21.10.2026, 08:49

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Jagdstatistik Schweiz 2022: Was die Zahlen des Bundes zeigen

Die Eidgenössische Jagdstatistik dokumentiert die gemeldeten Abschüsse und tot aufgefundenen Tiere zahlreicher wildlebender Säugetier- und Vogelarten in der Schweiz. Für 2022 weist sie 132’264 getötete Wildtiere aus, 16’112 weniger in der Kategorie «Abschuss» als im Vorjahr. Dieses Dossier gehört zur jährlichen Auswertung von Wild beim Wild; Methode, Hintergründe und Forderungen sind im Dossier zur Jagdstatistik 2025 ausführlich dargestellt.

Wer tiefer einsteigen will, findet in unserer Dossier-Übersicht die umfassendste Materialbasis.

Was dich hier erwartet

  • Die Bilanz: Getötete Wildtiere 2022 im Vergleich zu 2021.
  • Gefährdete Arten: Welche Arten der Roten Liste geschossen wurden.
  • Fuchs und Dachs: Die Unterschiede zwischen den Kantonen.
  • Genf: Fallwild und Wildschweinschäden im Kanton ohne Hobby-Jagd.
  • Vogeljagd: Krähen, Tauben, Enten und Eichelhäher.
  • Angeschossen und verendet: Tiere mit Schussverletzungen.
  • Geschützte Arten: Spezialabschüsse geschützter Arten.
  • Datenlücken: Was die Bundesstatistik nicht erklärt.
  • Was sich ändern müsste: Die wichtigsten Forderungen.
  • Argumentarium und Quicklinks: Antworten auf häufige Behauptungen, weiterführende Beiträge und die anderen Jahrgänge.

132’264 getötete Wildtiere: Die Bilanz 2022

2022 erfasste die Bundesstatistik 123’539 Wildtiere in der Kategorie «Abschuss» (2021: 139’651) und 8’725 als «Spezialabschuss» (2021: 9’411). Als Fallwild wurden 38’073 Tiere tot aufgefunden. Die ausgewiesene Zahl der Jagdausübenden lag bei 30’522.

ArtAbschuss 2022Spezialabschuss 2022Fallwild 2022Abschuss 2021
Reh42’72242217’02443’166
Rotfuchs15’4781’44410’44921’284
Rothirsch13’5432241’43412’851
Wildschwein7’9741’45967712’974
Gämse10’2161321’33210’405
Murmeltier3’826977745’814
Dachs2’9658303’8592’918

Gefährdete Arten im Visier

ArtEinstufung CHGetötet 2022Wichtigste KantoneGetötet 2021
Waldschnepfeverletzlich (VU)1’805TI 1’447, NE 122, VD 821’587
Feldhaseverletzlich (VU)1’601GR 1’073, VS 341, VD 931’479
Schneehasepotenziell gefährdet (NT)1’079GR 872, VS 83, TI 49836
BirkhahnNT, national prioritär434TI 167, VS 145, GR 119387
AlpenschneehuhnNT, national prioritär319GR 222, VS 65, UR 32324
Krickenteverletzlich (VU)76FR 28, SG 18, VS 14132
Reiherenteverletzlich (VU)56OW 19, UR 11, ZG 9164
HaubentaucherNT, national prioritär36NW 17, NE 6, OW 548
Tafelentestark gefährdet (EN)17TG 12, BE 2, SZ 249
Wildkaninchenstark gefährdet (EN)14VS 142
Schnatterenteverletzlich (VU)11TG 9, VS 211

«Getötet» umfasst «Abschuss» und «Spezialabschuss». Bei der Waldschnepfe stammen 1’447 der 1’805 Abschüsse aus dem Tessin. Beim Feldhasen entfallen 1’073 von 1’601 auf Graubünden. Bei den Vögeln beziehen sich die Einstufungen auf die Schweizer Brutbestände; welcher Anteil der Abschüsse auf Zug- oder Wintergäste entfällt, lässt sich aus der Statistik nicht bestimmen. Hintergründe: Dossiers zur Waldschnepfe, zum Feldhasen, zum Schneehasen, zum Alpenschneehuhn und zu den Wasservögeln.

Fuchs und Dachs: Grosse Unterschiede zwischen den Kantonen

KantonFüchse AbschussSpezialabschussTotal pro 100 km²Fallwild
Bern1’96427637,62’752
Luzern1’97726134,2450
Aargau1’5650111,51’035
Graubünden1’3524519,7442
Appenzell A. Rh.3547148,6125
Genf0103,5133
Tessin62875,371

Am meisten Füchse pro Fläche wurden in Appenzell A. Rh. getötet (148,6 pro 100 km²), rund 28-mal so viele wie im Tessin (5,3). Warum das Tessin kaum Füchse schiesst, erklärt das Dossier 2025. Beim Dachs wies Bern 1’022 Tiere als Fallwild aus, getötet wurden 466. Hintergründe: Fuchs-Dossier und Dachs-Dossier.

Genf: Ohne Hobby-Jagd seit 1974

In Genf wurden 2022 133 Füchse tot aufgefunden, 47,2 pro 100 km². Zum Vergleich: Aargau 73,7, Bern 46,2, Thurgau 60,2, Zürich 84,5. Fallwild hängt auch vom Verkehr ab; eine «Fuchsplage» in Genf belegen die ausgewiesenen Zahlen nicht.

