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Spanien: Weniger Hobby-Jäger, so viele Abschüsse wie nie

Spanien zählt immer weniger Hobby-Jäger, doch die Zahl der getöteten Wildtiere steigt. Seit 2025 ist auch die Turteltaube wieder zum Abschuss freigegeben.

Redaktion Wild beim Wild — 7. Oktober 2026

In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich die Hobby-Jagd in Spanien stark gewandelt. Die Zahl der ausgestellten Jagdlizenzen ist um rund die Hälfte gesunken, von über einer Million vor zwanzig Jahren auf 568’715 im Jahr 2022. Die neuesten amtlichen Zahlen des spanischen Umweltministeriums (MITECO) für 2024 bestätigen den Trend: In Andalusien, der Region mit den meisten Hobby-Jägern, sank die Zahl der Lizenzen innert zwei Jahren von 129’714 auf 110’483.

Weniger Hobby-Jäger, mehr Abschüsse

Der Rückgang spiegelt eine veränderte Einstellung zur Hobby-Jagd und den demografischen Wandel wider. Jüngere Generationen wachsen in Städten auf und zeigen weniger Interesse an ländlichen Traditionen. Zudem schärfen Umwelt- und Tierschutzorganisationen das Bewusstsein für den Schutz der Wildtiere.

Trotzdem steigt die Zahl der getöteten nichtmenschlichen Tiere. Beim Grosswild jagt ein Rekord den nächsten: 2022 wurden rund 740’000 Tiere erlegt, 2023 rund 781’000 und 2024 laut dem Forststatistik-Jahrbuch des MITECO 826’846. Mehr als die Hälfte davon waren Wildschweine (483’110), dazu kamen 167’692 Rothirsche und 100’776 Rehe.

Insgesamt weist die Statistik für 2024 über 18,5 Millionen getötete Wildtiere aus, darunter rund 5,6 Millionen Kaninchen, 4,3 Millionen Drosseln, je rund 2,8 Millionen Tauben und Rebhühner sowie fast 200’000 Füchse. Die tatsächliche Zahl liegt höher, denn für die Kanarischen Inseln und das Baskenland fehlen vollständige Daten. Umgerechnet töten Hobby-Jäger in Spanien im Schnitt über 50’000 Wildtiere pro Tag, wobei sich die Abschüsse auf die Jagdsaison konzentrieren.

Effiziente Techniken und moderne Ausrüstung machen die verbleibenden Hobby-Jäger tödlicher. Hinzu kommt eine Industrie, die Tiere eigens für den Abschuss liefert: 2024 wurden über 3,4 Millionen Tiere, überwiegend Federwild, in die Landschaft ausgesetzt, allein in Kastilien-La Mancha über 2,3 Millionen. Die erfassten Zuchtbetriebe produzierten dafür über 1,1 Millionen Rebhühner.

Rund 85 Prozent der Landesfläche sind Jagdgebiet, die Reviere umfassen knapp 42,8 Millionen Hektar. Nur ein kleiner Teil der Lizenzen entfällt auf Frauen.

Wachtel: Regierung folgt den Hobby-Jägern, nicht der Wissenschaft

Wie gross der Einfluss der Hobby-Jäger trotz schrumpfender Zahl bleibt, zeigt die Wachtel. 2022 empfahl der wissenschaftliche Ausschuss der Regierung einstimmig, die Art als bedroht einzustufen, was ihre Bejagung beendet hätte. Das Landwirtschaftsministerium legte auf Betreiben der Hobby-Jäger-Verbände einen Gegenbericht vor. Im Februar 2025 entschied die Regierung, die Wachtel nicht in den Katalog der bedrohten Arten aufzunehmen, obwohl eine europäische Bewertung von 2024 die heutige Abschussmenge als sehr wahrscheinlich nicht nachhaltig einstuft. 2024 wurden in Spanien 847’272 Wachteln geschossen.

Turteltaube: Das Moratorium ist gefallen

Schon 2024 arbeitete das Landwirtschaftsministerium darauf hin, dass die EU-Kommission das Moratorium für die Hobby-Jagd auf die Europäische Turteltaube aufhebt. Es war 2021 eingeführt worden, um die rapide schwindende Art zu retten. Der Plan ging auf: Am 1. April 2025 gab die Kommission die Hobby-Jagd entlang der westlichen Zugroute wieder frei. Erlaubt ist eine Entnahme von bis zu 1,5 Prozent des Bestands, rund 132’000 Vögel pro Jahr. Den grössten Anteil erhielt Spanien mit 106’920 Tieren, gefolgt von Frankreich mit 10’560 und Italien mit 924.

Wie wirksam der Jagdstopp war, zeigt die Statistik: 2024 verzeichnete Spanien gerade noch 382 erlegte Turteltauben. Begründet wurde die Wiederfreigabe ausgerechnet mit der Erholung des Bestands, die das Moratorium bewirkt hatte. BirdLife Europe nannte den Entscheid «rücksichtslos und kurzsichtig» und kritisierte, dass die Kontrollsysteme der Staaten weiterhin schwach seien.

In Andalusien wird die Schraube bereits weiter angezogen. Für die Saison 2025/26 standen 35’555 Turteltauben zur Verfügung, für 2026/27 sind es laut Regionalregierung 40’338, verteilt auf vier Jagdtage im August. Abgerufen wurden 2025/26 12’230 Tiere. Zugelassen sind nur Reviere mit nachgewiesenen Lebensraummassnahmen, die Abschüsse werden per App erfasst. Weltweit gilt die Turteltaube weiterhin als gefährdet (IUCN «Vulnerable»). Wie es um die Art hierzulande steht, zeigt der Beitrag «Turteltaube in der Schweiz», warum leise Arten im Artenschutz so oft verlieren, «Turteltauben sterben leise, Wale laut».

Eine schrumpfende Minderheit mit grossem Einfluss

Spanien zeigt ein Muster, das sich in vielen Ländern Europas wiederholt: Die Zahl der Hobby-Jäger sinkt, ihr politischer Einfluss bleibt. Ob bei der Wachtel, der Turteltaube oder beim Wolf, für dessen Abschuss Asturien trotz mehrerer Gerichtsurteile erneut grünes Licht gab: Die Interessen einer schrumpfenden Minderheit setzen sich gegen wissenschaftliche Empfehlungen durch. Wie die Hobby-Jäger-Verbände auf EU-Ebene Politik machen, zeigt der Beitrag «Der Jagdsumpf ist überall». Wie spanische Anbieter um Kundschaft aus der Schweiz werben, beleuchtet «Wie spanische Anbieter Schweizer Hobby-Jäger umwerben».

Dass der Nachwuchs fehlt, ist kein spanisches Phänomen. Den europäischen Vergleich und den deutschen Sonderfall zeigt «Jagd im Rückgang, Jagdscheine im Rekord». Belege zu den ökologischen Folgen der Hobby-Jagd bündelt die Studienseite «Jagd im Faktencheck».

Genau so machen Hobby-Jäger überall die Biodiversität kaputt.

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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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