzungen» weist die Statistik 2023 bei den ausgewerteten Säugetierarten 282 Tiere aus: Reh 132, Rotfuchs 57, Rothirsch 43, Wildschwein 30, Gämse 11, Dachs 8, Feldhase 1. Erfasst sind nur Tiere, die gefunden wurden.

Geschützte Arten im Spezialabschuss

2023 meldeten die Kantone Spezialabschüsse geschützter Arten, darunter 21 Graureiher, 18 Höckerschwäne, 14 Biber, 1 Graugans, 1 Gänsesäger. Für Wolf, Luchs und Bär liefert die öffentliche Abfrage keine Ergebnisse. Die Wolfsabschüsse dokumentiert der Wolfszähler.

Datenlücken: Was die Bundesstatistik nicht erklärt

Ob hinter einer Null eine fehlende Meldung steckt, lässt sich aus der Abfrage allein nicht sagen. Erklärungsbedürftig sind:

  • Wallis: Die Bundesstatistik weist für den Fuchs kein Fallwild aus, wie in allen Jahren seit 2016.
  • Waadt: Keine Angabe zur Zahl der Jagdausübenden.
  • Baselland und Jura: Null getötete Haustauben (2022: 51 und 42).
  • Schwyz: Null getötete Kolkraben (2022: 35).

Die Methode der Auswertung beschreibt das Dossier 2025.

Was sich ändern müsste

  • Keine Hobby-Jagd auf gefährdete Arten: Waldschnepfe, Feldhase, Schneehase, Birkhahn, Alpenschneehuhn und gefährdete Entenarten gehören von der Liste der jagdbaren Arten gestrichen.
  • Vollständige und einheitliche Meldungen: Alle Kantone müssen Abschuss, Spezialabschuss und Fallwild lückenlos melden und Lücken öffentlich erklären.
  • Professionelles Wildtiermanagement: Wo Eingriffe nötig sind, sollen ausgebildete Wildhüterinnen und Wildhüter sie ausführen. Die vollständigen Forderungen stehen im Dossier 2025.

Argumentarium

«Gefährdete Arten werden nur massvoll bejagt.» 2023 wurden 1’157 Waldschnepfen und 1’645 Feldhasen getötet, beide Arten gelten in der Schweiz als verletzlich.

«Ohne Fuchsjagd gäbe es eine Fuchsplage.» In Genf, wo seit 1974 nicht gejagt wird, wurden 2023 69,1 Füchse pro 100 km² tot aufgefunden. Im Aargau, im Thurgau und in Zürich, wo jedes Jahr Hunderte bis Tausende Füchse geschossen werden, waren es mehr.

«Angeschossene Tiere sind Einzelfälle.» Allein die 2023 gefundenen Tiere mit Schussverletzungen summieren sich auf 282. Tiere, die unentdeckt verenden, fehlen in jeder Statistik.

Quicklinks

Jahrgänge der Jagdstatistik:

Verwandte Dossiers:

Quellenangaben

  • BAFU, Eidgenössische Jagdstatistik, Jahrgänge 2022 und 2023, abgefragt am 21.10.2026 (jagdstatistik.ch)
  • BAFU/info fauna: Rote Liste der Säugetiere, 2022 (bafu.admin.ch)
  • BAFU/Vogelwarte: Rote Liste der Brutvögel, 2021 (bafu.admin.ch)
  • Bundesamt für Statistik: Flächen der Kantone

Unser Anspruch

IG Wild beim Wild wertet die Eidgenössische Jagdstatistik jedes Jahr vollständig aus und stellt die Jahrgänge einander gegenüber. Hinter jeder Zahl steht ein nichtmenschliches Tier, das getötet, angeschossen oder überfahren wurde. Dieses Dossier wird ergänzt, wenn der Bund Zahlen für 2023 nachliefert oder korrigiert.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.