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Podcast-Episode: Jagd, Wölfe und Wildtiere

Wolfsfreigaben auf Vorrat, Abschussbilanzen aus drei Kantonen und was der WWF-Bericht über 100 Jahre «Hege und Pflege» aussagt.

Redaktion Wild beim Wild · 11. Oktober 2026

In dieser Ausgabe von «Wild beim Wild» geht es um einen Herbst, in dem die Behörden mehr Abschüsse freigeben als je zuvor, während die Bilanz für die Biodiversität so schlecht ausfällt wie nie. Die Folge führt durch die Wolfsregulierung, die Jagdsaison in den Kantonen und den neuen WWF-Bericht.

Wolfsregulierung und Beutegreifer

Seit einer Änderung der Jagdverordnung kann das BAFU laut KORA eine Regulierung von Wolfswelpen bewilligen, «noch bevor deren Anwesenheit bestätigt wurde». Bei mindestens vier Bündner Rudeln lag die Zustimmung des Bundes vor dem ersten amtlichen Nachweis der Fortpflanzung. Beim Rudel Stagias vergingen zwischen dem ersten Nachweis des Wurfs und zwei toten Wölfen zwei Tage.

Die Zwischenbilanz nach fünf Wochen zeigt: Seit dem 1. September wurden mindestens 26 Wölfe präventiv getötet, das BAFU hat Freigaben für 37 Rudel erteilt. Eine Gesamtbilanz veröffentlicht keine Behörde, deshalb führt die IG Wild beim Wild den Zähler der Wolfsabschüsse laufend nach.

Rumänien gibt 969 Braunbären zum Abschuss frei. Im Jura gilt das Rudel am Mont Tendre als verschwunden, das grenzüberschreitende Rudel von Jougne hat sich in den Kanton Neuenburg verschoben. Was beim Herdenschutz strukturell fehlt, benennt der Beitrag zum Hirtenmangel auf den Alpen: Herdenschutz steht und fällt mit Menschen, die bleiben können. In Schwyz fehlte bei drei von vier Rissereignissen der Grundschutz.

Jagdsaison in den Kantonen

In Graubünden wurden im September 17 Wölfe und rund 8’400 Gämsen, Rehe und Hirsche getötet. Das Amt nennt die Bilanz «positiv». Für die IG Wild beim Wild ist eine Behörde, die das Töten von über 8’000 Wildtieren in 30 Tagen als Erfolg verbucht, nicht Wildtiermanagement, sondern Freizeitbeschäftigung mit Staatsstempel. Im Erlegerbild-Wettbewerb von RTR gewann das Bild einer Hobby-Jägerin mit einer neunjährigen Gämsgeiss, und ein Wildhüter trat eine Woche nach der Beanstandung bei der Ombudsstelle erneut als Glücksfee auf. Dabei zitiert RTR selbst eine Studie, wonach 96,1 bis 98,5 Prozent der emotionalen Reaktionen auf solche Bilder negativ ausfallen.

Im Wallis fällt die Hochjagd vollständig in die Hirschbrunft. Getötet wurden 1’607 Rothirsche und 1’617 Gämsen, 150 der Hirsche in eidgenössischen Jagdbanngebieten. Das Bundesgericht hatte 2020 festgehalten, dort dürften nur besonders befähigte Personen schiessen. Ein Steinbock der höchsten Altersklasse kostet Walliser Hobby-Jäger 5’000 Franken, übrige Schweizer 12’500 und im Ausland Wohnhafte 25’000 Franken. Wenn dasselbe Tier je nach Wohnort das Fünffache kostet, wird nicht reguliert, sondern eine Trophäe verkauft. Zur Gämsjagd zeigt die Bilanz mehr tote Tiere trotz zusätzlicher Schutzregeln.

Das Tessin zahlt 500 Franken pro getötetem Wolf, bei einem Kostendach von 250’000 Franken im Jahr. Die Tessiner Hochjagd forderte zwei Menschenleben durch Abstürze. Ein Toggenburger Hobby-Jäger erhielt 200 Franken Busse für einen in der Schonzeit erschossenen Rothirsch, den er für einen Rehbock hielt.

In Zug wies das Bundesgericht den Eilantrag der Hobby-Jäger ab: Nachsuchepflicht und Ende der Fuchsprämie bleiben vorerst in Kraft. Neuenburg erlaubt weiterhin die Jagd auf den gefährdeten Feldhasen, Freiburg öffnet seinen Faunafonds für Schiessanlagen. Und in Spanien hat sich die Zahl der Jagdlizenzen in zwanzig Jahren halbiert, während die Abschüsse einen Rekord nach dem anderen erreichen.

Wildtiere, Schutz und Biodiversität

Der Living Planet Report 2026 des WWF weist für die untersuchten Wirbeltierbestände seit 1970 einen durchschnittlichen Rückgang von 73 Prozent aus. Die Schweiz habe Aufholbedarf im Vergleich zu anderen Ländern, sagt WWF-Chef Thomas Vellacott. Das ist auch die Bilanz von über 100 Jahren «Hege und Pflege» durch die Hobby-Jäger. Als eine der wichtigsten Ursachen des Artenrückgangs nennt der Bericht die Übernutzung. Dass es anders geht, zeigt der Fischotter: einst verfolgt, kehrt er dank renaturierter Flüsse zurück.

Die Feuerwerksinitiative vom 29. November betrifft Wildtiere direkt: Wildgänse flogen in der Silvesternacht bis zu 16 Kilometer weiter als üblich. Der Fall Berngau, wo ein Hobby-Jäger zwei Behördenmitarbeitende bei einer Waffenkontrolle erschoss, wirft die Frage nach wirksamen Eignungsprüfungen auf. Zürich hat beim Waschbären kein Konzept, obwohl Deutschland zeigt, dass Bejagung die Ausbreitung nicht stoppt. Und der Beitrag zum Geweih erklärt, warum Hirsche es jedes Jahr neu aufbauen.

Mehr Freigaben, mehr Abschüsse, schwindende Bestände: Hege, die diesen Namen verdient, beginnt damit, nicht zu schiessen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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