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Rumänien verdoppelt Abschussquote: 969 Braunbären zum Abschuss freigegeben

Nach erfolglosen Einwänden des Präsidenten sieht Rumäniens neues Gesetz 969 Abschüsse vor, die grosse Mehrheit betrifft nicht nachweislich gefährliche Bären.

Redaktion Wild beim Wild — 6. Oktober 2026
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Rumäniens Staatspräsident Nicușor Dan hat am Montag, 5. Oktober 2026, das Gesetz zur Reduktion des Bärenbestands unterzeichnet.

Es sieht für 2026 den Abschuss von 859 Braunbären «aus Präventionsgründen» und von weiteren 110 Tieren im Rahmen von Interventionen vor, wenn sie Menschen gefährden. Insgesamt sind das 969 Bären. In Kraft tritt das Gesetz mit der Veröffentlichung im Amtsblatt. Das Abgeordnetenhaus hatte die Vorlage am 16. September erneut verabschiedet, wie Euronews berichtet. Initiiert hat das Gesetz die Demokratische Allianz der Ungarn in Rumänien (RMDSZ), die die doppelte Quote auch für 2027 fordert.

Zum Vergleich: Für 2024 und 2025 lag die Quote bei 426 Bären zur Prävention und 55 zur Intervention, also bei 481 Tieren. Wild beim Wild hat bereits 2023 über den damaligen Plan berichtet, jährlich bis zu 426 Bären zu töten.

Was der Präsident beanstandet hatte

Dan hatte das Gesetz im Mai beim Verfassungsgericht angefochten. Laut Romania Insider machte er geltend, Überwachungs- und Präventionsmechanismen seien unvollständig und das Gesetz könnte gegen EU-Umweltrecht verstossen. Unter Berufung auf Agerpres berichtete das Portal zudem, die Präsidialverwaltung halte den präventiven Abschuss für möglicherweise unverhältnismässig, solange nicht wissenschaftlich belegt sei, dass der Bestand übermässig gross ist und mildere Massnahmen nicht genügen. Ohne digitales Echtzeit-Monitoring lasse sich die Einhaltung von 859 Abschussbewilligungen zudem gar nicht überprüfen.

Das Verfassungsgericht wies die Beschwerde zurück. Im August schickte Dan das Gesetz zur Neuberatung ans Parlament, das die Fassung des Senats jedoch unverändert erneut beschloss. Damit musste Dan es gemäss der rumänischen Verfassung ausfertigen. Seine fachlichen und rechtlichen Einwände waren damit nicht ausgeräumt.

«Präventiv» heisst nicht «gefährlich»

Euronews hält ausdrücklich fest, dass die beiden Kategorien nicht gleichzusetzen sind: Bei der grossen Mehrheit der freigegebenen Bären handelt es sich nicht um nachweislich gefährliche Tiere. Für sie ist damit keine individuelle Gefährlichkeit nachgewiesen.

Die Konflikte sind real. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden in Rumänien fast 30 Menschen bei Bärenangriffen getötet. Im Kreis Covasna registrierten die Behörden in den ersten acht Monaten 2026 rund 300 Notrufe wegen Bären in Ortschaften und zwei Angriffe. Gleichzeitig räumte der dortige Präfekt ein, dass die Quote dieses Jahr nicht mehr zu erfüllen sei: Von 86 vorgesehenen Abschüssen in der Region waren erst 30 vollzogen.

Das deckt sich mit einer Kritik von WWF Rumänien aus dem Jahr 2024: Die Präventions- und Interventionsquoten seien laut der Organisation Jahr für Jahr nicht ausgeschöpft worden. Der WWF kritisierte zudem, dass bereits das Gesetz von 2024 den präventiven Abschuss auch für ausländische Hobby-Jäger öffne, und sprach von einem Trophäenjagd-Gesetz. Wie EU-Schutzregeln bei Beutegreifern ausgehebelt werden, zeigt auch unser Beitrag zur Wolf-Trophäenjagd.

Bestandszahl ist kein Wirksamkeitsnachweis

Eine genetische Studie im Auftrag des Umweltministeriums schätzte den Bestand im April 2025 auf 10’419 bis 12’770 Braunbären. Damit lebt in Rumänien die grösste Bärenpopulation der EU. Die Bestandsschätzung allein beantwortet jedoch nicht, ob die festgelegte Abschussquote notwendig und geeignet ist, Konflikte mit Menschen zu vermindern. Der Braunbär ist nach der FFH-Richtlinie der EU streng geschützt, Abschüsse sind nur als begründete Ausnahme zulässig. Laut Tamedia-Berichterstattung hat die Welttierschutzgesellschaft eine Petition an die EU-Kommission gestartet, die die wissenschaftliche Grundlage und die Rechtmässigkeit des Gesetzes überprüfen lassen soll.

Băile Tușnad: Was Koexistenz bewirken kann

Ein Gegenbeispiel liefert der Kurort Băile Tușnad im Szeklerland. Laut einer im Juli 2024 veröffentlichten Agenturmeldung unter Berufung auf WWF sank die Zahl der Bären-Warnmeldungen dort nach einem Programm zur Koexistenz von Mensch und Bär von 238 zu Projektbeginn auf bis dahin vier im Jahr 2024. Die Umweltorganisation fordert seit Jahren, Prävention ins Zentrum zu stellen, statt die Abschusszahlen hochzuschrauben.

Wie unterschiedlich Europa mit Bären umgeht, zeigen auch ein italienisches Dorf, das gelernt hat, mit seinen Bären zu leben, sowie die Abschusspolitik in Slowenien und Schweden.

Kommentar: Quote statt Konzept

Eine höhere Abschussquote ist noch kein Sicherheitskonzept. Der Grossteil der vorgesehenen Abschüsse setzt keine nachgewiesene individuelle Gefährlichkeit voraus. Politisch bemerkenswert ist nicht die Unterschrift des Präsidenten, sondern dass das Parlament das Gesetz trotz seiner Einwände zu Verhältnismässigkeit und Kontrolle unverändert erneut beschloss. Băile Tușnad zeigt dagegen, welches Potenzial konkrete Koexistenzmassnahmen haben. Entscheidend ist nicht, wie viele Bären getötet werden dürfen, sondern ob die Konfliktursachen vor Ort beseitigt werden. Auch für die Schweiz, wo seit 20 Jahren wieder Bären einwandern, ist das die relevantere Lehre aus Rumänien.

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Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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