Jagdstatistik Schweiz 2023: Was die Zahlen des Bundes zeigen
Die Eidgenössische Jagdstatistik dokumentiert die gemeldeten Abschüsse und tot aufgefundenen Tiere zahlreicher wildlebender Säugetier- und Vogelarten in der Schweiz. Für 2023 weist sie 132’868 getötete Wildtiere aus, 975 mehr in der Kategorie «Abschuss» als im Vorjahr. Dieses Dossier gehört zur jährlichen Auswertung von Wild beim Wild; Methode, Hintergründe und Forderungen sind im Dossier zur Jagdstatistik 2025 ausführlich dargestellt.
Wer tiefer einsteigen will, findet in unserer Dossier-Übersicht die umfassendste Materialbasis.
Was dich hier erwartet
- Die Bilanz: Getötete Wildtiere 2023 im Vergleich zu 2022.
- Gefährdete Arten: Welche Arten der Roten Liste geschossen wurden.
- Fuchs und Dachs: Die Unterschiede zwischen den Kantonen.
- Genf: Fallwild und Wildschweinschäden im Kanton ohne Hobby-Jagd.
- Vogeljagd: Krähen, Tauben, Enten und Eichelhäher.
- Angeschossen und verendet: Tiere mit Schussverletzungen.
- Geschützte Arten: Spezialabschüsse geschützter Arten.
- Datenlücken: Was die Bundesstatistik nicht erklärt.
- Was sich ändern müsste: Die wichtigsten Forderungen.
- Argumentarium und Quicklinks: Antworten auf häufige Behauptungen, weiterführende Beiträge und die anderen Jahrgänge.
132’868 getötete Wildtiere: Die Bilanz 2023
2023 erfasste die Bundesstatistik 124’514 Wildtiere in der Kategorie «Abschuss» (2022: 123’539) und 8’354 als «Spezialabschuss» (2022: 8’725). Als Fallwild wurden 40’316 Tiere tot aufgefunden. Die ausgewiesene Zahl der Jagdausübenden lag bei 30’590.
| Art | Abschuss 2023 | Spezialabschuss 2023 | Fallwild 2023 | Abschuss 2022 |
|---|---|---|---|---|
| Reh | 43’545 | 395 | 16’966 | 42’722 |
| Rotfuchs | 16’714 | 1’571 | 11’613 | 15’478 |
| Rothirsch | 13’208 | 268 | 1’886 | 13’543 |
| Wildschwein | 8’574 | 1’402 | 605 | 7’974 |
| Gämse | 10’193 | 77 | 1’691 | 10’216 |
| Murmeltier | 5’093 | 834 | 61 | 3’826 |
| Dachs | 2’997 | 857 | 4’039 | 2’965 |
Gefährdete Arten im Visier
| Art | Einstufung CH | Getötet 2023 | Wichtigste Kantone | Getötet 2022 |
|---|---|---|---|---|
| Feldhase | verletzlich (VU) | 1’645 | GR 1’163, VS 316, TI 51 | 1’601 |
| Waldschnepfe | verletzlich (VU) | 1’157 | TI 913, NE 84, FR 67 | 1’805 |
| Schneehase | potenziell gefährdet (NT) | 837 | GR 672, VS 77, TI 50 | 1’079 |
| Birkhahn | NT, national prioritär | 350 | VS 138, TI 130, GR 76 | 434 |
| Alpenschneehuhn | NT, national prioritär | 244 | GR 168, VS 58, UR 18 | 319 |
| Krickente | verletzlich (VU) | 79 | FR 46, TG 16, SG 15 | 76 |
| Reiherente | verletzlich (VU) | 52 | OW 16, BE 10, ZG 10 | 56 |
| Haubentaucher | NT, national prioritär | 33 | NW 15, SG 13, OW 5 | 36 |
| Tafelente | stark gefährdet (EN) | 21 | AG 9, BE 4, TG 4 | 17 |
| Schnatterente | verletzlich (VU) | 5 | TG 5 | 11 |
«Getötet» umfasst «Abschuss» und «Spezialabschuss». Bei der Waldschnepfe stammen 913 der 1’157 Abschüsse aus dem Tessin. Beim Feldhasen entfallen 1’163 von 1’645 auf Graubünden. Bei den Vögeln beziehen sich die Einstufungen auf die Schweizer Brutbestände; welcher Anteil der Abschüsse auf Zug- oder Wintergäste entfällt, lässt sich aus der Statistik nicht bestimmen. Hintergründe: Dossiers zur Waldschnepfe, zum Feldhasen, zum Schneehasen, zum Alpenschneehuhn und zu den Wasservögeln.
