22.10.2026, 09:19

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Jagdstatistik Schweiz 2021: Was die Zahlen des Bundes zeigen

Die Eidgenössische Jagdstatistik dokumentiert die gemeldeten Abschüsse und tot aufgefundenen Tiere zahlreicher wildlebender Säugetier- und Vogelarten in der Schweiz. Für 2021 weist sie 149’062 getötete Wildtiere aus, 4’857 mehr in der Kategorie «Abschuss» als im Vorjahr. Dieses Dossier gehört zur jährlichen Auswertung von Wild beim Wild; Methode, Hintergründe und Forderungen sind im Dossier zur Jagdstatistik 2025 ausführlich dargestellt.

Wer tiefer einsteigen will, findet in unserer Dossier-Übersicht die umfassendste Materialbasis.

Was dich hier erwartet

  • Die Bilanz: Getötete Wildtiere 2021 im Vergleich zu 2020.
  • Gefährdete Arten: Welche Arten der Roten Liste geschossen wurden.
  • Fuchs und Dachs: Die Unterschiede zwischen den Kantonen.
  • Genf: Fallwild und Wildschweinschäden im Kanton ohne Hobby-Jagd.
  • Vogeljagd: Krähen, Tauben, Enten und Eichelhäher.
  • Angeschossen und verendet: Tiere mit Schussverletzungen.
  • Geschützte Arten: Spezialabschüsse geschützter Arten.
  • Datenlücken: Was die Bundesstatistik nicht erklärt.
  • Was sich ändern müsste: Die wichtigsten Forderungen.
  • Argumentarium und Quicklinks: Antworten auf häufige Behauptungen, weiterführende Beiträge und die anderen Jahrgänge.

149’062 getötete Wildtiere: Die Bilanz 2021

2021 erfasste die Bundesstatistik 139’651 Wildtiere in der Kategorie «Abschuss» (2020: 134’794) und 9’411 als «Spezialabschuss» (2020: 7’575). Als Fallwild wurden 41’800 Tiere tot aufgefunden. Die ausgewiesene Zahl der Jagdausübenden lag bei 30’164.

ArtAbschuss 2021Spezialabschuss 2021Fallwild 2021Abschuss 2020
Reh43’16625215’73242’969
Rotfuchs21’2841’66413’79320’953
Rothirsch12’8511961’59714’002
Wildschwein12’9741’6509098’313
Gämse10’405691’90710’694
Murmeltier5’814864794’637
Dachs2’9189294’1802’797

Gefährdete Arten im Visier

ArtEinstufung CHGetötet 2021Wichtigste KantoneGetötet 2020
Waldschnepfeverletzlich (VU)1’587TI 1’256, NE 125, VD 871’424
Feldhaseverletzlich (VU)1’479GR 971, VS 304, VD 941’892
Schneehasepotenziell gefährdet (NT)836GR 629, VS 102, TI 461’218
BirkhahnNT, national prioritär387TI 161, VS 145, GR 81527
AlpenschneehuhnNT, national prioritär324GR 229, VS 73, UR 22523
Reiherenteverletzlich (VU)164OW 45, BE 43, TG 1990
Krickenteverletzlich (VU)132FR 57, SG 32, TG 2975
Tafelentestark gefährdet (EN)49BE 17, OW 8, ZG 753
HaubentaucherNT, national prioritär48VS 24, NW 10, OW 785
Schnatterenteverletzlich (VU)11TG 9, VS 29
Wildkaninchenstark gefährdet (EN)2VS 22

«Getötet» umfasst «Abschuss» und «Spezialabschuss». Bei der Waldschnepfe stammen 1’256 der 1’587 Abschüsse aus dem Tessin. Beim Feldhasen entfallen 971 von 1’479 auf Graubünden. Bei den Vögeln beziehen sich die Einstufungen auf die Schweizer Brutbestände; welcher Anteil der Abschüsse auf Zug- oder Wintergäste entfällt, lässt sich aus der Statistik nicht bestimmen. Hintergründe: Dossiers zur Waldschnepfe, zum Feldhasen, zum Schneehasen, zum Alpenschneehuhn und zu den Wasservögeln.

Fuchs und Dachs: Grosse Unterschiede zwischen den Kantonen

KantonFüchse AbschussSpezialabschussTotal pro 100 km²Fallwild
Bern3’53852468,23’986
Luzern2’45618165,7609
Aargau2’1990156,61’208
Graubünden2’0863529,9489
Appenzell A. Rh.3394141,2174
Genf000,0167
Tessin31934,461

Am meisten Füchse pro Fläche wurden in Luzern getötet (165,7 pro 100 km²), rund 37-mal so viele wie im Tessin (4,4). Warum das Tessin kaum Füchse schiesst, erklärt das Dossier 2025. Beim Dachs wies Bern 1’083 Tiere als Fallwild aus, getötet wurden 560. Hintergründe: Fuchs-Dossier und Dachs-Dossier.

Genf: Ohne Hobby-Jagd seit 1974

In Genf wurden 2021 167 Füchse tot aufgefunden, 59,2 pro 100 km². Zum Vergleich: Aargau 86,0, Bern 66,9, Thurgau 92,5, Zürich 121,2. Fallwild hängt auch vom Verkehr ab; eine «Fuchsplage» in Genf belegen die ausgewiesenen Zahlen nicht.