An Wildschweinschäden meldete Genf 91’000 Franken, die Waadt 733’843 und der Aargau 553’297. Pro km² Kantonsfläche lag Genf mit 323 Franken auf Rang 3 von 19 Kantonen mit gemeldeten Schäden; an der Spitze stand der Jura mit 438 Franken. Die Vergleiche beschreiben gemeldete Zahlen und belegen für sich allein keine Wirkung der Jagd. Mehr: Genf und das Jagdverbot.

Vogeljagd: Krähen, Tauben, Enten und Eichelhäher

2022 wurden 26’013 Vögel jagdbarer Arten getötet (2021: 29’851).

ArtGetötet 2022Auffällige Kantone
Rabenkrähe8’811ZH 1’482, SG 1’182, AG 1’053
Haustaube5’114ZH 2’167, VD 772, SO 417
Stockente4’701SG 639, VD 570, BE 558
Waldschnepfe1’805TI 1’447, NE 122, VD 82
Kormoran1’205ZH 159, VD 146, BE 143
Eichelhäher1’173TI 487, GR 229, VS 70
Elster733BE 102, GR 101, SZ 66
Ringeltaube680NE 156, JU 119, SG 86

Beim Eichelhäher, einem nicht gefährdeten, aber für die Verbreitung von Baumsamen wichtigen Vogel, entfielen 487 Abschüsse auf das Tessin. Mehr in den Dossiers zum Eichelhäher, zu den Rabenvögeln und zu den Tauben.

Angeschossen und verendet

Als Todesursache «Schussverletzungen» weist die Statistik 2022 bei den ausgewerteten Säugetierarten 293 Tiere aus: Reh 145, Rotfuchs 72, Wildschwein 30, Rothirsch 23, Gämse 16, Dachs 7. Erfasst sind nur Tiere, die gefunden wurden.

Geschützte Arten im Spezialabschuss

2022 meldeten die Kantone Spezialabschüsse geschützter Arten, darunter 19 Graureiher, 16 Höckerschwäne, 12 Biber, 2 Graugänse. Für Wolf, Luchs und Bär liefert die öffentliche Abfrage keine Ergebnisse. Die Wolfsabschüsse dokumentiert der Wolfszähler.

Datenlücken: Was die Bundesstatistik nicht erklärt

Ob hinter einer Null eine fehlende Meldung steckt, lässt sich aus der Abfrage allein nicht sagen. Erklärungsbedürftig sind:

  • Wallis: Die Bundesstatistik weist für den Fuchs kein Fallwild aus, wie in allen Jahren seit 2016.
  • Waadt: Keine Angabe zur Zahl der Jagdausübenden; bei der Ringeltaube steht eine Null (2021: 281 getötet).
  • Glarus: Beim Murmeltier stehen null getötete Tiere, in den Jahren davor und danach 98 und 86. Bei der Stockente ebenfalls eine Null (2021: 30).

Die Methode der Auswertung beschreibt das Dossier 2025.

Was sich ändern müsste

  • Keine Hobby-Jagd auf gefährdete Arten: Waldschnepfe, Feldhase, Schneehase, Birkhahn, Alpenschneehuhn und gefährdete Entenarten gehören von der Liste der jagdbaren Arten gestrichen.
  • Vollständige und einheitliche Meldungen: Alle Kantone müssen Abschuss, Spezialabschuss und Fallwild lückenlos melden und Lücken öffentlich erklären.
  • Professionelles Wildtiermanagement: Wo Eingriffe nötig sind, sollen ausgebildete Wildhüterinnen und Wildhüter sie ausführen. Die vollständigen Forderungen stehen im Dossier 2025.

Argumentarium

«Gefährdete Arten werden nur massvoll bejagt.» 2022 wurden 1’805 Waldschnepfen und 1’601 Feldhasen getötet, beide Arten gelten in der Schweiz als verletzlich.

«Ohne Fuchsjagd gäbe es eine Fuchsplage.» In Genf, wo seit 1974 nicht gejagt wird, wurden 2022 47,2 Füchse pro 100 km² tot aufgefunden. Im Aargau, im Thurgau und in Zürich, wo jedes Jahr Hunderte bis Tausende Füchse geschossen werden, waren es mehr.

«Angeschossene Tiere sind Einzelfälle.» Allein die 2022 gefundenen Tiere mit Schussverletzungen summieren sich auf 293. Tiere, die unentdeckt verenden, fehlen in jeder Statistik.

Quicklinks

Jahrgänge der Jagdstatistik:

Verwandte Dossiers:

Quellenangaben

  • BAFU, Eidgenössische Jagdstatistik, Jahrgänge 2021 und 2022, abgefragt am 21.10.2026 (jagdstatistik.ch)
  • BAFU/info fauna: Rote Liste der Säugetiere, 2022 (bafu.admin.ch)
  • BAFU/Vogelwarte: Rote Liste der Brutvögel, 2021 (bafu.admin.ch)
  • Bundesamt für Statistik: Flächen der Kantone

Unser Anspruch

IG Wild beim Wild wertet die Eidgenössische Jagdstatistik jedes Jahr vollständig aus und stellt die Jahrgänge einander gegenüber. Hinter jeder Zahl steht ein nichtmenschliches Tier, das getötet, angeschossen oder überfahren wurde. Dieses Dossier wird ergänzt, wenn der Bund Zahlen für 2022 nachliefert oder korrigiert.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.