Fuchs und Dachs: Grosse Unterschiede zwischen den Kantonen
| Kanton | Füchse Abschuss | Spezialabschuss | Total pro 100 km² | Fallwild |
|---|---|---|---|---|
| Bern | 1’862 | 314 | 36,5 | 3’259 |
| Luzern | 2’054 | 44 | 140,5 | 514 |
| Graubünden | 1’893 | 117 | 28,3 | 591 |
| Aargau | 1’713 | 0 | 122,0 | 1’237 |
| Appenzell A. Rh. | 339 | 10 | 143,6 | 92 |
| Genf | 0 | 9 | 3,2 | 195 |
| Tessin | 84 | 81 | 5,9 | 80 |
Am meisten Füchse pro Fläche wurden in Appenzell A. Rh. getötet (143,6 pro 100 km²), rund 24-mal so viele wie im Tessin (5,9). Warum das Tessin kaum Füchse schiesst, erklärt das Dossier 2025. Beim Dachs wies Bern 1’063 Tiere als Fallwild aus, getötet wurden 484. Hintergründe: Fuchs-Dossier und Dachs-Dossier.
Genf: Ohne Hobby-Jagd seit 1974
In Genf wurden 2023 195 Füchse tot aufgefunden, 69,1 pro 100 km². Zum Vergleich: Aargau 88,1, Bern 54,7, Thurgau 70,6, Zürich 73,3. Fallwild hängt auch vom Verkehr ab; eine «Fuchsplage» in Genf belegen die ausgewiesenen Zahlen nicht.
An Wildschweinschäden meldete Genf 99’000 Franken, die Waadt 478’735 und der Aargau 386’283. Pro km² Kantonsfläche lag Genf mit 351 Franken an der Spitze der 17 Kantone mit gemeldeten Schäden. Die Vergleiche beschreiben gemeldete Zahlen und belegen für sich allein keine Wirkung der Jagd. Mehr: Genf und das Jagdverbot.
Vogeljagd: Krähen, Tauben, Enten und Eichelhäher
2023 wurden 23’149 Vögel jagdbarer Arten getötet (2022: 26’013).
| Art | Getötet 2023 | Auffällige Kantone |
|---|---|---|
| Rabenkrähe | 7’916 | ZH 1’273, AG 1’192, BE 697 |
| Haustaube | 4’656 | ZH 2’087, VD 650, AG 296 |
| Stockente | 3’642 | BE 462, SG 441, FR 381 |
| Kormoran | 1’608 | BE 188, ZH 181, SZ 153 |
| Waldschnepfe | 1’157 | TI 913, NE 84, FR 67 |
| Ringeltaube | 1’096 | SG 356, ZH 148, JU 140 |
| Eichelhäher | 755 | GR 216, TI 206, VS 79 |
| Elster | 643 | BE 119, GR 79, SZ 68 |
Beim Eichelhäher, einem nicht gefährdeten, aber für die Verbreitung von Baumsamen wichtigen Vogel, entfielen 216 Abschüsse auf Graubünden. Mehr in den Dossiers zum Eichelhäher, zu den Rabenvögeln und zu den Tauben.
Angeschossen und verendet
Als Todesursache «Schussverletzungen» weist die Statistik 2023 bei den ausgewerteten Säugetierarten 282 Tiere aus: Reh 132, Rotfuchs 57, Rothirsch 43, Wildschwein 30, Gämse 11, Dachs 8, Feldhase 1. Erfasst sind nur Tiere, die gefunden wurden.
