25.10.2026, 10:28

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Podcast-Episode: Jagd, Wildtiere und Schutz

Die Jagdsaison 2026/27 in Graubünden, im Wallis und im Tessin: Wolfsabschüsse nach Quote, Jagdplanung nach Nachfrage und was 25 Jahre Jagdstatistik über das Versprechen der Regulierung verraten.

Redaktion Wild beim Wild · 25. Oktober 2026

In dieser Ausgabe von «Wild beim Wild» geht es um die laufende Jagdsaison 2026/27 in Graubünden, im Wallis und im Tessin und um die Frage, wer hier eigentlich wen reguliert. Dazu kommen Konflikte um Privatgrund und Wildunfälle, ein mit Jagdwild eingeschleppter Parasit und 25 Jahre Jagdstatistik.

Wolfsregulierung: Abschüsse nach Quote

Graubünden startet mit 4’616 geplanten Hirschabschüssen und der dritten proaktiven Wolfsregulation in Folge in die Saison, wie der Bündner Ticker dokumentiert. Der Kanton meldet einen Rekord von 88 Wolfswelpen, während die gerissenen Nutztiere bis Ende September um rund ein Drittel auf 128 zurückgingen. Laut Wolfszähler wurden seit dem 1. September mindestens 42 Wölfe getötet. In Schwyz traf die Regulierung vier Welpen des Chöpfenberg-Rudels, die individuell nachgewiesenen Rissverursacher stammten dagegen aus dem Wurf des Vorjahres.

Das Wallis wollte vier seiner elf Rudel vollständig töten lassen. Für Réchy-Anniviers verweigerte der Bund den Totalabschuss, weil die Kriterien für den Herdenschutz nicht erfüllt waren. Im Perimeter des Nanz-Rudels zählt die kantonale Tabelle seit Dezember 2023 bereits 17 getötete Wölfe, und trotzdem lebte dort erneut eine ganze Wolfsfamilie: Frei gewordene Reviere werden wieder besetzt. Im Tessin zahlt der Kanton Hobby-Jägern im Wolfsprogramm 500 Franken pro getötetem Wolf, im Wallis kostete der Abschuss einer geschützten Wölfin in Herbriggen den Schützen 300 Franken.

Jagdpolitik: Planung nach Nachfrage

In der Vernehmlassung zum Jagdgesetz fordert das Wallis Wolfsquoten und Welpenabschüsse ab Juni, die Bündner Regierung ein Regulationsfenster ab dem 1. Juni, also mitten in der Aufzuchtzeit. Der Bündner Bauernverband will höchstens zwei Rudel dulden, heute sind 19 ganz oder teilweise im Kanton präsent. Dazu kommen in Graubünden 2’159 getötete Füchse und Dachse ohne belegten wildbiologischen Nutzen, ein Wildzaun um den Schutzwald in Sumvitg für rund 1,5 Millionen Franken und die RTR-Verlosung, bei der ein Wildhüter eine Woche nach der Beanstandung der IG Wild beim Wild bei der Ombudsstelle erneut das Los für das Jagdpatent zog.

Im Tessin erklärt das Amt den Rückgang beim Reh um 30 Prozent unter anderem mit einem geringeren Jagdinteresse. Die Behörde bestätigt damit selbst, dass sich die Strecke nach den Vorlieben der Schützen richtet und nicht nach dem Bedarf, mit dem die Hobby-Jagd begründet wird.

Wildtierschutz und Konflikte

Zwei Tessiner Grossrätinnen haben eine Interrogazione eingereicht, weil Hobby-Jäger trotz Verbotsschildern einen Privatwald betreten, auf dem Esel weiden. Die jagdliche Befriedung, also das Recht von Eigentümern, die Hobby-Jagd auf ihrem Grund aus Gewissensgründen abzulehnen, spricht der Vorstoss allerdings nicht an.

Nach der Zeitumstellung fällt der Feierabendverkehr abrupt in die Dämmerung. In einer US-Studie stieg die Zahl der Hirschkollisionen in der Woche danach um 16 Prozent. Fuchs und Dachs sind Ende Oktober in allen Kantonen ausser Genf zur Jagd freigegeben, das Tessin beschränkt die Niederjagd dagegen auf das Tageslicht. Frankreich hat das Alpenschneehuhn nach einem Urteil des obersten Verwaltungsgerichts dauerhaft unter Schutz gestellt, in Graubünden und im Wallis wird es weiter geschossen. Und zum Welttag gegen die Jagd am 11. November ruft die IG Wild beim Wild um 11:11 Uhr zu einer Minute Stille auf, für die rechnerisch 341 Wildtiere, die 2025 täglich durch die Hobby-Jagd starben.

Wilderei, Parasiten und 25 Jahre Jagdstatistik

In der Sologne wurde erstmals in Frankreich der Amerikanische Riesenleberegel nachgewiesen. Der Parasit kam im 19. Jahrhundert mit Wildtierimporten für die Gehegezucht nach Europa und kann für Rehe und Gämsen tödlich sein. Bei Brescia zeigt die Operation «Pettirosso», wie organisiert die Vogelwilderei ist: 2025 beschlagnahmten die Carabinieri entlang der Zugrouten in den Voralpen über 2’460 Vögel.

Die Auswertung der Jagdstatistik 2000 bis 2025 zeigt: Die Fuchsjagd hat sich halbiert, die Vogeljagd mehr als halbiert. Beim Rothirsch dagegen wurden die Abschüsse fast verdoppelt, und der Bestand wuchs trotzdem weiter. Das Versprechen der Regulierung löst sich in der eigenen Statistik auf.

Ob Wolfsquoten, Schutzwaldzäune oder Parasiten aus Jagdgehegen: Die Kosten trägt meist die Allgemeinheit. Die Frage der Episode lautet: Wer reguliert hier eigentlich wen?

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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