An Wildschweinschäden meldete Genf 60’300 Franken, die Waadt 577’721 und der Aargau 533’400. Pro km² Kantonsfläche lag Genf mit 214 Franken auf Rang 7 von 18 Kantonen mit gemeldeten Schäden; an der Spitze stand Baselland mit 619 Franken. Die Vergleiche beschreiben gemeldete Zahlen und belegen für sich allein keine Wirkung der Jagd. Mehr: Genf und das Jagdverbot.

Vogeljagd: Krähen, Tauben, Enten und Eichelhäher

2021 wurden 29’851 Vögel jagdbarer Arten getötet (2020: 29’068).

ArtGetötet 2021Auffällige Kantone
Rabenkrähe11’145ZH 2’409, BE 2’014, AG 1’051
Haustaube4’866ZH 2’285, BS 348, TI 308
Stockente4’854BE 791, VD 546, FR 519
Waldschnepfe1’587TI 1’256, NE 125, VD 87
Eichelhäher1’570TI 450, GR 415, BE 169
Kormoran1’495BE 376, SG 133, VS 133
Ringeltaube1’179VD 281, SG 216, ZH 151
Elster866BE 185, GR 100, SZ 80

Beim Eichelhäher, einem nicht gefährdeten, aber für die Verbreitung von Baumsamen wichtigen Vogel, entfielen 450 Abschüsse auf das Tessin. Mehr in den Dossiers zum Eichelhäher, zu den Rabenvögeln und zu den Tauben.

Angeschossen und verendet

Als Todesursache «Schussverletzungen» weist die Statistik 2021 bei den ausgewerteten Säugetierarten 292 Tiere aus: Reh 121, Rotfuchs 93, Wildschwein 44, Rothirsch 23, Gämse 6, Dachs 3, Feldhase 2. Erfasst sind nur Tiere, die gefunden wurden.

Geschützte Arten im Spezialabschuss

2021 meldeten die Kantone Spezialabschüsse geschützter Arten, darunter 23 Graureiher, 15 Höckerschwäne, 9 Biber, 5 Graugänse, 2 Weisskopfmöwen. Für Wolf, Luchs und Bär liefert die öffentliche Abfrage keine Ergebnisse. Die Wolfsabschüsse dokumentiert der Wolfszähler.

Datenlücken: Was die Bundesstatistik nicht erklärt

Ob hinter einer Null eine fehlende Meldung steckt, lässt sich aus der Abfrage allein nicht sagen. Erklärungsbedürftig sind:

  • Wallis: Die Bundesstatistik weist für den Fuchs kein Fallwild aus, wie in allen Jahren seit 2016.
  • Waadt: Keine Angabe zur Zahl der Jagdausübenden.
  • Luzern: Beim Steinmarder steht beim Fallwild eine Null (2020: 40).

Die Methode der Auswertung beschreibt das Dossier 2025.

Was sich ändern müsste

  • Keine Hobby-Jagd auf gefährdete Arten: Waldschnepfe, Feldhase, Schneehase, Birkhahn, Alpenschneehuhn und gefährdete Entenarten gehören von der Liste der jagdbaren Arten gestrichen.
  • Vollständige und einheitliche Meldungen: Alle Kantone müssen Abschuss, Spezialabschuss und Fallwild lückenlos melden und Lücken öffentlich erklären.
  • Professionelles Wildtiermanagement: Wo Eingriffe nötig sind, sollen ausgebildete Wildhüterinnen und Wildhüter sie ausführen. Die vollständigen Forderungen stehen im Dossier 2025.

Argumentarium

«Gefährdete Arten werden nur massvoll bejagt.» 2021 wurden 1’587 Waldschnepfen und 1’479 Feldhasen getötet, beide Arten gelten in der Schweiz als verletzlich.

«Ohne Fuchsjagd gäbe es eine Fuchsplage.» In Genf, wo seit 1974 nicht gejagt wird, wurden 2021 59,2 Füchse pro 100 km² tot aufgefunden. Im Aargau, in Bern, im Thurgau und in Zürich, wo jedes Jahr Hunderte bis Tausende Füchse geschossen werden, waren es mehr.

«Angeschossene Tiere sind Einzelfälle.» Allein die 2021 gefundenen Tiere mit Schussverletzungen summieren sich auf 292. Tiere, die unentdeckt verenden, fehlen in jeder Statistik.

Quicklinks

Jahrgänge der Jagdstatistik:

Verwandte Dossiers:

Quellenangaben

  • BAFU, Eidgenössische Jagdstatistik, Jahrgänge 2020 und 2021, abgefragt am 21.10.2026 (jagdstatistik.ch)
  • BAFU/info fauna: Rote Liste der Säugetiere, 2022 (bafu.admin.ch)
  • BAFU/Vogelwarte: Rote Liste der Brutvögel, 2021 (bafu.admin.ch)
  • Bundesamt für Statistik: Flächen der Kantone

Unser Anspruch

IG Wild beim Wild wertet die Eidgenössische Jagdstatistik jedes Jahr vollständig aus und stellt die Jahrgänge einander gegenüber. Hinter jeder Zahl steht ein nichtmenschliches Tier, das getötet, angeschossen oder überfahren wurde. Dieses Dossier wird ergänzt, wenn der Bund Zahlen für 2021 nachliefert oder korrigiert.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.