Geschützte Arten im Spezialabschuss
2023 meldeten die Kantone Spezialabschüsse geschützter Arten, darunter 21 Graureiher, 18 Höckerschwäne, 14 Biber, 1 Graugans, 1 Gänsesäger. Für Wolf, Luchs und Bär liefert die öffentliche Abfrage keine Ergebnisse. Die Wolfsabschüsse dokumentiert der Wolfszähler.
Datenlücken: Was die Bundesstatistik nicht erklärt
Ob hinter einer Null eine fehlende Meldung steckt, lässt sich aus der Abfrage allein nicht sagen. Erklärungsbedürftig sind:
- Wallis: Die Bundesstatistik weist für den Fuchs kein Fallwild aus, wie in allen Jahren seit 2016.
- Waadt: Keine Angabe zur Zahl der Jagdausübenden.
- Baselland und Jura: Null getötete Haustauben (2022: 51 und 42).
- Schwyz: Null getötete Kolkraben (2022: 35).
Die Methode der Auswertung beschreibt das Dossier 2025.
Was sich ändern müsste
- Keine Hobby-Jagd auf gefährdete Arten: Waldschnepfe, Feldhase, Schneehase, Birkhahn, Alpenschneehuhn und gefährdete Entenarten gehören von der Liste der jagdbaren Arten gestrichen.
- Vollständige und einheitliche Meldungen: Alle Kantone müssen Abschuss, Spezialabschuss und Fallwild lückenlos melden und Lücken öffentlich erklären.
- Professionelles Wildtiermanagement: Wo Eingriffe nötig sind, sollen ausgebildete Wildhüterinnen und Wildhüter sie ausführen. Die vollständigen Forderungen stehen im Dossier 2025.
Argumentarium
«Gefährdete Arten werden nur massvoll bejagt.» 2023 wurden 1’157 Waldschnepfen und 1’645 Feldhasen getötet, beide Arten gelten in der Schweiz als verletzlich.
«Ohne Fuchsjagd gäbe es eine Fuchsplage.» In Genf, wo seit 1974 nicht gejagt wird, wurden 2023 69,1 Füchse pro 100 km² tot aufgefunden. Im Aargau, im Thurgau und in Zürich, wo jedes Jahr Hunderte bis Tausende Füchse geschossen werden, waren es mehr.
«Angeschossene Tiere sind Einzelfälle.» Allein die 2023 gefundenen Tiere mit Schussverletzungen summieren sich auf 282. Tiere, die unentdeckt verenden, fehlen in jeder Statistik.
Quicklinks
Jahrgänge der Jagdstatistik:
- Jagdstatistik Schweiz 2025
- Jagdstatistik Schweiz 2024
- Jagdstatistik Schweiz 2022
- Jagdstatistik Schweiz 2021
Verwandte Dossiers:
- Jagd in der Schweiz: Zahlen, Systeme und Mythen
- Fuchs Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby
- Waldschnepfe Schweiz: Gefährdet, gejagt und ignoriert
- Feldhase Schweiz: Gefährdet, bejagt und ignoriert
- Genf und das Jagdverbot
- Was die Hobby-Jagd die Schweiz wirklich kostet
- Jagd im Faktencheck
Quellenangaben
- BAFU, Eidgenössische Jagdstatistik, Jahrgänge 2022 und 2023, abgefragt am 21.10.2026 (jagdstatistik.ch)
- BAFU/info fauna: Rote Liste der Säugetiere, 2022 (bafu.admin.ch)
- BAFU/Vogelwarte: Rote Liste der Brutvögel, 2021 (bafu.admin.ch)
- Bundesamt für Statistik: Flächen der Kantone
Unser Anspruch
IG Wild beim Wild wertet die Eidgenössische Jagdstatistik jedes Jahr vollständig aus und stellt die Jahrgänge einander gegenüber. Hinter jeder Zahl steht ein nichtmenschliches Tier, das getötet, angeschossen oder überfahren wurde. Dieses Dossier wird ergänzt, wenn der Bund Zahlen für 2023 nachliefert oder korrigiert.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.
